Bücherwurmloch

  1. 11781779_1192092407473040_7961144644467498247_nPlötzlich ist da jemand, der die Welt der Fantasie noch nicht kennt. Dem ich die Tür in diese Welt öffnen kann, den ich einladen kann, mir dorthin zu folgen, wo ich seit so vielen Jahren zuhause bin.
  2. Durch das Vorlesen erlebe ich das Lesen neu. Ich teile es. Die Worte sind nicht mehr nur in meinem Kopf, die Geschichte kommt aus dem Buch heraus, alle können sie hören, mitfühlen, an ihr teilhaben. Ich kann meinen Kindern Abenteuer schenken.
  3. Mein Sohn war von Anfang an ein Sitzenbleiber und Zuhörer, und es gibt kaum einen bezaubenderen Anblick als den seines konzentrierten Gesichts, wenn er mit staunenden Augen und offenem Mund einer Geschichte lauscht.
  4. Jeden Morgen, wenn wir alle vier hektisch durch die Wohnung sausen, ich die Kindergartenjause und das Frühstück mache und den Großen wieder und wieder bitte, zieh dich an, iss dein Brot, geh aufs Klo, zieh dich an, verdammt!, steckt seine Nase in einem Buch. Dabei kann er noch gar nicht lesen. Und ich kann nicht schimpfen, obwohl ich kurz vorm Ausflippen bin. Aber ich platze innerlich ganz leise vor Stolz und spüre ein ganz tiefes Gefühl der Verbundenheit.
  5. Durch meine Kinder treffe ich einige der besten Freunde wieder, die ich je hatte: Pipi Langstrumpf, Pumuckl und die kleine Hexe, Mio, meinen Mio, den Räuber Hotzenplotz, Tom Turbo, Michel und Ronja. Sie sind alle noch da, und ihre Abenteuer sind immer noch genauso spannend.
  6. Ich lerne neue Freunde kennen, den Drachen Kokosnuss und Tafiti, Käpt’n Sjarky und Hexe Lilli, Yakari und den kleinen Raben Socke. The more, the merrier!
  7. Ich fülle meine Kinder mit Geschichten ab, bis obenhin. Hier liegen überall Bücher, auf jeder Autofahrt hören wir eins unserer mindestens 50 Hörbücher. Und ich bin wahnsinnig gespannt, was dabei herauskommt. Ob sie später ebenso bibliophil sind wie ich – oder ob kein einziges Buch in ihrer Wohnung steht (Gott bewahre!).
  8. Ich erlebe jedes Buch intensiver. Weil ich ihm die Zeit widme, die ich mir abzwacken muss und die daher sehr wertvoll ist.
  9. Ich entdecke Neues, weil ich nicht mehr so viel Zeit zum Lesen habe. Für mich bedeutet das: Seit ich Kinder habe, lese ich Kurzgeschichten – die mir früher verhasst waren. Damals waren sie mir zu fragmentarisch, ich wollte versinken in einer langen, vielschichtigen Handlung. Jetzt passen sie zu meiner veränderten Lebenssituation, weil ich manchmal zwischendrin ein paar Minuten zum Lesen stehle und gar nicht so tief in einen Roman eintauchen kann und will.
  10. Ich wähle meine Lektüre besser aus, quäle mich nicht mehr durch Bücher, weil ich sie zwar nicht lesen will, aber das Gefühl habe, ich muss. Ich muss nämlich gar nicht.
  11. Ich habe einen anderen Zugang zu Inhalten und besonders zu Gefühlen. Ich verstehe Figuren, die aus Liebe zu ihren Kindern handeln oder einen großen Verlust erleiden, besser. Bücher berühren mich nun mehr.

P. S.: Diese Liste stellt quasi das Gegengewicht dar zur Liste 7 Gründe, warum es fast unmöglich ist, als Kleinkindmama zu bloggen. Und ja, es sind mehr Gründe! War aber nicht Absicht. Das kam einfach so. 🙂

