Gut und sättigend: 3 Sterne

cherryman-jagt-mister-white-9783257067552„Nach meiner Beobachtung ist Familie oft ein Platz, wo die Leute meinen, sie müssten sich nicht benehmen“
Eine beklemmende Geschichte über einen 18-jährigen Nazi-Mitläufer aus Ostdeutschland auf gerade mal 160 Seiten? Bitte sehr: Sowas wie das hier habt ihr bestimmt noch nicht gelesen. Im rasanten Tempo einer Short Story erzählt der deutsche Autor Jakob Arjouni von einem, der eigentlich nur seine Ruhe will – und quasi genau das Gegenteil bekommt. Der junge Rick hat keine Eltern und keine Perspektiven, weil er in Ostdeutschland lebt und keinen Ausbildungsplatz findet. Da bieten ihm die Neonazis, die ihn sonst nur traktieren, eine Lehrstelle in einer Gärtnerei in Berlin. Und obwohl er Bedenken hat, sagt er zu, denn die Alternative wäre: gar nichts. Er liebt es, Pflanzen zu hegen und zu pflegen, nach Berlin zu fahren, im Zug mit der attraktiven Marilyn zu flirten. Doch die Nazi-Bande verlangt von ihm, einen jüdischen Kindergarten auszuspionieren. Und als sie Rick einen Auftrag geben, den er nicht ausführen will, eskaliert die Situation. Aber nicht nur ein bisschen. Sondern so richtig.

Cherryman jagt Mr. White ist eins jener Büchlein, die rasch gelesen sind, aber lange nachwirken, was vor allem an seinem überaus drastischen Ende liegt. Es wirft viele Fragen auf, von denen es keine einzige beantwortet. Was soll man Schlimmes tun, um Schlimmeres zu verhindern? Wo beginnt Notwehr, wo hört sie auf? Und vor allem: Was hättest du getan? In einem Deutschland, in dem erneut ein alter Hass aufflammt, ist dieser Miniaturroman von schmerzhafter Aktualität. Und zeigt: Manchmal gibt es im Leben keinen Ausweg, und alles ist einfach grauenhaft.

Cherryman jagt Mr. White von Jakob Arjouni ist erschienen im Diogenes Verlag (ISBN 978-3-257-60134-3, 176 Seiten, 7,99 Euro).

Gut und sättigend: 3 Sterne

KossdorfAuf der Bühne des Lebens
Mischa ist ein Schauspieler, der nicht mehr schauspielert. Er hat beschlossen, diese Leidenschaft aufzugeben, und das war eine bescheuerte Idee, denn nun geht es ihm schlecht. Er ist unausgeglichen und orientierungslos. Da er nichts von sich preisgeben will, verlaufen seine ersten Zusammentreffen mit der Floristin Valerie, die ihm gut gefällt, katastrophal. Erst als er sich öffnet und ihr von seiner Berufung, der er nicht mehr folgen will, erzählt, werden sie ein Paar. Und dann hat Mischas Freund Sebastian eine ungewöhnliche Idee: Er will Mischa und Valerie engagieren, um für Privatkunden Szenen zu spielen, die diese sich wünschen. Das kann beispielsweise ein alter Mann sein, der noch an seine Jugendliebe denkt, oder eine Mutter, die das Kennenlernen mit dem verstorbenen Vater ihrer Tochter nachspielt, und viele andere Klienten – denn die Idee wird hervorragend angenommen. Und daraus entstehen so einige kuriose Begebenheiten.

Als ich letztens mit meinen Kindern in der Bücherei war, musste ich sehr lange auf die beiden warten, die sich mit Asterix-Comics in ein Zelt gesetzt hatten. Also hab ich mich nach einer Beschäftigung umgesehen – Bücher gibt es dort ja genug – und mit Leben spielen von Jan Kossdorff angefangen, aus einem einzigen Grund: weil es ein Buch war, das ich noch nicht kannte. Davon gibt’s nämlich nicht so viele. Nach 20 Minuten hatte ich mich festgelesen und hab das Buch mitgenommen. Es handelt sich dabei um leichte Unterhaltung, bei der nicht die Sprache im Mittelpunkt steht, sondern die Story. Das soll heißen: Besonders gut geschrieben ist dieses Buch nicht. Es macht aber wegen der originellen Geschichte auf jeden Fall Spaß, es zu lesen. Die Figuren sind ein wenig verrückt und teilweise echt nervig, doch zugleich ist die Art, wie Jan Kossdorff so unbedarft und frei von der Leber erzählt, sehr erfrischend. Ein harmloses, aber sehr angenehmes Buch.

Leben spielen von Jan Kossdorff ist erschienen im Deuticke Verlag (ISBN 978-3-552-06312-9, 384 Seiten, 19,99 Euro).

