Bücherwurmloch

Kurz angebraten: Flašar und Kitamura

FlasarMilena Michiko Flašar: Herr Katō spielt Familie
„Ohne Schmerz gibt es keine Erinnerung“
Herr Katō ist in Pension, und er kann sich noch so sehr einreden, dass er Pläne hat – das Radio reparieren, laufen gehen, vielleicht nach Paris fahren mit seiner Frau, vielleicht –, in Wahrheit ist ihm schrecklich langweilig. Das ändert sich, als er eines Tages die junge Mie trifft. Sie spielt gegen Geld das, was verlangt wird, zum Beispiel eine Tochter, eine Schwester, eine Cousine, lässt sich buchen für Hochzeiten und Beerdigungen, für kurze Treffen, die anderen aus verschiedenen Gründen wichtig sind. Sie erzählt Herrn Katō von ihrer Agentur und bietet ihm einen Job an, den er natürlich, eh klar, fad wie ihm ist, annimmt. Zu kurz währt jedoch dieses Glück, und richtig bereichernd ist es nicht, die allgemeine Langeweile überwiegt, das ewig gleiche Zusammenleben mit seiner Frau, die Abwesenheit seiner Kinder, die, längst erwachsen geworden, kaum noch Kontakt halten, die große Fadesse des Lebens. Genau so erging es mir mit diesem Buch. Es kann gut sein, dass es mich in der falschen Phase erwischt hat, in jener der Ablenkung und des Lese-Überdrusses, als ich etwas Mitreißendes gebraucht hätte. Dabei habe ich Sie nannten ihn Krawatte von Milena Michiko Flašar geliebt! Und ich habe nichts gegen ruhige, zurückhaltende Bücher, im Gegenteil, ich fand Herr Origami großartig, genauso wie die Romane von Yoko Ogawa. Aber dieses hier? Ich weiß nicht. Ich habe mich gemeinsam mit Herrn Katō in seinem Leben sehr gelangweilt.

Herr Katō spielt Familie von Milena Michiko Flašar ist erschienen im Wagenbach Verlag (ISBN 978-3-8031-3292-5, 176 Seiten, 20 Euro).

IMG_7913Katie Kitamura: A separation
Christopher ist verschwunden, und seine Frau soll ihn suchen. Das wäre nicht so ungewöhnlich, wären die beiden nicht seit Längerem getrennt und fast schon geschieden, was nur niemand weiß. Christophers Mutter fordert die namenlose Protagonistin auf, nach Griechenland zu reisen, wo er sich aufhalten soll, und sie tut es. Sie lebt mit einem neuen Mann zusammen, hat ihren untreuen Gatten verlassen, alles ist noch unklar, keine Papiere unterschrieben. Sie kommt im Hotel an, und Christopher ist nicht da. Also tut sie erst einmal nichts, was sehr langweilig ist, und dann kommt des Rätsels Lösung eh schon ans Licht, ohne dass sie was tut, was auch langweilig ist. Ich habe mir viel von Katie Kitamura erwartet, deren Name seit einer Weile immer wieder dort auftaucht, wo von den Guten die Rede ist, die mit vielen Preisen bedacht wurde und deren Romane auch auf Deutsch erschienen sind. Letztlich war A separation aber eine herbe Enttäuschung, eine ganz und gar uninteressante Geschichte ohne einen einzigen Höhepunkt, ohne Konflikt, ohne Botschaft, die ich hätte hören können. Vielleicht habe ich mich für das falsche ihrer Bücher entschieden, die anderen werde ich jetzt jedoch sicher nicht mehr lesen.

Trennung von Katie Kitamura ist auf Deutsch erschienen bei Hanser (ISBN  978-3-446-25445-9, 256 Seiten, 22 Euro).

 

 

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