Bücherwurmloch

Christine Zureich: Garten, Baby!

„Ein Garten, den man nicht bestellt, ist wie ein Nachbar, für den man nicht stehenbleibt auf der Straße“
Doro und Rob wohnen in der Großstadt, haben aber trotzdem ein Stück Natur: eine Wohnung mit Gartenanteil nämlich. In ihrem Hinterhof können sie Kräuter und Zucchini ernten, zu viel Zucchini sogar, und sie leben nach dem Grundsatz „wachsen und wachsen lassen“. Es könnte also alles recht idyllisch sein in der Drübkestraße 13, wäre da nicht die lästige alte Dittrich, würde nicht eine Nachbarin sterben und hieße es nicht von der Cousine aus Berlin, der Garten sei für echtes Urban Gardening viel zu ordentlich. Zwischen Rosen und Ehekrach, Hobbygärtnerei und der Frage, ob man zwingend aufs Land ziehen muss, wenn man Kinder bekommt, beerdigen Doro und Rob ein Eichhörnchen und suchen nach ihrem ganz eigenen Plan fürs Leben.

In kurzen Kapiteln und mit schön schnippischem Ton erzählt Christine Zureich, die am Bodensee lebt, von Mittdreißigern, die ein bisschen Natur wollen, aber auch die Annehmlichkeiten der Stadt, die ein bisschen Stadt wollen, aber auch die Idylle der Natur. An diesem schmalen Grat lässt sie die Hausbewohner entlangtanzen, es gibt eine nörgelnde Alte und einen eifersüchtigen Ehemann, man erkennt so manche Leute im Romanpersonal wieder, eventuell auch sich selbst. Das ist ein wenig boshaft und ein wenig kabarettistisch, als Österreicherin hätte ich von beidem noch weitaus mehr vertragen, es hätte ruhig noch sarkastischer sein und tiefer schürfen dürfen. Trotzdem habe ich „Garten, Baby!“ gern gelesen, ein schmales, heiteres Bändchen, das sich auf zarte Weise lustig macht über Schneckengitter aus Plastik, Stiefmütterchen und neurotische Katzen. Könnt ihr allen schenken, die gern gärtnern (oder davon träumen).

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