Bücherwurmloch

IMG_395924 Grüße vom Nikolaus
Der Nikolaus hat mich besucht und weil ich – wie könnte es anders sein – immer unfassbar brav war, hat er mir was ganz Besonderes mitgebracht: Das Buch der Wünsche von Peter Mathews. Warum es so besonders ist? Weil man es erst öffnen muss, um es lesen zu können. Nicht öffnen im herkömmlichen Sinn allerdings. Nein, aufschneiden! Jede Doppelseite ist wie das Kästchen eines Adventkalenders. Verziert sind die 24 Doppelseiten mit Illustrationen von Nic Klein. Drinnen wartet die Geschichte, und da muss ich erst mal drankommen. Wobei ich noch nicht weiß, wie ich es schaffen soll, tatsächlich ein Buch zu zerschneiden … Aber umso gespannter bin ich auf den Inhalt dieses einzigartigen Adventkalenders! Und euch wünsche ich von Herzen eine stressfreie, entspannte und unvergesslich schöne Vorweihnachtszeit.

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Bücherwurmloch

Vom Lesen über das Lesen
Erst vor drei Jahren habe ich angefangen, mich mit der Blogwelt zu beschäftigen – als ich selbst das Bücherwurmloch gegründet habe. Die Zahl der Blogs geht wohl ins Unendliche, und viele davon haben die Literatur zum Inhalt. Dabei gibt es, wie ich schnell festgestellt habe, Blogs, deren Buchauswahl sich eher mit meiner deckt als die anderer. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich jene Perlen gefunden habe, die heute meine Blogroll schmücken und die ich sehr schätze. Je intensiver ich mich mit der Art, wie Blogger rezensieren, auseinandergesetzt habe, umso mehr ist mir etwas aufgefallen: der große Unterschied zwischen dem Feuilleton und den Buchblogs.

Dieser Unterschied besteht für mich in erster Linie darin, dass die professionellen Rezensenten gern den Eindruck vermitteln, allwissend zu sein, indem sie ihre subjektive Meinung als objektiv hinstellen. Sie zeigen sich gebildet und belesen, machen Querverweise und werfen mit Fremdwörtern um sich. Es ist beispielsweise von “karnevalesker Mythentravestie” die Rede, von “kapriolenschlagenden Versen”, “Sprachpartitur” und “der Kontrollierbarkeit von literarischen Eskalationsprozessen”. Das sind nun natürlich banale und nur kurz gefasste Gedanken über das Feuilleton, die so oder ähnlich in vielen Köpfen schwirren und nicht fundiert sind. Ich lese durchaus gern Rezensionen, die mich derart umfassend formulieren, aber ich finde sie auch oft genug anstrengend, obwohl ich einen Magistertitel habe.

Buchblogs dagegen machen’s persönlich. Sie sind anders, weil sie subjektiv sind – und das auch zugeben. Ein Blogger schreibt über ein Buch und erzählt, was es mit ihm gemacht hat, wie es sich angefühlt hat, diesen Roman zu lesen, was es ihm gebracht hat. Die Königin dieser Art des Rezensierens ist mit Sicherheit die Klappentexterin, die von ihren Fans und mir dafür geschätzt wird, dass sie die richtigen Worte für ihre Gefühle bei der Lektüre findet. Das gelingt auch der Bibliophilin, Caterina, Svenja und Ada, um nur einige wenige ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu nennen, bei denen ich gern stöbere.

Es hat seine Zeit gebraucht, bis ich meinen eigenen Weg gefunden habe, denn anfangs habe ich mich dagegen gewehrt, zu viel von mir in meine Rezensionen zu legen. Ich dachte, sie müssten so distanziert und altklug sein, wie ich es gelernt hatte. Und diese Rezensionen waren nicht gut. Erst als ich zugelassen habe, dass das Wörtchen “ich” in meinen Besprechungen vorkam, fiel es mir leichter, von meiner Lektüre zu berichten und Begeisterung oder Enttäuschung zu formulieren. Denn darum geht es doch: Bloggen ist, meinen Freunden zu sagen, was mir gefallen hat und warum.

Das Bloggen ist zudem kein Dozieren, sondern ein Miteinander, das is einem Medium stattfindet, in dem ganz einfach und direkt kommentiert und diskutiert werden kann. Die Blogger sind eine virtuelle Gemeinschaft, die sich eng vernetzt und durchaus zum “Multiplikator” für ein Buch werden kann. Die Erfolgsgeschichte mancher Titel – wie aktuell “Fifty Shades of Grey” – zeigen, dass die Blogger-Community eine Größe ist, die man ernst nehmen muss.

Es sei dahingestellt, wem welcher Stil besser gefällt, wer sich bei den Hobbyrezensenten oder den Profis besser aufgehoben fühlt. Es lässt sich mit Sicherheit viel darüber diskutieren, weil das Ansehen der Blogger oft nicht groß ist und sie als Laienrezensenten abgestempelt werden, denen man jegliche Ahnung über Bücher abspricht. Was aber bedeutet das? Muss man Literaturwissenschaften studiert haben, um eine Meinung über ein Buch haben und kundtun zu dürfen? Ist nicht vielleicht in der heutigen Zeit mit der neuen Art der Kommunikation ein direkterer, unverfälschter Weg besser bzw. spricht er nicht vielleicht mehr neue Leser an, die nicht die Sprache des Feuilletons sprechen? Darüber will ich nicht urteilen. Aber ich will sagen, dass ich Buchblogs mag.

