Gut und sättigend: 3 Sterne

Martin Sixsmith: I heard Lenin laugh

SixsmithWitze aus der Sowjetunion
Wir befinden uns im tiefsten Russland, in Vitebsk, einem „dirty boring provincial hole“, wo Zhenya Gorevich zusammen mit seiner Mutter lebt. Der Kommunismus prägt sich tief in das Alltagsleben von Zhenya ein – und beeinflusst, was er in der Schule lernt, wie er Fußball spielen soll und was er malen darf. Aus einer kindlich-naiven Sichtweise und mit köstlichem Sprachhumor erzählt Martin Sixsmith die ersten Jahre von Zhenya, der mit dem Unterschied zwischen der sowjetischen Realität und der wahren Realität so seine Probleme hat. Die ganze Geschichte ist in fehlerhaftem und dadurch sehr amüsantem Englisch geschrieben, das natürlich durchzogen ist von Akzent-Klischees. Zhenya erzählt sowjetische Witze und erklärt bekannte Schlagwörter wie Kolkhoz („big collective agro-kombinat farm where we all live and work happily together“) mit zynischem Humor.

Als Zhenya erfährt, dass er von einem englischen Lord abstammt und es eigentlich sein Schicksal ist, nach London zu gelangen und seinen Vater zu finden, setzt er alles daran, Russland zu verlassen. Doch das ist zu Zeiten des sowjetischen Regimes nicht die leichteste Übung. Was Zhenya sich alles einfallen lässt, um nach Moskau und von dort aus nach England zu kommen, ist durchaus erheiternd. Im letzten Drittel des Buchs gibt es jedoch einen enttäuschenden Bruch: Die Geschichte wird immer abstruser und ergibt kaum noch Sinn. Der Autor verliert das Ziel, von dem er dem Leser suggeriert hat, es am Ende zu erreichen – nämlich Zhenya aus Russland hinaus und zu seinem Vater zu bringen – immer mehr und schließlich komplett aus den Augen.

Gegen Ende hin besteht I heard Lenin laugh traurigerweise nur noch aus absurden Traumsequenzen, irrealen Begegnungen und unerklärlichen Fantasien. Der KGB und jede Menge Spione treten auf den Plan, ihre Motive und Handlungen bleiben undurchschaubar. Das ist wirklich schade, denn zu Beginn war dieser Roman äußerst witzig, originell und vielversprechend. So sehr, dass ich ihn trotz des unlesbaren Endes gut bewerte. Ich werde mich eben einfach nur an den Anfang erinnern.

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