Bücherwurmloch

we_read_indie_headerBlogger-Allianz für Independent-Verlage
Independent-Verlage sind vielfältig, wichtig und inspirierend. Independent-Verlage brauchen Unterstützung. Deshalb haben sich sieben Bloggerinnen zusammengeschlossen, um die Kleinverlagskultur zu stärken. Der Impuls dafür war der erfolgreiche Indiebookday am 23. März 2013. An diesem Tag hat sich nämlich die Klappentexterin alias Simone Finkenwirth gedacht, dass es doch schön wäre, sich nicht nur einmal im Jahr den Büchern aus unabhängigen Verlagen zu widmen – sondern immer. So entstand die Idee zu »We read Indie«, ein Gemeinschaftsprojekt, das ich euch heute hochoffiziell vorstellen möchte. Mit an Bord sind: die Klappentexterin , Dorota Federer (Bibliophilin), Mara Giese (buzzaldrins Bücher), Svenja Hoch (syn-ästhetisch), Caterina Kirsten (SchöneSeiten), Ada Mitsou (Ada Mitsou liest…) und – juhu! – das Bücherwurmloch.
Auf »We read Indie« berichten wir über Indiebooks und die Kleinverlagskultur – hauptsächlich in Form von Rezensionen über selbst ausgewählte Bücher, aber auch Interviews, Porträts und andere spannende Beiträge sind genauso geplant wie Gastbeiträge von anderen Bloggern und Bloggerinnen.

Was verstehen wir unter „Indie-Verlag“?
Unser Augenmerk liegt ganz klar auf traditionellen Buchverlagen. Bei der Überlegung, welche Verlage wir berücksichtigen wollen, stellen die Kriterien der Kurt-Wolff-Stiftung eine erste wichtige Orientierung dar, aber auch die Listen des Goethe-Instituts sowie auf Tubuk bieten einen guten Überblick über die Landschaft der Indie-Verlage. „Indie“ bedeutet in erster Linie natürlich konzernunabhängig, darüber hinaus schauen wir jedoch auch auf die Größe der Verlage. Einige der Publikumsverlage – wie zum Beispiel Diogenes oder Hanser – sind zwar genau genommen unabhängig, verfügen aber im Vergleich zu den kleinen Verlagen über deutlich mehr Ressourcen (personeller und vor allem finanzieller Art), um aus eigener Kraft auf sich aufmerksam zu machen. Das wichtigste Kriterium von allen ist allerdings unser persönlicher Geschmack: Nicht nur die Verlage, denen wir uns widmen, sind indie, auch wir selbst haben den Anspruch, es zu sein. Die Bücher, die wir lesen und rezensieren, wählen wir also nach unseren eigenen Vorlieben aus. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir nicht allen Anfragen von Verlagen nachkommen können.

Wir freuen uns sehr über den großen Zuspruch, den wir bereits vergangene Woche auf unserer Facebook-Fanpage erfahren haben, verneigen uns dafür und sind gespannt auf das Blogprojekt der besonderen Art.

Es grüßen Mariki und das gesamte „We read Indie“-Team!

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http://readindie.wordpress.com | http://www.facebook.com/wereadindie | wereadindie@gmail.com
Illustrationen © karenina illustration

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IMG_0711So many writers, so little time
Ich habe eine Horrorvorstellung, die geht so: Jedes Jahr im Sommer muss ich an demselben Ort Urlaub machen. Nach 25 Jahren bekomme ich vom Bürgermeister eine Stammgastmedaille. Das würde ich nicht ertragen – ich werde ganz kribbelig beim Gedanken, öfter als einmal an den gleichen Ort reisen zu müssen und all die anderen Städte, Strände und Länder nicht sehen zu können. Genau so geht es mir mit Büchern. Sie sind die Reisen, die ich täglich mache, auch wenn ich keinen Urlaub habe – und sie sollen verschieden sein, jede für sich genommen ein einzigartiges Erlebnis, wie unterschiedliche Länder am besten. Allerdings nur in Hinblick auf den Autor und den Inhalt, nicht auf das Genre, da bin ich unflexibel – Chicklit, Vampire-Stories und Thriller kommen nicht in meinen Koffer.

