Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Leidenfrost„Jetzt suche ich noch einmal, ob ich etwas finden könnte auf dieser Welt, das mir Zuflucht gibt“

„Hör zu, ich erzähle dir eine Geschichte, damit du sie aufhebst. Für diese Geschichte brauch ich eine Zunge und einen Mund, um damit Laute zu formen, Hände, um die Geschichte mit Gesten zu schmücken, ein Gesicht, um Gefühle zu zeigen. Du brauchst Ohren und Augen, um mir zu folgen.“

Denn die Figuren, die in diesen Geschichten zu Wort kommen, haben lange nicht gesprochen – oft sogar ein Leben lang. Die müssen jetzt noch was sagen, jetzt, bevor es zu Ende geht, jetzt, bevor sie verstummen für immer. Sie erzählen von Geheimnissen und der Liebe, von Verrat und vom Leben, das viel zu schnell vergangen ist. Und vor allem von dem, über das nie geredet wurde: den Geschehnissen im Krieg. Nazis waren doch alle, aber herrje, wir wussten ja nichts. Was verschwiegen wurde, kommt nun ans Licht – was auch immer es gewesen sein mag.

„Geschichten sind wie Vögel, es gibt tausend Arten und die meisten kennen die halbe Welt.“

In ihrem ersten Buch gibt die österreichische Autorin Lucia Leidenfrost jenen eine Stimme, die ihre Stimme ein Leben lang nicht genutzt haben. Frauen sind das genauso wie Männer, die merken: Da gibt es noch etwas, das nicht gesagt wurde. Das mich belastet. Das ich noch loswerden muss. Wie Sterbebeichten wirken diese Geschichten, wie letzte Momentaufnahmen, denn die meisten – nicht alle – tauchen am Ende eines Lebens aus dem Morast der Erinnerung auf. Der drohende Tod ist es, der die Menschen dazu bringt, nicht länger zu schweigen. Lucia Leidenfrost verleiht jenen, die noch etwas erzählen müssen, nicht nur eine Stimme, sondern gibt ihnen auch die Worte als Handwerkszeug, gibt ihnen eine feine, kluge Sprache.

Mir ist die Zunge so schwer ist traurig, melancholisch und tiefgründig. Ein Buch voll Bedauern, voll Schwermut und später Erkenntnis. Ein Buch über die letzte Weltkriegsgeneration, wobei, eigentlich nicht ÜBER sie, sondern von ihr, mit ihr, durch ihre Augen, ihre Münder. Es ist nämlich nicht nur so, dass das alles endlich einmal ausgesprochen werden muss, es muss auch gehört werden. Aufgeschrieben werden, bewahrt werden, bevor es niemanden mehr gibt, der davon erzählen könnte. Wertfrei wird das aufbewahrt, ohne ein Urteil, und fast könnte man meinen, dass das nicht fiktive Stimmen sind, die da erklingen, sondern echte, dass Lucia Leidenfrost ein Aufnahmegerät in dunklen Stuben an faltige Gesichter gehalten hat. So authentisch und berührend sind ihre Geschichten. Ein sehr schönes, gefühlvolles, feinsinniges Buch, das den Gedanken in sich trägt, dass wir alle nicht so viel Zeit haben, wie wir immer glauben. Ich kann es euch nur ans Herz legen.

Mir ist die Zunge so schwer von Lucia Leidenfrost ist erschienen bei Kremayr & Scheriau (ISBN 978-3-218-01069-6, 192 Seiten, 19,90 Euro). Und hier findet ihr den Leseeindruck von Frank O. Rudkoffsky.

