Bücherwurmloch

7 dunkelgrüne Monate: Ein Rückblick auf die Reise mit meinem Roman

Heute war ich im Wald, oben auf dem Berg, und als ich den Farn gesehen habe, habe ich mich daran erinnert, wie ich im Frühling darauf gewartet habe, dass der Schnee schmilzt, wie ich darauf gewartet habe, dass der Farn zum Vorschein kommt, grün wird, wie ich dann ein Foto gemacht habe von meinem Buch in all diesem Grün. Und jetzt ist nicht nur der Frühling vorbei, sondern auch der Sommer, der Farn ist dunkelgrün fast braun, ich stand davor und hab gelächelt. Es ist okay, es ist gut so, es ist ein Zeichen, dass etwas zu Ende geht – dieses Jahr, der Zyklus der Natur und meine wilde Reise.

An dem Tag, an dem mein Roman erschienen ist, habe ich geschrieben: Natürlich kann es sein, dass das Buch und ich nun einfach sang- und klanglos in der Masse der Neuerscheinungen untergehen. Wir wissen alle, wie kurzlebig Bücher heute sind, wie schnell sie von denen, die nachkommen, begraben werden. Aber vielleicht hab ich ja Glück, jenes Quäntchen Glück, das den Unterschied macht.

Heute, exakt sieben Monate später, kann ich ganz eindeutig sagen: Es ist nicht untergegangen. Und zwar dank euch. Dank euch Lesern, dank euch Bloggern, euch Buchhändlern und Instagrammern. Dank meinem Verlag und meiner Agentin und all diesen Menschen, die sich für Dunkelgrün fast schwarz eingesetzt haben, die es gelesen und ihre Begeisterung geteilt haben, die darüber geschrieben und es empfohlen haben, die es in ihrer Buchhandlung den Kunden in die Hand gedrückt und auf Social Media davon geschwärmt haben. Mich hat eine Welle des Wohlwollens überrollt, was sag ich, von den Beinen gerissen, ich habe so viele großartige, übersprudelnde Nachrichten und Mails bekommen, auf allen Kanälen, Menschen haben mich angeschrieben und mir erzählt, was das Buch mit ihnen gemacht hat und warum, und das ist ohne Scheiß das Beste, was passieren konnte. Weil ich nämlich so dringend ein Buch schreiben wollte, das niemanden kalt lässt, das die Leser aufwühlt und etwas in ihnen auslöst, daran habe ich so hart gearbeitet – und jede einzelne Rückmeldung hat mich sehr stolz und sehr glücklich gemacht.

Ich hatte bisher über 30 Lesungen, ich habe berichtet, wie es zu diesem Roman gekommen ist, ich habe Moritz, Raffael, Johanna und Marie aufleben lassen, wieder und wieder, an so vielen Abenden, bei so vielen schönen Gelegenheiten. Die Leute haben zugehört, sie haben gelacht, sich interessiert, gefragt, sie haben sich angestellt, um das Buch signieren zu lassen, und das hört sich banal an, ja mei, ist doch normal für einen Autor, aber nein – das ist es nicht. Es ist etwas Besonderes, viele Menschen nehmen sich Zeit, und ich halte das nicht für selbstverständlich, im Gegenteil. Ich habe mich über jeden Besucher und jedes liebevolle Feedback gefreut, ich habe jede Nachricht beantwortet, von allen Lesern, von allen Buchhändlern. Ich war in Magazinen und Zeitungen, ich hatte Interviews und Fotoshootings, ich wurde von allen Seiten mit Aufmerksamkeit bedacht, und ich bin dafür sehr dankbar.

Das alles ist nicht immer nur eitel Sonnenschein, und ich bin zu ehrlich, das wisst ihr, euch das glauben zu lassen. So viele Lesungen zu machen, war brutal anstrengend – ich musste stets ein großes Drumherum an Organisation bewältigen und bin gar nicht die coole Rampensau, als die ich mich gebe. Wenn ich die Wahl habe, ob ich eine Bühne betrete oder nicht, dann möchte ich lieber nicht. Ich musste aber, und ich hab abgeliefert, weil es mir wichtig, dass die Leute, die kommen, einen richtig guten Abend haben, ich hab Hände geschüttelt und Fotos gemacht, ich war schlagfertig und souverän, und ich kann euch verraten: Man ist danach sehr ausgelaugt. Man ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional erschöpft.

