Bücherwurmloch

Urlaubslektüre 2018

9 Tage, 10 Bücher: Das ist die Bilanz meines Sommerurlaubs 2018. In den Urlaub nehme ich seit vielen Jahren ausschließlich Taschenbücher und dadurch automatisch Backlist-Titel mit, wegen des Gewichts natürlich, aber auch, weil ich da oft die Zeit nutzen möchte, um endlich mal wegzulesen, was sich im Regal angesammelt hat. Auch englische Titel packe ich ein, ebenfalls im Taschenbuchformat, weil ich die nicht so schnell lesen kann und mich sozusagen selbst austricksen will. Diesmal waren nur vier der zehn Titel von Autoren, die ich nicht kannte, die anderen sechs sozusagen Wiederholungstäter. Das ist ungewöhnlich für mich, die ich ja eigentlich eine Ein-Buch-pro-Autor-Politik verfolge. Und habe ich das bereut? Aber ja. Sehr sogar.

10 Bücher also, und wie viele davon mochte ich? Zwei. Nur zwei! Aber immerhin zwei. Typisch Mariki, denkt ihr wohl, die Alte motzt ja immer, die ist nie zufriedenzustellen, und da habt ihr Recht. Die gelesenen Urlaubstitel sind von unten nach oben in ihrer Reihenfolge geordnet:

Applaus für Bronikowski von Kai Weyand hat mich positiv überrascht, das ist eine nette, kuriose kleine Geschichte. Nicht viel Tiefgang, aber auch nicht zu oberflächlich, mit einem Protagonisten, der seltsam genug ist, um interessant zu sein. Er arbeitet in einem Bestattungsinstitut, und was ihm da so zustößt bzw. einfällt, ist kurzweilig zu lesen.

The Power von Naomi Alderman ist GROSSARTIG! Ein originelles, smartes, durchdachtes Buch, das mich absolut gefesselt hat, ich konnte es nicht weglegen. Was für eine Story und vor allem: was für ein Ende! Dazu wird es demnächst einen eigenen Beitrag geben.

Der Hals der Giraffe von Judith Schalansky fand ich gut, aber gar nicht so gut, wie alle gesagt haben. Ich mochte das Zynische, das Nüchterne daran, diese ausgebrannte Abgeklärtheit einer alternden Lehrerin, diesen endlosen Monolog über die Dummheit der Schüler, über ihre Grenzen und auch die eigenen. Generell ist mir nur einfach zu wenig passiert in diesem Buch, ich hab gewartet, dass die Handlung in die Gänge kommt, und das tut sie nicht, dass Gefühle entwickelt werden, wie der Klappentext ankündigt, dass es es gewisse Einfälle gibt, die es aber eben nicht gibt. Ja, ein kluges, sehr lesenswertes Buch, wenn auch nicht so sensationell wie erwartet.

Hausaufgaben von Jakob Arjouni hat mich regelrecht geärgert: Was für ein erstaunlich dummes und vor allem widerwärtiges Buch! Ich finde ja generell Romane über Inzest ein bisserl grauslich, eh klar, wer nicht, aber wenn dieser Missbrauch derart abgeschmackt und entschuldigend dargestellt wird wie in diesem Buch, macht mich das wütend. Eine dämliche, sinnlose, eklige Geschichte ohne jegliche Entwicklung. Und das ist nach Cherryman jagt Mr. White und Chez Max, die beide gut waren, nur umso unverständlicher.

Der Trafikant von Robert Seethaler war ein Buch, das ich lange schon lesen wollte, weil ich Seethaler sehr mag und dieses eine noch nicht kannte. Es geht um einen jungen Kerl darin, der ins Wien des beginnenden Nationalsozialismus kommt, es geht um seine erste Liebe und um seine Freundschaft zu Sigmund Freud, um Mut geht es und darum, ein Zeichen zu setzen, sei es auch noch so klein. Ein grandioses, stilles und dabei so berührendes Buch, auch dazu werde ich noch gesondert etwas schreiben.

