Bücherwurmloch

Herbst14Bücherherbst, Bücherhimmel
Nach einem Buch ist vor einem Buch. Also eigentlich ist immer ein Buch. Ununterbrochen. Deshalb: Kaum ist das Frühjahr vorbei, beginnt der Herbst. Sommer gab es ja in diesem Jahr keinen. Ich habe wie meine Bloggerkolleginnen, die schon längst ihre Herbstauswahl vorgestellt haben, ebenfalls in den Vorschauen geblättert. 26 Titel haben mich angelacht und stehen nun auf meiner Liste:

Wir haben Raketen geangelt von Karen Köhler
Aufstieg und Fall großer Mächte von Tom Rachman
Der Ozean am Ende der Straße von Neil Gaiman
Die Interessanten von Meg Wolitzer
Maria Bellezza von Silvia Avallone
Mein fremdes Leben von Joshua Ferris
Im Winter schläft man auch bei Wölfen von Andrea Molesini
Neun Tage von Toni Jordan
Fünf Menschen, die mir fehlen von Christie Hodgen
Restwärme von Kerstin Preiwuß
Die Schuld der anderen von Gila Lustiger
Die Frau des Leoparden von Paul Pickering
Winterkrieg von Philip Teir
Die Gierigen von Karine Tuil
Zwischen zwei Meeren von Carmine Abate
Zum Meer von Kathrin Gross-Striffler
Das Haus der vergessenen Bücher von Christopher Morley
Brennerova von Wolf Haas
Glow von Ned Beauman
Der Grund von Anne von Canal
Septembernovelle von Johan Bargum
Vier neue Nachrichten von Joshua Cohen
Kaum macht man mal was falsch, ist das auch wieder nicht richtig von Kirsten Fuchs
Handkantenschlag von Dorthe Nors
Der Kuss von Boris Meyn
Albuquerque von Florian Wacker
Wie im Wald von Elisabeth Klar

Werdet ihr auch eines dieser Bücher lesen?

Bücherwurmloch

Frühjahr 14Der Sommer ist da! Endlich. Das bedeutet: heißen Sand zwischen den Zehen, Unmengen von Eis und viele schöne Sommersprossen. Es bedeutet aber auch: Der Frühling ist vorbei – und ich habe haufenweise tolle Frühjahrstitel verschlungen. Genau 32 waren es an der Zahl. Zeit für eine kleine Rückschau.

Ich habe gelernt, Kurzgeschichten zu mögen, und hab mich ein bisschen verliebt. In Amy Hempel, Daniela Krien und vor allem in John von Düffel.

Einen absoluten Höllenritt habe ich mit A. M. Homes und Toby Barlow erlebt.

Positiv überrascht war ich von J. Courtney Sullivan und Rhidian Brook.

In fremde Welten entführt haben mich Nadifa Mohamed und Elif Shafak.

Meine drei Highlights des Frühjahrs 2014 sind definitiv Louise Erdrich, Brittani Sonnenberg und Yasmina Reza.

Auch alle anderen Romane haben mir zum Großteil viel Vergnügen bereitet und mir erneut bewiesen, wie grandios es ist, dass es eine solche Bandbreite an Verlagen und Büchern aller Richtungen gibt. Ein herzliches Dankeschön mit gelupftem Hut für die bereitgestellten Leseexemplare geht an dtv, Ullstein, Dumont, Luchterhand, Piper, S. Fischer, Arche, Berlin Verlag, Bertelsmann, Hanser, C. H. Beck, Kiepenheuer & Witsch, luxbooks, Zsolnay, Aufbau, Atlantik, Osburg, Blessing, Residenz, Haymon, Matthes & Seitz, Kein & Aber, Antje Kunstmann, mare, Suhrkamp.

Welches war euer liebstes Buch in diesem Frühjahr?

