Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Orwell4 points gingen 2004 an:

1. Laura Joh Rowland: The Concubine’s Tattoo (Ha, damals hab ich mich noch für Japan interessiert … guter historischer Samurai-Krimi)
2. Jan Costin Wagner: Eismond (sehr traurig und melancholisch)
3. Nikola Hahn: Die Farbe von Kristall (daran kann ich mich leider beim besten Willen nicht erinnern)
4. Laura Joh Rowland: The Samurai’s Wife (äh … ja.)
5. Adeline Yen Mah: Fallende Blätter (Die Begeisterung für Asien war schon beinahe eine Obsession.)
6. Hermann Hesse: Siddharta (Es hilft nix, das muss man gelesen haben.)
7. Dennis Lehane: Mystic River (dunkel, grausam, gut)
8. George Orwell: 1984 (so herrlich beängstigend!)
9. Jeffrey Eugenides: The Virgin Suicides (nicht so gut wie Middlesex, aber auch lesenswert)
10. Laura Joh Rowland: Black Lotus (Alter Schwede, die hatte es mir offensichtlich angetan!)
11. Josie Lloyd & Emily Rees: Love Lives (ein netter Liebesschmöker für zwischendurch)
12. Minette Walters: The shape of snakes (recht spannend)
13. Alice Hoffman: Der Flusskönig (ein bisschen esoterisch-schräg, dafür originell)
14. Petra Oelker: Die englische Episode (das war, glaub ich, ein ganz guter Krimi)
15. Liza Marklund: Paradies (das auch)
16. Mark Haddon: The curious incident of the dog in the night-time (lesen!)
17. Margaret Mazzantini: Non ti muovere/Beweg dich nicht (eher verstörend, sehr eindringlich)
18. Laurie R. King: Die Farbe des Todes (schon wieder ein Krimi, auch ganz okee)

Ich merke gerade, dass ich damals noch keine so große Krimi-Wut hatte wie heute. Dass ich damals so viele Krimis gelesen habe, hat aber sehr direkt dazu beigetragen, dass ich heute kaum noch welche mag. Sobald man einmal das Schema durchschaut hat, ist es kaum noch spannend.

Gut und sättigend: 3 Sterne

PaasilinnaSchwarzer Humor aus Finnland
„Wenn ein Selbstmord missglückt, ist das nicht unbedingt die traurigste Sache der Welt. Dem Menschen gelingt nicht alles.“ Mit herrlich zynischem Humor und absolut schrägen Einfällen erzählt der bekannte finnische Autor Arto Paasilinna von Onni Rellonen und Hermanni Kemppainen, die sich zufällig am selben Tag zur selben Zeit in derselben Scheune umbringen wollen. Sie beschließen, den Selbstmord noch ein Weilchen aufzuschieben – und kommen auf die glänzende Idee, sich zusammen mit vielen Gleichgesinnten das Leben zu nehmen. Also geben sie eine Annonce auf – und erhalten 600 Zuschriften von verzweifelten Finnen. Mit einem Bus brechen die Anonymen Streblichen auf zu ihrer letzten Reise …

Auf Arto Paasilinna bin ich durch eine Rezension in den Salzburger Nachrichten aufmerksam geworden, in der er als humorvoller und origineller Autor beschrieben wurde – zu Recht. Der wunderbare Massenselbstmord ist ein Buch, das köstlich amüsiert – mit makaberen Scherzen, düsteren Einsichten in die finnische Seele und abstrusen Wendungen. Überraschend dabei ist, dass die Geschichte einerseits extrem absurd, andererseits aber absolut glaubwürdig ist. Was die Selbstmörder tun und erleben, ist so verrückt, dass man einfach lachen muss. Sehr passend und gut gelungen ist zudem das Ende. Stilistisch gesehen bleibt der Autor für meinen Geschmack zu sehr auf Distanz – das ist aber bei amüsanten Büchern wohl vonnöten, um die humoristische Wirkung erzeugen zu können. Würde er sich einfinden in das Seelenleid der Lebensmüden, wäre es eben nicht mehr witzig. Und das ist es! Schwarzer Humor aus Finnland – lesen und schmunzeln.