Für Gourmets: 5 Sterne

Lindgren„Denn ohne Freiheit welkt die Blume der Fantasie, wo immer sie auch blühen mag“

„Diese Edit – gesegnet sei sie jetzt und allezeit – las mir das Märchen vom Riesen Bim-Bam und der Fee Viribunda vor und versetzte meine Kinderseele dadurch in Schwingungen, die bis heute noch nicht ganz abgeklungen sind.“

Das schreibt die großartigste Kinderbuchautorin der Welt, Astrid Lindgre, und ich frage mich: Wem von uns ging es so mit Ronja und Pippi, mit Mio und Matilda? Sie hat so viele Kinderseelen in Schwingungen versetzt – auch meine.

„Allmählich lernte ich selber lesen und ging auf die Jagd, um meinen wilden Lesehunger zu stillen“ – einen Hunger, der auch in mir seit Jahrzehnten rumort.

„Ein Buch ganz für sich allein zu besitzen – daß man vor Glück nicht ohnmächtig wurde! Noch heute weiß ich, wie diese Bücher rochen, wenn sie funkelnagelneu und frisch gedruckt ankamen, ja denn zunächst einmal schnupperte man daran, und von allen Düften dieser Welt gab es keinen lieblicheren. Er war voller Vorgeschmack und Erwartungen.“

Ja, wie sie hier sprüht vor Begeisterung, fühle ich mich der jungen Astrid verbunden wie jedem Menschen, der von der Liebe zu den Büchern befallen ist.

Eigentlich ist es jedoch eine ganz andere Liebe, von der Astrid Lindgren in diesem (leider!) sehr schmalen Buch erzählt: der Liebe zwischen ihren Eltern. Schlicht ist sie und alltäglich und gerade deshalb etwas Besonderes – wie zwei sich fanden irgendwo an einem kleinen Ort in Schweden, wie sie sich verliebten und einander schrieben, Samuel und Hanna, wie sie heirateten, Kinder bekamen, einander zur Seite standen bis in den Tod.

„Jetzt will ich eine Liebesgeschichte erzählen, keine, die ich gelesen oder mir ausgedacht, sondern nur eine, die ich gehört habe. Darin ist mehr Liebe als in allen, die ich in Büchern fand, und für mich ist sie rührend und schön.“

So beginnt Astrid Lindgrens Bericht über die Liebe ihrer Eltern und ihre eigene Kindheit, über eine Zeit, die längst vergangen ist, und alles, was in ihr wertvoll war. Ich liebe alte Geschichten, die wahr sind, liebe schwarz-weiße Fotos von Menschen mit ernsten Gesichtern, liebe diesen Blick in die Vergangenheit. Und noch viel besser ist es, etwas zu erfahren über jemanden, der für das eigene Leben eine Bedeutung hat, deshalb bin ich Astrid Lindgren, die so viel Einfluss auf meine Kindheit und meinen weiteren Weg hatte, sehr gern durch ihre Kinderzeit gefolgt.

„Zweierlei hatten wir, das unsere Kindheit zu dem gemacht hat, was sie gewesen ist – Geborgenheit und Freiheit. Wir fühlten uns geborgen bei unseren Eltern, die einander so zugetan waren und stets Zeit für uns hatten, wenn wir sie brauchten, uns im übrigen aber frei und unbeschwert auf dem wunderbaren Spielplatz, den wir in dem Näs unserer Kindheit besaßen, herumtollen ließen.“

Das rührt mich tief, denn auch ich bin ein Draußenkind, aufgewachsen in den Bergen, ich war jeden Tag im Wald unterwegs, völlig unbehelligt von Erwachsenen.

Wehmütig machen mich zudem Astrid Lindgrens Schilderungen all dessen, was es damals gab und nicht mehr gibt, was unwiederbringlich verloren ist. Nun, da ich diese Zeilen von ihr gelesen habe, dieses Sammelsurium aus kurzen Notizen, von denen ich mir noch viel mehr gewünscht hätte, ist mir diese einzigartige Frau noch mehr ans Herz gewachsen.

„Ja, das grenzenloseste aller Abenteuer der Kindheit, das war das Leseabenteuer. Für mich begann es, als ich zum erstenmal ein eigenes Buch bekam und mich da hineinschnupperte. In diesem Augenblick erwachte mein Lesehunger, und ein besseres Geschenk hat das Leben mir nicht beschert.“

Für dieses Geschenk, liebe Astrid Lindgren, danke ich dir.

Das entschwundene Land von Astrid Lindgren ist erschienen im Oetinger Verlag (ISBN  978-3-8415-0168-4, 107 Seiten, als Taschenbuch 7,99 Euro).

Bücherwurmloch

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Interview mit Heike Duken

Dein Roman „Rabenkinder“ lässt viele unterschiedliche Figuren zu Wort kommen. Warum sind es so viele, und wer ist eigentlich der Protagonist?
Ja, es gibt nicht diesen einen Helden, der seine Reise macht und sich mit einem Antagonisten herumschlägt. Der wahre Protagonist der Geschichte ist wohl diese Familie. Der Schwarm. Ein Ameisenvolk, doch jedes einzelne Tier hat das Recht auf eine eigene Stimme. Es wird immer nur ein Fragment erzählt, ein Ausschnitt, eine Szene, die so viel zeigt wie nötig und wirklich kein bisschen mehr. Nötig, um etwas von dem zu zeigen, was Gewalt anrichtet, was Sprachlosigkeit bedeutet und was Menschen in der Not helfen kann: Mitgefühl, offene Worte und keine Feigheit vor dem Freund.

