Bücherwurmloch

Rebecca Buxton & Lisa Whiting: Philosophinnen

Von Hypatia bis Angela Davis
Es hat wohl jede Branche ihr eigenes #metoo, wirklich jede Branche, wohin man nur schaut, überall wird nach und nach aufgedeckt, wie die Männer die Frauen seit Jahrhunderten unterdrücken, kleinhalten, ausbeuten und missbrauchen. Nicht anders ist das im Bereich der Philosophie: Rebecca Buxton und Lisa Whiting sind vermutlich nicht die Ersten, denen aufgefallen ist, dass Frauen in dieser Disziplin extrem unterrepräsentiert sind, dass jede:r nur männliche Philosophen kennt, dass es weder eine Vielzahl von Professorinnen noch von Frauen verfassten Publikationen gibt. Sie sind jedoch die Ersten, die beschlossen haben, etwas dagegen zu unternehmen: Sie haben dieses Buch herausgegeben, in dem herausragende weibliche Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Philosophie versammelt sind.

Dabei haben sie eine Herangehensweise gewählt, die ich zum einen als typisch weiblich, zum anderen als sehr klug empfinde: Ich unterstelle den männlichen Kollegen einfach mal, dass sie, um sich hervorzutun, selbst sämtliche Artikel verfasst hätten, und diese Unterstellung fußt auf unser aller Erfahrung im Umgang mit dem männlichen Ego. Buxton und Whiting haben das nicht getan. Vielmehr haben sie zahlreiche heutige Philosophinnen gebeten, über frühere Philosophinnen zu schreiben. Und das macht dieses Buch so großartig: die Diversität, die Vielfalt. Denn es bedeutet, dass man beim Lesen nicht nur erfährt, wie wichtig Frauen wie beispielsweise Edith Stein und George Eliot, Mary Astell und Sophie Bosede Oluwole für die Geschichte der Philosophie waren, man lernt auch viele Wissenschaftlerinnen kennen, die sich aktuell mit philosophischen Themen auseinandersetzen, und kann, wenn man möchte, weiter recherchieren und sich informieren.

Ich habe eine Weile lang jeden Abend ein Kapitel gelesen, die jeweils einer Philosophin gewidmet sind, und dabei viel gelernt. Es stimmt, dass ich in der Schule diese Namen nicht gehört habe, es stimmt, dass mir nur von den Männern erzählt wurde – die Leistungen ihrer Kolleginnen werden seit Jahrtausenden (!) ignoriert. Das ist nichts anderes als eine große Schande, und ich hoffe sehr, dass Bücher wie dieses uns endlich zu einem Umdenken bewegen. Es gehört an jede Höhere Schule, in jeden Philosophieunterricht und in jedes Bücherregal.

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