Bücherwurmloch

Megan Angelo: Followers

„It’s fucked up. But it’s kind of beautiful, too“
Marlow lebt im Jahr 2051 an einem Ort namens Constellation und wird rund um die Uhr gefilmt. Alles, was sie tut, sagt und erlebt, können ihre zwölf Millionen Follower mitverfolgen – und kommentieren. Marlow, ihre Mutter Floss, ihr Mann Ellis und alle, die in Constellation leben, tun dabei aber stets so, als wüssten sie nicht, dass sie beobachtet werden. Gesponsert wird Marlow von der Pharmaindustrie, sie ist das Gesicht für das Medikament Hysteryl, das alle ihre Gefühle dämpft. Im Jahr 2015 ist Floss noch nicht bekannt, im Gegenteil: Sie überredet ihre Mitbewohnerin Orla, sie berühmt zu machen. Orla arbeitet für ein Online-Lifestlye-Magazin, und das abgekartete Spiel der beiden funktioniert. Bald belagern Paparazzi ihre Wohnung, Floss datet einen Promi namens Aston und hat eine eigene Fernsehshow. Orla, die eigentlich nach New York gekommen ist, um Autorin zu werden, redet sich lange Zeit ein, dass sie all das als Sprungbrett nutzen wird. Doch bald schon muss sie erkennen, dass die Geister, die sie rief, ihr Leben aus den Angeln heben …

Followers hat mich so richtig gefesselt und mitgerissen: Endlich mal wieder ein Buch mit einer originellen, faszinierenden Geschichte. Eines, in dem ich ständig weiterlesen wollte und nie angefangen habe, aus Langweile mit den Augen quer über die Seiten zu fliegen. Megan Angelo hat ihre Handlungsstränge und Protagonistinnen klug gewählt, sie erzählen mit knapp 40 Jahren Abstand, und am Ende läuft alles zusammen. Das geschieht auf zwingend logische und doch nicht unbedingt vorhersehbare Weise. Dieser Roman ist ein gelungener Mix aus Trash-TV, Gossip und Dystopie, er ist stellenweise düster, unheilvoll – vor allem, wenn es um die eingebauten devices geht, die alle Menschen direkt im Körper haben, und um den Nebel, in den jeder fällt, der früher viel auf Bildschirme geglotzt hat – und spannend. Gut finde ich, wie stark er aus weiblicher Sicht geschrieben ist, Männer sind Nebenfiguren, mehr nicht, die Erzählkraft liegt bei den Frauen. Sehr schonungslos hat Megan Angelo unsere Sucht nach Beachtung, unseren Geltungsdrang und unsere Besessenheit in Bezug auf das Internet auseinandergenommen – und fast wie nebenbei eine lesenswerte Story gebaut, die ich mir sehr gut als Netflix-Serie vorstellen kann. Wobei man dann wieder auf einen Bildschirm glotzen müsste, uh oh. Empfehlen kann ich den Roman allen, die gern von toxischen Frauenfreundschaften, Glamour-Müttern und dystopischen Endzeitdramen lesen. Geile Kombi.

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