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David Lodge: Deaf Sentence

Von verbalen und literarischen Missverständnissen
Professor Desmond Bates hat an der Universität Linguistik unterrichtet. Jetzt ist er in Frühpension und praktisch taub. Der tägliche Kampf mit dem Hörgerät zehrt an seinen Nerven, seine Frau Winifred ist ob der vielen sprachlichen Missverständnisse am Ende ihrer Geduld. So besteht Desmonds Leben aus Alleinsein, Lesen, Fernsehen mit Kopfhörern und Schlafen. Ein soziales Leben ist ihm kaum noch möglich: Im Theater verpasst er die Pointen, auf Partys versteht er seine Gesprächspartner nicht. So geschieht es auch mit der jungen Dissertantin Alex, der er auf einer Veranstaltung unabsichtlich verspricht, ihr bei ihrer Doktorarbeit zu helfen. Schnell stellt sich heraus, dass Alex massive psychische Probleme hat. Sie verfasst eine Dissertation über Abschiedsbriefe von Selbstmördern und verhält sich außerordentlich verrückt. Als dann auch noch Desmonds Vater zusehends der Demenz verfällt, ist ihm wenigstens nicht mehr so langweilig in seinem Ruhestand.

Der Inhalt von Deaf Sentence klingt nach einer witzigen Geschichte. Diese Erwartung wird aber leider enttäuscht. Die vielen Missverständnisse, die angeblich so „hilarious“ sein sollen, sind nur mäßig amüsant. Im Endeffekt ist dieses Buch leider so langweilig wie Desmonds Leben als tauber pensionierter Professor: Es passiert einfach viel zu wenig. Als die psychotische Alex auf den Plan tritt, die sich vom Professor wünscht, er würde ihr den nackten Hintern versohlen, scheint zunächst ein bisschen Pfeffer in den Roman zu kommen. Er verpufft aber sehr schnell wieder, denn Alex gerät in den Hintergrund und verschwindet schließlich ganz, ohne dass diese Geschichte eine Art Höhepunkt erlebt hätte. Überhaupt plätschert die Handlung recht ruhig und harmlos vor sich hin, Aufreger oder Spannungsmomente gibt es keine. Interessant war für mich stellenweise der Einblick in den früheren Linguistikunterricht des Professors, aber auch nur aus Sentimentalitätsgründen in Erinnerung an mein eigenes Linguistikstudium. Alle Handlungsstränge in Deaf Sentence, die ein wenig Pepp versprechen würden, verlaufen schließlich im Sand. Es gibt keine Auflösung am Ende, vielmehr scheint die Geschichte einfach ein Auszug aus dem Leben eines Mannes zu sein, der langsam taub wird. Das ist eher deprimierend als witzig. Dabei wurde dieser Roman mir empfohlen – das muss ein Missverständnis gewesen sein. Leider ein unfassbar uninteressantes Buch.

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