Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

JonesSehr empfehlenswert im Jahr 2008:

1. Gabriel García Márquez: Hundert Jahre Einsamkeit (einfach wunderbar, sehr schräg, sehr absurd)
2. Wolfgang Zdral: Tartufo (Schwein gehabt!)
3. Pascal Mercier: Lea (kann man durchaus lesen)
4. Morten Ramsland: Hundsköpfe (genial)
5. Sara Gruen: Water for elephants (sehr gut)
6. Lloyd Jones: Mister Pip (der Überraschungshit des Jahres!)
7. Keith Donohue: The stolen child (unheimlich, spannend)
8. Steven Carroll: Die Kunst des Lokomotivführens (trotz wenig Handlung interessant!)

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

AbsurdistanVier glorreiche Punkte gingen 2007 an:

1. Nadeem Aslam: Maps for lost lovers (tragisch, traurig, toll)
2. Matt Ruff: Ich und die anderen (wunderbar wild, originell, sehr lesenswert!)
3. Kim Edwards: The memory keeper’s daughter (sehr gut geschrieben, überraschend schöne Geschichte)
4. Diane Setterfield: The thirteenth tale (spannend, gut konstruiert, empfehlenswert)
5. Nick Hornby: A long way down (besser als seine anderen)
6. Lionel Shriver: We need to talk about Kevin (Dieses Buch hat mich sehr lang beschäftigt. Unglaublich fesselnd, brutal, schonungslos. Ein Buch wie ein Albtraum!)
7. Thomas Brussig: Wie es leuchtet (ein interessanter Einblick in DDR und Mauerfall)
8. Kiran Desai: The inheritance of loss (eine tragische kleine Geschichte in Indien)
9. Gary Shteyngart: Absurdistan (herrlich abartig!)
10. Andrea Levy: Small island (ein dicker Schinken, der die Mühe aber wert ist)
11. Salman Rushdie: Shalimar the Clown (mein erstes Rushdie-Buch, hat mir sehr gut gefallen!)

Anscheinend war ich in diesem Jahr auf einem Englisch-Trip. So weit ich weiß, sind all diese Bücher aber auch auf Deutsch erhältlich!

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

ClaudelMan lese und staune:

1. Robert Wilson: A small death in Lissabon (sehr spannend, sehr lesenswert!)
2. David Guterson: Unsere liebe Frau vom Wald (schräg, beklemmend, erheiternd)
3. Ann Patchett: Bel Canto (wunderbar, wenn nur das beschissene Ende nicht wäre)
4. Fred Vargas: Fliehe weit und schnell (mein einziges Vargas-Buch, hat mir aber gut gefallen)
5. Mitch Albom: The five people you meet in heaven (klein, fein, nachdenklich)
6. Maggie O’Farrell: Seit du fort bist (traurig)
7. Malin Schwerdtfeger: Leichte Mädchen (lässt grinsen)
8. Jan Weiler: Antonio im Wunderland (die gelungene Fortsetzung von Maria, ihm schmeckt’s nicht)
9. Philippe Claudel: Die grauen Seelen (berührend, poetisch, grausam)
10. Karen Duve: Die entführte Prinzessin (sehr originell!)
11. Jonathan Lethem: The fortress of solitude (man muss sich durchwühlen, aber es zahlt sich aus)
12. Leon de Winter: Leo Kaplan (bissig, gut)
13. Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon (wunderschöne Sätze, aber an der Handlung hapert es ein bisschen)
14. A. J. Jacobs: Britannica & ich (lehrreich, abwechslungsreich, witzig)

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

MazzuccoTatatataaaa! 4 glamouröse Punkte gingen 2005 an:

