Bücherwurmloch

Heute erscheint „Das Licht ist hier viel heller“

Bei Dunkelgrün fast schwarz habe ich berichtet über diesen Entstehungsprozess, über das Schreiben und Scheitern und das Hoffen, das sich insgesamt über zwanzig Jahre gezogen hat. Ich habe damals lange überlegt, ob ich das überhaupt auf dem Blog veröffentlichen soll, aber dann habe ich gedacht, dass es andere vielleicht inspiriert, ihnen zeigt, dass es lohnt, durchzuhalten und weiterzumachen, einfach weiterzumachen – und plötzlich war dieser Beitrag mein meistgelesener Post.

Heute erscheint der neue Roman, und es ist das zweite Buch, wir wissen alle, dass das heikel ist, sprechen wir es halt mal aus. Beim zweiten gilt’s. Da zeigt sich, ob du nur zufällig kurz ein bisserl gehyped warst oder ob du doch was kannst. Angeblich ist das zweite auch das schwierigste Buch, aber Leute, ganz ehrlich? Jedes Buch ist das schwierigste. Jedes Buch ist neu und verwirrend und man weiß nicht, wie sich das alles zusammenfügen soll, wie man sich durch diese Stunden und Stunden des Schreibens hangeln soll, ohne aufzugeben, wie man die Worte finden soll und die Kraft.

Ich habe Das Licht ist hier viel heller zum Großteil im Jahr 2017 geschrieben, und die Geschichte hat sich parallel zum Zeitgeschehen entwickelt. Wegen all dieser Dinge, über die vorher zu wenig gesprochen wurde, die immer verschwiegen wurden. Wegen des Aufschreis und der Wut und der vielen, vielen Stimmen, die plötzlich laut wurden. Und als ich das habe einfließen lassen, hab ich Angst bekommen. Das wird mir um die Ohren fliegen, hab ich gedacht, das ist zu schonungslos, zu entlarvend, zu arg. Und genau aus diesem Grund, genau wegen der Angst und wegen meinem Wunsch, lieber zu schweigen, habe ich mich entschlossen, mit dieser Geschichte zu gehen, mit Marlen und Zoey. Denn diese Furcht ist so in uns hineingeprügelt und hineinerzogen worden, dass sie unser gesamtes Handeln und Denken bestimmt und wir uns nicht trauen, den Mund aufzumachen.

Es ist „nur“ ein Buch, ich weiß das. Aber wenn es diesem Buch gelingt, bei einer Handvoll Lesern etwas zu bewirken, ein Nachdenken, ein Umdenken, ein Wütendwerden, ein So-nicht-mehr-Gefühl, dann ist das schon viel. Dann ist das alles, was ich mir wünsche. Erwartet also bitte keine Wohlfühlkuschellesezeit. Erwartet Zynismus und Biss und Witz und Traurigkeit und Bitterkeit. Ich weiß nicht, was diesem Roman und mir blüht und ob man unsanft mit uns umgehen wird, aber ich weiß: Es ist gut, dass ich ihn geschrieben habe. Weil Schluss sein muss damit, dass über diese Dinge geschwiegen wird.

 

6 Comments

  1. Jörg Wald

    danke für dieses besondere buch von DIR.
    soviele aspekte, ehrliches be-achten, staunen und bedenken.
    voll treffender personen-bilder und tiefen zeichnungen des lebens.
    eines meiner liebsten bücher im lesejahr!
    du gehörst zu meinem autoren-olymp…
    dein märzfalke.

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  2. Walter Partilla

    Dein Buch berührt mich. Hoffentlich kriegen es auch Menschen in die Hand, denen es weh tut, denn erst dann ändert sich der Mensch.
    Liebe Grüße aus Innsbruck

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