Du hast die Fragmente und einzelnen Ausschnitte angesprochen. Wie kam es zu dieser Zersplitterung?
Erst einmal habe ich einfach nur Kurzgeschichten geschrieben. Ich mag eben die Reduktion. Das Aus- und Abschweifende liegt mir nicht. Und dann habe ich gemerkt, all die Geschichten haben eine Verbindung. Diese Menschen kennen sich und agieren bezogen aufeinander. Das Ende der einen Geschichte ist der Beginn einer anderen. Die Gegenwart der einen Figur ist zugleich Vergangenheit einer anderen und so weiter. Ein Kosmos tat sich auf. Es war faszinierend. Mein Unbewusstes hatte ganze Arbeit geleistet. Später dachte ich mir, ist das nicht die moderne Welt, sind das nicht moderne Lebensläufe und Familien, ist das nicht der moderne Mensch sogar: zersplittert?

Gibt es trotz allem einen Kern, eine Hauptgeschichte?
Absolut. Letztendlich geht es um drei Geschwister, die Geschichte ihrer Eltern und ihrer Kinder. Also ein klassischer Familienroman! Naja …

Dein Roman ist wahnsinnig intensiv. Es geht um die Beziehung zwischenKindern und ihren Eltern, um unterdrückte Gefühle, um Gewalt — auchsexueller Natur. War das für dich schwer zu schreiben?
Ich finde ich es viel schwieriger, über Glück zu schreiben. Über Liebe und Versöhnung. Schon die Worte gehen mir schwer von der Hand. Sie sind seltsam. Oder nicht? Ich habe versucht, mich den Figuren so weit wie möglich anzunähern. Mit ihnen wahrzunehmen, zu denken, zu fühlen. Manchmal war das schwer, weil ich wirklich traurig wurde. Sehr traurig. Geholfen hat mir die Kürze der einzelnen Szenen. Nach einem Abend intensiven Schreibens konnte ich gut wieder auftauchen und am nächsten Tag recht kühl überarbeiten. Die Szene war ja fertig geschrieben, abgeschlossen. Ich konnte an ganz anderer Stelle neu beginnen. Ich habe den Roman nicht chronologisch verfasst, sondern einzelne Kapitel geschrieben und diese immer wieder neu sortiert. Mein Arbeitszimmer lag voll mit gelben Karten, auf denen die Überschriften, das Jahr und die jeweilige Perspektive standen.

Hast du zu einer Figur eine besondere Verbindung?
Ja, zu Nele, dem kleinen Mädchen. Kinder haben eine eigene Welt in ihren Köpfen, und sie teilen nur einen Bruchteil davon mit, glaube ich. Mit Nele habe ich versucht, in diese Welt hineinzublicken, natürlich kam ich dabei in Kontakt mit dem Kind, das ich einmal war. Und dann Max. Dieser komische, schwierige Junge. Wie er sich entwickelt. Wie er nachdenkt und beobachtet. Oft mit einer gewissen Kälte. Seine Perspektive ist mir enorm wichtig geworden während des Schreibens. Aber eigentlich mag ich sie alle. Ich war an meinem Schreibtisch lange mit diesen Menschen zusammen, und ihr Kampf, ihr Streben, auch ihr Unvermögen und ihre Fehler, teils ihre Schuld, das nimmt mich alles sehr für sie ein.

Denkst du, das alles kann man den Lesern zumuten?
Ja! Leserinnen und auch Leser werden oft unterschätzt. Die „Rabenkinder“ sollen berühren, ja schmerzen. Es kann tröstlich sein, etwas vom eigenen Schmerz in der Literatur wiederzufinden. Zumindest habe ich das selbst schon oft so erlebt. Doch ich hoffe, auch die zarten Momente der Hoffnung, die ich geschaffen habe, tun ihre Wirkung, und man klappt das Buch am Ende mit einem guten Gefühl zu.

Wie bist du auf den Titel gekommen?
Jeder kennt den Begriff der Rabenmutter (vor allem Frauen, die selbst Mütter sind, kommen um den Begriff ja gar nicht herum und müssen jeden Tag beweisen, dass er nicht auf sie zutrifft). Und tatsächlich, schlechte Mütter und Väter, es gibt sie zuhauf. Wir lesen über sie in der Zeitung oder auch in der Literatur, mir wird in den Therapien von ihnen erzählt. Schrecklich. Leid wird über Generationen weitertransportiert, weil Eltern es nicht hinbekommen. Sogar gute Eltern können gar nicht anders, als hin und wieder Rabeneltern zu sein. Aber was ist mit den Kindern? Sind sie wirklich kleine Engel, ein einziger Quell der Freude, ein immerwährendes Geschenk, „der größte Reichtum“, wie ich neulich in der Anzeige einer Kinderwunschklinik gelesen habe? Wird da den Eltern nicht etwas vorgegaukelt? Kinder geben häufig Anlass zur Sorge. Man kann sie nicht vor jedem Kummer bewahren. Sie machen Eltern durch ihr eigenes Unglück mit unglücklich. Das verstehe ich unter „Rabenkindern“. Und das soll keine Anklage sein, um Himmels willen. Niemand kommt in meinem Roman auf die Anklagebank. Alle dürfen einfach so sein wie sie sind, mit ihrem Bemühen, ihrem Scheitern und mit ihrer Stärke, Unglück auch zu überwinden.