1. Jan Weiler: Maria, ihm schmeckt’s nicht! (schöne Situationskomik, vor allem für so Italo-Freaks wie mich)
2. Maggie O’Farrell: My lover’s lover (melancholisch-traurig)
3. Lily Prior: La Cucina Siciliana oder Rosas Erwache (amüsant, originell)
4. Melania Mazzucco: Vita/Leben (sehr, sehr gelungen – berührend und lesenswert)
5. Andrew San Greer: The Confessions of Max Tivoli (wundervolle Geschichte, trotz Plagiat)
6. Carlo Lucarelli: L’isola dell’angelo caduto/Die Insel des gefallenen Engels (großartig!)
7. Umberto Eco: Baudolino (stellenweise zäh, aber trotzdem empfehlenswert)
8. Andrea Camilleri: La prima indagine di Montalbano (Mein erster Camilleri auf Italienisch! War ich stolz.)
9. Irina Denezka: Komm (Russenliteratur at its best)
10. Ugo Riccarelli: Il dolore perfetto/Der perfekte Schmerz (eine außergewöhnliche Familiengeschichte)
11. Dan Brown: Sakrileg (vielzitiert, vielbeschrieben, aber eins muss man ihm lassen: gut gemacht)
12. Sándor Márai: Wandlungen einer Ehe (sehr literarisch, sehr gut)
13. T. C. Boyle: Dr. Sex (ein interessanter Roman aus dem Umfeld der Kinsey-Reporte)

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Orwell4 points gingen 2004 an:

1. Laura Joh Rowland: The Concubine’s Tattoo (Ha, damals hab ich mich noch für Japan interessiert … guter historischer Samurai-Krimi)
2. Jan Costin Wagner: Eismond (sehr traurig und melancholisch)
3. Nikola Hahn: Die Farbe von Kristall (daran kann ich mich leider beim besten Willen nicht erinnern)
4. Laura Joh Rowland: The Samurai’s Wife (äh … ja.)
5. Adeline Yen Mah: Fallende Blätter (Die Begeisterung für Asien war schon beinahe eine Obsession.)
6. Hermann Hesse: Siddharta (Es hilft nix, das muss man gelesen haben.)
7. Dennis Lehane: Mystic River (dunkel, grausam, gut)
8. George Orwell: 1984 (so herrlich beängstigend!)
9. Jeffrey Eugenides: The Virgin Suicides (nicht so gut wie Middlesex, aber auch lesenswert)
10. Laura Joh Rowland: Black Lotus (Alter Schwede, die hatte es mir offensichtlich angetan!)
11. Josie Lloyd & Emily Rees: Love Lives (ein netter Liebesschmöker für zwischendurch)
12. Minette Walters: The shape of snakes (recht spannend)
13. Alice Hoffman: Der Flusskönig (ein bisschen esoterisch-schräg, dafür originell)
14. Petra Oelker: Die englische Episode (das war, glaub ich, ein ganz guter Krimi)
15. Liza Marklund: Paradies (das auch)
16. Mark Haddon: The curious incident of the dog in the night-time (lesen!)
17. Margaret Mazzantini: Non ti muovere/Beweg dich nicht (eher verstörend, sehr eindringlich)
18. Laurie R. King: Die Farbe des Todes (schon wieder ein Krimi, auch ganz okee)

Ich merke gerade, dass ich damals noch keine so große Krimi-Wut hatte wie heute. Dass ich damals so viele Krimis gelesen habe, hat aber sehr direkt dazu beigetragen, dass ich heute kaum noch welche mag. Sobald man einmal das Schema durchschaut hat, ist es kaum noch spannend.

Gut und sättigend: 3 Sterne

PaasilinnaSchwarzer Humor aus Finnland
„Wenn ein Selbstmord missglückt, ist das nicht unbedingt die traurigste Sache der Welt. Dem Menschen gelingt nicht alles.“ Mit herrlich zynischem Humor und absolut schrägen Einfällen erzählt der bekannte finnische Autor Arto Paasilinna von Onni Rellonen und Hermanni Kemppainen, die sich zufällig am selben Tag zur selben Zeit in derselben Scheune umbringen wollen. Sie beschließen, den Selbstmord noch ein Weilchen aufzuschieben – und kommen auf die glänzende Idee, sich zusammen mit vielen Gleichgesinnten das Leben zu nehmen. Also geben sie eine Annonce auf – und erhalten 600 Zuschriften von verzweifelten Finnen. Mit einem Bus brechen die Anonymen Streblichen auf zu ihrer letzten Reise …