Bücherwurmloch

IMG_0711Neu im Bücherwurmloch: Short Storys
Es war einmal: Früher hab ich keine Kurzgeschichten gelesen. Niemals! Weil ich mich in einen Roman vertiefen, von den Ereignissen wegspülen und von der Handlung einwickeln lassen wollte. Da lag ich dann stundenlang auf der Couch, im Bett oder saß im Bus – ich hatte Zeit zum Lesen. Und an den Short Storys störte mich die Notwendigkeit, sich immer wieder auf neue Figuren und ein neues Setting einzulassen, zu sprunghaft fand ich das, zu abgehackt, zu anstrengend.
Und dann ist das passiert, was im Leben immer passiert: Es hat sich was verändert. Mit einem und inzwischen zwei kleinen Kindern fehlt mir nämlich jetzt die Zeit zum Lesen. Würde man bei meinem Bücherkonsum nicht vermuten, aber ich lese tatsächlich sehr wenig – ich lese einfach nur wahnsinnig schnell. Aber: Auf der Couch liegen oder im Bus sitzen gibt’s nicht mehr. Sondern eher gestohlene Minuten zwischendurch, wenn ein Zwerg schläft und der andere sein Biene-Maja-Malbuch systematisch mit schwarzer Farbe tüncht, oder in der berühmten Happy Hour für Eltern, jener einen Stunde, in der die Kinder endlich im Bett sind und man selber noch kurz wach bleiben kann, bevor man ins Erschöpfungskoma fällt.

Jetzt habe ich plötzlich das umgekehrte Problem: Ich lese vielleicht über den Tag verteilt eine Stunde, immer wieder mal fünf bis zehn Minuten – und das mit dem Vertiefen, Wegspülen und Einwickeln klappt nicht mehr. Was bietet sich dagegen an? Genau. Kurzgeschichten. Also habe ich 2011 angefangen, diese mir bis dahin unsympathische Erzählkategorie genauer unter die Lupe zu nehmen. Der erste Titel war passenderweise Alles auf Anfang von David Benioff das ich gleich sehr gut fand. Auch Zoran Živković konnte mich mit seinen skurrilen Geschichten überzeugen. Die alte Abneigung hielt sich aber trotzdem noch hartnäckig und ich ging Short Storys weiterhin bewusst aus dem Weg. Ich wollte noch nicht so ganz glauben, dass das was werden könnte mit uns.

2012 versuchte Miroslav Penkow sein Glück und konnte ebenfalls bei mir landen. Auch die Kurzgeschichten von Svenja Heiss, die ich im Urlaub in Kopenhagen gelesen habe, mochte ich. Darauf folgte der Titel Liebe von Molly MacCloskey, der schon in die richtige Richtung wies – aber ich wollte mich noch immer nicht erobern lassen. Deshalb gab es 2013 eine komplette Kurzgeschichtenpause. Und dann? Habe ich meinen Widerstand endlich aufgegeben.

2014 ist noch jung, aber ich habe schon fünf Kurzgeschichtenbände gelesen: Die Ernte von Amy Hempel, Feuer ist eine seltsame Sache von Lisa Elsässer, Wassererzählungen von John von Düffel, Zehnter Dezember von George Saunders und Muldental von Daniela Krien. Spätestens seit John von Düffel und Daniele Krien ist mir klar: In Sachen Short Storys bin ich ein Spätzünder – aber jetzt ist die Leidenschaft dafür umso größer. Beide Bücher hätte ich am liebsten inhaliert. Immer in den gestohlenen zehn Minuten zwischendurch. Ich bin regelrecht berauscht. Frisch verliebt! Und ihr wisst ja, wie das ist: Man muss dann immer grinsen und jedem davon erzählen. Deshalb nochmal ganz laut: Mariki liest und liebt jetzt Short Storys!

Und ihr so? Lest ihr Kurzgeschichten oder macht ihr einen Bogen darum? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungsberichte. Und vor allem: Was muss ich als Kurzgeschichtenneuling unbedingt lesen, habt ihr Tipps?

Bücherwurmloch

BengtssonEin Blick zurück und zwei nach vorn

Endlich ist dieses Jahr vorbei! Es war so anstrengend. So unheimlich anstrengend. Ich hoffe, dass 2013 das anstrengendste Jahr meines Lebens war, denn das würde bedeuten, dass es ab sofort wieder besser wird. Mal sehen, wie realistisch das ist. Als wahrer Bücherjunkie habe ich aber trotz aller „Widrigkeiten“ – zweites Baby, Arbeit, Umzug – gelesen wie eine Wilde, und ich hab es sogar geschafft, meinen alten SuB zu vernichten, wie ich es mir gegen Ende des Sommers in den Kopf gesetzt habe. Das war ein tolles Gefühl, und vor allem habe ich den Rauschzustand genossen, als ich dann endlich kurz vor Weihnachten wieder damit anfangen konnte, einen neuen SuB anzulegen. Spätestens seit diesem Moment weiß ich mit Sicherheit, dass ich absolut süchtig bin nach Büchern. Ich denke an sie. Ich träume von ihnen … und ich will sie immer um mich haben.