The English teacher von Lily King hat mich außerordentlich fadisiert. Und das ist ein Drama, weil ich Vater des Regens sowie Euphoria von dieser Autorin genial fand, zwei gefühlvolle, unkitschige, ausgezeichnete Bücher. Ich sollte es endlich mal lernen und dabei belassen, ich sollte nicht noch was vom selben Autor lesen, wenn ich schon was mochte. Dieser Roman, den sie davor geschrieben hat, ist einfach nur langweilig: Eine Mutter lebt mit ihrem fünfzehnjährigen Sohn auf dem Campus der Schule, an der sie unterrichtet, einen Vater gibt es nicht, und als sie heiratet, geschieht das nicht aus Liebe und auch aus keinem anderen Grund. Das ist alles recht merkwürdig und unverständlich, es geschieht auch sehr wenig, und die Erklärung für ihr Verhalten, die am Ende noch schnell serviert wird, ist derart vorhersehbar und klischeehaft, ich war wirklich enttäuscht.

Wo drei Flüsse sich kreuzen von Hannah Kent war okay. Nicht besonders herausragend, aber schlecht auch nicht, kann man schon lesen, wenn man möchte. Die Autorin, die sich mit dem historischen Irland bestens auskennt, erzählt darin von einem Kind mit Behinderung, das die unwissenden, abergläubischen Menschen für ein Feenkind halten und dem sie die Fee austreiben wollen. Das ist gut geschrieben, allerdings frei von Überraschungen und interessanten Wendungen. Burial Rites derselben Autorin fand ich um Welten besser.

They both die at the end von Adam Silvera war ein Spontankauf, ich habe es mitgenommen, weil ich den Titel so originell fand. Es ist ein Jugendbuch mit folgender Story: Zwei Achtzehnjährige bekommen eines Nachts den Anruf, den jeder fürchtet, sie werden darüber informiert, dass sie innerhalb der nächsten 24 Stunden unweigerlich sterben. Über eine App namens Last Friend finden sie zusammen und versuchen, so viel Leben wie möglich in die Zeit zu stopfen, die ihnen noch bleibt. Das ist eine coole Idee, finde ich, gut geschrieben ist es auch, wenn natürlich eher leicht und nicht gerade raffiniert. Die Botschaft, sein Leben zu leben, weil man nie weiß, wann es zu Ende ist, ist mir zu aufdringlich, aber das liegt freilich in der Natur der Sache.

Das Museum der Stille von Yoko Ogawa ist ebenfalls ein Buch, bei dem ich dachte: Das hättest du dir sparen können, Mareike, du hast schon drei wirklich gute Titel von Ogawa gelesen, war das nicht genug? Offenbar nicht, und dann kam dieses hier, und ich fand es blöd. Richtig blöd, nicht so poetisch, schön und entspannend wie die anderen, wie etwa Der Herr der kleinen Vögel und Das Geheimnis der Eulerschen Formel. Die Idee mit dem Museum voller Erinnerungsstücke von Verstorbenen, die gefällt mir sehr, doch die alte Protagonistin ist immer nur am Schimpfen und zerstört den Zauber, die Morde erscheinen mir absolut unglaubwürdig und vor allem sinnlos, der Ich-Erzähler ist kaum greifbar und bis zum Ende blass. Schade!

Der Klang der Trommel von Louise Erdrich hat mir ebenfalls wieder mal vor Augen geführt, dass nicht jeder Roman einer Autorin, die ich vergöttere, mir gefällt. Wie sehr habe ich Das Haus des Windes und Ein Lied für die Geister geliebt! Dann beginne ich diesen Backlist-Titel und denke schon nach wenigen Seiten: Ich kotz gleich. Emotionslos, langweilig, ohne den einmaligen Zauber, den die anderen Bücher haben, erstaunlich belanglos. Nein, einfach nur nein.

 

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