Bücherwurmloch

Sally Rooney: Normale Menschen

„Wenn er mit Marianne redet, hat er den Eindruck, dass zwischen ihnen vollkommene Vertrautheit herrscht“
Sie kennen sich, weil Connells Mutter bei Marianne zuhause putzt: Die beiden Teenager gehen auf dieselbe Schule, haben aber dort nichts miteinander zu tun. Das liegt vor allem daran, dass Marianne unbeliebt ist – und Connell nicht will, dass jemand mitbekommt, wie sehr er sie mag. Der äußere Schein ist ihm wichtiger als das, was er empfindet. Dieser Verrat bringt sie auseinander, doch auf dem College kreuzen ihre Wege sich erneut. Und schnell wird klar: Connell und Marianne können nicht miteinander. Ohne einander aber auch nicht …

Sally Rooney ist the next big thing am Literaturhimmel: gehyped ohne Ende, als „literarisches Phänomen des Jahrzehnts“ und als „J. D. Salinger der Snapchat-Generation“ bezeichnet und mit zahlreichen Preisen bedacht. Deshalb war ich neugierig auf ihr aktuelles Werk, das als Miniserie verfilmt wurde, und wollte wissen, was dran ist am Mysterium Rooney. Übersetzt von Zoë Beck, zeigt „Normale Menschen“ sehr schnell, dass es sich eines klassischen Stoffs bedient – transportiert in die Moderne. Zuerst hat mich das gewundert. Warum schreibt eine 1991 geborene Autorin einen so unoriginellen Roman über eine schwierige Liebe, über zwei Menschen, die sich ihre Gefühle nicht eingestehen können, warum wirft sie sich mitten ins Klischee, wo wir alle das doch schon hundertfach gelesen haben? Dann habe ich verstanden, dass dieses Thema schlicht zeitlos ist – und auch die heute junge Generation betrifft. Ja, es gibt viel mehr Kommunikationskanäle und Möglichkeiten als früher, doch das nutzt gar nichts, wenn zwei Liebende an ihren inneren Mauern scheitern. Es geht in „Normale Menschen“ um Oberflächlichkeit und das Image, das wir von uns entwerfen, obwohl es nichts mit unserem wahren Sein zu tun hat. Es geht um Sex und Scham, um Verletzungen und jene besondere Verbindung, die manchmal zwischen zwei Menschen besteht – sogar dann, wenn sie nicht zusammen sein können. Das ist berührend, gefühlvoll, nachvollziehbar und intelligent gemacht, auch wenn die großen Überraschungen freilich ausbleiben. Gut geschrieben ist es auch, keine Frage – obwohl ich mir an manchen Stellen mehr Feinschliff erhofft hätte vom literarischen Phänomen des Jahrzehnts. Nichtsdestotrotz eine stabile, lohnende Lektüre, für alle Generationen.

Normale Menschen von Sally Rooney ist erschienen bei Luchterhand, wo ihr noch bis zum 30. September das Buch im Paket mit einem T-Shirt gewinnen könnt. Dieser Beitrag ist Teil einer bezahlten Kooperation, die Meinung ist natürlich meine eigene.

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