 

 

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Gowdy„Ja, ich bin noch immer traurig“

„Beim ersten Donnergrollen wurden die Buchstaben scharf. Die Flecken erschienen, die Festungen bauten sich auf und lösten die Übelkeit aus, die wiederum das Gefühl auslöste, als kristallisiere sich Harriets Knochengerüst aus dem Gerüst von Roses eigenem heraus.“

Denn Rose findet sich plötzlich bei Gewitter im Körper von Harriet wieder – einer Frau, die sie nicht kennt, von der sie jedoch bald regelrecht besessen ist. Warum verlässt sie auf einmal ihren eigenen Körper? Wer ist diese Harriet, die eine Affäre mit einem verheirateten Mann hat? Und was hat das alles mit Roses Schwester Ava zu tun, die gestorben ist, als sie beide noch Kinder waren? Hört sich gespenstisch an und wie ein Thriller, ist es aber nicht: Ruhig, gesittet, lakonisch erzählt Barbara Gowdy eine sehr ungewöhnliche Geschichte.

Kleine Schwester ist ein literarisches Buch, kein Genre. Das muss ich betonen, weil die Story, die die kanadische Autorin zu Papier gebracht hat, so nach Parallelwelten und Übernatürlichem klingt. Die „Episoden“, wie Hauptfigur Rose sie selbst nennt, werden im Roman einfach als gegeben hingenommen, sie können und sollen nicht erklärt werden. Vielmehr geht es in diesem Buch um unsere Sehnsucht, ein anderes Leben zu führen, um die Frage, wie es sich anfühlen würde, ein anderer zu sein. „Durch die Augen eines anderen sehen“ – das hat Barbara Gowdy, deren Kurzgeschichten bereits verfilmt wurden, zum Ausgangspunkt genommen und für ihre Figur möglich gemacht. Die wird durch den Kontakt mit einem fremden Leben zurückgeworfen auf ihr eigenes: Wo steht sie? Wollte sie dorthin, ist sie glücklich? Und werden die Wunden der Vergangenheit jemals heilen?

Die Themen, mit denen die Autorin sich in Kleine Schwester beschäftigt, sind also gar nicht so ungewöhnlich. Nur die Art, wie sie es tut, ist es. Und genau das macht dieses Buch so besonders. Für mich persönlich ist alles, was den Tod eines Kindes beinhaltet, schwer erträglich, seit ich selbst Kinder habe. Sehr spannend finde ich jedoch die Idee dieser außerkörperlichen Erfahrungen, um die sich alles dreht: Das ist unheimlich und faszinierend zugleich. Ich war sehr neugierig, wie die Autorin diese Situation am Ende lösen würde, und hm, ja, es ist ihr auf akzeptable Weise gelungen. Wenn ihr mal was Interessantes abseits vom Mainstream lesen wollt, kann ich euch Kleine Schwester auf jeden Fall empfehlen.

Kleine Schwester von Barbara Gowdy ist erschienen im Verlag Antje Kunstmann (ISBN ISBN: 978-3-95614-196-6, 240 Seiten, 22 Euro).

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Bengtsson„Ist wohl nicht so einfach als Klein Sus im Moment?“

„Sus weiß nicht viel, aber eins weiß sie. Wenn man Hasch anrührt, das man verkaufen soll, kann man genauso gut einen Hammer nehmen und sich eigenhändig die Kniescheiben zertrümmern, das spart anderen die Mühe.“

Dort, wo Sus herkommt, weiß man solche Dinge: Sie ist im Block aufgewachsen, einem sozial benachteiligten Viertel, wie man so schön sagt, sie war schon früh auf sich gestellt. Jetzt ist Sus neunzehn, ihr Bruder liegt im Koma, ihre Mutter ist tot und ihr Vater im Gefängnis. Ein Problem ist für Sus ihre Statur, denn sie sieht aus wie ein zwölfjähriger Junge, ist klein und wiegt zu wenig. Wie soll so jemand in der rauen Welt bestehen? Um eine Chance zu haben, gibt Sus sich selbst Aufgaben, die ihr die Angst abtrainieren sollen. Das funktioniert auch – fast. Denn das Leben hat immer einen noch härteren Schlag auf Lager.

