Gut und sättigend: 3 Sterne

Robert Seethaler: Die Biene und der Kurt

Seethaler„Das Leben, Baby, ist eine Fahrt in den Himmel!“
„Und das kennt man ja: Wenn sich der Stolz erst einmal verabschiedet hat, dann nimmt er die Würde gleich mit!“ Und der Kurt, der kennt das wirklich gut. Der tritt nämlich immer noch nicht in Las Vegas auf, sondern tingelt mit seinem Heartbreakin’-Mobil und seinem Keyboard im Glitzeranzug durch die deutsche Provinz. Er tritt bei Truthahnbauern und in abgefuckten Kneipen auf, und an einem dieser trostlosen Orte trifft er auf die Biene: 16 Jahre alt, stummelig und pummelig, mit verstrubbelten blonden Haaren und Brillengläsern so dick wie Bierflaschenböden. Biene ist gerade aus dem katholischen Mädchenheim abgehauen, und Kurt nimmt sie mit. So ein kleiner weißer Glitzeranzug steht nämlich auch der Biene ganz gut, und das Duo würde ordentlich was hermachen – wären da nicht einerseits die hartnäckigen Alkoholprobleme vom Kurt und andererseits das äußerst ungnädige Schicksal …

Robert Seethaler gehört inzwischen zu den bekannteren österreichischen Autoren. Sein Buch Die Biene und der Kurt stand aber nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit wie beispielsweise Der Trafikant. Ich hab vor Jahren Die weiteren Aussichten gelesen und mich bestens amüsiert. Nicht ganz so witzig, aber durchaus unterhaltsam ist auch dieser Roman über zwei Menschen, die der Zufall zusammenbringt und die auf den ersten Blick so dermaßen gar nicht zusammenpassen: ein alternder Schlagerstar, der von der großen Karriere träumt, die er nie haben wird, und ein Mädchen, dessen Herkunft ebenso schleierhaft ist wie seine Ziele. Der eine ist alt, die andere jung, beide sind enttäuscht vom Leben. „Aber so ist das eben manchmal im Leben: Da hat dir die Überraschung eine rein, dass du dich nicht mehr auskennst mit allem Möglichen!“ Weil dass es so kommen würde, das hätten sich die Biene und der Kurt nicht gedacht. Und ich auch nicht.

Was ich an Robert Seethalers Romanen so mag, ist ihre Österreichischheit. Die hört man quasi aus jedem Satz heraus, und da hüpft mir das patriotische Herzerl in der Brust. Außerdem erzählt er mit feiner Ironie, macht sich lustig über seine Figuren – aber auf liebevolle und verständnisvolle Weise. Die Biene und der Kurt ist ein Buch über zwei Gescheiterte, zwei Außenseiter, die sich zusammentun, weil sich das Leben Seite an Seite leichter ertragen lässt. Erheiternd, menschlich, schön.

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Die Biene und der Kurt von Robert Seethaler ist erschienen im Kein & Aber Verlag (ISBN 978-3-0369-5915-3, 288 Seiten, 10,20 Euro als Taschenbuch).

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