Bücherwurmloch

Oyinkan Braithwaite: My sister, the serial killer

„Everyone is obsessed with her looks“
Korede hat ein Problem, und dieses Problem ist ihre Schwester. Ayoola hat nämlich ihren Freund umgebracht, mit gezielten Messerstichen, und dann Korede angerufen, damit die ihr hilft, den Leichnam zu beseitigen. So weit, so schlecht, aber es kommt noch schlimmer: Das war schon der dritte Freund von Ayoola, den dieses Schicksal ereilt hat. Und ab drei ist man, das hat Korede nachgelesen, ein Serienmörder. Ayoola ist wahnsinnig hübsch, die Männer liegen ihr zu Füßen – darunter auch Tade, er ist Arzt an dem Krankenhaus, in dem Korede arbeitet. Und sie ist seit Langem verliebt in ihn. Weshalb sie ihn jetzt vor ihrer Schwester bewahren muss.

Geile Idee für ein Buch, hab ich mir gedacht, als ich es bei Schöne Seiten gesehen habe, und das ist es auch. Leider aber nicht viel mehr: Das Ausgangssetting ist spannend, die Kulisse von Lagos tut das Ihrige, denn hier ist es heiß und gefährlich, es wimmelt vor korrupten Polizisten und gewalttätigen Familienvätern. Ayoola geht auf ihre eigene Art damit um: Sie hat das Messer des verstorbenen Vaters an sich genommen und zögert nicht, es einzusetzen. Sie zögert auch nicht, die Männer, die ihr verfallen sind, auszunutzen und gegeneinander auszuspielen. Ich-Erzählerin Korede ist ein allzu blasses Aschenputtel neben der Schwester, das ist ein wenig klischeehaft und schade. Auch sonst bleibt der Thriller eher oberflächlich, besonders im letzten Drittel flacht alles ab und versandet. Da hätte ich mir noch einen Schocker gewünscht, eine unerwartete Wendung, stattdessen endet es eher unbefriedigend. Ein wenig mehr Tiefe in den Beziehungen, vor allem jener zwischen den Schwestern, hätte Wunder gewirkt. Aber nun ja, ich hatte trotzdem Spaß beim Lesen, ich mag die Idee nach wie vor, und ich finde die Geschichte dahinter interessant:

Nachdem Oyinkan Braithwaite mit einer Kurzgeschichte für einen renommierten Preis nominiert war, bekam sie eine Schreibblockade, weil sie sich so unter Druck setzte, jetzt ihren großen Roman abliefern zu müssen. Ein Jahr lang ging gar nichts mehr, bis sie beschloss, die Blockade zu überwinden, indem sie einfach irgendwas schrieb, roh und ungeplant, etwas, das Spaß machen sollte. Und landete damit einen Knaller, der sich sofort verkaufte, die Filmrechte sind optioniert. Eine sehr gewinnbringende Schreibblockade war das.

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