Auf Arto Paasilinna bin ich durch eine Rezension in den Salzburger Nachrichten aufmerksam geworden, in der er als humorvoller und origineller Autor beschrieben wurde – zu Recht. Der wunderbare Massenselbstmord ist ein Buch, das köstlich amüsiert – mit makaberen Scherzen, düsteren Einsichten in die finnische Seele und abstrusen Wendungen. Überraschend dabei ist, dass die Geschichte einerseits extrem absurd, andererseits aber absolut glaubwürdig ist. Was die Selbstmörder tun und erleben, ist so verrückt, dass man einfach lachen muss. Sehr passend und gut gelungen ist zudem das Ende. Stilistisch gesehen bleibt der Autor für meinen Geschmack zu sehr auf Distanz – das ist aber bei amüsanten Büchern wohl vonnöten, um die humoristische Wirkung erzeugen zu können. Würde er sich einfinden in das Seelenleid der Lebensmüden, wäre es eben nicht mehr witzig. Und das ist es! Schwarzer Humor aus Finnland – lesen und schmunzeln.

Gut und sättigend: 3 Sterne

SJonesRasanter Roman über eine schicksalshafte Begegnung
Die junge Englischlehrerin Runa ist eine Frau, die sich nimmt, was sie will. Doch als jemand Wind von ihrer Affäre mit dem Schüler Jun bekommt und sie bedroht, beschließt Runa, aus Japan zu fliehen. Ralph dagegen, ein Englänger Mitte vierzig, sucht in Japan nach einer zweiten Frau, nachdem seine Ehe mit der Thailänderin Apple gescheitert ist. Er hat ein Faible für asiatische Frauen – sie sollen so schön gefügig sein. Das Schicksal zieht die Fäden und spielt Runa und Ralph einander in die Hände …

Was in der Inhaltsbeschreibung ein bisschen klingt wie ein vorhersehbarer Schinken mit Asien-Touch, entpuppt sich in Wahrheit als erstaunlich gut geschriebener Unterhaltungsroman mit einem so krassen Ende, dass es sogar mich überrascht. Susanna Jones kennt sich aus in Japan, das merkt man. Und es gelingt ihr auch verblüffend gut, sich in einen Mann hineinzufühlen, der von der abscheulichen Möglichkeit, eine Frau aus dem Katalog zu bestellen, Gebrauch macht oder zumindest machen will. Die Geschichte entwickelt sich nicht ganz so wie erwartet – und das ist auch gut so. Water Lily ist die spannende Erzählung einer unbekannten Autorin – das Buch ist, so weit ich weiß, nicht auf Deutsch erhältlich – mit interessanten Einblicken in japanische Gepflogenheiten und, wie man so schön sagt, menschliche Abgründe. Durchaus lesenswert!

Gut und sättigend: 3 Sterne

HeinViele Anfänge, wenige Enden
Es sind die verschiedensten Gestalten, die Jakob Hein in seinem Buch zusammenwürfelt: Da gibt es Boris, der die Agentur der verworfenen Ideen gegründet hat, Sophia, die Gedanken lesen kann und ins Koma fällt, und Heiner, der den Sinn des Lebens sucht. Ob sie überhaupt etwas miteinander zu tun haben und wenn ja, was, bleibt erst einmal unklar – wird aber zum Schluss auf angenehme Weise enträtselt. Die einzelnen Kapitel sind ineinander verschachtelt, bleiben aber jeweils recht fragmentarisch.

Dieses Buch wirkt auf mich wie eine etwas längere Kurzgeschichte – für einen Roman mit einer umfassenden Handlung, in die man sich richtig fallen lassen kann, ist mir das zu wenig. Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht ist aber ein nettes, kurzweiliges Drei-Stunden-Büchlein mit einem schönen Titel, das sich in einem Rutsch lesen lässt.