Gut und sättigend: 3 Sterne

SJonesRasanter Roman über eine schicksalshafte Begegnung
Die junge Englischlehrerin Runa ist eine Frau, die sich nimmt, was sie will. Doch als jemand Wind von ihrer Affäre mit dem Schüler Jun bekommt und sie bedroht, beschließt Runa, aus Japan zu fliehen. Ralph dagegen, ein Englänger Mitte vierzig, sucht in Japan nach einer zweiten Frau, nachdem seine Ehe mit der Thailänderin Apple gescheitert ist. Er hat ein Faible für asiatische Frauen – sie sollen so schön gefügig sein. Das Schicksal zieht die Fäden und spielt Runa und Ralph einander in die Hände …

Was in der Inhaltsbeschreibung ein bisschen klingt wie ein vorhersehbarer Schinken mit Asien-Touch, entpuppt sich in Wahrheit als erstaunlich gut geschriebener Unterhaltungsroman mit einem so krassen Ende, dass es sogar mich überrascht. Susanna Jones kennt sich aus in Japan, das merkt man. Und es gelingt ihr auch verblüffend gut, sich in einen Mann hineinzufühlen, der von der abscheulichen Möglichkeit, eine Frau aus dem Katalog zu bestellen, Gebrauch macht oder zumindest machen will. Die Geschichte entwickelt sich nicht ganz so wie erwartet – und das ist auch gut so. Water Lily ist die spannende Erzählung einer unbekannten Autorin – das Buch ist, so weit ich weiß, nicht auf Deutsch erhältlich – mit interessanten Einblicken in japanische Gepflogenheiten und, wie man so schön sagt, menschliche Abgründe. Durchaus lesenswert!

Gut und sättigend: 3 Sterne

HeinViele Anfänge, wenige Enden
Es sind die verschiedensten Gestalten, die Jakob Hein in seinem Buch zusammenwürfelt: Da gibt es Boris, der die Agentur der verworfenen Ideen gegründet hat, Sophia, die Gedanken lesen kann und ins Koma fällt, und Heiner, der den Sinn des Lebens sucht. Ob sie überhaupt etwas miteinander zu tun haben und wenn ja, was, bleibt erst einmal unklar – wird aber zum Schluss auf angenehme Weise enträtselt. Die einzelnen Kapitel sind ineinander verschachtelt, bleiben aber jeweils recht fragmentarisch.

Dieses Buch wirkt auf mich wie eine etwas längere Kurzgeschichte – für einen Roman mit einer umfassenden Handlung, in die man sich richtig fallen lassen kann, ist mir das zu wenig. Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht ist aber ein nettes, kurzweiliges Drei-Stunden-Büchlein mit einem schönen Titel, das sich in einem Rutsch lesen lässt.

Gut und sättigend: 3 Sterne

MurakamiEine rätselhafte Frau in einem rätselhaften Buch
Er ist ja ganz schön berühmt, der Haruki. Kafka am Strand hab ich von ihm schon vor Jahren gelesen, aber das war mir zu wirr und zu surreal. Gefährliche Geliebte hat mir nun eine Freundin geliehen – und da es ein eher dünnes Büchlein ist, habe ich ihm noch mal eine Chance gegeben. Bereut hab ich das zwar nicht, aber nötig war es auch nicht unbedingt. Denn auch wenn Murakami ganz gut schreiben kann, ist bei mir keine grenzenlose Begeisterung aufgekommen. Tut sie ja aber auch so gut wie nie.

Schön ist, dass Murakami einen ruhigen, steten Erzählfluss schafft und dass er das Geheimnisvolle der Geschichte gut einfängt. Hajime ist schon seit seiner Kindheit in Shimamoto verliebt, hat sie jedoch mit 12 Jahren aus den Augen verloren. Später, als er bereits verheiratet ist, zwei Kinder und zwei Bars hat, taucht die schöne Shimamoto wieder auf – und zieht Hajime erneut in ihren Bann. Er ist verloren. Aber Shimamoto bleibt ein Rätsel – bis zum Schluss.