Früher war ich ein Serienjunkie. Mit 17 habe ich die Krimis von Elizabeth George und Andrea Camilleri geliebt, und ich weiß, wie schön es ist, stets aufs Neue zu einer bekannten Buchfigur zurückzukehren. Dann hatte ich meine erste ernste Beziehung mit einem Schriftsteller: John Irving. Viele lange Jahre war ich ihm treu, doch eines Tages war klar, dass wir uns auseinandergelebt hatten, und wir haben uns im Guten getrennt. Danach wurde ich rastlos. So many writers, so little time – ich ziehe von einem zum anderen und lese seit Jahren nur noch selten mehr als ein Buch vom selben Autor. Allzu oft habe ich es auch ganz einfach bereut. Es ist eine Pattsituation: Gefällt mir ein Roman nicht, lese ich ganz sicher keinen zweiten aus derselben Feder, ich bringe nicht die Geduld für eine zweite Chance auf. Finde ich ein Buch dagegen genial, wird es schwierig: Ein zweites Werk hält eventuell nicht, was das erste versprach. So ging es mir, um nur ein paar Beispiele zu nennen, mit Lloyd Jones (Mr. Pip war hervorragend, Here at the end of the world we learn to dance war ein Flop), Colum McCann (Zoli war ein Meisterwerk, Der Himmel unter der Stadt arg enttäuschend), Gerbrand Bakker (von Oben ist es still war ich begeistert, Tage im Juni hat mich gelangweilt), Jeffrey Eugenides (Middlesex gehört zu meinen Lieblingsbüchern, The marriage plot war unglaublich schlecht) … und vielen anderen. Die einzigen zwei Schriftsteller, die durch mein engmaschiges Netz geschlüpft sind und von denen ich auch die Neuerscheinungen lese, sind Milena Agus und Per Petterson. Das ist aber eher Zufall als Plan.

Inzwischen habe ich eine echte Marotte entwickelt. Ich bewundere Leser, die große Fans eines Autors sind, seinem neuen Werk entgegenfiebern und seine Entwicklung verfolgen. Vielleicht beneide ich sie auch ein bisschen, denn ich schränke mich selbst stark ein mit meiner merkwürdigen Abneigung. Ich lese ein Buch, danke dem Autor mit einem Lächeln, grüße freundlich und reise weiter – manchmal würde ich aber möglicherweise gern ein Weilchen bleiben. Ich habe jedoch zu viel Angst, etwas zu verpassen. Wie geht es euch damit? Führt ihr enge Beziehungen mit manchen Schreibern oder habt ihr auch lieber One-Book-Stands? Seid ihr der Meinung, dass ich umgekehrt viel verpasse, weil ich so engstirnig bin? Gibt es eine Serie, die ihr liebt – und warum? Ich bin auf eure Antworten gespannt. Und fahre derweil auf Urlaub.

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WichtigLebensliteratur
Letzte Woche bin ich 30 Jahre alt geworden. Was das mit Büchern zu tun hat? Auf den ersten Blick nichts. Und gleichzeitig alles. Weil das Lesen mein ganzes Leben prägt – und weil ein runder Geburtstag immer Anlass gibt für eine Art Zwischenbilanz. Was hab ich erreicht, gesehen, erlebt, welche Wünsche sind in Erfüllung gegangen, welche Wunden verheilt? Und: Welche Bücher haben mich verändert? Bücher haben mich zu dem gemacht, was ich bin – Lektorin und Texterin – , ich verbringe meine Freizeit mit Büchern, ich träume davon, sehne mich danach – sie sind mir wichtig. Also habe ich mich pünktlich zum Jubiläumsgeburtstag vor mein Regal gestellt, ich besitze ja nur eins, und habe die wenigen Buchrücken betrachtet, die mir wichtig genug sind, dass sie bei mir bleiben dürfen, und habe mich gefragt, welche davon die größte Wirkung auf mich gehabt haben. Die Auswahl ist mir überraschend leicht gefallen. Viele, viele, viele Bücher haben mich beeindruckt, berührt, meinen Horizont verändert. Diese hier gehören zu den wichtigsten meines Lebens:

