Bücherwurmloch

Ciani-Sophia Hoeder: Wut und böse

„In unserer Gesellschaft gibt es keinen Platz für die Wut von Frauen“
Wie verzerrt die Wahrnehmung von Frauen in der Öffentlichkeit ist, zeigt sich am Umgang mit Annalena Baerbock, die oft gleich viel oder weniger Redezeit hatte als ihre männlichen Mitbewerber und trotzdem als forscher, aggressiver, unsympathischer wahrgenommen wurde. Auch die Humorforschung weiß: Machen Frauen am Arbeitsplatz einen Witz, gelten sie als inkompetent – während Männern jeder noch so dämliche Schenkelklopfer lachend verziehen wird. Und das sind Beispiele ganz normal sprechender Frauen. Wie ist es dann erst, wenn Frauen wütend werden? Wenn sie laut und zornig für ihr Recht eintreten, wenn sie sich aufregen, so richtig Gas geben? Wie sehen wir solche Frauen?

„Die Gesellschaft straft eine wütende Frau ab. Wie unter anderem mit dem Unwort, das jede Frau an einem gewissen Punkt hören musste, und zwar hysterisch.“

Ciani-Sophie Hoeder hat darüber ein ganzes Buch geschrieben: In „Wut und böse“ beschäftigt sich die Journalistin und Gründerin von RosaMag, dem ersten Onlinemagazin für Schwarze FLINTAs, mit internalisierter Wut und Selbstkontrolle, mit sexueller Belästigung und Wutmüdigkeit.

„Wut ist egoistisch, und Frauen sollen selbstlos sein.“

Sie tut dies auf eine bedächtige, sachliche Weise, findet genau den richtigen Ton und kreiert einen guten Mix aus allgemeinen Informationen und persönlichen Einblicken. Sie erzählt von ihrer Mutter und ihrer eigenen Sozialisierung, vom gesellschaftlichen Gaslighting und dem Wandel der Wut im Wechsel der Generationen. Ein sinnvolles, wichtiges Buch über Entmachtung und strukturelle Unterdrückung, über eine verschmähte Emotion und die Kraft, die in ihr steckt.

„Wir sehen Frauen, die für ihre Wut verurteilt werden. Dabei ist Wut Selbstliebe. Frauen, die sie ausleben, sind nicht unsympathisch. Sie sind stark. Und starke Frauen können die Welt verändern.“

Wut und Böse von Ciani-Sophie Hoeder ist erschienen bei Hanser.

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