Bücherwurmloch

Natalie Buchholz: Unser Glück

„Wir könnten uns so eine Wohnung niemals leisten“
Coordt und Franziska leben mit ihrem kleinen Sohn Frieder in München. Sehr beengt, weil der Wohnraum dort teuer ist, die Situation macht Franziska unglücklich. Als Coordt an einem heißen Sommertag eine große, perfekt gelegene Wohnung besichtigt, erwartet ihn eine Überraschung: Die Vermieterin teilt ihm mit, dass ein Zimmer von ihrem Ex-Mann bewohnt bleibt, der zwar keinen Kontakt zu den neuen Mietern möchte, aber auch nicht ausziehen will. Franziska stört das nicht, sie ist begeistert von der neuen Bleibe und blüht auf. Coordt dagegen hat massiv zu kämpfen mit dem Mann hinter der verschlossenen Tür. So sehr, dass plötzlich alles, was er sich aufgebaut hat, auf dem Spiel steht.

Natalie Buchholz hat ein Buch geschrieben, dessen Idee ich sehr originell finde: Da kommt ein Mann nicht klar damit, dass noch ein anderer Mann anwesend ist in derselben Wohnung. Ein interessantes Platzhirschgehabe legen sie an den Tag, und da die Autorin nur aus der Sicht von Coordt erzählt, bekommen wir einen sehr männlichen – einen amüsant männlichen – Blick auf Alltagssituationen, auf Kinderbetreuung und Care-Arbeit. Wie er seine Frau beobachtet und einordnet, fand ich teilweise fast schon zu reflektiert, denken Männer wirklich derart viel über winzige Veränderungen im Verhalten ihrer Partnerinnen nach? Ich werde es nie erfahren. So oder so habe ich „Unser Glück“ sehr gern und in einem Rutsch gelesen, es ist klug, spannend, gesellschaftskritisch und – zumindest habe ich es so gelesen – eine schmunzelnd-ironische Sicht auf toxische Männlichkeit.

Unser Glück von Natalie Buchholz ist erschienen bei Penguin.

5 Comments

  1. Vielen Dank für deine Besprechung. Sie lässt mich etwas unsicher zurück, unsicher darüber, ob mir das Buch etwas geben kann, ob es mehr ist, als nur kurzweilige Unterhaltung. Du bist nicht allein, mit dem Urteil einer ‹klugen Geschichte› und dennoch bleibe ich unschlüssig zurück. Zuerst bin ich allerdings über die Namen gestolpert, direkt die erste Zeile und ich dachte nur: ‹Wer heißt denn so?›. Es ist auf meine Liste ‹Möglicherweise› gelandet, mal sehen, vielleicht stolpere ich auch noch über eine andere Besprechung… Liebe Grüße!

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  2. Ganz ehrlich, ich wäre wohl auch nicht glücklich, wenn ich mir meine Wohnung mit einem oder einer Fremden teilen sollte! Nicht, weil ich mich in meiner Weiblichkeit bedroht fühlen würde, sondern einfach, weil ich eine Frau bin, die Wert auf ihre eigene kleine Privatwelt legt. Aber dann würde ich in die Wohnung gar nicht einziehen, und gut ist.

    Aber ich kann mir vorstellen, dass toxische Männlichkeit die Situation nicht wirklich besser macht…

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    1. Mariki Author

      Ja, das ist schon seltsam, dass es die Frau im Buch überhaupt nicht stört, nur den Mann. Andererseits gibt es natürlich auch Wohngemeinschaften, wo jeder sein Zimmer hat …

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  3. Christa

    Ich habe das Buch im Urlaub gelesen, mit wachsender Begeisterung – und es beschäftigt mich immer noch. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass meine erwachsene Tochter gerade auf Wohnungssuche ist (irgendwo zwischen Hamburg und Lübeck); vor diesem Hintergrund ist mir (und ihr) nichts Menschliches mehr fremd und die Handlung des Buchs gar nicht so weit hergeholt. Die Zumutungen an Wohnungssuchende werden immer absurder und verrückter; die Frage ist letztlich nur noch, was lass ich mir gefallen, wo ist definitiv meine Schmerzgrenze erreicht und an welchem Punkt schiebe ich rigoros den Riegel vor – und gehe lieber leer aus.
    Für mich ist das Problem tatsächlich handgreiflich. Wir suchen alle irgendwann, früher oder später im Leben, ein Zuhause. Der Wohnungsmarkt hat sich aber inzwischen unglaublich verzerrt, die Mieten sind erschreckend unbezahlbar geworden (selbst in der Provinz) und die Vergabe von Wohnungen ist wesentlich davon bestimmt, wer am besten performt und die dickste Brieftasche hat.
    Ich bin Frau Buchholz für dieses tolle Buch dankbar und empfehle die Lektüre Vermietern und Wohnungssuchenden. Ein gutes Lehrstück!

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