Bücherwurmloch

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Kennt ihr das, dass ihr etwas sagen möchtet, aber ihr schweigt, weil es euch so nahegeht, und ihr schweigt immer länger und länger, bis sich all die Emotionen schon so angestaut haben, dass ihr sie kaum noch in Worte fassen könnt? Ich kenne das eigentlich nicht. Es kommt selten vor, dass ich nicht sage, was ich denke. Doch seit einigen Monaten sitzen mir diese drei Wörter auf der Brust, und sie drücken schwer: Ich schäme mich. Ich schäme mich entsetzlich. Für  alle, die ihre Herzen vernagelt haben, für Traiskirchen, für die beschissenen Zelte, in die es hineinregnet, für die mitleidslosen, handlungsunfähigen, schweigsamen Politiker, für jeden einzelnen Flüchtling, der in diesem reichen Land so menschenunwürdig behandelt wird. Erst haben wir sie alle im Mittelmeer ersaufen lassen, und jetzt geben wir denen, die es trotzdem geschafft haben, die den ganzen weiten Weg unter großen Gefahren hinter sich gebracht haben, nicht einmal ein Dach über dem Kopf. Und dann dachte ich: Wenn du darüber bloggst, wen interessiert das? Es wird untergehen. Nur Leute, die eh schon sensibilisiert sind, werden es lesen. Es wird nichts nützen. Aber: Zu schweigen, nützt noch viel weniger. Denn wenn wir alle schweigen, sind die Stimmen der Rechten so viel lauter, und das ist inakzeptabel. Wir müssen dagegenhalten!

Im Jahr 1957 ist mein Opa, der in Slowenien aufgewachsen ist, vor Titos Regime geflohen. Als er durch die Mur geschwommen ist, haben sie ihm nachgeschossen. Er war in einem Auffanglager in Graz und wollte eigentlich nach Kanada – dass er in Österreich geblieben ist, war nur ein Zufall. Mein Opa ist ein Flüchtling. Meine Oma stammt aus Düsseldorf, sie wurde 1940 geboren während eines Fliegeralarms. Und meine Vorfahren väterlicherseits waren fahrende Handwerker aus Böhmen und Mären. Sie alle haben sich einst hier niedergelassen, und ich bin hier geboren. Aber macht mich das zum Österreicher? Gibt es mir das Recht, zu sagen, dies ist MEIN Land, mit einer völlig willkürlich im Lauf der Geschichte gezogenen Grenze, und sonst darf hier keiner rein? Warum denn, bitteschön? Wir sind alle Menschen und alle gleich. DEN Österreicher an sich, den gibt es doch gar nicht, weil all die Pavicics und Havels und Dvoraks Vorfahren aus anderen Ländern haben, aus der alten Monarchie, und gut ist das! Jeder hat einen Flüchtling in seiner Familiengeschichte, einen Einwanderer, einen, der mal ein Ausländer war. Wie STS einst sang: I bin die feine Mischung, special blend, soiche wie mi, waßt wie ma de nennt, i bin die wilde Sorte, do werd’n Braune bleich, i bin aus Österreich. Ich sehe deshalb nicht ein, warum auch nur einer von uns mehr Rechte haben sollte, hier zu leben, an diesem zufällig gewählten Ort, als einer aus Syrien, dem Irak, dem Kosovo. Wer hier geboren ist, hat einfach Glück gehabt, so viel Glück, dass er es leicht mit anderen teilen könnte.

Nur leider sind die Menschen scheiße. Sie sind verachtenswert. Sie sind gierig, egoistisch, neidisch und herzlos. Sie sind schlimmer als Tiere. In Griechenland wurde Tränengas gegen die Flüchtlinge eingesetzt. TRÄNENGAS! Gegen Menschen, die Tausende Kilometer vor Bomben und Terror geflohen sind! Als ich das gelesen habe, habe ich geheult. Das System Menschheit kollabiert. Wir bringen uns gegenseitig um, und vielleicht, so denke ich oft, ist das auch besser so, dann sind wir irgendwann endlich weg, und die Erde hat wieder ihre Ruhe. Seit ich 14 bin und ein bisschen was von der Welt verstehe, leide ich an Menschheitshass. Vor lauter Grausamkeit, Gewalt, Umweltverschmutzung und Tiermord möchte ich an manchen Tagen einfach gar nicht mehr hier sein. Weil mir vorkommt, dass niemand Mitgefühl, Anstand und Verstand hat. Weil wir alle, mich eingeschlossen, über unser Wohlstandsbäuchlein jammern und die drei Kilo zu viel, aber so tun, als hätten wir den Flüchtlingen nichts zu geben. Ich ertrage es nicht. Und ich fühle mich ohnmächtig.

