Bücherwurmloch

Janna Stennfatt: Die Überflüssigkeit der Dinge

„Wie absurd das eigentlich war, dachte ich: zu leben, während andere tot waren“
Inas Mutter war eine sehr bekannte Schauspielerin, dann eine weniger bekannte Schauspielerin, und jetzt ist sie tot. Ina ist nicht sicher, ob ihre Mutter absichtlich gegen den Baum gefahren ist oder ob es ein Unfall war, und jetzt hat Ina nur noch Falk. Mit ihm wohnt sie zusammen in einer WG in Hamburg, die beiden verbindet eine Freundschaft, aus der vielleicht Liebe hätte werden können und die deshalb seltsam schief ist. Die Fächer, die Ina studiert hat, haben sie geradewegs in die Arbeitslosigkeit geführt, und so beginnt Ina am Theater in der Kantine zu arbeiten. Dort haben ihre Eltern sich kennengelernt. Dort wird ihr Vater, der vermutlich gar nicht weiß, dass es Ina gibt, in Kürze den Sommernachtstraum inszenieren. Und dort trifft Ina auf Paula.

Zuerst hab ich gedacht, das ist wieder so ein Buch, in dem ein junger Mensch einen Elternteil verliert und sich selber sucht. Ein bisschen ist das auch so, aber Janna Stennfatt hat genug unerwartete Wendungen eingebaut, um mit ihrem Roman einigermaßen sicher die Klischees zu umschiffen. Vor allem mag ich ihre Protagonistin Ina, die kratzbürstig und distanziert ist und Menschen nicht leiden kann:

„Ich schlief schlecht, wenn ein Mensch in der Nähe war, der atmete und sich bewegte und am Morgen einen unfrischen Geruch verströmte.“

Und ich mag den Ton, der angenehm melancholisch ist, stellenweise fast poetisch, dann wieder hanseatisch kühl. Die Überflüssigkeit der Dinge ist ein leises Buch, das von Begegnungen erzählt, von Gefühlen, die nicht ausgesprochen werden, von Menschen, die aneinander vorbei lieben. Es enthält klug formulierte Sätze, die mich lächeln lassen, zum Beispiel:

„Die Mutter meiner Mutter war früh gestorben, und wenn ich fragte woran, erhielt ich immer die gleiche Antwort: am Leben.“

„Die Selbstsicherheit in die Jahre gekommener Männer müsste man haben, dachte ich.“

Das Gute an diesem Roman liegt in seiner Unaufgeregtheit und seiner Unberechenbarkeit. Ein wenig zu unzugänglich sind mir die Menschen, von denen ich mir dann doch ab und zu gewünscht hätte, sie würden sich mehr mitteilen. Aber genau das macht natürlich das Karge, Schweigsame, Traurige aus. Ein leicht lesbares, schönes Buch.

Die Überflüssigkeit der Dinge von Janna Stennfatt ist erschienen bei Hoffmann und Campe.

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