Bücherwurmloch

12 Buchtipps zum Verschenken für Weihnachten

Das Geilste an Weihnachten sind ja die Geschenke, Geschenke, Geschenke! Und zwar nicht nur die, die man bekommt, sondern auch die, die man gibt, nicht wahr. Da wir Lesefreunde sind, haben diese Geschenke gern mal vier Ecken und einen Rücken. Nur: Welches Leseabenteuer soll in diesem Jahr unterm Weihnachtsbaum liegen? Ich hab da was für euch. Einen (höchst subjektiven, aber äußerst effektiven) Leitfaden zur Beschenkung von Freunden, Verwandten, Bekannten. Wie immer ohne bibliografische Angaben, weil ich zu faul bin, die rauszusuchen, aber ihr könnt ja beim Buchhändler eures Vertrauens bestellen #buylocal, der weiß Bescheid. Oder ihr klickt auf den Link im Buchtitel, da steht es. Alle Bücher hab ich 2018 selbst gelesen, sie wurden also am eigenen Leib getestet. Viel Vergnügen beim Verschenken! Sich die Bücher einfach selbst zu wünschen, ist freilich auch ein heißer Tipp. Gut sind sie alle, sonst stünden sie nicht hier. 😉

Für Sehnsüchtige: Less von Andrew Sean Greer
Ein Schriftsteller, der sich auf Reisen begibt, um sich abzulenken von der nahenden Hochzeit seines jüngeren Lovers: Das ist die Story in diesem Buch, das mit dem diesjährigen Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde. Dahinter steckt aber viel mehr: eine Suche nach sich selbst, ein Kämpfen mit den inneren Dämonen, ein Auseinandersetzen mit dem letzten Lebensabschnitt, dem Altern. Es ist ergreifend und kitschig und sarkastisch und schön, es ist auch auf Deutsch erschienen, und ihr könnt es allen schenken, die noch an die Liebe glauben.

Für Workaholics: Super, und dir? von Kathrin Weßling
Marlene ist 31 Jahre alt, sie hat studiert, sie hat einen Freund, einen lieben, sie hat 532 Freunde auf Facebook und außerdem einen Trainee-Platz in einem bedeutsamen Unternehmen. Marlene hat alles richtig gemacht. Die Frage ist nur: Warum fühlt es sich dann nicht richtig an? Kathrin Weßling schreibt über eine, die gedacht hat, dass alles gut wird, wenn sie nur fleißig ist und motiviert und den Erwartungen gerecht wird, und die, als sie merkt, dass das nicht eintritt, nicht weiß, wohin mit dieser ganzen Enttäuschung. Ein rasantes, kluges, hochaktuelles Buch, das zu Recht viel Aufmerksamkeit bekommen hat – und genau das Richtige ist für alle, die glauben, ihr Job sei der Sinn ihres Lebens.

Für Grantler: Lob der schlechten Laune von Andrea Gerk
Andrea Gerk ist die Beste, wenn es darum geht, Wissen mit Unterhaltung zu vereinen, ihre Bücher sind hervorragendes Infotainment. Sie nimmt das Thema schlechte Laune gründlich durch, zeigt, was im Gehirn geschieht, wenn man missmutig ist, wie Unmut als Schutzschild funktioniert, geht auf die Kunst des Schimpfens ein, widmet sich grantigen Kommissaren und kreativen Cholerikern, außerdem dem Dienstleistungssektor und der Gastronomie, wo man schlechte Laune am besten beobachten kann. Sie bringt alle großen Dichter, Denker, Theaterschreiber, Autoren, Schauspieler zusammen, die eines eint: ihre berühmt gewordene schlechte Laune. Und widmet dem Grant der Österreicher ein eigenes Kapitel. Großartig!

Für Abenteurer: Die goldene Stadt von Sabrina Janesch
Dieses Buch erinnert an jene Abenteuerromane, die man als Kind geliebt hat, mit mutigen Männern und undurchdringbaren Dschungeln, an diesen Rauschzustand, den man dann manchmal hatte beim Lesen, als man noch jung und naiv war und sich so herrlich schnell für etwas begeistern konnte. Perfekt getroffen hat Sabrina Janesch den Ton, heiter und jovial, wie man sich die Stimmung dieser damaligen Entdecker vorstellt, die ein Leben voller Entbehrungen führten, ein Leben der Obsession, aber mit Optimismus und unerschütterlicher Zuversicht. Ein Schmöker, der all jene begeistern wird, die gern etwas Neues lernen beim Lesen.

