Bücherwurmloch

Liz Moore: Long Bright River

„Manche Leute machen eine schwere Kindheit für ihr Unglück verantwortlich“
Mickey und Kacey haben allen Grund, das zu tun: Als sie sehr klein waren, ist ihre drogensüchtige Mutter an einer Überdosis gestorben. Sie sind bei ihrer Großmutter Gee aufgewachsen, die sie nicht haben wollte – und sie das jeden Tag spüren ließ. Anfangs gelingt es Mickey immerhin noch, den engen Zusammenhalt mit ihrer kleinen Schwester Kacey aufrechtzuhalten, doch als diese mit 16 ebenfalls drogenabhängig wird, entgleitet sie ihr immer mehr. Heute sind beide erwachsen, haben jedoch seit fünf Jahren keinen Kontakt mehr. Mickey arbeitet als Streifenpolizistin in Kensington und weigert sich, die Prüfung zum Detective abzulegen, denn dann wäre sie weg von der Straße – jener Straße, auf der Kacey anschaffen geht – und könnte ihre Schwester nicht mehr wenigstens auf diese Art im Auge behalten. Doch dann verschwindet Kacey – und in Kensington werden Prostituierte umgebracht.

Long Bright River von Liz Moore ist Krimi und Sozialstudie in einem. Während ich den Anfang ein wenig träge fand, nahm das Buch plötzlich derart Fahrt auf, dass ich es nicht weglegen wollte und sogar im Auto (ja, auf dem Beifahrersitz) gelesen habe. Um endlich zu erfahren, wo Kacey ist. Wer der Mörder ist. Was zwischen den beiden Schwestern vorgefallen ist. Dabei hatte ich permanent Szenen aus der Serie Shades of Blue vor Augen, die von korrupten Polizisten handelt. Und auch wenn Mickey im Buch wohl nicht aussieht wie Jennifer Lopez, war sie für mich eine ebenso toughe, zeitweise auch skrupellose Frau, die sich von ihren eigenen Gefühlen abgetrennt hat, um sich zu schützen. Kensington ist eine Stadt, die mit großer sozialer Ungleichheit und massiven Drogenproblemen zu kämpfen hat. Dass das in vielen amerikanischen Städten der Fall ist, bekommen wir hier in Europa gar nicht so mit, von hier aus hat das Leben in den USA oft einen goldenen Glanz. Long Bright Riverist, was man einen Pageturner nennt: ein Buch, das so fesselnd ist, dass man durch die Seiten rauscht. Großartiges Finale auch, ich habe es nicht kommen sehen.

Long Bright River von Liz Moore ist erschienen bei C. H. Beck.

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