Michael Ende: Die unendliche Geschichte
Es war sicher nicht das Buch, mit dem alles begann, weil ich schon davor gelesen habe. Aber es war das Buch, mit dem alles begann. Nie werde ich das Gefühl vergessen, als ich mit acht Jahren zum ersten Mal begriff, wie mächtig, wie unendlich die Fantasie ist. Michael Ende öffnete mir die Tür zu einem Reich, das ich niemals mehr verlassen wollte: zur Welt der Literatur. Dem Paradies, gewissermaßen.

Astrid Lindgren: Mio, mein Mio
Astrid Lindgren war genial und in meinen Augen die beste Kinderbuchautorin der Welt. Ich besitze fast nichts aus meiner Kindheit, aber Pippi und Ronja, die Brüder Löwenherz und Klingt meine Linde sind immer bei mir. Astrid Lindgrens unsterbliches Werk habe ich Zeile für Zeile verschlungen und geliebt. Mio, mein Mio ist ein unfassbar trauriges, stolzes, mutiges Buch, das mir für immer viel bedeuten wird.

Arundhati Roy: The God of small things
Arundhati Roy markiert einen Wendepunkt in meiner literarischen Persönlichkeitsfindung. Nach dem Hanni-und-Nanni-Genre, vielen Biografien, Hohlbein-Fantasy und zahlreichen Krimis habe ich mit 15 The God of small things gelesen. Und war elektrisiert. Zu Tränen gerührt. Fassungslos. Verstört. Und glücklich. Ich wusste plötzlich, dass ich die Entdeckungsreise ernsthaft angehen musste: Die „echte“ Literatur wartete auf mich.

Javier Marias: Mein Herz so weiß
Den Beginn dieser Entdeckungsreise machte Javier Marias. Seine endlosen Sätze legten sich wie Schlingen um mich, und ich musste mir den Zugang zur Geschichte hart erkämpfen. Das hat sich gelohnt, und ich habe gemerkt, dass es nicht das Gefällige ist, das ich suche, sondern dass ich durchaus interessiert bin an der Herausforderung.

Peter Hoeg: Der Plan von der Abschaffung des Dunkels
„Ich glaube, es war Liebe. Ist man ihr einmal begegnet, dann will man nicht mehr sinken. Dann sehnt man sich für immer nach dem Licht und der Oberfläche.“ Das ist mein Lieblingszitat aus diesem Buch. Die Geschichte ist tieftraurig und ging mir an die Substanz. Ich habe mich mehr denn je in Worte verliebt, in ihre Melodie, wenn sie klingen, in die Poesie, die sie bilden können.

José Saramago: Die Stadt der Blinden
Was für ein Kaliber! Dieses Buch hat mich niedergestreckt. Und mich wachgerüttelt. Es hat mir gezeigt, dass mit Worten alles, alles möglich ist, dass wir damit erschaffen können, was nicht existiert, und beschreiben können, was wir empfinden. José Saramago hat mich innerlich umgegraben, und das war gut so.

Yann Martel: Life of Pi
Es gab eine Zeit, da habe ich mich viel mit Religion beschäftigt – ich war sieben Jahre lang Ministrantin, ehe ich mit 18 aus der katholischen Kirche ausgetreten bin. Yann Martel hat einen sensiblen Punkt in mir berührt, indem er mit diesem Buch so wunderbar zeigt, dass alle Religionen Geschichten sind – weil Menschen Geschichten brauchen, weil Gott eine gute Geschichte ist. Das hat mir viel bedeutet und es hat dazu beigetragen, mich tolerant und offen zu machen, ich konnte all das Erlebte besser loslassen.