Aber gut. Ich BIN nun mal hier. Und was tue ich? Wie kann ich helfen? Es vergeht kein Tag, an dem ich mich das nicht frage. Ich habe bereits alles Mögliche ins Flüchtlingsheim Thalgau getragen, Handtücher, Kleidung, Gläser, Schuhe, habe für die Männer dort Hygieneartikel gekauft und meinen Sohn seinen Ersatz-CD-Player zu den „Früchtlingen“ bringen lassen, damit sie Deutsch lernen können. Aber das reicht natürlich nicht. Wie könnte es! Ich bräuchte Zeit, um vielleicht jemandem beim Lernen der Sprache zu helfen, eine Patenschaft zu übernehmen, aber ich kann von Montag bis Samstag wegen meiner kleinen Kinder und unserer beider Arbeit kaum allein weg. Ich fühle mich sehr schuldig deswegen. Aber immerhin kann ich protestieren. Den Mund aufmachen. Nicht mehr schweigen. Euch auf die Spendenaktion von #BloggerfuerFluechtlinge aufmerksam machen, für die bereits in kürzester Zeit fast 10.000 Euro zusammengekommen sind, oder auf näherliegende Salzburger Initiativen, die z. B die gute Güte gesammelt hat. Ich kann euch bitten, das hier zu teilen oder selbst unter dem Hashtag zu bloggen, ich kann euch bitten, nicht wegzuschauen, sondern zu helfen. Keiner dieser Flüchtlinge hat freiwillig seine Heimat verlassen, um bei uns zu schmarotzen, sie würden viel lieber in Frieden leben, in ihrem Zuhause. Sie haben nichts, gar nichts. Aber sie bringen Mut und Andersartigkeit, viele Talente, neue Sichtweisen, sie bringen Kinder, von denen wir ohnehin zu wenig haben in unserer Wohlstandsfaulheit, sie bringen Vielfalt. Rücken wir zusammen, machen wir ein bisschen Platz. Es ist doch wohl wirklich genug für alle da. Wir müssen nur endlich lernen, zu teilen.

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Die Initiative #BloggerfuerFluechtlinge wurde ins Leben gerufen von Karla Paul, Paul Huizing, Nico Lumma und Stevan Paul. Hier gibt es die Website dazu. Beiträge findet ihr beispielsweise bei Literaturen, Lust auf Lesen, buchkolumne, PinkfischLummaland und vielen weiteren. Macht auch mit. Wir sind viele. Wir sind MEHR!

Bücherwurmloch

IMG_4687Und schon wieder weg!
Ich gebe ja gern das ganze Geld, das ich nicht habe, fürs Wegfahren aus. Nach Sant’Andrea, Barcelona und Mailand folgt nun mein vierter (und leider letzter) Urlaub in diesem Jahr: Wir bleiben in Österreich, im Ausseerland, und machen es uns auf einem kleinen Bauernhof gemütlich, wo die Kinder toben und spielen können. Rundherum gibt’s zahlreiche Seen und Wanderwege. Und ich hoffe natürlich, ein bisschen Zeit zum Lesen zu finden!
Es grüßt und küsst
Mariki

Bücherwurmloch

IMG_45761. Ich bin zuständig. Und zwar für: gesunde Kindergartenjause, vollgekackte Windeln, sauberes Gewand, Rotznasen, Schnittwunden, Hunger, saubere Haut, Gute-Nacht-Geschichten, Höhlen aus Decken und Polstern, verrückte Plastilinfiguren, saubere Zähne, Huuunger, Spielplatzdates und, und, und.

2. Wenn ich nicht zuständig bin, muss ich arbeiten. Das sind die Tage, an denen ich niemanden tragen muss und allein aufs Klo gehen kann. Dafür warten Kundentermine, Brainstormings, Headlines, Imagefolder, Websites und Manuskripte.

3. Dazwischen muss ich einkaufen, Wäsche waschen, putzen, aufräumen, kochen, bügeln, einen Weg durchs Spielezimmer bahnen, bügeln, noch mehr aufräumen, Freunde trösten, Freunde treffen, Geschenke besorgen und meiner Mama am Telefon zuhören.

