Bücherwurmloch

Oyinkan Braithwaite: Das Baby ist meins

„Wir waren alle bloß Geschöpfe unserer niederen Natur“
Bambi hat ein Problem: Mitten im Lockdown setzt seine Freundin Mide ihn vor die Tür, weil er sie betrogen hat. Da fällt ihm der Bungalow seines Onkels ein, der an Covid verstorben ist – vielleicht kann er dort unterschlüpfen. Zu Bambis Überraschung findet er im Bungalow nicht nur seine Tante, Aunty Bidemi, vor, sondern auch Esohe, die Geliebte des Onkels – und ein Baby. Diese vier sind nun also gemeinsam eingesperrt, und die Stimmung kippt schnell: Beide Frauen behaupten, die Mutter des Kindes zu sein, wollen es an sich reißen, Blut wird an eine Wand geschmiert, Sand ist im Essen, und wer steht da nachts an Bambis Bett und beobachtet ihn?

Oyinkan Braithwaite zeigt nach ihrem Erfolgsbuch Meine Schwester, die Serienmörderin erneut, dass sie großartige Einfälle hat – aber auch, dass sie gegen Ende ihrer Bücher hin inkonsequent wird. Schon in ihrem ersten Roman war ich vom Schlusspunkt enttäuscht, er wurde allzu schnell abgehandelt, einiges widersprach komplett dem, was zuvor erzählt wurde. So ähnlich ist es auch in Das Baby ist meins: Die Ausgangslage ist interessant, ein spannendes Setting – zwei Frauen, die per se Konkurrentinnen sein müssen, ein Baby, ein junger Mann, der nicht so unschuldig ist, wie er sich gibt. Aber das, was die Autorin aufbaut, führt sie nicht zu Ende – sehr abrupt bekommen wir einen Schluss serviert, der vielleicht überraschen mag, bei genauerer Betrachtung aber so gar keinen Sinn ergibt, in mehrfacher Hinsicht. Zudem sehe ich in dieser Geschichte nicht, wie der Klappentext behauptet, „eine augenzwinkernde Ansage an das Patriarchat“ und auch nicht, wie Volker Weidermann schrieb, die „Emanzipation junger Afrikanerinnen“. Die Tante im Buch ist nicht jung, die beiden Frauen sind nur deshalb auf sich gestellt, weil der Mann, der Versorger und Ernährer, am Virus gestorben ist, sie unterwerfen sich komplett den patriarchalen Strukturen – sie sind, dem misogynen Klima der Unschwesterlichkeit folgend, verfeindet, der Protagonist, ebenfalls ein Mann, wird dargestellt als der Einzige, der die hysterischen Weiber beruhigen kann. Wo ist das bitte emanzipiert? Das bestätigt doch nur all die tausend Klischees über Frauen, mit denen wir sowieso ständig gefüttert werden. Und das, was dieser Mann ihnen am Ende antut, ist genau das, was Männer Frauen immer antun: Er entscheidet für sie und über ihre Köpfe hinweg. Für mich ist dieser Roman keine Ansage an das Patriarchat, er macht vielmehr eine tiefe Verbeugung vor dem Patriarchat. Um die Geschichte wirklich zu entfalten, müsste er länger sein und tiefer gehen, um wahre Emanzipation zu zeigen, müsste er anders enden.

Das Baby ist meins von Oyinkan Braithwaite ist erschienen bei Blumenbar.

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