Warum hast du genau dieses Buch geschrieben und kein anderes?
Diese Geschichten mussten raus. Meine Gefühle dazu. RAUS. Ich bin eher ein lebensfroher, fröhlicher Mensch, aber das kann ich wahrscheinlich nur sein, weil das Traurige, das Grauenhafte und Hoffnungslose diesen Weg nach draußen findet. Sonst würde es irgendwie drinbleiben und mich verzweifeln lassen. Es gäbe genug Grund dazu, manchmal in mir selbst, oder wenn ich nur meine Arbeit mache, mir die Nachrichten anschaue oder mich in der U-Bahn umsehe. Gestern war ich Zeugin in einem Vergewaltigungsprozess. Gegen solche Eindrücke muss ich meine Lebensfreude verteidigen. Das Schreiben hilft mir dabei, gerade auch das Erzählen ausgedachter Geschichten, das mir die Macht über die Welt zurückgibt (ähm, hatte ich sie denn je?). Wer weiß, was als Nächstes raus muss, ich habe ein paar Ideen im Kopf, ein paar Kurzgeschichten geschrieben …

Wie viel von deiner persönlichen Erfahrung durch deine Arbeit alsPsychotherapeutin ist in das Buch geflossen?
Psychotherapie, so wie ich sie betreibe, ist vor allem das Bemühen darum, etwas zu verstehen. Manchmal gelingt mir das. Und das hilft mir beim Hineinfühlen in meine Figuren ungemein. Natürlich verwende ich keine Geschichten meiner Patienten, die sind bei mir sicher und gut aufgehoben.

Was wünschst du dir für die Rabenkinder?
Ich bin dabei, sie auszuwildern, und sie sollen in dem Dschungel da draußen eine Bleibe finden. Einen Verlag. Sie sollen in Buchhandlungen liegen, gekauft und gelesen werden. Eigentlich ganz einfach! Als Autorin wünsche ich mir noch etwas mehr: ein literarisches Zuhause.

Du hast viele Schreibwerkstätten besucht und bist ganz gut vernetzt als Autorin. Was bringt dir der Austausch mit anderen Schreibenden?
Ich habe so lange einsam vor mich hingeschrieben und nie ein Feedback bekommen, weder Kritik noch Ermutigung. Dann habe ich es gewagt, ein Schreibseminar bei Georg Klein zu besuchen. Ich bin fast gestorben, wirklich. Ich war fast als Letzte dran. Und ich werde nie vergessen, wie er gesagt hat: „Ich möchte eine Lanze für diesen Text brechen.“ Er hat das dann sehr ausführlich begründet, das war ein wunderbarer Moment. Ich habe mein Schreiben in den Werkstätten tatsächlich verbessern und professionalisieren können. Diese Textbesprechungen schärfen den Blick auf das eigene Werk und legen den Finger genau in die Wunde, für die man selbst blind ist. Ich war bei Josef Haslinger und Thomas Hettche, großartige Schriftsteller. Ein Privileg, von ihnen und all den anderen Schreibenden zu lernen. Dann habe ich mich den 42erAutoren angeschlossen, auch dort nutze ich die Möglichkeit, Feedback zu Texten zu bekommen. Die 42er kennen so einige Kapitel aus den Rabenkindern und haben daran herumkritisiert. Es gibt auch einen regen Informationsaustausch zu allen Themen, die mit dem Schreiben zu tun haben. Ganz aktuell bin ich zu den BücherFrauen gestoßen, das hat mit dieser Rolle rückwärts zu tun, die ich in der Welt im Umgang mit Frauen und Mädchen wahrnehme. Da habe ich mich auf die gute feministische Tugend besonnen, sich zusammenzurotten, um sich etwas stärker zu fühlen und nicht zu verzweifeln.

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Hier findet ihr eine Leseprobe aus Heike Dukens Roman, und hier könnt ihr zusehen, wie sie daraus liest, und ihren schönen Hut bewundern.