Natürlich gab es nicht nur freundliche Rückmeldungen. Es gab Spott und Häme, es gab – und das ist völlig in Ordnung, das gehört dazu – negative Besprechungen, es gab das Feuilleton, das spüren hat lassen: „Ach, die kleine Bloggerin, was soll das schon werden?“ Es gab Moderatoren, die gesagt haben: „Ein Buch wie deins kommt natürlich nicht auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis – was meinst du, ist es zu trivial, um Literatur zu sein?“ Es gab Autoren, die die Augen verdreht haben mit Worten: „Ach, das ist dieses Buch, das auf Instagram so abging, na, da weiß man ja schon, auf welchem Niveau sich das bewegt.“ Nichts davon ist tragisch, ich halte das aus, ich bin bulletproof, doch man muss sich daran gewöhnen, dass man so in der Öffentlichkeit steht plötzlich, dass jeder, wirklich jeder, eine Meinung hat über einen – und die ungefragt überall hinrotzt, ohne dass man sich wehren und dazu Stellung nehmen kann. Und jetzt denkt ihr vermutlich: Ja, Mariki, dann darfst du halt kein Buch schreiben, wenn du damit nicht leben kannst, das stimmt auch – und ich kann es ja. Da ich wegen meines ständigen Gemotzes über Bücher kiloweise schlechtes Karma angehäuft hab, muss ich das allein ja schon deshalb wegstecken, damit das Universum im Gleichgewicht bleibt.

Und dann kam die Nominierung zum Österreichischen Buchpreis. Dunkelgrün fast schwarz ist auf derselben Longlist wie Robert Seethaler und Arno Geiger, DIE Literatur-Superstars des Landes, ich kann – ganz egal, was jetzt noch passiert – beruhigt sterben. Was sonst könnte ich noch erreichen? Oh, okay, ja, doch, da gibt es noch was: Der Roman ist auch nominiert für das Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhändler und wurde als eines von fünf Büchern am öftesten genannt. Eines von FÜNF! Das kommt von den Buchhändlern direkt, von den Menschen, die wohl am meisten im Jahr lesen, die die größte Auswahl an Büchern haben, die man überhaupt nur haben kann, und die gesagt haben: Dunkelgrün fast schwarz, geiles Buch! Was für eine wunderschöne Auszeichnung. Es spielt für mich keine Rolle, ob der Roman auf die österreichische Shortlist kommt oder ob er tatsächlich DAS Lieblingsbuch der Buchhändler wird, und ich poste das hier auch absichtlich schon heute, da beides noch nicht feststeht. Denn diese Geschichte und ich, wir sind weiter gekommen, als ich es je für möglich gehalten hätte. Wir haben Menschen dazu gebracht, nachzudenken über Freundschaften, die toxisch sind, über Grenzen, die nicht gesetzt werden, über Momente im Leben, in denen man Nein sagen sollte. Wir haben so viel Schönes und Verrücktes und Erinnernswertes erlebt, dieses Buch und ich, und jetzt ist es Zeit, weiterzugehen.

Der Farn wird bald wieder bedeckt sein von Schnee. Ich habe ein neues Buch geschrieben. Und alles beginnt von vorn.

2 Comments

  1. Rolf A. Burkart

    Da entzündest Du so viel in mir. Dein Mut, Deine Gelassenheit, Deine Ehrlichkeit, die Gelassenheit einer Frau, die weiß, was der Farn und die Menschen machen. Das ist so ganz auf der Höhe von Robert Seethaler, den ich seit „Ein ganzes Leben“ lesen und lieben gelernt habe. Es gibt mir in allen Stürmen und Unwägbarkeiten Halt – und so auch Dein erfrischender Sendbrief. Ja, er hat in mir nicht nur Neugierde entfacht … ich werde mir das Buch kaufen, werde es lesen und wenn es mich packt auch einen Leseeindruck schreiben.

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    1. Mariki Author

      Oh, vielen Dank, das freut mich sehr – ich verehre Seethaler ebenfalls! Vor allem wegen dieser Leichtigkeit, mit der er die großen Themen erzählt. Dann hoffe ich, dass das Buch dich packt!

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