2013 also. Ein ereignisreiches und wie immer bücherreiches Jahr, 93 sind es geworden, ein letztes lese ich bis nächste Woche noch aus, und fragt mich nicht, wann ich die alle gelesen habe, denn ich weiß es nicht – ich hab eigentlich keine Zeit zum Lesen. Ich inhaliere sie so nebenbei, wenn ich eine freie Minute finde. Zu meinem Glück waren auch heuer viele Highlights dabei, 14 Mal gab es 5 von 5 Punkten, 25 Mal waren es 4. All diesen Büchern ist es gelungen, zu mir durchzudringen, mich aufzurütteln, anzurühren, zum Nachdenken oder Lachen zu bringen, mir in die Haut zu schneiden.

Sehr nah an der Perfektion war für mich Adam Johnsohn mit Das geraubte Leben des Waisen Jun Do, genau wie Daniela Krien mit Irgendwann werden wir uns alles erzählen und Ann Packer mit dem „Überraschungshit“ The dive from Clausen’s Pier. Wunderbar fies fand ich Doris Knecht mit Besser und – mein Humor-Highlights des Jahres – Maria Semple mit Where’d you go, Bernadette? DAS Buch des Jahres? Wie keiner sonst von Jonas T. Bengtsson. Es hat mich am meisten getroffen in seiner schlichten Schönheit und Grausamkeit.

Alle hervorragenden Bücher 2013 findet ihr in der Kategoriensuche hier und hier.

Und: 2013 ist noch etwas Hervorragendes passiert, die Klappentexterin hat (gemeinsam mit sechs anderen Bloggerinnen, darunter ich) We read Indie gegründet. Die Resonanz auf diesen Blog zur Unterstützung von Kleinverlagen war von Anfang an grandios, und wir freuen uns auf viele spannende Bücher und Projekte für 2014.

Kurz vor knapp möchte ich euch danken – dafür, dass ihr da seid, meine Rezensionen lest, euren Senf dazuklatscht und mit mir kommuniziert, dass ihr mir Empfehlungen gebt und euch mit mir über das, was wir gelesen und gefühlt haben, austauscht. Ich schätze jeden Einzelnen von euch sehr.
Möge das neue Jahr euch und mir viele wundervolle Leseerlebnisse bringen und außerdem – zumindest mir – mehr Schlaf und weniger Überlastung. Oh, und Bücher. Natürlich viele, viele neue Bücher.
Einen guten Start für 2014 wünscht euch
Mariki

Bücherwurmloch

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Schenk das Schönste und Klügste, das es gibt: Worte. Schenk Sätze, die sich in Herzen bohren, schenk Gedanken, die sich verankern, schenk Bücher, die in Erinnerung bleiben.
Die Geschenktipps für Weihnachten kommen dieses Jahr in der besten Form aus dem Bücherwurmloch: ihrer eigenen. Die Bücher stellen sich anhand ihrer Worte selbst vor. Und ihr findet vielleicht den einen oder anderen Roman, der zu jemandem passt, der euch viel bedeutet.

„Because the heart is a black box. Every conquest, loss or rejection leaves its trace. We love according to what the heart has been taught. We love in the shadow – sometimes benign, sometimes malevolent – of every disappointment, betrayal or fulfillment. We love – and no god can control the feeling or mitigate the consequences.” Priya Basil: The obscure logic of the heart

„Wir laufen durch Kirchblüt, und alles ist anders, wir haben es verloren, so wie wir die Orte unserer Kindheit verlieren, zum ersten Mal, wenn wir keine Kinder mehr sind, und später noch einmal, wenn wir als Erwachsene zurückkehren und uns wundern, wie sie wirklich aussehen.“ Zsuzsa Bánk: Die hellen Tage

„Wir alle sind sterblich, ja, aber vielleicht sind einige von uns sterblicher als andere.“ Jennifer Dubois: Das Leben ist groß