Gut und sättigend: 3 Sterne

MurakamiEine rätselhafte Frau in einem rätselhaften Buch
Er ist ja ganz schön berühmt, der Haruki. Kafka am Strand hab ich von ihm schon vor Jahren gelesen, aber das war mir zu wirr und zu surreal. Gefährliche Geliebte hat mir nun eine Freundin geliehen – und da es ein eher dünnes Büchlein ist, habe ich ihm noch mal eine Chance gegeben. Bereut hab ich das zwar nicht, aber nötig war es auch nicht unbedingt. Denn auch wenn Murakami ganz gut schreiben kann, ist bei mir keine grenzenlose Begeisterung aufgekommen. Tut sie ja aber auch so gut wie nie.

Schön ist, dass Murakami einen ruhigen, steten Erzählfluss schafft und dass er das Geheimnisvolle der Geschichte gut einfängt. Hajime ist schon seit seiner Kindheit in Shimamoto verliebt, hat sie jedoch mit 12 Jahren aus den Augen verloren. Später, als er bereits verheiratet ist, zwei Kinder und zwei Bars hat, taucht die schöne Shimamoto wieder auf – und zieht Hajime erneut in ihren Bann. Er ist verloren. Aber Shimamoto bleibt ein Rätsel – bis zum Schluss.

Und das ist weniger schön: Dass das Geheimnis nicht gelüftet wird, dass die Begegnungen zwischen Hajime und Shimamoto fragmentarisch bleiben. Das muss man mögen, und ich bevorzuge klare Auflösungen. Auch wenn Murakami ein guter Erzähler ist, so ist er kein meisterlicher Literat. Ein angenehm lesbares kleines Buch für zwischendurch, nicht mehr und nicht weniger.

Gut und sättigend: 3 Sterne

HürlimannAlle Jahre wieder
Jedes Jahr wird Marie 40 Jahre alt: zumindest für ihren Mann, den Politiker Max. Denn Jahr für Jahr lässt er ihr 40 Rosen schicken und organisiert eine Farce, damit Marie nie älter wird. Er hat sich zielstrebig hochgearbeitet in die Regierung, kennengelernt haben sich die beiden während des Krieges, als Max noch Student war und Marie Klosterschülerin. In Rückblenden erzählt Marie von ihrer Familie, von ihrem jüdischen Vater und den Generationen von berühmten Schneidern, die ihm vorangingen. Maries Vater tut alles dafür, dass aus seiner begabten Tochter eine erfolgreiche Pianistin werden kann. Doch Marie stellt ihr Leben in den Dienst als Gattin eines Politikers.

Thomas Hürlimann beschreibt anschaulich ein bekanntes Klischee: Er erzählt von einer Frau, die ihren Traum aufgibt und sich der Karriere ihres Mannes sowie dem gemeinsamen Sohn widmet. Dieser Aspekt des Buchs steht aber nicht allein im Vordergrund, er ergibt sich vielmehr aus den Berichten von Maries Kindheit und Jugend, die überschattet werden vom Zweiten Weltkrieg und der Gefahr, in der sich Maries Vater, Schneider Katz, befindet. Eine Rolle spielt auch der Katholizismus, dem Maries Mutter und ihr Bruder völlig verfallen.

Es wird deutlich, dass Thomas Hürlimann sein Handwerk versteht: Die Erzählung plätschert ruhig dahin, ist gut geschrieben und wartet mit einigen schönen Metaphern auf. Gerade die Passagen aus der Vergangenheit gefallen mir gut, die aktuellen sind mir zu uninteressant – denn auch wenn der Autor seine Geschichte gut präsentiert, frage ich mich doch ab und an, warum er mir das erzählt und was daran so weltbewegend sein soll. Denn stellenweise ist das Buch dann so langweilig wie eben Maries Leben als Ehegattin.

Lieblingszitat: Dinge verwittern langsamer, sehr viel langsamer als Menschen. Deshalb lieben wir Bücher und Bilder. Sie handeln von der Zeit, ohne ihr zu unterliegen.