Bücherwurmloch

Juli Zeh: Leere Herzen

„Um zu hassen, müsste man erst mal wissen, worauf es ankommt“
Britta und Badak sind schon seit ewigen Zeiten Freunde, und nicht nur das: Gemeinsam haben sie eine Agentur gegründet. Niemand weiß, was die beiden dort treiben, und das soll auch so bleiben – denn im Geheimen betreiben sie ein ebenso ungewöhnliches wie lukratives Geschäft mit dem Tod. Britta ist eine abgeklärte Frau, sie hat einen Mann und ein Kind und keine Illusionen. Es geht ihr gut. Ihre Geschäftsidee setzen sie und Badak ohne Skrupel um, sie verlassen sich auf ihr ausgeklügeltes System, Geld ist genug vorhanden, und sie führen ein süßes kleines Spießbürgerleben.

„Auf die Frage, wie es ihr gelinge, in der heutigen Zeit immer so fröhlich zu sein, hat Janina einmal geantwortet: Ich genieße es in vollen Zügen, dass mich die allermeisten Dinge nichts angehen.“

Bis plötzlich die Konkurrenz auf den Plan tritt. Jemand, der auch ein Stück vom Kuchen will – oder am liebsten den ganzen Kuchen. Und der dabei vor nichts zurückschreckt.

„Globalisierung bedeutet, nirgendwohin fliehen zu können. Weil alles immer schon überall ist. Da wird Selbstmord zum letzten Notausgang.“

Leere Herzen von Juli Zeh ist ein wirklich gut gemachter Unterhaltungsroman, der vor allem von seiner originellen Idee lebt. Die Agentur, die Britta und Badak haben, ist das Herzstück dieser Geschichte, und so abwegig das alles vielleicht klingt – so glaubwürdig ist es gleichzeitig. Gut möglich, dass es Menschen gibt, die tatsächlich auf diese Weise viel Geld verdienen, ich kann es mir vorstellen. Juli Zeh kann ausgezeichnet schreiben, in diesem Fall liegt das Gewicht aber nicht auf ihrer Sprache. Das muss es auch nicht, weil das Buch von seiner Handlung angetrieben wird, vom Inhalt, von der Story – und ihrer Entwicklung. Das ist spannend, mit klugen Wendungen und einem absolut gelungenen Ende. Ich habe Leere Herzen im Urlaub gelesen, und dafür war das Buch ideal: flüssig und schnell zu lesen, nichts zu Hochtrabendes, aber auch nicht zu seicht. Am meisten mochte ich Brittas sarkastischen Ton, ihre allgemeine Abneigung gegen Menschen, ihren rabenschwarzen Blick auf das Leben. Perfekt für alle, die sich auf gutem Niveau unterhalten lassen wollen.

„Aber vielleicht ist Britta mit ihrem Nihilistenstolz auch nur ein Dinosaurier, der sich für den Größten hält, während er ausstirbt.“

Leere Herzen von Juli Zeh ist erschienen bei Luchterhand (ISBN 978-3-630-87523-1, 352 Seiten, 20 Euro).

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