Basil Bánk DuBois

„Aber ich war schwach, und ich hatte das Pech, in einer Gesellschaft zu leben, in der man die Schwachen aufs Abstellgleis schob, sie mundtot machte, damit andere für sie sprechen mussten, die ihnen ihre Gesinnung, ihr Verständnis darüber, was gut oder schlecht war, aufzwängten und es verteidigten, ohne richtig zuzuhören, worum es eigentlich ging.“ Rachida Lamrabet: Über die Liebe und den Hass

„Ausgerechnet im Buchladen fing er Feuer. Und so hatte er seine wundersamsten Erlebnisse an einem Ort, wo manche das Abenteuer gar nicht erst suchten, obwohl er doch voll davon war.“ Andreas Séché: Zwitschernde Fische

„Please step aside because I’m about to kick the shit out of life!“ Maria Semple: Where’d you go, Bernadette?

Lamrabet Seche Semple

„Jetzt noch fünf Minuten für mich. Fünf Minuten unter der Bettdecke. Fünf Minuten Autonomie, bevor ich wieder nur Frau und Mutter bin, Mutter und Frau. Fünf Minuten, bevor ein Rudel hipper junger Eltern bei uns einmarschiert, mit denen ich hippe Jung-Eltern-Gespräche führen werde, als wäre ich genauso wie sie. Sie denken, ich sei genauso. Aber das bin ich nicht. Ich bin jemand, der sich jetzt gern irgendwo verkriechen und sündigen Gedanken nachhängen würde.“ Doris Knecht: Besser

„Immer ist alles anders gekommen mit Marc. Jeder Tag eine unvorhergesehene Wendung. Ein Knick um neunzig Grad hinter dem Horizont. Man will in den Wedding und kommt ans Meer. Man will Klavierschüler und kriegt eine Geliebte. Man will, dass alles so bleibt, und alles ändert sich.“ Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como

„Manche Lieder sind so, sie wachsen in einen hinein. Oder man wächst in sie hinein. Denn wenn einen etwas anrührt, wer kann dann schon sagen, was sich bewegt und was stillsteht und annimmt? Wenn wir voneinander berührt werden, dann gibt es doch keinen, der eindeutig gibt, und keinen, der eindeutig nimmt? Ich weiß nicht, was die Schlösser in uns Menschen öffnet. Wüsste ich es, würde ich das schönste Lied der Welt schreiben und anschließend schweigen.“ Kjell Westö: Geh nicht einsam in die Nacht

Knecht Zeiner Westö

„Menschen im Allgemeinen langweilen mich schnell. Ich muss jemanden bewundern können.“ Yannick Grannec: Die Göttin der kleinen Siege

„Ich habe nicht die Anmut der Frauen, denen man lange Sätze mit Seufzern als Satzzeichen ins Ohr flüstert, nein. Ich verleite eher zu kurzen Sätzen. Deftigen Bissen.“ Grégoire Delacourt: Alle meine Wünsche

„Ich gehe, und er wusste sofort, was sie damit meinte, aber am besten tut man so, als hätte man keine Ahnung, worum es geht, wenn das Leben um einen herum in tausend Stücke fällt.“ Jón Kalman Stefánsson: Das Herz des Menschen

Grannec Delacourt Stefansson

Bücherwurmloch

IMG_5045Nächstes großes Projekt: Baby Nummer zwei
Der Sohnemann ist bereits ein Bücherwurm und will mit zwei Jahren schon Pippi Langstrumpf vorgelesen bekommen, obwohl da kaum Bilder drin sind – und ich bin gespannt, ob die kleine Schwester es ihm nachmachen wird. Sie kommt in Kürze und wird mich mit Sicherheit ordentlich beschäftigt halten, sodass das Bücherwurmloch erst einmal ein wenig pausieren muss. Lesen werde ich natürlich weiterhin in jeder freien Minute, aber mit dem Rezensieren wird es vermutlich ein wenig schwierig. Vielleicht schaffe ich es dann im Herbst, euch wenigstens in Kurzbesprechungen mitzuteilen, was ich mir so an Lektüre einverleibt habe. Auf meiner Facebook-Fanpage werde ich je nach Gelegenheit auch aktiv sein. Ich hoffe, dass ihr mir die Treue haltet und wir uns bald „wiederlesen“! Alles Liebe einstweilen von Mamamariki