Der dänische Autor Jonas T. Bengtsson ist ein ausgezeichneter Erzähler – einer von jenen, die nicht viele Worte brauchen. Die den Finger direkt in die Wunde legen, bäm. No nonsense. No Firlefanz. Vielleicht ist sein aktueller Roman Kugelfisch deshalb so dünn. Mehr gibt es nicht zu sagen, scheint er gefühlt zu haben, mehr müsst ihr nicht wissen. Und er hat schon Recht: Auch wenn ich durchaus gern mehr gewusst – und mehr von Susa gelesen – hätte, hinterlässt der schmale Band Eindruck. Ein Leben für viele: Der Autor hat sich eine Protagonistin ausgedacht, wie sie wirklich in einem dieser Blöcke leben könnte, wo stets Mangel herrscht – Mangel an Geld, an Perspektiven, an Zärtlichkeit. Kugelfisch ist authentisch, intensiv, kräftezehrend und schmerzhaft – und das trotz der nicht mal 190 kleinen Seiten.

Ich habe Wie keiner sonst von Jonas T. Bengtsson geliebt. 2013 war das, und bis heute hab ich diesen einzigartigen, berührenden Roman – den ihr unbedingt lesen solltet! – nicht vergessen. Kugelfisch ist ähnlich heftig, schneidet aber nicht so tief in die Schichten, die sich in einem umfangreicheren Roman öffnen können. Eine Art Sozialstudie ist dieses Buch, ein Porträt von jemandem, der nicht existiert und den es doch millionenfach gibt: ein junger Mensch, der nicht viele Möglichkeiten hat im Leben, für den es zur schiefen Bahn gar keine Alternativen gibt, der so tut, als sei er cool und abgehärtet, und dabei doch nur hungert nach Zuneigung. Sehr lesenswert.

Kugelfisch von Jonas T. Bengtsson ist erschienen bei Kein & Aber (ISBN 978-3-0369-5764-7, 192 Seiten, 18,50 Euro).

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Mitchell„How do three sisters write a single suicide note?“
Das ist es, was dieses Buch ist: ein Abschiedsbrief. Das Vermächtnis dreier Schwestern, die in den Tod gehen wollen. Warum tun sie das? Warum ist ihnen der Tod ein so naher Gefährte, warum fürchten sie ihn nicht einmal?

„I don’t do well with the dark, that’s true, but death doesn’t bother me. It’s getting to death, that’s the problem. Believe me, I know. I grew up in a family full of people busy dying.“

Und darin liegt die Antwort auf die Frage: in ihrer Familiengeschichte. Sie reicht zurück bis vor den Zweiten Weltkrieg, als die Ahnen dieser drei Schwestern in Deutschland lebten. Als einer von ihnen etwas erfand, das unendlich schreckliche Folgen hatte. Eine Erfindung, die den Tod gebracht hat – für Tausende und Abertausende Menschen. Als eine Frau sich das Leben nahm. Sie war die Erste in einer Reihe von Familienmitgliedern, die den Freitod wählten – die Schwestern haben eine Liste. Ist es wahr, dass die Schuld einer Generation sich überträgt auf die nächste und übernächste Generation? Ist es wahr, dass das eigene Leben überschattet werden kann von Ereignissen, die so lange schon vorbei sind?

„Just don’t give us any shit about it. Don’t call our lives melodrama. Don’t bring up the term soap opera. Don’t tell us how hard it is to believe that so many terrible things can befall a single family in such a short time. They can. They did. Shut up.“

