Gut und sättigend: 3 Sterne

ChabonWir nähern uns langsam wärmeren Gefilden:

1. Katy Gardner: Die fremde Freundin (gut zu lesen)
2. Michael Chabon: Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay (fast schon ein Klassiker)
3. Maurizio Maggiani: Il viaggiatore notturno/Der nächtliche Reisende (ganz okay)
4. Josie Lloyd & Emlyn Rees: The three day rule (Nach drei Tagen fängt ein Gast zu stinken an!)
5. Nick Flynn: Bullshit Nights (recht interessant)
6. Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren (genial, der Schreibstil)
7. Eva Rice: The lost art of keeping secrets (Der Titel ist ein bisschen besser als der Inhalt.)
8. Marina Lewycka: A short history of tractors in Ukrainian (Humor auf Ukrainisch)
9. Anrea Camilleri: La pensione Eva (Camilleri ist einfach gut, der darf das.)
10. Ildikó von Kürthy: Blaue Wunder (Ich hab zumindest gelacht.)
11. John Irving: Zirkuskind (nicht sein bestes, aber gut)
12. Roald Dahl: Küßchen, Küßchen (sehr lesenswert!)
13. M. J. Hyland: Die Liste der Lügen (gut geschrieben)
14. Leonie Swann: Glennkill (immerhin eine originelle Idee)

Gut und sättigend: 3 Sterne

Punkte zu erreichen, ist eigentlich schon ganz gut. Die folgenden Bücher sind daher durchaus empfehlenswert (wenn auch mit kleinen Schwachpunkten):

1. Tania Kindersley: liebe.irgendwie (ganz gut.irgendwie)
2. Haruki Murakami: Kafka am Strand (herrlich bizarr, stellenweise ein bisschen gar absurd)
3. Marco Santaga: Il maestro dei santi pallidi/Der Meister der blassen Heiligen (historischer Roman)
4. James Meek: The people’s act of love (Wenn es kalt ist, tun die Menschen seltsame Dinge.)
5. Elizabeth George: With no one as a witness (gut, aber nicht ihr bestes Buch)
6. Hanns-Josef Ortheil: Die große Liebe (schön poetisch)
7. Zeina B Ghandour: Der Honig (ein Einblick in eine fremde Kultur)
8. Jonathan Safran Foer: Alles ist erleuchtet (originell und lesenswert)
9. Candida Clark: Ghost Music (eine nette kleine Geschichte)
10. Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr. Norell (unglaublich fett, teilweise anstrengend, insgesamt okee)
11. Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming (recht unterhaltsamer Krimi)
12. Charles Dickens: Oliver Twist (definitiv viel besser als der Film)
13. Stefano Benni: Il bar sotto il mare/Die Bar unter dem Meer (kann man lesen, muss man nicht)
14. DBC Pierre: Jesus von Texas (krass, wild, rasant)
15. Melissa P.:100 colpi di spazzola prima di andare a dormire/100 Bürstenstriche vor dem Schlafengehen (DER Skandal in Italien, promiskuitiv, witzig, aber letzendlich kein großer Aufreger)

Gut und sättigend: 3 Sterne

Irving HotelLangsam kommen wir in empfehlenswertere Gefilde!

1. John Irving: Das Hotel New Hampshire (Irving ist der Meister des Absurden!)
2. Niccolò Amaniti: Io non ho paura/Ich habe keine Angst (solide Unterhaltung)
3. Susanna Tamaro: Per voce sola/Allein mit der Stimme (nicht überragend, aber auch nicht schlecht)
4. Audrey Niffenegger: The time traveller’s wife (eine schöne Geschichte mit – leider – vielen Minuspunkten)
5. Joseph O’Connor: Die Überfahrt (sehr irisch, ganz gut)
6. Anita Shreve: The Pilot’s Wife (immerhin eine originelle Handlung)
7. Douglas Coupland: Eleanor Rigby (sollte man ja doch gelesen haben)
8. Andrea de Carlo: Pura Vita/Pures Leben (na ja)
9.  (schön)
10. John Irving: Die vierte Hand (herrlich abstrus!)
11. Federico Moccia: Tre metri sopra il cielo/Drei Meter über dem Himmel (DER Megaboom in Italien, aber leider mit einem sehr schwachen Ende)
12. Marian Keyes: The other side of the story (ganz nette Unterhaltung für zwischendurch)
13. Val McDermid: Echo einer Winternacht (Val schreibt extrem grausige Krimis. Der hier war aber nicht so der Brüller.)
14. Margaret Mazzantini: Manola (Italia, Italia!)
15. Luciano Ligabue: La neve se ne frega/Dem Schnee ist es egal (Er sollte doch lieber mehr singen und weniger schreiben.)
16. Andrea Camilleri: Das kalte Lächeln des Meeres (Ja! Den mag ich!)
17. Jan Seghers: Ein allzu schönes Mädchen (Prädikat: les enswert)