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we_read_indie_headerBlogger-Allianz für Independent-Verlage
Independent-Verlage sind vielfältig, wichtig und inspirierend. Independent-Verlage brauchen Unterstützung. Deshalb haben sich sieben Bloggerinnen zusammengeschlossen, um die Kleinverlagskultur zu stärken. Der Impuls dafür war der erfolgreiche Indiebookday am 23. März 2013. An diesem Tag hat sich nämlich die Klappentexterin alias Simone Finkenwirth gedacht, dass es doch schön wäre, sich nicht nur einmal im Jahr den Büchern aus unabhängigen Verlagen zu widmen – sondern immer. So entstand die Idee zu »We read Indie«, ein Gemeinschaftsprojekt, das ich euch heute hochoffiziell vorstellen möchte. Mit an Bord sind: die Klappentexterin , Dorota Federer (Bibliophilin), Mara Giese (buzzaldrins Bücher), Svenja Hoch (syn-ästhetisch), Caterina Kirsten (SchöneSeiten), Ada Mitsou (Ada Mitsou liest…) und – juhu! – das Bücherwurmloch.
Auf »We read Indie« berichten wir über Indiebooks und die Kleinverlagskultur – hauptsächlich in Form von Rezensionen über selbst ausgewählte Bücher, aber auch Interviews, Porträts und andere spannende Beiträge sind genauso geplant wie Gastbeiträge von anderen Bloggern und Bloggerinnen.

Was verstehen wir unter „Indie-Verlag“?
Unser Augenmerk liegt ganz klar auf traditionellen Buchverlagen. Bei der Überlegung, welche Verlage wir berücksichtigen wollen, stellen die Kriterien der Kurt-Wolff-Stiftung eine erste wichtige Orientierung dar, aber auch die Listen des Goethe-Instituts sowie auf Tubuk bieten einen guten Überblick über die Landschaft der Indie-Verlage. „Indie“ bedeutet in erster Linie natürlich konzernunabhängig, darüber hinaus schauen wir jedoch auch auf die Größe der Verlage. Einige der Publikumsverlage – wie zum Beispiel Diogenes oder Hanser – sind zwar genau genommen unabhängig, verfügen aber im Vergleich zu den kleinen Verlagen über deutlich mehr Ressourcen (personeller und vor allem finanzieller Art), um aus eigener Kraft auf sich aufmerksam zu machen. Das wichtigste Kriterium von allen ist allerdings unser persönlicher Geschmack: Nicht nur die Verlage, denen wir uns widmen, sind indie, auch wir selbst haben den Anspruch, es zu sein. Die Bücher, die wir lesen und rezensieren, wählen wir also nach unseren eigenen Vorlieben aus. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir nicht allen Anfragen von Verlagen nachkommen können.

Wir freuen uns sehr über den großen Zuspruch, den wir bereits vergangene Woche auf unserer Facebook-Fanpage erfahren haben, verneigen uns dafür und sind gespannt auf das Blogprojekt der besonderen Art.

Es grüßen Mariki und das gesamte „We read Indie“-Team!

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http://readindie.wordpress.com | http://www.facebook.com/wereadindie | wereadindie@gmail.com
Illustrationen © karenina illustration

Bücherwurmloch

IMG_0711So many writers, so little time
Ich habe eine Horrorvorstellung, die geht so: Jedes Jahr im Sommer muss ich an demselben Ort Urlaub machen. Nach 25 Jahren bekomme ich vom Bürgermeister eine Stammgastmedaille. Das würde ich nicht ertragen – ich werde ganz kribbelig beim Gedanken, öfter als einmal an den gleichen Ort reisen zu müssen und all die anderen Städte, Strände und Länder nicht sehen zu können. Genau so geht es mir mit Büchern. Sie sind die Reisen, die ich täglich mache, auch wenn ich keinen Urlaub habe – und sie sollen verschieden sein, jede für sich genommen ein einzigartiges Erlebnis, wie unterschiedliche Länder am besten. Allerdings nur in Hinblick auf den Autor und den Inhalt, nicht auf das Genre, da bin ich unflexibel – Chicklit, Vampire-Stories und Thriller kommen nicht in meinen Koffer.