Dieses Buch ist mir sehr ans Herz gewachsen. Kein Wunder, denn ich habe viel Zeit damit verbracht. Von Anfang an hat es mich fasziniert mit seinem melancholischen Ton, mit seiner rätselhaften Erzählperspektive und der unergründlichen Geschichte. Ein mysteriöses „Wir“ ist der Erzähler, ein Dreiergespann aus Schwestern, es existiert kein Ich und gleichzeitig doch: Jede Schwester wird beschrieben, es gibt Dialoge, es gibt Handlung, und dennoch ist da dieses Wir, das keinen Sinn zu ergeben scheint – wie können drei Menschen als Entität schreiben, wie können sie aus einer Sicht erzählen? Das ist merkwürdig und doch genial gelöst. Der Roman an sich ist düster, sehr zart, berührend, auch sarkastisch und witzig. Wäre er ein Film, hätte Wes Anderson ihn gedreht oder Sofia Coppola. Die historische Basis gründet auf wahren Ereignissen rund um den jüdischen Wissenschaftler Fritz Haber und seine Familie. Der Selbstmord seiner Frau hat bei der amerikanischen Autorin Judith Claire Mitchell einen derart bleibenden Eindruck hinterlassen, dass sie dieses Buch geschrieben hat.

Es ist schwierig, den Charakter von A reunion of ghosts in Worte zu fassen. Das Buch ist simpel und komplex zugleich. Es ist ebenso leichtfüßig wie anstrengend. Es ist traurig und eigenartig und verrückt. Ich konnte nicht lange am Stück darin lesen, deshalb lag es viele Wochen auf meinem Nachtkastl – aber losgelassen hat es mich nie. Immer wieder habe ich es zur Hand genommen und bin zurückgekehrt zu den drei Schwestern, die so eng miteinander und mit der Geschichte ihrer Vorfahren verbunden sind. Ein ganz besonderer Roman, der Töne anschlägt, die man nie zuvor gehört hat.

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

DIPb_IBWAAEgnyR.jpg-large„Sind Sie jetzt zufrieden, Sie zartes Generation-Y-Pflänzchen?“
Patsy Logan, die aus Irland stammt und bei der Münchner Kripo arbeitet, bekommt einen neuen Fall: Die Managerin eines hippen Online-Unternehmens, das in Kürze an die Börse gehen soll, ist bei der Eröffnungsfeier aus dem Fenster gefallen. Oder gesprungen. Oder geschubst worden. Welche von den drei Möglichkeiten es war, das soll Patsy herausfinden. Die hat eigentlich gar keinen Kopf dafür und wollte Urlaub machen, den sie dringend benötigt: Sie hat erfahren, dass sie mit ihrem Mann keine Kinder bekommen kann, und hadert mit dieser Tatsache. Doch ihr bleibt keine Zeit, über die Leere in ihrer Gebärmutter zu grübeln: Zu rätselhaft sind die Leute, die bei der Online-Tauschbörse Skiller arbeiten, zu verdächtig verhalten sich Ehemann, Chef und Kollegen, und zu sexy ist der Partner, der ihr in Irland an die Seite gestellt wird. Patsy muss, um mehr herauszufinden, ins Skiller-Hauptquartier nach Dublin. Ausgerechnet jene Stadt, die sie seit vielen Jahren nicht betreten hat – aus gutem Grund …

Können wir bitte kurz dieses Buch feiern! Ich hab es an einem Nachmittag im Freibad innerhalb weniger Stunden praktisch inhaliert. Die Kinder und der Mann waren not amused, aber ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen: Das ist es, was ein guter Krimi mit einem macht. Und Ellen Dunnes Krimi ist so gut. Er ist spannend, interessant, witzig, herrlich sarkastisch und mit einer originellen Story sowie einem glaubwürdigen Ende ausgestattet. Ein Jackpot sozusagen. Mit ihrer Heldin Patsy Logan hat die österreichische Autorin, die selbst seit Langem in Irland lebt, eine grandiose Frauenfigur geschaffen – kein Weibchen, kein Püppchen, sondern eine smarte, aufgeweckte, sehr sympathische und menschliche Ermittlerin. Patsy hat eine große Klappe, was die Lektüre noch spaßiger macht. Genial finde ich zudem die Kulisse: Die Handlung spielt in einem Online-Unternehmen, wie sie heute überall zugange sind, aber bisher viel zu selten in Romanen thematisiert werden. Man merkt, dass Ellen Dunne, die selbst für Google gearbeitet hat, sich auf diesem Feld auskennt: Ihre Beschreibung von Skiller ist treffend, sarkastisch und wahnsinnig amüsant zu lesen. Ich texte viel für Digitalagenturen und kann nur sagen: Man redet dort wirklich so. Und die Idee, einen Todesfall in dieses Milieu zu setzen, ist wunderbar, weil die Machenschaften hinter dieser Kulisse einem ohnehin immer irgendwie dubios vorkommen. Wahrscheinlich, weil sie es sind.