Für Schüchterne: Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky
Wenn Oma Selma von einem Okapi träumt, stirbt jemand im Dorf, so heißt es, und deswegen sind die Dorfbewohner dann nervös. Zu Recht, denn die Legende ist tatsächlich wahr. Der Hype, die überschwänglichen Lobeshymnen, die begeisterten Kritiken zu diesem Roman sind berechtigt. Dies ist ein melodisch komponiertes Buch mit einer großen Portion Verrücktheit. Es ist bittersüß und zart, es hat liebenswerte, kauzige Charaktere, Handlung hat es nicht viel, aber eine meisterhafte, verspielte Sprache, die durchgängig bis zum Schluss den Ton hält. Am Ende ergibt alles einen Sinn, und das ist vielleicht das Beste, was man über einen Roman sagen kann. Schenkt es allen, die mehr Bewegung in ihrem Leben bräuchten.

Für Extrovertierte: Geschehnisse während der Weltmeisterschaft von Helmut Krausser
Helmut Krausser ist eine geile Sau – mit seinem neuen Werk beweist er es einmal mehr. Endlich mal was Neues, endlich Fantasie und Utopie und Gestörtheit! Es geht um eine Sexweltmeisterschaft im Jahr 2028, um Leon, den Sex-Superstar, der ein Problem hat: Er ist in seine Teampartnerin Sally verliebt. Sie, mit der er täglich mehrmals vögelt, ist unerreichbar für ihn. Das ist absurd, unterhaltsam, großartig. Sex als satirisches Mittel für Gesellschaftskritik zu verwenden, ist freilich nicht neu und trotzdem genial. Helmut Krausser schreibt über das Zusammenspiel und die Getrenntheit von Sex und Liebe, über eine Obsession, die außer Kontrolle gerät, über die Politik der Zukunft und die Rückkehr zu intoleranten Weltanschauungen. Das richtige Buch für alle, die genug Mut haben.

Für Menschen, die keine Menschen mögen: Alleine ist man weniger zusammen von Paul Bokowski
Ich stelle mir vor, dass Paul Bokowski eines dieser Kinder war, die unfreiwillig komisch sind. Dass er damals schon eine nerdige Brille trug, sich dumme Polenwitze anhören musste und irgendwann aus der Not eine Tugend machte, indem er sein Leben der Satire verschrieb. Ich stelle mir außerdem vor, dass Paul Bokowski im alltäglichen Umgang ein eher grantiges Kerlchen mit einem feinen Sinn für Humor ist, das nur wenig von dem, was die Welt bietet, lustig findet. Nichts davon weiß ich, das sind nur Vermutungen. Sicher ist aber, dass Paul Bokowskis Witz intelligent ist, herrlich böse seine Darstellungsweise und wunderbar raffiniert die vielen kleinen fiesen Pointen. Das werden alle mögen, deren Humor genauso ist.

Für Politikverdrossene: All die Nacht über uns von Gerhard Jäger
Unerwartet und sehr traurig war kürzlich die Nachricht, dass der talentierte und ungemein sympathische Schriftsteller Gerhard Jäger verstorben ist. In seinem neuen Roman, der für den Österreichischen Buchpreis nominiert war, stellt er einen namenlosen Soldaten auf einen Wachposten an der Grenze und lässt ihn durch eine Nacht voller Angst, Unruhe, Erinnerungen und Schmerz gehen. Wie gehen wir um mit den Menschen, die unsere Hilfe brauchen? Lehrt unsere Geschichte uns nicht eigentlich, dass jeder plötzlich zum Flüchtenden werden kann? Und: Wie viel Leid kann ein einzelner Mensch ertragen? Dieser Roman enthält viele absolut treffende Sätze und ist das richtige Geschenk für alle, die nicht zu feig zum Nachdenken sind. Der Nachlass eines klugen Mannes, der leider viel zu früh gegangen ist.