4. Die Ausführungen von eins bis drei zeigen: Ich habe keine Zeit. Und zwar nicht so wie früher, als man das halt so gesagt (und auch gedacht) hat. Sondern wirklich nicht. Ich muss manchmal so viel erledigen und es wurlt derart in meinem Kopf, dass es TILT macht und mein Körper wie erstarrt stehenbleibt, weil er nicht weiß, wo er anfangen soll. Hätte ich einen Mamablog, könnte ich über eins bis drei schreiben und euch Geschichten erzählen wie jene, dass sich Kind 2 gestern in den Obstsalat gesetzt hat. Aber nein! Es mussten ja Bücher sein.

4. Kleine Kinder sind laut. Und anstrengend. Und fordernd. Ich stehle mir die Zeit zum Lesen, zwacke sie minutenweise ab, mittags mal 30 Minuten, abends noch schnell eine Stunde. Meine Zwerge schlafen leider beschissen schlecht, und Kind 2 steht abends gern bis zu 17 Mal auf, bis endlich Ruhe ist. Ein Leseabend auf der Couch: Fehlanzeige. Bloggen: ebenso.

5. Ich kann keine Lesungen besuchen, nicht zu Autorentreffen in andere Städte reisen und heuer auch nicht auf eine zweite Buchmesse fahren: Der logistische (und finanzielle) Aufwand ist einfach zu groß. Deshalb bin ich mit meinem Blog weniger präsent, schlechter vernetzt und kann all diese Inhalte auch nicht anbieten.

6. Ich kann keine Artikel schreiben, die viel Rechercheaufwand verlangen, keine Interviews machen, in die ich viel Zeit investieren muss, mich nicht übermäßig an den Facebook-Bloggergruppen oder an Booksentence beteiligen. Ich kann mich nicht als Buchpreis-Blogger anbieten, keine Debatten führen und keine Themen aufgreifen, die die Branche bewegen – mir fehlen schlicht und ergreifend die Kapazitäten. All das verlinke ich maximal auf Facebook und schiele neidisch zu meinen Bloggerkollegen, die um ein Vielfaches engagierter sind als ich.

7. Unter dem Zeitmangel leidet die Qualität. Ich lasse Kind 2 manchmal eine halbe Stunde Barbapapas schauen, um eine Besprechung schreiben zu können. Oder ich nutze den Leerlauf zwischen zwei Terminen in meinem Büro. Ich muss dabei sehr effizient sein und wahnsinnig schnell. Ich habe keine Zeit, um zweimal über eine Formulierung nachzudenken oder nochmal an allem zu feilen. So, wie es rauskommt, so steht es dann da. In einem Mamablog wäre das witzig. Bei Büchern ist es das nicht.

Aber: Ich liebe nun mal Bücher. Es hilft nix. Ich will bloggen. Deshalb ist es nur fast unmöglich, aber nicht ganz. Ich mache es möglich, irgendwie. Und: Es wird besser werden. Irgendwann werden beide in den Kindergarten gehen, später selbst lesen können und sich bei Bedarf was aus dem Kühlschrank nehmen. Bis dahin halte ich einfach durch. Und wische Obstsalat vom nackten Popsch.

Bücherwurmloch, High Five

Screen Shot 2013-09-13 at 9.48.41 PMEin Autor, fünf Gedanken
So lautet das sehr simple Konzept der neuen Interviewreihe High Five hier im Bücherwurmloch. Die Idee dazu spukte mir schon letztes Jahr im Kopf herum, doch Sophie von Literaturen ist mir mit ihrem wunderbaren „Bitte übernehmen Sie“ zuvorgekommen, und das wollte ich dann nicht sozusagen kopieren. Obwohl ich es selbst am liebsten lese. Deshalb habe ich mich für die Rubrik Lieblingsfutter auf die Lieblingsbücher verschiedenster Menschen konzentriert, doch mit dem Absturz meines Laptops ging Ende 2014 das gesamte Material dafür verloren. Nun ist es aber immer noch so, dass ich sehr gern Autoren prominenter auf meinem Blog zeigen möchte und dass nach es hier nach wie vor zu wenig menschelt. Klassische Interviews finde ich aber eher langweilig und lese sie auch selbst kaum. Daher bin ich wieder zur Short-questions-Idee zurückgekehrt, habe mir das Okay von Sophie geholt und werde in Zukunft den einen oder anderen Schriftsteller, von dem ich ein Buch rezensiert habe, bitten, fünf Satzanfänge zu vervollständigen. Das Ergebnis könnt ihr dann hier im Bücherwurmloch lesen. Und hoffentlich für gut befinden!

