Für Gourmets: 5 Sterne

Takis Würger: Der Club

Würger„Die Wahrheit sind die Geschichten, die wir uns so lange erzählen, bis wir glauben, sie wären Wirklichkeit“

„In Cambridge habe ich gelernt, wie viel Großes der Mensch leisten kann: Er kann die Grundlagen der formellen Logik entwickeln, die Geschwindigkeit des Lichts errechnen und ein Medikament gegen Malaria finden. Aber in Cambridge habe ich auch gelernt, was der Mensch in seinem Kern ist: ein Raubtier.“

Hans ist neunzehn, als er an die Universität Cambridge kommt, und er ist allein. Er ist Boxer, und daher rührt auch die Aufgabe, die er bekommt: Er soll erreichen, dass der elitäre Pitt Club ihn als Mitglied aufnimmt. Er soll sich dort einschleichen und ein Verbrechen aufklären, über das er nichts weiß. Helfen soll ihm dabei die geheimnisvolle Charlotte, zu der er sich hingezogen fühlt. Doch je tiefer Hans in die universitären Boxerkreise vordringt, umso mehr stellt sich die Frage: Wie viel muss er mitmachen, um seine Tarnung nicht aufzugeben? Und wer wird am Ende den Preis dafür bezahlen?

Seiner Biografie zufolge ist Takis Würger – der ja schon einen spektakulären Namen hat, bitte – ein wilder Kerl. 1985 geboren, war er an der Henri-Nannen-Schule und hat als Reporter aus Libyen, dem Irak und Afghanistan berichtet, bevor er zum Studium nach Cambridge ging. Er ist Boxer. Er gehört selbst vielen Clubs an, darunter besagter Pitt Club. Und auch die Story, die er in seinem Debütroman erzählt, klingt wild, erinnert zuweilen an Fight Club. Allein: Sie ist es nicht. Sie ist vielmehr zart, sanft und überraschend poetisch, sehr melancholisch. Dass jemand eine derart thrillermäßige Geschichte in so leisen Tönen erzählen kann, ist nicht selbstverständlich. Und zugleich ist es absolut wunderbar.

Takis Würger lässt nicht nur seinen Protagonisten Hans sprechen, er springt in kurzen Episoden von einer Figur zur anderen wie ein fröhlicher Grashüpfer. Bemerkenswert dabei: Er wechselt den Stil, stattet jeden Charakter mit einer eigenen Stimme aus. Da gibt es die verletzliche Charlotte und Hans’ überforderte Tante Alex, den reichen Snob Josh und Charlottes Vater Angus, der gar nicht weiß, welche Ereignisse er vor Jahrzehnten ins Rollen gebracht hat. Sie alle sehe ich durch das Kaleidoskop, sie purzeln durcheinander, jeder rückt ins Bild und verschwindet wieder, bis sich am Ende ein erkennbares Muster ergibt. Der rote Faden, der alles zusammenhält, ist satte, blinde Einsamkeit. Sie sind traurig, diese Figuren, sie sind allein. Weder viel Geld noch viele Siege im Boxring werden daran etwas ändern. Und auch die Rache vermag es nicht. Holt euch dieses raffinierte Büchlein, erwartet nichts, und ihr werdet alles bekommen.

Der Club von Takis Würger ist erschienen bei Kein & Aber (ISBN 978-3-0369-5753-1, 240 Seiten, 22,60 Euro). Hier könnt ihr dem Autor (der natürlich auch noch gut aussieht, das war ja klar!) beim Lesen zusehen und zuhören.

2 Comments

  1. Darauf hast du mich neugierig gemacht … ich habe das Buch ja auch in deiner TV-Präsentation gesehen. Der Klappentext klingt nach Spannungsliteratur und trotzdem schient etwas völlig anderes dabei herauszukommen.

    Erklärt sich im Roman die Titelgestaltung? Es sieht durchaus nach der Clubkravatte der elitäre Boxergruppe aus.

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