Und das ist weniger schön: Dass das Geheimnis nicht gelüftet wird, dass die Begegnungen zwischen Hajime und Shimamoto fragmentarisch bleiben. Das muss man mögen, und ich bevorzuge klare Auflösungen. Auch wenn Murakami ein guter Erzähler ist, so ist er kein meisterlicher Literat. Ein angenehm lesbares kleines Buch für zwischendurch, nicht mehr und nicht weniger.

Gut und sättigend: 3 Sterne

HürlimannAlle Jahre wieder
Jedes Jahr wird Marie 40 Jahre alt: zumindest für ihren Mann, den Politiker Max. Denn Jahr für Jahr lässt er ihr 40 Rosen schicken und organisiert eine Farce, damit Marie nie älter wird. Er hat sich zielstrebig hochgearbeitet in die Regierung, kennengelernt haben sich die beiden während des Krieges, als Max noch Student war und Marie Klosterschülerin. In Rückblenden erzählt Marie von ihrer Familie, von ihrem jüdischen Vater und den Generationen von berühmten Schneidern, die ihm vorangingen. Maries Vater tut alles dafür, dass aus seiner begabten Tochter eine erfolgreiche Pianistin werden kann. Doch Marie stellt ihr Leben in den Dienst als Gattin eines Politikers.

Thomas Hürlimann beschreibt anschaulich ein bekanntes Klischee: Er erzählt von einer Frau, die ihren Traum aufgibt und sich der Karriere ihres Mannes sowie dem gemeinsamen Sohn widmet. Dieser Aspekt des Buchs steht aber nicht allein im Vordergrund, er ergibt sich vielmehr aus den Berichten von Maries Kindheit und Jugend, die überschattet werden vom Zweiten Weltkrieg und der Gefahr, in der sich Maries Vater, Schneider Katz, befindet. Eine Rolle spielt auch der Katholizismus, dem Maries Mutter und ihr Bruder völlig verfallen.

Es wird deutlich, dass Thomas Hürlimann sein Handwerk versteht: Die Erzählung plätschert ruhig dahin, ist gut geschrieben und wartet mit einigen schönen Metaphern auf. Gerade die Passagen aus der Vergangenheit gefallen mir gut, die aktuellen sind mir zu uninteressant – denn auch wenn der Autor seine Geschichte gut präsentiert, frage ich mich doch ab und an, warum er mir das erzählt und was daran so weltbewegend sein soll. Denn stellenweise ist das Buch dann so langweilig wie eben Maries Leben als Ehegattin.

Lieblingszitat: Dinge verwittern langsamer, sehr viel langsamer als Menschen. Deshalb lieben wir Bücher und Bilder. Sie handeln von der Zeit, ohne ihr zu unterliegen.

Gut und sättigend: 3 Sterne

BittlEin Kind zu bekommen, war früher manchmal tödlich
Ein historischer Roman von einer weiblichen Autorin, und um Liebe soll es auch noch gehen – das ist für gewöhnlich nichts, was in meinem Bücherwurmmagen landet. Dieses Buch jedoch hab ich vom Verlag geschenkt bekommen, und da man einem solchen Gaul ja nicht ins Maul schaut, wollte ich ihm zumindest eine Chance geben. Und siehe da – so schlecht war es gar nicht. Denn Monika Bittl hat gut recherchiert und bietet interessante Einblicke in das Leben, wie es 1811 in München und in Salzburg gewesen ist. Das hat mich natürlich auch deshalb zum Weiterlesen animiert, weil beide Städte meine Hometowns sind.

Lucilie ist Bayerns Oberhebamme, sie besitzt ein großes Wissen über die Heilkraft der Kräuter – aber es gibt unendlich viel, was sie nicht weiß. Die Methoden, mit denen sie arbeiten muss, sind teilweise barbarisch. Mangelnde Hygiene, Kindbettfieber und Aberglaube erschweren ihr die Geburtshilfe – genauso wie die Arroganz der männlichen Ärzte und ihre Einstellung, Hebammen seien Scharlatane, denen man das Handwerk legen müsse. Die Medizin ist zu dieser Zeit nicht mehr als eine Ansammlung kruder Theorien, eine absurder als die andere, wirklich zu wissen scheint kaum jemand etwas. Die zweite Perspektive dieses Buchs gehört dem Arzt Denaro, der zwischen Tirol, Bayern und Salzburg werkt. Als sich die Wege von Lucilie und Denaro kreuzen, kommt ein altes Geheimnis ans Licht, das mit Lucilies Vergangenheit zu tun hat.