Früher war ich ein Serienjunkie. Mit 17 habe ich die Krimis von Elizabeth George und Andrea Camilleri geliebt, und ich weiß, wie schön es ist, stets aufs Neue zu einer bekannten Buchfigur zurückzukehren. Dann hatte ich meine erste ernste Beziehung mit einem Schriftsteller: John Irving. Viele lange Jahre war ich ihm treu, doch eines Tages war klar, dass wir uns auseinandergelebt hatten, und wir haben uns im Guten getrennt. Danach wurde ich rastlos. So many writers, so little time – ich ziehe von einem zum anderen und lese seit Jahren nur noch selten mehr als ein Buch vom selben Autor. Allzu oft habe ich es auch ganz einfach bereut. Es ist eine Pattsituation: Gefällt mir ein Roman nicht, lese ich ganz sicher keinen zweiten aus derselben Feder, ich bringe nicht die Geduld für eine zweite Chance auf. Finde ich ein Buch dagegen genial, wird es schwierig: Ein zweites Werk hält eventuell nicht, was das erste versprach. So ging es mir, um nur ein paar Beispiele zu nennen, mit Lloyd Jones (Mr. Pip war hervorragend, Here at the end of the world we learn to dance war ein Flop), Colum McCann (Zoli war ein Meisterwerk, Der Himmel unter der Stadt arg enttäuschend), Gerbrand Bakker (von Oben ist es still war ich begeistert, Tage im Juni hat mich gelangweilt), Jeffrey Eugenides (Middlesex gehört zu meinen Lieblingsbüchern, The marriage plot war unglaublich schlecht) … und vielen anderen. Die einzigen zwei Schriftsteller, die durch mein engmaschiges Netz geschlüpft sind und von denen ich auch die Neuerscheinungen lese, sind Milena Agus und Per Petterson. Das ist aber eher Zufall als Plan.

Inzwischen habe ich eine echte Marotte entwickelt. Ich bewundere Leser, die große Fans eines Autors sind, seinem neuen Werk entgegenfiebern und seine Entwicklung verfolgen. Vielleicht beneide ich sie auch ein bisschen, denn ich schränke mich selbst stark ein mit meiner merkwürdigen Abneigung. Ich lese ein Buch, danke dem Autor mit einem Lächeln, grüße freundlich und reise weiter – manchmal würde ich aber möglicherweise gern ein Weilchen bleiben. Ich habe jedoch zu viel Angst, etwas zu verpassen. Wie geht es euch damit? Führt ihr enge Beziehungen mit manchen Schreibern oder habt ihr auch lieber One-Book-Stands? Seid ihr der Meinung, dass ich umgekehrt viel verpasse, weil ich so engstirnig bin? Gibt es eine Serie, die ihr liebt – und warum? Ich bin auf eure Antworten gespannt. Und fahre derweil auf Urlaub.

Bücherwurmloch

WichtigLebensliteratur
Letzte Woche bin ich 30 Jahre alt geworden. Was das mit Büchern zu tun hat? Auf den ersten Blick nichts. Und gleichzeitig alles. Weil das Lesen mein ganzes Leben prägt – und weil ein runder Geburtstag immer Anlass gibt für eine Art Zwischenbilanz. Was hab ich erreicht, gesehen, erlebt, welche Wünsche sind in Erfüllung gegangen, welche Wunden verheilt? Und: Welche Bücher haben mich verändert? Bücher haben mich zu dem gemacht, was ich bin – Lektorin und Texterin – , ich verbringe meine Freizeit mit Büchern, ich träume davon, sehne mich danach – sie sind mir wichtig. Also habe ich mich pünktlich zum Jubiläumsgeburtstag vor mein Regal gestellt, ich besitze ja nur eins, und habe die wenigen Buchrücken betrachtet, die mir wichtig genug sind, dass sie bei mir bleiben dürfen, und habe mich gefragt, welche davon die größte Wirkung auf mich gehabt haben. Die Auswahl ist mir überraschend leicht gefallen. Viele, viele, viele Bücher haben mich beeindruckt, berührt, meinen Horizont verändert. Diese hier gehören zu den wichtigsten meines Lebens:

Michael Ende: Die unendliche Geschichte
Es war sicher nicht das Buch, mit dem alles begann, weil ich schon davor gelesen habe. Aber es war das Buch, mit dem alles begann. Nie werde ich das Gefühl vergessen, als ich mit acht Jahren zum ersten Mal begriff, wie mächtig, wie unendlich die Fantasie ist. Michael Ende öffnete mir die Tür zu einem Reich, das ich niemals mehr verlassen wollte: zur Welt der Literatur. Dem Paradies, gewissermaßen.

