Netter Versuch: 2 Sterne

Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit

Die Begeisterung ist schnell geschwunden
Ich ziehe schon einmal den Schutzpanzer an, den ich auch für Die Straße und Die Vermessung der Welt trage: Bücher, die weltweit bekannt sind, die begeisterte Kritiken abräumen, die Leser ohne Ende finden – und die mir nicht gefallen. Jetzt ist es raus. Schimpft nur los! Ich weiß doch, dass es ein Bestseller ist. Aber es ist ja nicht so, als würde ich mich nicht bemühen. Im Gegenteil! Auf den ersten 50 Seiten war ich von Die Entdeckung der Langsamkeit regelrecht begeistert. Der Autor erzählt sehr feinsinnig, sehr detailreich vom Innenleben eines Kindes, das langsamer ist als alle anderen und dagegen ankämpft. In einer ganz wunderbaren Sprache zieht er den Leser hinein in die Gefühlswelt von John. Das ist sehr lesenswert.

Und dann passiert das, was immer passiert: Kaum wird das Kind erwachsen, gehen Fantasie und Sprachzauber verloren. Der Leser hat keinen Einblick mehr in John, nein, aus ihm wird Franklin, und die Geschichte wird seltsam distanziert und blutleer. Ich kann mich nicht mehr hineinfinden in diesen Protagonisten, der mir zuvor noch so ans Herz gewachsen ist. Plötzlich wandelt sich das Buch von einer sehr liebevollen, weisen Erzählung hin zu einem langweiligen, öden Reisebericht, eine Expedition da, eine andere dort, am Nordpol frieren sie, man glaubt es kaum. Während Kindheit und Schulzeit diese Faszination des Besonderen ausstrahlen, sind gerade jene Zeiten im Leben Franklins, die ihm Ruhm und Anerkennung gebracht haben, einfach nur fad beschrieben. Mehrmals muss ich mich daran hindern, nicht einfach einige Seiten zu überspringen.

Vielleicht bin ich schneller enttäuscht als andere Leser, vielleicht bin ich intoleranter. Was auch immer der Grund sein mag: Spätestens nach der Hälfte hat Die Entdeckung der Langsamkeit mich unendlich gelangweilt. Was ich extrem schade finde, gerade, wo es doch so gut angefangen hat. Das ist eine Wende, die man erst einmal verdauen muss. Deshalb nur Mundwinkel-nach-unten-verzogene 2 Punkte.

2 Comments

  1. irisbavarica

    Komisch, das Buch fand ich gut, obwohl ich so gar keine Lust drauf hatte, damals. Aber wir wissen ja: Je höher die Erwartungen, desto größer die Gefahr, dass es einem gar nicht gefällt. Und umgekehrt. Der Nadolny bekommt bei mir jedenfalls vier von fünf Punkten (er steht auch immer noch in meinem Regal).

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