Gut und sättigend: 3 Sterne

Balzac2004 hab ich mein erstes Praktikum in München gemacht und musste jeden Tag 45 Minuten mit der U-Bahn fahren. Das hat meinen Lesekonsum stark gefördert. 3 von 5 Punkten haben sich in diesem Jahr verdient:

1. Isabel Allende: Das Geisterhaus (großes Epos, schöne Sprachbilder)
2. Wolf Haas: Das ewige Leben (Österreich pur, wundervoll zynisch, der letzte Teil der Brenner-Reihe)
3. Charlotte Link: Am Ende des Schweigens (ganz in Ordnung, aber nicht gerade überragend)
4. Jung Chang: Wilde Schwäne (immer noch der China-Trip)
5. Takashi Matsuoka: Die Stunde des Samurai (Jaja. Damals lernte ich ja auch noch Japanisch.)
6. Michael Connelly: City of Bones (isach … na ja)
7. Elizabeth Redfern: Der Fluch der Sterne (eher unterer Durchschnitt)
8. Judith Hermann: Sommerhaus, später (ganz schön, aber nicht durchgehend gut)
9. Ting-xing Ye: Bitterer Wind (wieder ein Bericht über ein tragisches Leben in China)
10. J. D. Salinger: Der Fänger im Roggen (hat mir ganz gut gefallen, mich aber nicht so aus den Schuhen kippen lassen wie erwartet)
11. Lisa Jewell: A friend of the family (recht seichte Geschichte)
12. Jane Green: Bookends (ebenfalls)
13. Ildikó von Kürthy: Freizeichen (Ja, auch ich hab es gelesen! Und gebe zu, dass ich es teilweise ganz witzig fand.)
14. Donna Leon: Uniform Justice (immerhin das Setting macht diese Krimis originell)
15. Dai Sijie: Balzac und die kleine chinesische Schneiderin (Das kann ich empfehlen!)
16. Dennis Lehane: Shutter Island (der schon wieder, auch eher Schund)
17. Tschungis Aitmatow: Dshamilja (sehr fremdartig, sehr lesenswert)
18. Reginald Hill: Asking for the moon (what the …?!)
19. Leena Lehtolainen: Auf die feine Art (auch ein Krimi, auch ganz okee)
20. Janet Evanovich: One for the money (hat mich nicht dazu gebracht, auch die anderen Bücher aus der Serie zu lesen)
21. Judith Lennox: Die Mädchen mit den dunklen Augen (ich erinnere mich an dramatische Geheimnisse)
22. Jenni Zylka: 1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann (welche waren das noch mal?)
23. Minette Walters: Der Nachbar (na ja, ein Krimi halt)
24. Laura Joh Rowland: The pillow book of Lady Wisteria (aha, das war anscheinend nicht so gut wie die anderen)
25. Henning Mankell: Vor dem Frost (eigentlich das einzige seiner Bücher, das ein bisschen heraussticht)
26. Melissa Nathan: The waitress (da ging’s irgendwie um Liebe)
27. Niccolò Ammaniti: Ti prendo e ti porto via/Ich nehm dich und bring dich weg (rätselhaft, originell, lesenswert)
28. Imre Kertész: Roman eines Schicksalslosen (unterdieHautgehend)
29. Joseph O’Connor: Inishowen Blues (Irland. Das Meer. Und eine Menge Traurigkeit.)

Also, wenn ich mir die Liste so anschaue, wundert es mich nicht mehr, dass ich keine Krimis und keine Bücher über Japan oder China mehr ertragen kann. Ich hab mich daran überlesen!!

Netter Versuch: 2 Sterne

Ein Krimi mit Hamburger Schnauze
In Hamburg geht ein Mörder um: Er erwürgt junge Tänzerinnen vom Kiez und skalpiert sie. Staatsanwältin Chastity Riley sucht gemeinsam mit ihren Kollegen von der Kripo nach dem Täter. Doch nicht nur der wahnsinnige Haaaresammler, auch ihr 15 Jahre jüngerer und verdammt attraktiver Nachbar Klatsche – ein ehemaliger Einbrecher, der inzwischen als schnellster Schlüsseldienst auf dem Kiez bekannt ist -, Schwindelanfälle und ihre verknallte Freundin Carla machen ihr zu schaffen. Wie gut, dass sie wenigstens noch ihre geliebte Stadt und den Fußballverein von St. Pauli hat.