John Irving: A prayer for Owen Meany
Als ich 17 war, hatte ich meine erste ernste Beziehung mit einem Autor: John Irving. Es fing an mit A widow for one year, und als ich A prayer for Owen Meany in die Finger bekam, war es um mich geschehen. Ich wusste, dass Literatur für mich so sein musste wie dieses Buch: wild, verrückt, unfassbar klug, ergreifend, sinnvoll. Nach vielen Jahren und vielen Büchern haben wir uns, wie es oft der Fall ist in einer Liebesbeziehung, ein wenig aus den Augen verloren und im Guten getrennt. Aber John Irving gehört für mich persönlich nach wie vor zu den genialsten Autoren überhaupt, und alle anderen müssen sich mit ihm messen.

Per Petterson: Pferde stehlen
Mit diesem Buch war die Suche nach meinem literarischen Ich sozusagen abgeschlossen. Mit dieser Lektüre wurde mir klar, dass ich angekommen war – bei dem Stil, den ich liebe, und bei mir selbst. Ich will es melancholisch und ein bisschen schwierig, ich will es tiefgründig, klug und berührend. Ich will Bücher, die mich nicht in Ruhe lassen und die Gefühle in mir auslösen.

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Ein reiches Jahr …
… in jeder Hinsicht war 2012 für mich: erlebnisreich, erfolgreich, abenteuerreich, sonnentagereich, glücksreich und bücherreich. Unfassbarerweise habe ich in diesem Jahr zum ersten Mal in meinem Leben 114 Bücher verspeist, genossen, gelesen, verschlungen. Das ist ein neuer Rekord, und all diese Bücher haben mich ebenfalls bereichert, sie haben mich unterhalten, mir neue Welten geöffnet, meinen Horizont erweitert und mich in weit entfernte Länder mitgenommen, wo ich Zeit mit vielen liebenswerten, merkwürdigen und interessanten Figuren verbringen durfte. Aus dieser Menge meine persönlichen Highlights zu fischen, ist freilich schwer. Dennoch gibt es drei Bücher, die – neben all den anderen guten – mir besonders im Gedächtnis geblieben sind und die für mich zu den Besten 2013 gehören:

Mein Lieblingsbuch 2012 ist Wahr von Riikka Pulkkinen. Ich habe mich erst auf den zweiten Blick in dieses Buch verliebt, und dafür umso heftiger, und es hat wirklich Eindruck bei mir hinterlassen.

Verliebt habe ich mich auch – wie die halbe Blogwelt und viele andere Leser – in Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flašar, das mich mit seiner schönen, klaren Sprache und der Herzensgeschichte zutiefst berührt hat.

Heitere, unbeschwerte Stunden hat mir Zwitschernde Fische von Andreas Séché geschenkt, dessen Entdeckung mich sehr gefreut hat, denn es ist das perfekte Buch für Bibliophile wie mich.

Seche

Pulkkinen

Flasar

 

 

 

 

 

 

Da ich mich durch 114 Bücher gesiebt habe, habe ich in diesem Jahr viel Gold gefunden. Und all dieses Gold ist es wert, hier erwähnt zu werden. Das sind die 18 besten Bücher im Bücherwurmloch 2012:
Kein Wort mehr über Liebe von Hervé Le Tellier
Über Meereshöhe von Francesca Melandri
Die hellen Tage von Zsuzsa Bánk
Das Meer am Morgen von Margaret Mazzantini
Schlagmann von Eva Simeoni
Hauptsache nichts mit Menschen von Paul Bokowski
Fegefeuer von Sofi Oksanen
Das Gleichgewicht der Haie von Caterina Bonvicini
Als Gott ein Kaninchen war von Sarah Winman
Katzenberge von Sabrina Janesch
Am Schwarzen Berg von Anna Katharina Hahn
Liebe und andere Versprechen von Andrea Bajani
Fremdling von Sybille Knauss
Nach dir, Max von Leena Parkkinen
Reise ins Mondlicht von Antal Szerb
Olive Kitteridge von Elizabeth Strout
Anatomie einer Affäre von Anne Enright
Jacob beschließt zu lieben von Catalin Dorian Florescu

