Bücherwurmloch

Bernhard Aichner: Kaschmirgefühl

„Ist doch nicht normal, so etwas zu erfinden“
Können wir einen Moment innehalten und dieses Wort genießen? Es ist ein wirklich schönes Wort. Kaschmirgefühl. Taktil irgendwie. Geschmeidig. Es ist so weich wie dieses Buch. So weich wie die andere Seite von Bernhard Aichner, der sich mit Thrillern einen Namen erschrieben hat – von denen ich keinen gelesen habe, ich gestehe es. Aber den Bernhard hab ich kennengelernt, auf der Frankfurter Buchmesse, in einer Bar, deren Namen ich nicht mehr weiß, ich denke, es war ein Uhr morgens. Wir haben uns über pubertierende Kinder unterhalten und über Netflix, und als ich gesehen habe, dass Bernhard ein Buch rausbringt, in dem ausnahmsweise mal keiner stirbt, musste ich es natürlich lesen.

Und dann war ich überrascht, denn ich mag alles, was originell ist, und damit ihr diesen Überraschungsmoment auch habt, werde ich hier nicht spoilern. Es geht um zwei Menschen in diesem kurzen, witzigen Roman, die sich kennenlernen, ein Mann und eine Frau. Dass sie einsam sind, merkt man schnell, dass sie nicht die Wahrheit sagen, auch. Warum tun sie das? Was steckt dahinter? Die Auflösung präsentiert Bernhard Aichner freilich erst ganz am Ende – er ist ja ein Experte. Er hat eine schöne, fantasievolle, erheiternde Story geschrieben, die lächeln macht für einen Moment, und das ist doch schon viel, die einem ein gutes Gefühl gibt – ein Kaschmirgefühl.

Kaschmirgefühl von Bernhard Aichner ist erschienen im Haymon Verlag (ISBN 978-3-7099-3456-2, 188 Seiten, 17,90 Euro).

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