Gut und sättigend: 3 Sterne

Jhumpa Lahiri: Einmal im Leben

Kleine Geschichte, große Liebe
Hema kennt Kaushik schon lange: Ihrer beider Eltern waren befreundet, damals in Massachusetts. Sie sind alle Bengalen und ihre Wege kreuzen sich Jahre später erneut, als Kaushik mit seinen Eltern aus Indien zurückkommt. Hema ist drei Jahre jünger als er und schwärmt für den verschlossenen 17-Jährigen, den nichts interessiert außer seiner Kamera. Er bekommt von Hemas Verliebtheit nichts mit, da sie kaum miteinander sprechen. Und dann ist es der Zufall, der sie zwei Jahrzehnte wieder übereinander stolpern lässt: Hema ist Expertin für Latein, Kaushik ist Kriegsfotograf, sie treffen einander in Rom. Plötzlich entbrennt eine unerwartete Liebe, die sie übereinander herfallen lässt in der kurzen Zeit, die ihnen gemeinsam bleibt.

Einmal im Leben ist schön, berührend und tragisch. Jhumpa Lahiri erzählt von zwei Menschen, die ihre gemeinsame Vergangenheit verbindet und die an einem fremden Ort zu einer völlig falschen Zeit aufeinander treffen und sich verlieben. Dabei geht sie nicht in die Tiefe und nicht ins Detail – was bei knapp 170 Seiten auch nur schwer möglich ist. Die Handlung und die Figuren bleiben wie Skizzen auf einem Reißbrett, die eigene Fantasie kann, wenn sie will, dazu dichten, was fehlt. Sehr unerwartet kommt für mich das Ende, das statt der zwei offensichtlichen Möglichkeiten eine dritte wählt. Das Buch bleibt die Kurzgeschichte, die es eigentlich ist, entnommen aus einer Sammlung von Short Stories. Das so aufzublasen und als gebundenen Roman zu verkaufen, finde ich recht gewagt. Nichtsdestotrotz spürt man hinter Jhumpa Lahiris Worten eine interessante Sprachgewalt, die jedoch nur in sehr gezügelter und eingeschränkter Form zum Vorschein tritt. Was wirklich schade ist.

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