Weit über 30 Bücher haben es außerdem geschafft, mich derart zu beeindrucken, dass ich sie mit 4 Punkten bewertet habe – und zusammen mit den absoluten Highlights ergibt das eine beachtliche Zahl an schimmernden Nuggets, die ich gefunden habe und die mich glücklich gemacht haben. Ich bedanke mich von Herzen bei all den lieben Pressemenschen, die mich 2012 so großzügig mit wunderbaren Leseexemplaren versorgt haben, und bei euch, all meinen Leserinnen, Lesern und Blogkollegen, für den großartigen Austausch, der mein Leben ebenfalls reicher macht und den ich nicht mehr missen möchte. Ich freu mich auf ein ebenso spannendes Jahr 2013 und wünsche euch einen guten Rutsch!
Mariki

Winman

Bonvicini

Janesch

Bajani

Knauss

Hahn

Parkkinen

Enright

Florescu

Oksanen

Simeoni

Bokowski

Mazzantini

BánkStrout

Melandri

Szerb

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Wenn es so schön raschelt unterm Christbaum …
… dann kommt vielleicht, wenn das Geschenkspapier zerknüllt ist, ein Buch zum Vorschein. Zumindest hoffe ich selbst darauf, denn mein Wunschzettel ist auch dieses Jahr mit Büchern gefüllt – und was Besseres kann das Christkind mir nicht bringen. Seit einiger Zeit wage ich es auch wieder, selbst Bücher zu verschenken … was ja immer ein bisschen riskant ist. Selbst wenn man ein Buch wählt, von dem man selbst beeindruckt war, bedeutet das freilich nicht, dass es dem Beschenkten ebenfalls so geht. Aber einen Versuch ist es immer wert! Und wenn ihr noch nicht so recht wisst, welches Buch es denn bitteschön sein soll, hab ich hier ein paar Tipps für euch, ganz spontan nach dem Motto „Ohja, das hat mir gefallen, das kann ich empfehlen!“ aus dem Bücherwurmloch-Fundus gezogen. Heiteres ist ebenso dabei wie Perfides, Melancholisches genauso wie Amüsantes. Die ausführlichen Rezensionen dazu könnt ihr natürlich hier im Bücherwurmloch nachlesen. Vielleicht findet ihr etwas, das zu demjenigen passt, den ihr beschenken möchtet. Damit es so wunderbar raschelt unterm Christbaum – auch wenn Weihnachtspapier längst weg ist …
Seethaler

Krauss

Petterson Pferde

Jones

Parks

Koch

Flasar

Parkkinen

Siepen

Erdrich

Jordan

Melandri

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IMG_395924 Grüße vom Nikolaus
Der Nikolaus hat mich besucht und weil ich – wie könnte es anders sein – immer unfassbar brav war, hat er mir was ganz Besonderes mitgebracht: Das Buch der Wünsche von Peter Mathews. Warum es so besonders ist? Weil man es erst öffnen muss, um es lesen zu können. Nicht öffnen im herkömmlichen Sinn allerdings. Nein, aufschneiden! Jede Doppelseite ist wie das Kästchen eines Adventkalenders. Verziert sind die 24 Doppelseiten mit Illustrationen von Nic Klein. Drinnen wartet die Geschichte, und da muss ich erst mal drankommen. Wobei ich noch nicht weiß, wie ich es schaffen soll, tatsächlich ein Buch zu zerschneiden … Aber umso gespannter bin ich auf den Inhalt dieses einzigartigen Adventkalenders! Und euch wünsche ich von Herzen eine stressfreie, entspannte und unvergesslich schöne Vorweihnachtszeit.