In einer sehr flapsigen Sprache erzählt Simone Buchholz von einer Heldin, die in der ersten Hälfte des Buchs recht passiv und hilflos wirkt, dann aber – wie könnte es anders sein – noch mitten ins Geschehen gezogen wird. Sprachlich gesehen ist dieser Krimi nicht unbedingt eine Herausforderung, aber der toughe Stil und die sparsam angebrachten, gut eingefügten Sprachbilder passen hervorragend zu der Geschichte, zu Hamburg, zur Elbe, zur Currywurst. Man merkt der Autorin die Liebe zu dieser norddeutschen Stadt und der Mentalität der Menschen, die dort leben, an, in dieser Hinsicht wirkt ihr Krimi sehr authentisch. Ich war im Oktober 2008 zum ersten Mal in Hamburg – und schwer beeindruckt von dieser rauen, sympathischen, alten Stadt.

Staatsanwältin Chastity Riley ist in der Reihe der literarischen Ermittler immerhin eine originelle Figur. Da sie immer so elendig durchschaubar sind, lese ich kaum noch Krimis – diesen hier hab ich aber geschenkt bekommen. Und ich wusste erst nach der Hälfte, wer der Mörder ist – was aber zum Großteil daran liegt, dass erst recht spät in der Geschichte die ersten möglichen Verdächtigen präsentiert werden. Revolverherz ist weder sprachlich noch handlungstechnisch ein besonderes Highlight, bietet aber ein paar Stunden angenehm spannende Unterhaltung, schlimmer geht’s immer.

Netter Versuch: 2 Sterne

Hitze, Weiber, Bier: Philippe Dijans erogene Zonen
Philippe Dijan schreibt an einem Roman. Und er liebt Nina. Oder zumindest bumst er mit ihr am liebsten. Nun versucht er, beides unter einen Hut zu bringen. Und das ist scheinbar nicht so einfach. Denn ständig passieren ihm Dinge, die ihn von einem der beiden Vorhaben ablenken – andere Frauen kommen ihm dazwischen, Joints, Alkohol, ernsthafte Geldsorgen und eifersüchtige Männer. Deshalb hat Philippe Dijan jede Menge Schwierigkeiten in diesem verflucht heißen Sommer.

Eins wird schnell klar: Philippe Dijan ist ein Mann und er schreibt wie ein Mann. Was das für ein Urteil sein soll? Bisher ist es mir noch nie eingefallen, ein Buch geschlechtsspezifisch einzuordnen. Aber dies ist eindeutig ein sehr männliches Buch. Denn auch wenn ich Sympathie für den rasanten, abgefuckten Stil aufbringe, für die Einsichten in das Leben eines Autors, aus dem eine Geschichte mit aller Macht hervorbricht, so habe ich doch irgendwann die Nase voll vom Biersaufen und Weiberbumsen. Es stört mich nicht, dass so viel gebumst wird. Aber ich kann eben mit der männlichen Art, sich damit zu brüsten, nicht viel anfangen. Vermutlich muss man den Lebensstil, den Philippe Dijan hier beschreibt, selbst gut finden, um dieses Buch zu mögen. Denn in dieser Beschreibung des verrückten Alltags eines verrückten Schriftstellers vermisse ich ein bisschen den roten Faden, der Sinn hinter dem Ganzen. Doch vielleicht ist das ja auch die Botschaft: dass es keinen Sinn gibt.

Netter Versuch: 2 Sterne

Langer Bart, weiße Kutte, Oliven als Opfergabe: A. J. Jacobs is back
A. J. Jacobs ist ein Freak. Wer das noch nicht weiß, erfährt es spätestens beim Satz “Tonight I invited a Jehovah’s Witness into my home.” Sein erstes Buch handelt davon, wie er in einem Jahr die gesamte Encyclopedia Britannica gelesen hat. Und nun berichtet er von dem Jahr, in dem er streng nach der Bibel gelebt hat. Witzig gleich zu Beginn: Auf der ersten Seite sieht man die wundersame Wandlung des Normalo-Jacobs zum Jesus-Jacobs mit Terroristenbart. Der Typ hat echt einen Schatten.