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Angerer„Die Sehnsucht nach Licht“
Eine Facebook-Freundschaftsanfrage an Weihnachten – das wäre eigentlich nichts Besonderes. Doch das Profilbild, das Valerie da sieht, ist nicht von irgendwem. Sondern von Bojan. Er ist der Vater ihrer Tochter. Er war ihre erste große Liebe. 30 Jahre lang hat sie ihn nicht gesehen. Und das hat einen Grund: Die Beziehung war keine gute. Sie hat ihre Spuren hinterlassen, sie hat vermutlich, das könnte man so sagen, Valeries Leben zerstört. Denn als sie Bojan traf, war sie jung und naiv, lieb, hübsch, sie wollte noch so viel. Plötzlich war sie verrückt nach diesem vermeintlichen Künstler, der dubiosen Geschäften nachging, an jeder Hand mindestens ein Mädchen hatte, Valerie abfällig „Madame“ nannte und sich nicht besonders um sie bemühte. Sie wollte ihm gefallen. Sie wollte, dass er sie liebte. Um seine Aufmerksamkeit zu bekommen, tat sie viel – und ließ sich viel gefallen. Denn der manipulative Bojan war nicht nur abschätzig, untreu und kriminell, sondern auch gewalttätig.

Ich hab dieses Buch in zwei Stunden inhaliert. Der Roman von Ela Angerer, die sich als Autorin, Theaterschreiberin und Kolumnistin einen Namen gemacht hat, ist scharf und intensiv. Er schmeckt nach einer leeren Wohnung, nach Wein und Blut. Sie erzählt darin die Geschichte einer Frau, die in jungen Jahren blind ins Verderben gelaufen ist, von Abhängigkeit und der seltsamen Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu belügen, die Augen zu verschließen vor der Wahrheit – selbst wenn diese einem direkt ins Gesicht schlägt. Im Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird klar, welch weitreichende Folgen die Begegnung mit Bojan für Valerie hatte und wie anders ihr Leben ohne ihn mit Sicherheit verlaufen wäre. Denn an dem Weihnachtsabend, an dem sie seine Freundschaftsanfrage erhält, ist Valerie ganz allein.

Wie blind sind wir, wenn wir lieben? Wie weit gehen wir, um zurückgeliebt zu werden? Und wann kommt der Moment, in dem der Wille, zu überleben, doch stärker ist als alles andere? Das sind die Fragen, auf die Und die Nacht prahlt mit Kometen Antworten gibt, fiktive Antworten aus dem Pool der Möglichkeiten, die das Leben bietet. Und beachtet bitte kurz das grandiose Cover, das mir wahnsinnig gut gefällt, weil es nicht nur ästhetisch schön ist, sondern zugleich, durch diese nicht vorhandene Schattenfigur, einen raffinierten Hinweis auf den Inhalt des Romans enthält. Sehr klar und geradlinig ist zudem Ela Angerers Sprache, angenehm zu lesen, einfühlsam und klug. Absolute Empfehlung!

Und die Nacht prahlt mit Kometen von Ela Angerer ist erschienen im Aufbau Verlag (ISBN 978-3-351-03647-8, 191 Seiten, 19,95 Euro). Und hier könnt ihr der Autorin beim Lesen zuschauen und zuhören.

Bücherwurmloch

„Es fühlte sich an wie für die Ewigkeit“
Menschen, Orte, Gefühle: Rabenkinder ist ein Mosaik, es besteht aus vielen Splittern und verschiedenen Perspektiven. Gemeinsam ist ihnen der Kampf mit alten Verletzungen, die Hoffnung auf etwas Besseres und der Mut, danach zu suchen. (Hier findet ihr übrigens eine Leseprobe.) Einen dieser Splitter stellt euch die Autorin Heike Duken persönlich vor, und zwar das Kapitel „Pablomas“. Sie liest für euch in einer tollen Location, mit professioneller Unterstützung und mit einem grandiosen Hut. Vorhang auf für Rabenkinder, Longlist-Kandidat für den Blogbuster 2017:

Pablomas from Hartmut Knipp on Vimeo.

 

Für Gourmets: 5 Sterne

Würger„Die Wahrheit sind die Geschichten, die wir uns so lange erzählen, bis wir glauben, sie wären Wirklichkeit“

„In Cambridge habe ich gelernt, wie viel Großes der Mensch leisten kann: Er kann die Grundlagen der formellen Logik entwickeln, die Geschwindigkeit des Lichts errechnen und ein Medikament gegen Malaria finden. Aber in Cambridge habe ich auch gelernt, was der Mensch in seinem Kern ist: ein Raubtier.“

Hans ist neunzehn, als er an die Universität Cambridge kommt, und er ist allein. Er ist Boxer, und daher rührt auch die Aufgabe, die er bekommt: Er soll erreichen, dass der elitäre Pitt Club ihn als Mitglied aufnimmt. Er soll sich dort einschleichen und ein Verbrechen aufklären, über das er nichts weiß. Helfen soll ihm dabei die geheimnisvolle Charlotte, zu der er sich hingezogen fühlt. Doch je tiefer Hans in die universitären Boxerkreise vordringt, umso mehr stellt sich die Frage: Wie viel muss er mitmachen, um seine Tarnung nicht aufzugeben? Und wer wird am Ende den Preis dafür bezahlen?