Bücherwurmloch

IMG_8657Das Bücherwurmloch lässt es sich gutgehen
Picasso! Das Meer! Tapas! Die Sagrada Familia! Bücher! Gaudì! Und das Beste: keine Kinder! Hehe. Die sind nämlich zuhause, während ich gerade in Barcelona weile und noch mehr Sommersprossen sammle.
Sonnige Grüße von Mariki

Bücherwurmloch

imagesDas Bücherwurmloch macht ein Päuschen
Wenn ihr das hier lest, weile ich schon am Meer und stecke hoffentlich gerade das mit Sonnencreme eingeschmierte Näschen in ein Buch. Die letzte Maiwoche verbringe ich in Italien und melde mich danach wieder mit neuem Futter.
Habt es fein! Mariki

Bücherwurmloch

mfg 239152Zuckergoscherl statt Buchreihen Letztens saß ich abends vor dem Laptop, um zu bloggen, und da hab ich spontan beschlossen, dass das Bücherwurmloch nach über sechs Jahren endlich mal eine neue Frisur braucht. Und Maniküre. Und Make-up. Ich habe also aus einem Impuls heraus auf irgendein Theme geklickt – bunte Wirbelchen adé. Der neue Auftritt bestand ausschließlich aus Fotos und sah ziemlich wild und cool aus, und weil ich keinen Bock hatte, lang rumzusuchen, wollte ich das einfach gleich lassen. Bloß gab es kein Menü und man konnte weder die Seiten noch das Impressum noch die Blogroll noch sonstwas finden. Grummel. Also weitergeklickt – und dann kam mir dieses Theme unter, das doch recht klassisch blogartig ist, aber immerhin ein bisschen moderner und frischer als vorher. Bei einem Buchblog gehören ja eigentlich schöne Buchreihen in den Header, aber da ich keinen Bock hatte, lang rumzufotografieren, hab ich einfach ein Bild von meinem Mäulchen genommen. Dann denken die Besucher bestimmt, sie sind auf einem coolen, fashigen Mode- und Lifestyleblog gelandet und merken dann: Oooch, nur Bücher. Haha! Ich hab das neue Outfit meinem Mann gezeigt, der trocken meinte: „Da bist ja schon wieder du drauf.“ Charmant! Es ist ja auch mein Blog. Und ich bin halt eine alte Egosau. Die ganzen Widgets musste ich extra wieder aktivieren, das war  noch ein ganz schönes Stück Arbeit. Grummel. Und: Wehe, ihr findet das jetzt nicht gut! Weil ich hab echt keinen Bock, da nochmal … naja, ihr wisst schon. Es grinst und grüßt Mariki

Bücherwurmloch

bücherei 1Wie haltet ihr es mit dem Behalten?
Machen wir uns nichts vor: Wir alle lesen viele Bücher. Verdammt viele. Bei mir sind es im Schnitt 100 Romane im Jahr. Die meisten von euch haben deswegen auch richtig viele Bücher zuhause. Ich nicht. Ich besitze nur ein einziges Regal, und ich habe letztens die Bücher darauf gezählt: Es sind ungefähr 300 (ich hab mich natürlich irgendwann gegen Ende ver-zählt). Ich hätte ja gern richtig viel Platz, riesige Bücherregale, staubige, vollgeräumte Zimmer, in denen es nach Papier riecht, und behagliche Sessel dazu. Stattdessen habe ich Kinder. Und die nehmen mir nicht nur mein Essen und meine Freizeit weg, sondern eben auch den Platz. Bis die endlich ausziehen, was nur noch circa 15 Jahre dauern dürfte, brauche ich einen Ort, an den ich meine Bücher geben kann, ohne dass es mir das Herz bricht.

Weil: So Bücher will ja keiner. Dabei sind die wunderschön! Neu! Sauber! Aber nein, ihr wisst es alle, ob ebay, rebuy, Momox oder wie sie alle heißen, man bekommt nur noch ein paar läppische Cent für die schönen Stücke. In meinem Freundeskreis erbarmt sich keiner, familienintern auch nicht, die Chancen, dass hier auf dem Land ein freigelassenes Buch mitgenommen wird, bevor es vom Regen weggeschwemmt wird, sind gering. Aber: Ich hab endlich ein neues Zuhause für meine Bücher gefunden. Eins, wo sie gern genommen, gut behandelt und vor allem noch sehr oft gelesen werden. Es ist die Bücherei in meinem neuen Heimatort.