In einem sehr genauen, täglichen Bericht gibt Jacobs zu Protokoll, was er aus der Bibel – im ersten halben Jahr aus dem Alten, im zweiten halben Jahr aus dem Neuen Testament – erfährt und wie er versucht, das in seinem modernen New Yorker Alltag umzusetzen. Das sieht dann so aus, dass Jacobs im Stadtpark Menschen mit Kieselsteinen steinigt, dass er Gott Oliven opfert und die Amish besucht. Man muss diesem Psycho zugute halten, dass er sich ernsthaft mit den verschiedenen Interpretationen der Bibel auseinandersetzt – er besucht Rabbis und Betgruppen, spricht mit einem Zeugen Jehovahs und reist sogar nach Isreal. Währenddessen plagt sich seine Frau Julie nicht nur mit einem zweijährigen Sohn und einer Schwangerschaft, sondern auch einem verrückten Ehemann, der eine Kutte trägt und sie nicht berührt, wenn sie unrein ist.

Stellenweise ist The year of living biblically wirklich sehr amüsant, stellenweise aber auch öde und langweilig. Während ich bei Britannica & ich den zusätzlichen Wissensgewinn sehr geschätzt habe, bietet die Bibel mir – die ich sieben Jahre ministriert habe – keine neuen Erkenntnisse. Interessant ist, zu sehen, wie Jacobs – während er sich mit dem Opium fürs Volk beschäftigt – selbst in eine Art Rausch gerät. So ist dieses Protokoll eines Wahnsinnigen zwar originell, man muss es aber definitiv nicht gelesen haben.

Netter Versuch: 2 Sterne

Ein Debüt mit Schwachstellen
Benedict Wells ist jung, zum Zeitpunkt seines Erstlings war er 23, und schnell stilisiert die Verlagswelt einen solchen Autor zum literarischen Wunderkind. Aber: literarisches Wunderkind my ass. Wells erster Roman über einen alternden, gescheiterten Musiker, der sich als Lehrer verdingt, und ein junges, unselbstständiges Musikgenie hat gute Ansätze – aber leider auch einige Schwächen. Für mich lassen besonders Sprache und Stil zu wünschen übrig. Ich mag die Idee des Buchs, die Gegenüberstellung von zwei Personen, von denen jeweils der andere hat oder bekommt, wonach der eine strebt, auch das Vorhaben, das Porträt eines frustrierten Enddreißigers zu zeichnen, finde ich gut.

Was die Formulierungen betrifft, so kann sich Wells meiner Meinung nach nicht aus der Mittelmäßigkeit herausheben. Schon auf Seite 111 muss ich den Satz lesen “Er fühlte sich leer und ausgebrannt”. Und ich will diesen abgeschmackten, inhaltslosen Satz nicht lesen, niemals, er sollte in keinem Buch mehr vorkommen, das ist in meinen Augen unterste Schublade. Auch mit der Grammatik scheint es zumindest stellenweise nicht so zu klappen, oder warum heißt es “Beck holte einen Lappen und wischte den Thunfischbatzen ärgerlich weg” und nicht “verärgert”? Ja, ich bin kleinlich, ich weiß es, aber in den Momenten, in denen ich das lese, wird mir ganz heiß und ich würde das Buch sehr gerne mit einem Knall zu Boden fallen lassen. Wenn ich mich nicht immer genötigt fühlen würde, weiterzulesen.

So gehen dann also der Deutsch- und Musiklehrer Beck, das musikalische Genie Rauli und der drogensüchtige Deutschafrikaner auf eine Reise, sie fahren mit einem gelben VW quer durch Europa nach Istanbul und erleben dabei so allerhand Action. Der Roadtrip kommt für meinen Geschmack viel zu spät im Buch, bis es endlich losgeht, zieht es sich ganz schön. Auch wird davor, währenddessen und danach viel philosophiert, über das Leben, die Liebe, die Musik. Das soll rasant sein, ich finde es aber leider einschläfernd. Dass der Autor sich als Ich-Erzähler selbst einmischt, mag originell sein, mir gefällt es aber – ganz subjektiv – nicht. Immerhin ist das Ende halbwegs stimmig.

Was also bleibt zu sagen? Vielleicht nur so viel:
“Wegen der ungefähr fünfzig Seiten, die mich als notgeilen Idioten dastehen lassen, der sich zu den Fotos seiner minderjährigen Schülerinnen einen runterholt und seine Kollegen hasst.”
“Ach, das ist nur Literatur.”
Achja.

