Bücherwurmloch

Lars Mytting: Die Birken wissen’s noch

 „Seine Frömmigkeit war hart wie Stein und voller Reue und Schmerzen“

„Manch einer lebt hervorragend mit einer zurechtgezimmerten Wahrheit. Sie mag schief und krumm sein, hält aber doch. Für manche ein Leben lang.“

Als Edvards wortkarger Großvater Sverre stirbt, realisiert er, dass er nun nie die Wahrheit erfahren wird über den Unfalltod seiner Eltern und die vier Tage, in denen er selbst, damals drei Jahre alt, verschwunden war. Soweit er weiß, sind seine Mutter und sein Vater in einem Wald in Frankreich ums Leben gekommen, weil sie auf eine Gasmiene aus dem Zweiten Weltkrieg getreten sind. Doch was ist wirklich passiert? Wieso hat er nie erfahren, dass sein Großvater einen Bruder hatte? Und warum hat der sich einst als Franzose ausgegeben? Edvard kann die große Unwissenheit nicht mehr ertragen und macht sich auf, das Rätsel zu lösen. Dabei trifft er eine geheimnisvolle Frau, erfährt von einer seltenen Holzart und einem Erbe, das ihn reich machen würde, sollte er es finden.

Dies ist ein Buch, das ich schwer einordnen kann. Teilweise liest es sich wie ein mordloser Thriller, es ist spannend, sehr originell, mit vielen Wendungen – hat aber dieses komplett blutleere Cover. Und einen Titel, den ich nicht verstehe, denn im Roman geht es um Walnussbäume. Ich habe sehr lange gebraucht, um es zu Ende zu lesen, was kein Urteil sein soll. Es bedeutet vielmehr (abgesehen davon, dass es mit 515 Seiten nun mal einfach recht dick ist), dass es informationsintensiv ist, man muss sehr aufmerksam sein. Edvard erfährt viel über seine Vergangenheit, dann noch mehr und noch mehr, er puzzelt alles zusammen, und es ist kompliziert. Gleichzeitig aber auch interessant, weshalb ich trotzdem am Ball geblieben bin. Eine verrückte Geschichte über Familiengeheimnisse, Kriegswirren und lebenslangen Groll in einem recht nüchternen, typisch norwegisch abgeklärten Ton. Sehr lesenswert, wenn man den langen Atem mitbringt.

Die Birken wissen’s noch von Lars Mytting ist erschienen bei Suhrkamp Insel.

3 Comments

  1. Klingt sehr spannend. Gerade gesehen, das Buch wurde im Englischen mit „The sixteen trees of the Somme“ übersetzt – macht das mehr Sinn oder auch nicht? 😉

    Liebe Grüße, Sabine

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  2. Aliena

    Danke für diese Empfehlung. Ein wunderbares, eigenartiges Buch. Hab ich ganz langsam und intensiv gelesen um nichts zu verpassen. Wunderbare Lesestunden in dieser seltsamen Zeit.

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