Bücherwurmloch

Grimm & Co. in 160 Zeichen
Vor einiger Zeit habe ich einen Zeitungsartikel über die Bibel und ihre neue Erscheinungsform geschrieben: Sie wurde nämlich getwittert. Das war verrückt und womöglich blasphemisch, aber ich vertrete die Einstellung, dass es gut ist, wenn überhaupt gelesen wird. Und ich kenne als (wenig ins Historische verliebte) Linguistin das Begehren nicht, alte Sprachzustände zu erhalten, denn Sprache ist lebendig und immer in Bewegung. Deshalb finde ich es originell, wenn die Bibel getwittert wird. Und ich finde es lustig, wenn die berühmten Grimm’schen Märchen aus dem beginnenden 19. Jahrhundert 200 Jahre später in nur 160 Zeichen erzählt werden – wie in einer SMS. Dieses Sprachexperiment hat nun der Italiener Fabian Negrin gewagt – und Rosemarie Griebel-Kruip hat seine Märchen verblüffend genial ins Deutsche übertragen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie das aussehen soll? Ich zeige es euch:

Fabian Negrin hat auch eigene SMS-Märchen kreiert und die Mini-Kurzgeschichten mit sehr schönen Scherenschnitt- bzw. Schattenriss-Illustrationen geschmückt. Die Idee für das Buch hatte er angeblich auf einer Zugfahrt, auf der er seiner Freundin seine kreativen Einfälle per Handy schickte. Sie mussten somit in das Format einer SMS passen. Und das Witzige daran ist: Die Märchen funktionieren. Sie sind extrem kurz, aber sie erzählen dennoch eine Geschichte. Nicht immer die Geschichte, die wir aus unserer Kindheit kennen. Aber umso besser. Mehr Geschichten braucht das Land! Auch, wenn sie nur 160 Zeichen haben. Und wenn ihr der Meinung seid, dass ihr das auch so gut könnt wie Fabian Negrin, schickt doch einfach eine SMS mit eurem 160-Zeichen-Märchen an den Verlag unter 0049/172/140 47 36. Als Antwort bekommt ihr ein 14. Märchen gratis, die schönsten Märchen werden außerdem auf der Website vorgestellt. Euer Märchen könnt ihr natürlich auch auf Facebook posten: www.facebook.com/smsmaerchen.

Gewinnen, gewinnen!

Wer kein Märchen schreiben, aber trotzdem etwas gewinnen will, der errät einfach, welches das oben gezeigte Märchen ist. Schreibt mir eine Nachricht an buecherwurmloch@hotmail.com oder unter www.facebook.com/buecherwurmloch! Einsendeschluss ist der 31. Mai 2012, der Gewinner wird per Zufall ermittelt. Und was es zu gewinnen gibt? Natürlich ein nagelneues Exemplar der SMS-Märchen! Das andere hat sich schon mein Sohnemann geschnappt. Viel Glück!

SMS Märchen von Fabian Negrin ist erschienen im mixtvision Verlag, der schöne Kinderbücher publiziert (ISBN 978-3-939435-44-0, 36 Seiten, 13,90 Euro).

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Zitat der Woche
Die Furcht vor dem Außenseiter verbirgt die eigene Furcht, denn alle fürchten sich vor dem, was sie einander antun könnten, fiele einmal das, was sie gemeinsam haben, fort.

Aus: Die Überfahrt von Joseph O’Connor

Bücherwurmloch

Zitat der Woche
Das alles geschah natürlich ohne Worte, wie die großen, gefährlichen Dinge eben zu geschehen pflegen. Wenn man redet, weint und schreit, ist es schon leichter.

Aus: Wandlungen einer Ehe von Sándor Márai

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Das Bücherwurmloch ist Jurymitglied beim “M-Pionier”-Buchpreis!
Eine große Ehre hat mich ereilt: Ich darf in diesem Jahr mitbestimmen, wer den Buchpreis “M Pionier” der Mayerschen Buchhandlung gewinnt. Dabei geht es darum, die Aufmerksamkeit auf ausgewählte und eher noch unbekannte Autoren zu lenken, der Gewinner bekommt 1000 Euro. Das ist vielleicht kein großer, im Rampenlicht stehender und alles verändernder Literaturpreis, aber das muss er auch nicht sein, für die Feuilletons gibt es in dieser Hinsicht genug Beschäftigung. Der “M Pionier” ist bodenständiger, direkter am Leser dran und ganz klar auch eine Buchhandlungsmarketingstrategie. Das gibt ihm seine ganz eigene Berechtigung. Wobei sich inzwischen ja auch herausgestellt hat, dass zwei der nominierten Titel (4 und 10) auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stehen. Und: Ich darf 10 aktuelle Bücher lesen. Bücherwurmherz, was willst du mehr? Fünf Blogger – darunter Cara Elea von The Lines Between, Kim Sara Kriedemann alias Büchermädel, Iljana Lott von Mein-Lesetipp.de sowie Ada Mitsou mit ihrem Blog Ada liest – bilden diese Jury, und auch die Leser stimmen ab. Nominiert sind folgende 10 Titel:

1. Marco Balzano: Damals, am Meer
2. Paula McLain: Madame Hemingway
3. David Foenkinos: Nathalie küsst
4. Jan Brandt: Gegen die Welt
5. Simon Urban: Plan D
6. Thomas Enger: Sterblich
7. Edmund de Waal: Der Hase mit den Bernsteinaugen
8. A. J. Kazinski: Die Auserwählten
9. Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
10. Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts

Die Abstimmung läuft bis zum 12. November, bis dahin müssen die Bücher verspeist und bewertet werden. Ich werde sie auch hier im Blog wie gewohnt rezensieren. Bereits gelesen habe ich 1, 2 und 9. In erster Linie ist der “M Pionier” ein Preis, der Spaß macht, der die Leser auf Neuerschienenes aufmerksam macht, sie zum Lesen motiviert und letztlich einen hoffentlich glücklichen Gewinner kürt. Ich bin gespannt, wer es sein wird!