Für egal wen: Auster und Klinge von Lilian Loke
Dieses Buch ist die sichere Bank, das könnt ihr eurem Cousin genauso schenken wie eurer Schwiegermutter. Es ist unterhaltsam, aber niveauvoll, es hat eine originelle, spannende Story, die Männer wie Frauen, Jüngere wie Ältere anspricht. A g’mahde Wiesn, wie wir in Österreich sagen. Es ist ebenso Gaunerkomödie wie Kunstsatire. Lilian Loke erzählt darin von zwei Männern, zusammengebracht vom Zufall, der eine ist ein Dieb und ein Koch, der andere ein Künstler. Der eine braucht Geld, der andere hat es – und will lernen, wie man einen Einbruch begeht. Man kann dieses Buch mit der Absicht lesen, sich unterhalten zu lassen, und wird dennoch Gedanken begegnen, die einen aufwühlen. Die bestmögliche Kombination also. Dieser Roman hat richtig Drive, eine ganz eigene Dynamik, er steht niemals still. Das ist rasant, witzig, gut gelungen und das perfekte Lesegeschenk.

Für Eltern: Man bekommt ja so viel zurück von Marlene Hellene
Auf Twitter ist Marlene Hellene ein kleiner Star, und zwar zu Recht. Weil sie witzig ist und dieses Medium, bei dem man am Punkt sein muss mit seinem Humor, perfekt beherrscht. Sie kann aber auch dann gut schreiben, wenn sie mehr Platz hat: Das hat sie in ihrem ersten Buch bewiesen, das ihr allen Eltern unter den Weihnachtsbaum legen solltet. Weil es herrlich amüsant ist, weil Eltern sich darin wiedererkennen werden, weil von kranken Kindern über Urlaub mit Kindern bis hin zum Kindergeburtstag, dem Vorhof zur Hölle, alles vorkommt, was einen halt so beschäftigt, wenn man Nachwuchs hat. Dabei ist dieses Buch aber weit entfernt von all den dämlichen Besserwisser-Ratgebern, Marlene Hellene weiß es nämlich auch nicht besser. Deshalb ist sie eine von uns. Und deshalb lieben wir sie und ihr Buch.

Für Leute mit Fernweh: Farben der Nacht von Davit Gabunia
Surab bleibt nachts wach, er steht auf dem Balkon, er hat ein Kamera in der Hand, und zu beobachten gibt es allerhand: Ein junger Mann, der gegenüber wohnt, bekommt regelmäßig Besuch. Nicht nur, dass dieser Besuch ebenfalls männlich ist, nein, es handelt sich dabei auch noch um einen bekannten Politiker. Das ist heiß im Georgien des Jahres 2012, in dem der Milliardär Iwanischwili an die Macht kommt, das ist gefährlich, und vielleicht ist es kein Wunder, dass es – kaum brechen die Unruhen los, kaum entgleitet Surabs Frau Tina ihm immer mehr – plötzlich einen Toten gibt. Ein fiebriges, ruheloses, spannendes Buch, das in Georgien spielt und einem Flächenbrand gleicht. Schenkt es allen, die in fremde Länder reisen möchten – wenigstens im Kopf.

Das Buch für ALLE: Der Trafikant von Robert Seethaler
Falls ihr jemanden kennt, der diesen Roman noch nicht gelesen hat, seid ihr fast schon verpflichtet, ihn ihm zu schenken. Robert Seethaler kann etwas, das nicht viele können: Er erzählt mit einer beneidenswerten Leichtigkeit. So easy hört sich das an, so fließend, dass man gar nicht merkt, dass es da um die großen, um die größten Themen überhaupt geht, um die Liebe, um den Tod, um den beginnenden Holocaust. Alles kann er erzählen, alles, ohne dass es schwer zu sein scheint. So schön ist dieses Buch und so traurig. Es greift einem direkt ins Herz, man muss es einfach lieben, und wenn man sich einlässt darauf, dann hat man am Ende unweigerlich Tränen in den Augen. Dies ist eines jener Bücher, die wirklich etwas zu sagen haben, die etwas bewirken können. Verschenkt es hundertfach!

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