Bücherwurmloch

Dantiel W. Moniz: Milch Blut Hitze

„Wie viel Liebe es braucht, um so zu hassen“
Porträts von Menschen aus den unteren Gesellschaftsschichten Floridas: Ich wusste nicht, was ich mir darunter vorstellen sollte, und umso mehr hat diese Kurzgeschichtensammlung mich überrascht. Es geht darin um die Trauer nach einer Fehlgeburt, um einen Roadtrip mit der Asche des Vaters, dem entfremdeten Bruder und seiner weißen Freundin, um die Unfähigkeit einer Mutter, mit ihrer Teenager-Tochter zu sprechen, um die vorauseilende Wehmut eines Mannes, dessen Frau sterben wird. Die Storys handeln von Religiosität und Zusammenhalt, von Versagensangst und dieser bitteren Traurigkeit, die einfach nicht verschwindet, egal, was man tut. Sie sind allesamt klug, feinfühlig und modern, stellenweise durchaus feministisch. In erster Linie bilden sie die Vielseitigkeit menschlicher Gefühle ab – und es sind auch solche dabei, für die man selbst nie die passenden Worte findet.

„Das Leben ist ein Kreislauf, glaubst du nicht? Du kannst nirgendwohin, wo nicht schon mal jemand vor dir war.“

Ich bin begeistert! Ich liebe Kurzgeschichten – aber nur, wenn sie folgende strenge Auflagen erfüllen: Sie müssen ein bisschen weird sein, aber nicht zu unverständlich, sie sollen eine Empfindung in mir auslösen, gern auch eine unangenehme, sie sollen einen Tick zu früh aufhören, sodass alles in der Schwebe bleibt und nicht auserklärt ist, aber eben genau richtig. Klingt vielleicht kompliziert, und doch gelingt es vielen Autor:innen, diese perfekte Balance zu erwischen: So auch Dantiel W. Moniz. Ich habe ihre Short Storys regelrecht verschlungen, so gut haben sie mir gefallen. Sie sind seltsam und originell, voll kleiner Herausforderungen und ungewöhnlicher Gedanken. Sie sind kurz und hallen lange nach, sie haben Schwarze Frauen als Protagonistinnen und das Menschsein zum Inhalt. All das Lob, mit dem die Schwarze Autorin überhäuft wurde, ist absolut berechtigt. Ihr müsst das unbedingt lesen!

Milch Blut Hitze von Dantiel W. Moniz ist erschienen bei C. H. Beck.

 

 

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