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Vom Lesen über das Lesen
Erst vor drei Jahren habe ich angefangen, mich mit der Blogwelt zu beschäftigen – als ich selbst das Bücherwurmloch gegründet habe. Die Zahl der Blogs geht wohl ins Unendliche, und viele davon haben die Literatur zum Inhalt. Dabei gibt es, wie ich schnell festgestellt habe, Blogs, deren Buchauswahl sich eher mit meiner deckt als die anderer. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich jene Perlen gefunden habe, die heute meine Blogroll schmücken und die ich sehr schätze. Je intensiver ich mich mit der Art, wie Blogger rezensieren, auseinandergesetzt habe, umso mehr ist mir etwas aufgefallen: der große Unterschied zwischen dem Feuilleton und den Buchblogs.

Dieser Unterschied besteht für mich in erster Linie darin, dass die professionellen Rezensenten gern den Eindruck vermitteln, allwissend zu sein, indem sie ihre subjektive Meinung als objektiv hinstellen. Sie zeigen sich gebildet und belesen, machen Querverweise und werfen mit Fremdwörtern um sich. Es ist beispielsweise von „karnevalesker Mythentravestie“ die Rede, von „kapriolenschlagenden Versen“, „Sprachpartitur“ und „der Kontrollierbarkeit von literarischen Eskalationsprozessen“. Das sind nun natürlich banale und nur kurz gefasste Gedanken über das Feuilleton, die so oder ähnlich in vielen Köpfen schwirren und nicht fundiert sind. Ich lese durchaus gern Rezensionen, die mich derart umfassend formulieren, aber ich finde sie auch oft genug anstrengend, obwohl ich einen Magistertitel habe.

Buchblogs dagegen machen’s persönlich. Sie sind anders, weil sie subjektiv sind – und das auch zugeben. Ein Blogger schreibt über ein Buch und erzählt, was es mit ihm gemacht hat, wie es sich angefühlt hat, diesen Roman zu lesen, was es ihm gebracht hat. Die Königin dieser Art des Rezensierens ist mit Sicherheit die Klappentexterin, die von ihren Fans und mir dafür geschätzt wird, dass sie die richtigen Worte für ihre Gefühle bei der Lektüre findet. Das gelingt auch der Bibliophilin, Caterina, Svenja und Ada, um nur einige wenige ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu nennen, bei denen ich gern stöbere.

Es hat seine Zeit gebraucht, bis ich meinen eigenen Weg gefunden habe, denn anfangs habe ich mich dagegen gewehrt, zu viel von mir in meine Rezensionen zu legen. Ich dachte, sie müssten so distanziert und altklug sein, wie ich es gelernt hatte. Und diese Rezensionen waren nicht gut. Erst als ich zugelassen habe, dass das Wörtchen „ich“ in meinen Besprechungen vorkam, fiel es mir leichter, von meiner Lektüre zu berichten und Begeisterung oder Enttäuschung zu formulieren. Denn darum geht es doch: Bloggen ist, meinen Freunden zu sagen, was mir gefallen hat und warum.

Das Bloggen ist zudem kein Dozieren, sondern ein Miteinander, das is einem Medium stattfindet, in dem ganz einfach und direkt kommentiert und diskutiert werden kann. Die Blogger sind eine virtuelle Gemeinschaft, die sich eng vernetzt und durchaus zum „Multiplikator“ für ein Buch werden kann. Die Erfolgsgeschichte mancher Titel – wie aktuell „Fifty Shades of Grey“ – zeigen, dass die Blogger-Community eine Größe ist, die man ernst nehmen muss.