Astrid Lindgren: Mio, mein Mio
Astrid Lindgren war genial und in meinen Augen die beste Kinderbuchautorin der Welt. Ich besitze fast nichts aus meiner Kindheit, aber Pippi und Ronja, die Brüder Löwenherz und Klingt meine Linde sind immer bei mir. Astrid Lindgrens unsterbliches Werk habe ich Zeile für Zeile verschlungen und geliebt. Mio, mein Mio ist ein unfassbar trauriges, stolzes, mutiges Buch, das mir für immer viel bedeuten wird.

Arundhati Roy: The God of small things
Arundhati Roy markiert einen Wendepunkt in meiner literarischen Persönlichkeitsfindung. Nach dem Hanni-und-Nanni-Genre, vielen Biografien, Hohlbein-Fantasy und zahlreichen Krimis habe ich mit 15 The God of small things gelesen. Und war elektrisiert. Zu Tränen gerührt. Fassungslos. Verstört. Und glücklich. Ich wusste plötzlich, dass ich die Entdeckungsreise ernsthaft angehen musste: Die „echte“ Literatur wartete auf mich.

Javier Marias: Mein Herz so weiß
Den Beginn dieser Entdeckungsreise machte Javier Marias. Seine endlosen Sätze legten sich wie Schlingen um mich, und ich musste mir den Zugang zur Geschichte hart erkämpfen. Das hat sich gelohnt, und ich habe gemerkt, dass es nicht das Gefällige ist, das ich suche, sondern dass ich durchaus interessiert bin an der Herausforderung.

Peter Hoeg: Der Plan von der Abschaffung des Dunkels
„Ich glaube, es war Liebe. Ist man ihr einmal begegnet, dann will man nicht mehr sinken. Dann sehnt man sich für immer nach dem Licht und der Oberfläche.“ Das ist mein Lieblingszitat aus diesem Buch. Die Geschichte ist tieftraurig und ging mir an die Substanz. Ich habe mich mehr denn je in Worte verliebt, in ihre Melodie, wenn sie klingen, in die Poesie, die sie bilden können.

José Saramago: Die Stadt der Blinden
Was für ein Kaliber! Dieses Buch hat mich niedergestreckt. Und mich wachgerüttelt. Es hat mir gezeigt, dass mit Worten alles, alles möglich ist, dass wir damit erschaffen können, was nicht existiert, und beschreiben können, was wir empfinden. José Saramago hat mich innerlich umgegraben, und das war gut so.

Yann Martel: Life of Pi
Es gab eine Zeit, da habe ich mich viel mit Religion beschäftigt – ich war sieben Jahre lang Ministrantin, ehe ich mit 18 aus der katholischen Kirche ausgetreten bin. Yann Martel hat einen sensiblen Punkt in mir berührt, indem er mit diesem Buch so wunderbar zeigt, dass alle Religionen Geschichten sind – weil Menschen Geschichten brauchen, weil Gott eine gute Geschichte ist. Das hat mir viel bedeutet und es hat dazu beigetragen, mich tolerant und offen zu machen, ich konnte all das Erlebte besser loslassen.

John Irving: A prayer for Owen Meany
Als ich 17 war, hatte ich meine erste ernste Beziehung mit einem Autor: John Irving. Es fing an mit A widow for one year, und als ich A prayer for Owen Meany in die Finger bekam, war es um mich geschehen. Ich wusste, dass Literatur für mich so sein musste wie dieses Buch: wild, verrückt, unfassbar klug, ergreifend, sinnvoll. Nach vielen Jahren und vielen Büchern haben wir uns, wie es oft der Fall ist in einer Liebesbeziehung, ein wenig aus den Augen verloren und im Guten getrennt. Aber John Irving gehört für mich persönlich nach wie vor zu den genialsten Autoren überhaupt, und alle anderen müssen sich mit ihm messen.