Dieses Buch ist recht flüssig zu lesen, es will keinen Literaturpreis gewinnen, sondern unterhalten – und das gelingt. Die Geschichte ist gut konstruiert, durch die geschickte Einbindung der damaligen Verhaltens- und Denkweisen wirken die Geschehnisse durchaus glaubhaft. Schade ist, dass der Klappentext im Prinzip schon die ganze Geschichte verrät – und so viel von der Spannung zerstört. Stilistisch ist Bergwehen nicht überragend, aber okay, deshalb drei Sterne für diese interessante Reise in die Vergangenheit.

Gut und sättigend: 3 Sterne

DurlacherEine schräge Geschichte mit dem Holocaust im Hintergrund
Darf man genervt sein, wenn der Vater vom KZ erzählt, wenn er weint, wenn er keine Geduld hat für die Probleme seiner Kinder? Das ist die unerwartete Frage, die ich mir zu Beginn des Romans Die Tochter der Niederländerin Jessica Durlacher stelle. Denn ihr Protagonist Max hat die Geschichte satt, die sein Vater mit sich herumschleppt, sein eigenes Mitleid erstickt ihn, er möchte nichts damit zu tun haben. Das ist jedoch nicht so einfach, schon gar nicht, als Sabine in sein Leben tritt, die von der Vergangenheit ihrer und seiner Familie regelrecht besessen ist. Zwischen den beiden ist es alles andere als Liebe auf den ersten Blick, aber Liebe ist es dennoch – sie ziehen sogar zusammen. Max ist glücklich und verliebt. Und dann verschwindet Sabine spurlos.

15 Jahre später hat Max immer noch nicht verwunden, dass Sabine ihn von einem Tag auf den anderen verlassen hat, er hadert damit und kann kaum ernsthafte Beziehungen führen. Doch das Leben wäre nicht das Leben und dieser Roman kaum so spannend, würden sich die Wege von Max und Sabine nicht noch einmal kreuzen. Sie tun es auf überraschende und irritierende Weise – mehr soll nicht verraten werden. Dies ist eine merkwürdige, sehr fesselnde Geschichte, die aufbaut auf den Gräuel der Nazis, von denen die Jungen sich lösen wollen und es doch nicht können. Es geht um Schuld, um Vergangenheitsbewältigung, um Liebe, um Vergebung.

Jessica Durlacher schlägt in Die Tochter einen sehr zynischen, fast schon aggressiven Ton an. Sie schreibt gehetzt, sie treibt den Leser durch die Ereignisse und macht es ihm beinahe unmöglich, das Buch zur Seite zu legen. Sie lässt ihre Figuren leiden, wütend sein, sehr realistisch leben – mit all ihrem Grant und ihrer Verständnislosigkeit für längst Vergangenes. Man muss Max nicht immer sympathisch finden, genauso wenig wie Sabine. Alle gehen in diesem Buch recht grob miteinander um, es fließen viele Tränen. Die Auflösung ist schlüssig, ab einem gewissen Punkt aber recht vorhersehbar. Alles in allem ist Die Tochter ein gut geschriebener, fesselnder Roman, dem der Zweite Weltkrieg als roter Faden dient – auch nach so vielen Jahren.

Gut und sättigend: 3 Sterne

RammstedtDer Bericht einer Reise, die niemals stattgefunden hat
Tilman Rammstedt ist also einer, der Preise abräumt und skurrile Geschichten schreibt. In umgekehrter Reihenfolge natürlich. Skurril mutet auch Der Kaiser von China an: Keith erzählt von seinem Großvater, von Franziska, seiner “Großmutter”, in die er sich selbst verliebt hat, und von einer Reise nach China, die niemand jemals angetreten hat. Denn Keith hat kein Interesse an dieser Reise, die sein Großvater sich wünscht, und eigentlich auch kein Interesse an seinem Großvater. Dennoch beherrscht dieser sein Leben – ob Keith es will oder nicht.