Es sei dahingestellt, wem welcher Stil besser gefällt, wer sich bei den Hobbyrezensenten oder den Profis besser aufgehoben fühlt. Es lässt sich mit Sicherheit viel darüber diskutieren, weil das Ansehen der Blogger oft nicht groß ist und sie als Laienrezensenten abgestempelt werden, denen man jegliche Ahnung über Bücher abspricht. Was aber bedeutet das? Muss man Literaturwissenschaften studiert haben, um eine Meinung über ein Buch haben und kundtun zu dürfen? Ist nicht vielleicht in der heutigen Zeit mit der neuen Art der Kommunikation ein direkterer, unverfälschter Weg besser bzw. spricht er nicht vielleicht mehr neue Leser an, die nicht die Sprache des Feuilletons sprechen? Darüber will ich nicht urteilen. Aber ich will sagen, dass ich Buchblogs mag.

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Grimm & Co. in 160 Zeichen
Vor einiger Zeit habe ich einen Zeitungsartikel über die Bibel und ihre neue Erscheinungsform geschrieben: Sie wurde nämlich getwittert. Das war verrückt und womöglich blasphemisch, aber ich vertrete die Einstellung, dass es gut ist, wenn überhaupt gelesen wird. Und ich kenne als (wenig ins Historische verliebte) Linguistin das Begehren nicht, alte Sprachzustände zu erhalten, denn Sprache ist lebendig und immer in Bewegung. Deshalb finde ich es originell, wenn die Bibel getwittert wird. Und ich finde es lustig, wenn die berühmten Grimm’schen Märchen aus dem beginnenden 19. Jahrhundert 200 Jahre später in nur 160 Zeichen erzählt werden – wie in einer SMS. Dieses Sprachexperiment hat nun der Italiener Fabian Negrin gewagt – und Rosemarie Griebel-Kruip hat seine Märchen verblüffend genial ins Deutsche übertragen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie das aussehen soll? Ich zeige es euch:

Fabian Negrin hat auch eigene SMS-Märchen kreiert und die Mini-Kurzgeschichten mit sehr schönen Scherenschnitt- bzw. Schattenriss-Illustrationen geschmückt. Die Idee für das Buch hatte er angeblich auf einer Zugfahrt, auf der er seiner Freundin seine kreativen Einfälle per Handy schickte. Sie mussten somit in das Format einer SMS passen. Und das Witzige daran ist: Die Märchen funktionieren. Sie sind extrem kurz, aber sie erzählen dennoch eine Geschichte. Nicht immer die Geschichte, die wir aus unserer Kindheit kennen. Aber umso besser. Mehr Geschichten braucht das Land! Auch, wenn sie nur 160 Zeichen haben. Und wenn ihr der Meinung seid, dass ihr das auch so gut könnt wie Fabian Negrin, schickt doch einfach eine SMS mit eurem 160-Zeichen-Märchen an den Verlag unter 0049/172/140 47 36. Als Antwort bekommt ihr ein 14. Märchen gratis, die schönsten Märchen werden außerdem auf der Website vorgestellt. Euer Märchen könnt ihr natürlich auch auf Facebook posten: www.facebook.com/smsmaerchen.

Gewinnen, gewinnen!

Wer kein Märchen schreiben, aber trotzdem etwas gewinnen will, der errät einfach, welches das oben gezeigte Märchen ist. Schreibt mir eine Nachricht an buecherwurmloch@hotmail.com oder unter www.facebook.com/buecherwurmloch! Einsendeschluss ist der 31. Mai 2012, der Gewinner wird per Zufall ermittelt. Und was es zu gewinnen gibt? Natürlich ein nagelneues Exemplar der SMS-Märchen! Das andere hat sich schon mein Sohnemann geschnappt. Viel Glück!

SMS Märchen von Fabian Negrin ist erschienen im mixtvision Verlag, der schöne Kinderbücher publiziert (ISBN 978-3-939435-44-0, 36 Seiten, 13,90 Euro).