Seiner Biografie zufolge ist Takis Würger – der ja schon einen spektakulären Namen hat, bitte – ein wilder Kerl. 1985 geboren, war er an der Henri-Nannen-Schule und hat als Reporter aus Libyen, dem Irak und Afghanistan berichtet, bevor er zum Studium nach Cambridge ging. Er ist Boxer. Er gehört selbst vielen Clubs an, darunter besagter Pitt Club. Und auch die Story, die er in seinem Debütroman erzählt, klingt wild, erinnert zuweilen an Fight Club. Allein: Sie ist es nicht. Sie ist vielmehr zart, sanft und überraschend poetisch, sehr melancholisch. Dass jemand eine derart thrillermäßige Geschichte in so leisen Tönen erzählen kann, ist nicht selbstverständlich. Und zugleich ist es absolut wunderbar.

Takis Würger lässt nicht nur seinen Protagonisten Hans sprechen, er springt in kurzen Episoden von einer Figur zur anderen wie ein fröhlicher Grashüpfer. Bemerkenswert dabei: Er wechselt den Stil, stattet jeden Charakter mit einer eigenen Stimme aus. Da gibt es die verletzliche Charlotte und Hans’ überforderte Tante Alex, den reichen Snob Josh und Charlottes Vater Angus, der gar nicht weiß, welche Ereignisse er vor Jahrzehnten ins Rollen gebracht hat. Sie alle sehe ich durch das Kaleidoskop, sie purzeln durcheinander, jeder rückt ins Bild und verschwindet wieder, bis sich am Ende ein erkennbares Muster ergibt. Der rote Faden, der alles zusammenhält, ist satte, blinde Einsamkeit. Sie sind traurig, diese Figuren, sie sind allein. Weder viel Geld noch viele Siege im Boxring werden daran etwas ändern. Und auch die Rache vermag es nicht. Holt euch dieses raffinierte Büchlein, erwartet nichts, und ihr werdet alles bekommen.

Der Club von Takis Würger ist erschienen bei Kein & Aber (ISBN 978-3-0369-5753-1, 240 Seiten, 22,60 Euro). Hier könnt ihr dem Autor (der natürlich auch noch gut aussieht, das war ja klar!) beim Lesen zusehen und zuhören.

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Balzano„Sie sind spurlos verschwunden, denn die Mühe der armen Leute hinterlässt niemals Spuren“
Ninetto ist arm, sie nennen ihn Pelleossa, Haut und Knochen, so dünn ist er. In seinem Heimatdorf gibt es kaum was zu beißen, und als Ninettos Mutter einen Schlaganfall erleidet, schickt der Vater den Neunjährigen von Sizilien nach Mailand.

„Mailand ist eine Stadt voller Lichter, da ziehen Leute aus ganz Italien hin.“

Ninetto schlägt sich durch, er ist ein kleiner Überlebenskünstler, und meistens ist er allein.

„Ninè, es gibt keine Freunde. Es gibt nur Leute, mit denen man sich die Zeit vertreibt, wenn man nichts zu tun hat und nicht an seine Scheißsorgen denken will.“

Das hat ihm der Vater gesagt, und obwohl Ninetto ab und an bei Erwachsenen Unterschlupf findet – Freunde hat er wirklich keine. Dann verliebt er sich in Maddalena, und als sie fünfzehn sind, heiraten sie.

„Doch schon nach kurzer Zeit haben wir nicht mehr an unsere Träume gedacht. Wir haben vergessen, dass es sie gibt.“

Und so blickt Jahrzehnte später ein alter, resignierter Ninetto zurück auf das, was geschehen ist. Auf das, was er getan hat – und was er falsch gemacht hat.

„Ja, denn wenn ich mich in meinen Geschichten verliere, bin ich nicht mehr Haut, Knochen und Muskeln. Nur noch Seele und Stimme.“

Marco Balzano hat für diesen Roman mit vielen Menschen gesprochen, die in den 1950er- und 1960er-Jahren als Kinder unter zwölf Jahren emigriert sind. Auch seine eigenen Eltern sind Süditaliener, die ihr Glück im Norden gesucht (und offenbar gefunden) haben. Mit seinem Ich-Erzähler Ninetto gibt Marco Balzano in seinem dritten Roman diesen Kindern eine Stimme. Fasziniert war er davon, dass diese gefährliche, entbehrungsreiche Zeit für diese Menschen, die heute etwa siebzig sind, auch ein großes Abenteuer war – im Gegensatz zu den vierzig Jahren abstumpfender Fabriksarbeit, die darauf folgten.