Netter Versuch: 2 Sterne

Das Leben in Italien spielt sich in der Bar ab
Meine Freundin aus Mailand hat mir dieses Buch zum Geburtstag geschenkt – und obwohl ich grundsätzlich keine Kurzgeschichten mag, finde ich es gar nicht unangenehm, in einer Fremdsprache welche zu lesen, hier kommt mir das Kurze natürlich weniger zugute, weil es weniger kompliziert ist.

Was kommt alles in einer italienischen Bar vor? Der Fernseher, auf dem Sport läuft, das Kind, das Eis kaufen will, ein Telefon, ein schmieriger Kellner, ein betrunkener alter Mann und ein Flipper-Automat … Sie alle verpackt Stefano Benni in witzige und absurde Geschichten rund um den Alltag in einer italienischen Bar, in der sich das halbe Leben der Menschen abspielt. Es geht um Liebe, um Alkohol, um die kleinen Freuden und um Freundschaften. Dabei bedient sich der Autor liebend gern des Stilmittels der Übertreibung und lässt den Leser mehrmals schmunzeln.

Wenn man schon öfter in Italien war und sich in den landestypischen Bars und Cafés ein bisschen umgesehen hat, wird man in den abstrusen Geschichten von Bar Sport so manches Detail wiederentdecken. Gleichzeitig gilt aber der Umkehrschluss: Für jeden, der nicht weiß, dass die Italiener in ihren Bars frühstücken, fernsehen, sich verlieben und leben, wird dieses Buch eher verwirrend und weniger witzig sein. Es gibt aber auch zahlreiche Stories, die sich nicht in einer Bar abspielen, sondern in ganz Italien – und die genauso grotesk sind. Nette Unterhaltung für zwischendurch!

Netter Versuch: 2 Sterne

Bobo fürn Popo
Ich lese regelmäßig donnerstags die Kolumne von Frau Dusl in den Salzburger Nachrichten – im Kartoffeldruckblatt, wie sie es nennt – Korrektur, und da hat es mich ja doch interessiert, was sie denn so schreibt in ihrem Buch. Ich dachte nämlich, es handle sich um einen Roman. Ist aber nicht so. Vielmehr besteht Boboville aus aneinandergereihten Geschichten, Gedankenfetzen, vielen langen Komposita und manchen Einsichten in die Herzen der Bobovillains. Es ist ein bisschen wie ein Buch mit Kurzgeschichten. Und ich mag keine Kurzgeschichten.

Am Anfang bin ich ganz dabei, mir gefällt die originelle, metaphernumrankte Beschreibung Wiens, der Gassen, des Bonbongeschäfts, des Dusl’schen Kindergemüts. Vor allem, als ich das Wort Stollwerck lese, bin ich begeistert, auch mir hat das klebrigsüßbraune Karamellzuckerlstück 20 Jahre später die Pappn zusammengeklebt im Kindergarten bei den Nonnen. Leider aber bleibt Frau Dusl nicht bei ihren schönen, bemerkens- und lesenswerten Kindheitserinnerungen, sondern marschiert drauflos, hinein in die Intelligenzelite Wiens, wo Glavinic, Kehlmann und Maurer einander die Klinke in die Hand geben, Namedropping vielleicht, interessante Geschichten leider nicht. Es gibt keinen roten Faden, keine zusammenhängende Handlung – und ich bin in solchen Fällen ein sehr heikler Leser, ich will nicht hin und her springen und verwirrt sein, ich will an nachvollziehbaren Ereignissen zu einem halbwegs befriedigenden Schluss geführt werden. Und dann passiert es: Ich bin gelangweilt. Ich will nicht wissen, was Frau Dusl im Fernsehen sieht und auch nicht, was sie darüber denkt. Auch dass sie eine Gitarrenleidenschaft hat, mit einer Frau schläft, auf einer Dachterrasse koshere Würstchen grillt und keine Handys mag – es interessiert mich alles nicht.

Eine Wohltat für meine durch die Koppelungs-Wut der Menschen und Redakteure geschundene Korrektorenseele sind die vielen elendslangen Komposita, dafür und für das Stollwerck gibt es je einen Punkt. Der Rest ist in meinen Augen kaum lesenswert, Frau Dusl hat sich viele Urteile gebildet über Bobovillains und Nichtbobovillains, ich dagegen lebte gern urteilsfrei, vor allem frei vom Urteil anderer. Für nichtösterreichische Leser dürfte einiges noch dazu nicht so leicht zu verstehen sein.