Bücherwurmloch

Caitlin Moran: How to be famous

„Great songs walk into the room and tell you they are about to change your life“
Können wir bitte, bitte dieses Buch so richtig abfeiern? Es ist GROSSARTIG. Es ist so gut, ich wünschte, ich hätte etwas Derartiges gelesen, als ich sechzehn, siebzehn war. Ich wünschte, ich hätte schon damals gelernt, wie wichtig es ist, auf sich selbst zu achten, seinen eigenen Körper zu lieben und die patriarchalen Strukturen zu durchschauen, die uns Frauen kleinhalten. All das liegt in Caitlin Morans schönem, witzigem Roman – aber ohne, dass es mit erhobenem Zeigefinger daherkäme. Die preisgekrönte Autorin, die schon mit achtzehn Kolumnistin bei der Times wurde, war sechsmal „Kolumnistin des Jahres“, hat mit sechzehn ein Kinderbuch geschrieben und mit How to be a woman den Book of the Year Award 2011 gewonnen – das erzähle ich euch, um vorab klarzumachen, wie gut diese Frau ist. Und dieses Buch!

Es handelt von der 19-jährigen Johanna, die im Jahr 1995 nach London zieht und dort für ein Musikmagazin schreibt.

„And what this makes me aware of is that London isn’t just a place you live: London is a game; a machine; a magnifying glass; an alchimist’s crucible. Britain is a table, tilted so all its loose change rolls towards London, and we are the loose change. I am the loose change. London is a fruit machine, and you are the coin you put in – with the prospect of it coming up all cherries, and bells.“

Sie ist jung, und sie ist hungrig. Sie will Spaß haben, Abenteuer erleben, gute Bands entdecken – und vor allem will sie ihre große Liebe John wiedersehen. Die beiden kennen sich seit drei Jahren, dann wurde John berühmt. Deshalb ist er ständig auf Tour, Johanna vermisst ihn sehr. Als sie eines Abends einen Comedian kennenlernt und mit ihm nachhause geht, hat sie den schlechtesten (und kürzesten) Sex ihres Lebens. Das Date ist schnell vorbei, doch die Probleme fangen damit erst an, denn Johanna ist einfach gegangen:

„My mouth wrote a sex cheque my vagina eventually declined to cash – and, now as a result, I’m devalued. I’ll walk away from an erection. And this kind of girl, I have discovered, makes men angry. It makes them bitchy.“

Der Comedian nimmt es ihr übel und will sie büßen lassen. Johanna wiederum trifft auf die unbezähmbare, wilde, herausragend gute Sängerin Suzanne:

„Most people are built around a heart, and a nervous system. Suzanne appeared to be built around a whirlwind, kept trapped in a black glass jar.“

Mit ihr gemeinsam plant sie – fast schon ungewollt, denn der Comedian zwingt sie dazu – ihren eigenen Rachefeldzug.

„Suzanne has waded into war, and turned my vagina into a feminist battleground. That was not what I had planned for my vagina at all. I’d always been gunning for something more like ‚a well-loved public space, with limited parking’ instead.“

Dieses Buch ist witzig, anrührend, romantisch, kitschig, klug und einzigartig. Ich habe es mit so viel Begeisterung verschlungen! Ich habe laut gelacht und am Ende – obwohl ich nicht die Kitschnudel bin – geweint. Kauft es für euch selbst, lest es, schenkt es anderen Frauen Mitte dreißig, gebt es jungen Mädchen und denen Anfang zwanzig. Dies ist einer jener schlauen feministischen Romane, deren Botschaft man sehr gut annehmen kann. Und es war für mich wohl DER Überraschungshit des Jahres 2019, denn dass ich mich derart schockverlieben würde, hatte ich nicht erwartet. Ja, es ist ein Unterhaltungsroman. Ja, es ist ein bisschen seicht und heiter und angekitscht. Aber das ist nicht schlimm, im Gegenteil: How to be famous macht klar, dass Frauenliteratur auch auf diese Weise funktionieren kann – frei vom Narrativ, wir bräuchten einen Retter oder müssten uns erst optimieren, um geliebt zu werden. Johanna bricht die Regeln und die Tabus, es fällt ihr nicht leicht, sich selbst zu lieben. Das ist die wichtigste Message des Romans: Du bist gut, wie du bist. Lass dich nicht unterkriegen, von niemandem. Nicht einmal von einem vermeintlich mächtigen Mann.

 

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