Gut und sättigend: 3 Sterne

Miika Nousiainen: Die Wurzel alles Guten

NouisainenEin Buch wie ein Mann

„Meiner Ansicht nach stellt das Leben uns vor drei große Fragen: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Brauche ich eine Betäubung?“

Dass Esko das witzig findet, verwundert nicht: Er ist Zahnarzt. Und mit einem reichlich niedrigschwelligen Humor ausgestattet. Den braucht er auch, denn eines Tages kommt Pekka in seine Praxis – und bildet sich plötzlich ein, Esko sei sein Halbbruder. Der seltene Nachname und die Gesichtszüge, die die beiden Männer teilen, bringen ihn auf diese Idee. Und Pekka kann ganz schön nervig sein. Anfangs will Esko nichts davon wissen, doch schon bald befindet er sich auf einer Reise um die halbe Welt. Der gemeinsame Vater von Pekka und Esko war nämlich recht umtriebig und hat auf dem halben Erdball – von Schweden über Thailand bis Australien – Nachkommenschaft hinterlassen, die nun besucht und aufgeklärt wird. Und das große Geheimnis um den Verbleib des Vaters lässt sich schließlich auch klären.

Dieses Buch ist genau wie seine Protagonisten: sympathisch, ein bisschen wirr und sehr einfach gestrickt. Ein Roman, der es nicht bös mit einem meint und den man ruhig lesen kann, wenn man grad nichts Besseres hat. Das klingt fies, ist aber nicht so gemeint: Es ist völlig okay, mal ein naives Buch zu lesen, und mich hat die Geschichte durchaus unterhalten. Die schrägen Figuren, allen voran Zahnarzt Esko und Werbetexter Pekka (dessen Berufsalltag jedoch wenig mit dem eines echten Texters zu tun hat, das nur am Rande), sind sehr liebenswert. Während der eine von der neu entdeckten Verwandtschaft sofort begeistert ist wie ein spielbereites Kind, hält der andere sich bedeckt und muss erst lernen, aus sich rauszukommen. Entwicklungsroman ist das also gleichzeitig auch einer, und zwar für einen über 50-jährigen Mann. Der lernt, andere an sich ranzulassen, seine Einsamkeit aufzubrechen und Gefühle zuzulassen, sodass er sich zum ersten Mal verlieben kann. In einer sehr klischeehaften Situation, aber auch das nur am Rande. Es geht übrigens sehr viel um Zähne und deren Behandlung, man kann also auch noch was lernen.

Die Wurzel alles Guten ist ein Buch, mit dem man nicht so streng sein darf. Es ist recht platt und sprachlich wahrlich kein Highlight. Da wird viel erklärt, statt gespürt, ständig ist alles „super“ und „toll“, die Ängste der Männer klingen wie eins zu eins aus einem Lebensratgeber übernommen. Wäre ich gemein, würde ich sagen: wie für Männer geschrieben, damit die das auch verstehen. Bin ich aber nicht, deswegen sage ich: Eine Herausforderung ist dieser Roman nicht, aber auf angenehme Weise seicht. Und er hält Erkenntnisse bereit darüber, dass manche Menschen, so weit entfernt sie auch leben, uns näher sind als vermutet. Und dass manchmal Verbindungen, von denen man nicht einmal wusste, sehr stark sein können. Nice read.

Die Wurzel alles Guten von Miika Nousiainen ist erschienen bei Nagel & Kimche in den Hanser Literaturverlagen (ISBN 978-3-312-01038-7, 256 Seiten, 20 Euro).

4 Comments

  1. Fabian Neidhardt, Botschafter des Lächelns

    Hallo Mariki,

    ich habe mir das Buch angehört, gelesen von Christoph Maria Herbst. Auch als Hörbuch trifft deine Einschätzung auch meine. Es ist nett und einfach, manchmal sogar plump geschrieben, aber eben gut runterlesbar. Oder anhörbar. In diesem Fall hält Christoph Maria Herbst das Niveau den Romans. Nicht mehr, nicht weniger.

    Lächeln, Fabian.

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    1. Mariki Author

      Oh, ich mag es, wenn Christoph Maria Herbst liest – mit den Kindern hören wir immer „Tafiti“. Das ist vom Niveau her ähnlich 😅

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