Ich kannte Marco Balzano bereits von seinem wunderbaren Buch Damals, am Meer, das nichts anderes als grandios ist und das ihr unbedingt lesen solltet. Das Leben wartet nicht ist im Vergleich dazu nicht so lebendig, gewitzt und ausgeklügelt, es ist vielmehr ein recht eindimensionaler Erlebnisbericht, das liegt in der Natur der Sache. Für sich genommen, ohne diesen sowieso unnötigen Vergleich, ist dieser Roman die berührende Erzählung eines Zeitzeugen, gefüllt mit den klugen Aussagen derer, die wenig Bildung haben, aber viel Lebensweisheit. Ninetto schwelgt in Erinnerungen, denn im Alter bleibt ihm nichts anderes mehr. Er gehört zum alten Eisen, das keiner mehr will, und er denkt zurück an seine Anfänge. Er hatte vielleicht kein sehr gutes Leben – aber zuhause in Sizilien wäre er vermutlich verhungert. Marco Balzano ist sehr nah dran an seinem Erzähler, er blickt durch seine Augen, fühlt mit seinem Herzen, spricht mit seiner Stimme. Ein sehr besonderes und wichtiges Buch.

Das Leben wartet nicht von Marco Balzano ist erschienen im Diogenes Verlag (ISBN 978-3-257-06983-9, 304 Seiten, 22 Euro). Hier findet ihr die Besprechung von novelero.

Gut und sättigend: 3 Sterne

Aydemir„Es geht nur darum, den anderen überzeugende Lügen zu erzählen und sich nicht erwischen zu lassen“
„Wenn wir in der Familie miteinander reden, tun wir nämlich immer so, als gäbe es einen Gott und die Hölle und so. Das hilft dabei, irgendwelche Begründungen für irgendwas zu finden und weniger Angst vor dem Tod zu haben, und vor allem hilft es dabei, uns Dinge zu verbieten.“ Für Hazal, Tochter türkischer Einwanderer in Berlin, ist ziemlich viel verboten: Abends darf sie nicht raus, sondern schaut doofe türkische Serien mit ihren Eltern und kocht ihnen Tee, einen Freund darf sie nicht haben, bei ihren Freundinnen darf sie nicht übernachten. Außerdem findet sie keinen Ausbildungsjob, hat keine Perspektiven, und deswegen ist Hazals Leben einfach kacke. Als sie gemeinsam mit drei anderen Mädchen an ihrem Geburtstag an der Tür eines Clubs abgewiesen wird, entlädt sich ihr Frust, und die Situation gerät völlig außer Kontrolle. Hazal flieht nach Istanbul und muss dort erkennen: Nur weil du vor deinen Problemen wegläufst, lösen sie sich nicht in Luft auf.

Ellbogen ist ein höchst aktueller und ebenso brisanter Roman. Bestimmt habt auch ihr die Bilder im Kopf, die durch die sozialen Medien gingen und gehen, von Jugendlichen, die in der U-Bahn wehrlose Menschen niedertreten, verprügeln, anpinkeln. Fatma Aydemir, die 1986 in Deutschland geboren wurde und als freie Autorin für diverse Zeitungen und Magazine schreibt, hat diese Gewalt zum Thema ihres Debüts gemacht, die so viele in Angst versetzt. Woher kommt sie, wo liegt ihr Ursprung? Dabei will sie das Verhalten der Einwandererkinder, die orientierungslos sind und wütend, nicht rechtfertigen, nicht einmal erklären. Sie erzählt vielmehr eine fiktive Geschichte – die real sein könnte. Sie gibt durch ihre Ich-Erzählerin Hazal Einblick in das Leben einer jungen Türkin, die in Berlin wohnt, also in einer freien Welt lebt, und dennoch gefangen ist. Zwischen veraltetem Türkisch, ebenso veralteten Traditionen und einem Deutschland, das es ihr in ihren Augen unmöglich macht, gut zu leben, befindet sie sich in einem Niemandsland. Dort sammelt sich der Zorn. Dort sammelt sich die Sehnsucht. Dort sammelt sich der Hass.

Was Fatma Aydemir grenzgenial gelungen ist, ist der Ton dieses Buchs. Es hört sich wirklich an wie eine junge Deutschtürkin. Das Rotzige, das Bissige hat mich, ich geb es zu, sehr genervt – was absolut dafür spricht, dass es authentisch ist. Dass Hazal keine Identifikationsfigur ist, stört mich nicht weiter, weil ich es gut finde, wenn ein Buch Charaktere hat, die verachtenswert sind. Denn so sind auch die Menschen. Hazals Perspektive ist stark eingeschränkt und dadurch sowohl glaubwürdig als auch problematisch. Hazal ist ungebildet und egozentrisch, das merkt man vor allem im zweiten Teil des Buchs, als sie in der Türkei in die politischen Unruhen gerät. Sie versteht nicht einmal, was vor sich geht, und es ist ihr auch egal. Natürlich wäre es falsch gewesen, hätte Fatma Aydemir hier plötzlich begonnen, zu kommentieren und zu erläutern. Gleichzeitig aber wirkt es auf mich, als sei sie selbst in ihrer Protagonistin gefangen, sie kann aus dieser Perspektive heraus nichts begreiflich machen, nur mitschwimmen und versuchen, den Kopf oben zu behalten. Alles verliert sich, und auch dadurch wird die Kernbotschaft erneut klar: Aus ihrem eigenen Ich, der Art, wie sie aufgewachsen und sozialisiert ist, gibt es für Hazal keinen Ausweg.