Der Kaiser von China ist ein Roman über das, was nie gewesen ist, über das, was hätte sein können, in einer anderen, womöglich –  man glaubt es kaum – besseren Welt. Nämlich in einer, in der wir uns um unsere Verwandten kümmern  und mit der Erfüllung ihrer Wünsche nicht warten, bis es zu spät ist. Das symbolisieren die zahlreichen fantasievollen und ausführlichen Briefe, die Keith über diese Reise nach China schreibt, die nicht stattgefunden hat. “Wie unendlich gemein, dem eigenen Großvater diesen Wunsch abzuschlagen”, habe ich zuerst gedacht – bis sich dann herausgestellt hat, dass dieser Großvater gar nicht so liebenswert war wie einfach mal angenommen.

Tilman Rammstedt erzählt sehr raffiniert davon, wie wir uns so oft verhalten: Wir nehmen die Menschen in unserer Umgebung für selbstverständlich, wir hören ihnen nicht zu, wie verschieben alles auf morgen, weil wir ja immer denken, dass es ein Morgen geben wird. Dieser Aspekt des Romans gefällt mir sehr gut. Weniger zufrieden bin ich mit der Verwirrtheit des Protagonisten, mit der Konstruiertheit der Briefe und dieser Herausgerissenheit von Keiths Perspektive. Sehr verplant, der Junge! Trotzdem sehr angenehm zu lesen, Rammstedts überraschende Einfälle lassen mehr als einmal schmunzeln.

Gut und sättigend: 3 Sterne

SuterVon einem Mann, der eine Frau beeindrucken will
Lila, Lila war mein erstes Buch von Martin Suter – ob es auch das letzte war, darüber bin ich mir noch nicht im Klaren. Eine liebe Freundin es mir geschickt, damit ich diesen Schweizer Autor kennenlerne. Und ich bin mit dem Lesegenuss von Lila, Lila durchaus zufrieden … wie mit einer normalen, gut sitzenden Jeans, mit der man angezogen, aber nicht unbedingt ein Hingucker ist. Der schrägen Metapher kurzer Sinn: Lila, Lila erzählt ganz einfach eine Geschichte, und zwar auf sehr direkte, schnörkellose Weise. Nichts an der Handlung hat mich jedoch überrascht, weshalb sich meine Faszination in Grenzen hält.

Ich mag es, wie Suter schreibt,  sehr klar, sehr mündlich. Das ist eine Wohltat zwischen all den aufgeblasenen Romanen, die mit komplizierten Satzstrukturen glänzen wollen. Damit gibt sich Suter nicht ab, er erzählt drauflos, von David, der sich in Marie verliebt und sie mit einem Manuskript beeindrucken will, das er nicht selbst geschrieben, sondern gefunden hat. Schnell entwickelt diese scheinbar harmlose Idee eine Eigendynamik, sie wird nach dem Schneeballprinzip immer größer, um David zu überrollen. Das ist klug aufgearbeitet und sehr logisch – der Autor verlässt die Bahn, die er zu Beginn vorgezeichnet hat, nicht. Er baut zwei, drei originelle Wendungen ein, die das Buch eindeutig besser machen, ist ansonsten aber gezwungen, seiner eigenen Struktur zu folgen. So kommt es am Ende eben, wie es kommen muss.

Eine klare Meinung über Lila, Lila zu haben, scheint schwer zu sein. Ich stehe dem Buch merkwürdigerweise neutral gegenüber – ich finde es nicht schlecht, ich finde es nicht überragend, ich habe es einfach gelesen. Wie ich mich kenne, werde ich den Inhalt bald vergessen haben. Meist bleiben mir eher Gefühle übrig … hier ist es die angenehme Zufriedenheit, eine passende Jeans gefunden zu haben.