Per Petterson: Pferde stehlen
Mit diesem Buch war die Suche nach meinem literarischen Ich sozusagen abgeschlossen. Mit dieser Lektüre wurde mir klar, dass ich angekommen war – bei dem Stil, den ich liebe, und bei mir selbst. Ich will es melancholisch und ein bisschen schwierig, ich will es tiefgründig, klug und berührend. Ich will Bücher, die mich nicht in Ruhe lassen und die Gefühle in mir auslösen.

Bücherwurmloch

Ein reiches Jahr …
… in jeder Hinsicht war 2012 für mich: erlebnisreich, erfolgreich, abenteuerreich, sonnentagereich, glücksreich und bücherreich. Unfassbarerweise habe ich in diesem Jahr zum ersten Mal in meinem Leben 114 Bücher verspeist, genossen, gelesen, verschlungen. Das ist ein neuer Rekord, und all diese Bücher haben mich ebenfalls bereichert, sie haben mich unterhalten, mir neue Welten geöffnet, meinen Horizont erweitert und mich in weit entfernte Länder mitgenommen, wo ich Zeit mit vielen liebenswerten, merkwürdigen und interessanten Figuren verbringen durfte. Aus dieser Menge meine persönlichen Highlights zu fischen, ist freilich schwer. Dennoch gibt es drei Bücher, die – neben all den anderen guten – mir besonders im Gedächtnis geblieben sind und die für mich zu den Besten 2013 gehören:

Mein Lieblingsbuch 2012 ist Wahr von Riikka Pulkkinen. Ich habe mich erst auf den zweiten Blick in dieses Buch verliebt, und dafür umso heftiger, und es hat wirklich Eindruck bei mir hinterlassen.

Verliebt habe ich mich auch – wie die halbe Blogwelt und viele andere Leser – in Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flašar, das mich mit seiner schönen, klaren Sprache und der Herzensgeschichte zutiefst berührt hat.

Heitere, unbeschwerte Stunden hat mir Zwitschernde Fische von Andreas Séché geschenkt, dessen Entdeckung mich sehr gefreut hat, denn es ist das perfekte Buch für Bibliophile wie mich.

Seche

Pulkkinen

Flasar

 

 

 

 

 

 

Da ich mich durch 114 Bücher gesiebt habe, habe ich in diesem Jahr viel Gold gefunden. Und all dieses Gold ist es wert, hier erwähnt zu werden. Das sind die 18 besten Bücher im Bücherwurmloch 2012:
Kein Wort mehr über Liebe von Hervé Le Tellier
Über Meereshöhe von Francesca Melandri
Die hellen Tage von Zsuzsa Bánk
Das Meer am Morgen von Margaret Mazzantini
Schlagmann von Eva Simeoni
Hauptsache nichts mit Menschen von Paul Bokowski
Fegefeuer von Sofi Oksanen
Das Gleichgewicht der Haie von Caterina Bonvicini
Als Gott ein Kaninchen war von Sarah Winman
Katzenberge von Sabrina Janesch
Am Schwarzen Berg von Anna Katharina Hahn
Liebe und andere Versprechen von Andrea Bajani
Fremdling von Sybille Knauss
Nach dir, Max von Leena Parkkinen
Reise ins Mondlicht von Antal Szerb
Olive Kitteridge von Elizabeth Strout
Anatomie einer Affäre von Anne Enright
Jacob beschließt zu lieben von Catalin Dorian Florescu

Weit über 30 Bücher haben es außerdem geschafft, mich derart zu beeindrucken, dass ich sie mit 4 Punkten bewertet habe – und zusammen mit den absoluten Highlights ergibt das eine beachtliche Zahl an schimmernden Nuggets, die ich gefunden habe und die mich glücklich gemacht haben. Ich bedanke mich von Herzen bei all den lieben Pressemenschen, die mich 2012 so großzügig mit wunderbaren Leseexemplaren versorgt haben, und bei euch, all meinen Leserinnen, Lesern und Blogkollegen, für den großartigen Austausch, der mein Leben ebenfalls reicher macht und den ich nicht mehr missen möchte. Ich freu mich auf ein ebenso spannendes Jahr 2013 und wünsche euch einen guten Rutsch!
Mariki

Winman

Bonvicini

Janesch

Bajani

Knauss

Hahn

Parkkinen

Enright

Florescu

Oksanen

Simeoni

Bokowski

Mazzantini

BánkStrout

Melandri

Szerb