Die Büchereidame kennt sich sehr gut aus, und die Regale sind für eine so kleine Landbücherei außerordentlich qualitätvoll bestückt. Das Schönste ist, dass meine kleinen Lieblinge sorgsam laminiert und mit einem NEU-Sticker versehen werden, sodass sie lächeln und leuchten und sich darauf freuen, von ganz vielen Leuten ausgeliehen zu werden. Einmal im Monat gehe ich meine Bücher besuchen, und meine Kinder nehme ich dann auch mit. Die geben dann ihre Stapel zurück und stöbern durch die Bilderbücher, während ich, wenn keiner hinsieht, ein bisschen über meine ehemaligen Schätze streichle. Es ist nämlich so: Man muss nicht alles besitzen. Ich habe den Reichtum all der Bücher, die ich gelesen habe, in mir. Und in meinem Blog. Aber ich will sie trotzdem in guten Händen wissen.

bücherei 2

Wie ist das bei euch? Was tut ihr mit all den gelesenen Büchern, verschenken, behalten, verkaufen? Könntet ihr euch vorstellen, euch davon zu trennen?

Bücherwurmloch

IMG_0711Ich weiß nie, was ich kriege.
Meine Planlosigkeit ist hier, in meinem Umfeld, legendär. Ich schaffe es nie, mir was zu essen mit in die Agentur zu nehmen, ich denke zwei Tage vor einer 30er-Feier über Spiele und Deko nach, ich besorge erst dann die Abschiedsgeschenke für die Kindergartentanten, wenn die schon in den Sommerferien sind. Und genauso gut vorbereitet lese ich auch Bücher. Falls ihr euch jetzt fragt, wie ich das meine: Mir passiert es immer wieder, dass ich während der Lektüre total überrascht davon bin, worum es da eigentlich geht. Das liegt daran, dass ich bei der Wahl meiner Bücher ziemlich willkürlich bin – und vor allem überaus vergesslich. Wenn ein Roman mich interessiert, lege ich ihn auf die Wunschliste, und bis ich ihn dann lese, kann viel Zeit vergehen. Da hab ich dann keine Ahnung mehr, was mich daran reizte. Außerdem beschäftige ich mich im Vorfeld überhaupt nicht mit einem Buch, ich lese keine Rezensionen bzw. überfliege sie nur, ich recherchiere nicht über den Autor oder sonstwas.

Kürzlich hab ich Ein Pakt fürs Leben von Fabio Stassi gelesen und dachte erst mal: Wie bitte, Charlie Chaplin?! Dabei ist der ja sogar vorn auf dem Cover. Dass Neil Gaimans Ozean am Ende der Straße so viel Fantasy enthält, hätte mich auch nicht derart verwundern müssen. Und dass ich so dermaßen fassungslos war, als ich kapiert habe, worum sich die Story von Karen Joy Fowlers We are all completely beside ourselves wirklich dreht, ist auch nur dem Umstand geschuldet, dass ich mich an die Besprechung dazu in der New York Times nicht mehr erinnern konnte.

Das sind nur drei Beispiele, so geht es mir andauernd. Vielleicht lacht ihr mich jetzt aus oder denkt euch – wie ich hoffe –, dass mich das auch ein klein wenig sympathisch macht. Und dass ich dank meiner Planlosigkeit mehr Spannung und Spaß im Leben habe.

Aber nun sagt mir: Wie ist das bei euch? Ist euch bei jedem Roman klar, worauf ihr euch da eingelassen habt, oder seid ihr auch manchmal so vor den Kopf gestoßen wie ich? Ich spreche nicht vom Handlungsverlauf oder verblüffenden Wendungen, sondern von so was wie dass ihr die Bibel in die Hand nehmt und euch erst mal verwundert am Kopf kratzt: Wie jetzt, Gott?

Mit einem ironischen Augenzwinkern von
Mariki

P. S.: Bevor ihr euch jetzt Sorgen macht, lasst euch versichern, dass meine Kinder immer tipptopp versorgt werden, pipifeines Butterbrot in der Früh, saubere Unterhosen, pünktliches Erscheinen bei Spieldates. Und der Inhalt von Räuber Hotzenplotz oder Grüffelo überrascht mich keineswegs.