Im Klappentext des Romans steht: „… stellt Fatma Aydemirs Debütroman eine große Frage: Was kann in dieser Welt aus einem Mädchen wie Hazal schon werden? Und gibt eine ebenso große Antwort: Alles.“ Als Texterin erkenne ich die pathetische Schönheit dieses Satzes, doch die Wahrheit – das zeigt der Roman sehr deutlich – ist: Nichts kann aus einem Mädchen wie Hazal in dieser Welt werden. Gar nichts.

Ellbogen von Fatma Aydemir ist erschienen in den Hanser Literaturverlagen (ISBN 978-3-446-25441-1, 272 Seiten, 20 Euro). Hier findet ihr eine Besprechung bei Caterina von SchöneSeiten.

Bücherwurmloch

Foto VerlagInterview und Leseprobe
Ich hab euch ja schon verraten, dass „Rabenkinder“ richtig gut ist. Das Manuskript von Heike Duken ist mein Favorit für den Blogbuster 2017 und steht nun auf der Longlist. Was ihr aber noch nicht wisst, ist, dass Heike Duken auch überaus sympathisch ist. Davon könnt ihr euch im folgenden kurzen Interview überzeugen. (Ich musste natürlich über die Sache mit den Österreichern sehr lachen.) Sie hat die Fragen beantwortet, die allen Longlist-Autoren gestellt werden (die anderen findet ihr hier). Und wer weit genug runterscrollt, wird mit dem Link zur Leseprobe von „Rabenkinder“ belohnt – damit ihr selbst seht, dass das Buch es verdient hat, ganz vorn mit dabei zu sein.

Du stehst auf der Longlist des Blogbuster-Preises. Hättest Du damit gerechnet?
Nein. Aber ich hatte so ein Gefühl: Das ist eine Chance. Vor allem, als ich gelesen hatte, was die Bloggerin vom Bücherwurmloch sich von den Texten erwartet. Ich dachte, das könnte tatsächlich klappen. Aber ich wusste natürlich nicht, wie gut die anderen Manuskripte sind, und habe pausenlos meine Mails gecheckt. Ich freue mich riesig. Danke, Mareike Fallwickl!

Warum hast Du Dich gerade bei dem Blog „Bücherwurmloch“ beworben?
Erst einmal ist die Bloggerin Österreicherin. Österreicherinnen ist literarisch alles zuzutrauen, wirklich. Meine Vorurteile haben sich immer wieder bestätigt. Und dann ihre Vorstellung bei Blogbuster: Von guter Literatur erwarte ich: dass sie mich rausreißt, mich wach macht, im Idealfall richtiggehend aufschneidet, mir ins Gesicht schlägt. Da wusste ich, diese Bloggerin hält was aus. Das war wichtig. Ich habe dann sehr gehofft, mein Roman könnte sie tatsächlich herausreißen und berühren, und das hat er geschafft.

 Blogbuster ist ein etwas anderer Literaturwettbewerb. Was hat Dich gereizt, daran teilzunehmen?
Hier wird nicht zuerst die Marktfähigkeit geprüft, die Blogger gehen anders an die Texte heran, denke ich. Mein Roman hat keinen Protagonisten im herkömmlichen Sinne, wechselt die Perspektiven wie ansonsten Helden ihre Hemden, nimmt Abkürzungen und lässt Leerstellen. Mich hat gereizt, damit erst einmal diese eine kompetente Leserin einzufangen und nicht gleich einen ganzen Betrieb, der auch betriebswirtschaftlich denken muss. Der Preis an sich ist außerdem so etwas wie ein Sechser im Lotto und die Jury der Hammer.

14523272_1342675139083457_197248595740756655_nDie erste Hürde ist genommen, welche Chancen rechnest Du Dir aus, auch die Fachjury zu überzeugen?
Keine Ahnung! Ich schwanke zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplex, aber die meiste Zeit denke ich: das wäre ja ZU SCHÖN. Mein Roman wird vielleicht polarisieren. Die Fachjury möge einfach eine weise Entscheidung treffen.

Wie lange hast Du an dem Romanmanuskript geschrieben und was hast Du bisher schon unternommen, um einen Verlag zu finden?
Ich habe etwa zwei Jahre an diesem kurzen Roman geschrieben, teils mit Unterbrechungen, teils sehr intensiv. Mir ist jedes Wort wichtig. Und was ich schon unternommen habe? Viel. Wirklich. Nächste Frage, bitte. 

Was wirst Du zusammen mit Deinem Blogger noch unternehmen, um Dich und Dein Manuskript zu promoten?
Es wird ein Video geben, in dem ich eine Passage lese. Oder wir machen aus mir die Kandidatin mit Schicksal? Die gibt es in jeder Casting-Show, gerne Drogen, Mobbing oder schwere Kindheit. Nein, das war ein Scherz. Gemacht von der schwarzen Seite meiner Seele.

Wie versprochen, könnt ihr hier nun mehr von meinem Favoriten lesen. Ich bin sicher: Ihr werdet das auch als Nicht-Österreicher gut finden!