Es gab eine Zeit, da habe ich Krimis und Thriller nicht nur gelesen, sondern geliebt. Am meisten mochte ich jene Suspense-Titel, die über klassische Whodunnits hinausgingen und den ermittelnden Figuren eine neue, eigene Tiefe gaben. Ich war so ein großer Crime-Fan, ich habe sogar mit 18 Jahren Elizabeth Georges Bücher zum Spezialgebiet meiner Englisch-Matura gewählt. Später hab ich mich dann sattgelesen oder besser gesagt derart überfressen, dass ich keine Krimis mehr ertragen konnte. Zu vorhersehbar, zu schematisch, immer dasselbe. Ab und an versuche ich es mit einem Thriller, aber ich finde sie alle platt und lahm. Es ist sehr schwierig mit mir und diesem Genre. Doch dann kam Ellen Dunne. Sie hat mir ein paar Stunden größtes Lesevergnügen geschenkt, einen Rausch, ein Mitraten und Mitfiebern und zugleich die Erinnerung an die Zeit, die ich mit den früheren Kollegen von Patsy Logan verbracht habe. Dank Harte Landung wusste ich wieder, warum ich Krimis einst so sehr mochte. Und das ist das größte Kompliment, das ich ihr machen kann.

Harte Landung von Ellen Dunne ist erschienen bei Insel Taschenbuch (ISBN 978-3-458-36288-3, 441 Seiten, 10,95). Das Buch ist übrigens der erste Teil einer Serie. Und hier könnt ihr Ellen Dunne ein bisschen kennenlernen.

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Bauer„Um ein Kind zu zeugen, muss man ein optimistischer Mensch sein“

„Es gibt sowieso schon zu viele Menschen. Wozu also noch einen auf diese Welt bringen?“ „Vielleicht gibt es nicht zu viele Menschen“, erwiderte Marko. „Sondern einfach zu wenig gute.“

Dass er so denkt, ist nicht verwunderlich, denn Marko fährt einen Tankwagen – und sieht jeden Tag das Schlechte im Menschen. Sein Tankwagen enthält Wasser, und das ist etwas, das es nur noch selten gibt auf dieser Welt. Es ist begehrt, weil es lebensnotwendig ist. Es ist rationiert, weil zu wenig davon da ist. Die Menschen haben Durst, die Menschen haben Angst. Marko ist gefangen in einem moralischen Zwiespalt: Er tut Dienst nach Vorschrift, spürt aber, dass Ungerechtigkeit herrscht – die er selbst weiter befeuert. Nur: Wie soll er diesen Konflikt lösen, was kann er schon tun? Seine Frau ist längst fortgegangen, und er vermisst sie sehr. Doch er will seinen Bruder, der auf dem Familienhof sitzt und Alkohol vernichtet, nicht allein lassen. Als eine Bewegung namens Dritte Wille dazu übergeht, bei großen Happenings Wasser zu verschwenden, aus Protest, aus Provokation, um die Apokalypse schneller herbeizuführen, als sie ohnehin kommt, droht das labile Gleichgewicht endgültig zu kippen – and hell breaks loose.

Wer wissen will, was man eigentlich unter einer Dystopie versteht, braucht nicht zu googeln – sondern sollte lieber dieses Buch lesen. Denn es ist sozusagen Anschauungsunterricht deluxe. Zukunftspessimismus ist dabei keine Möglichkeit von vielen, sondern die Basis für alles, was geschieht. Während manch andere Dystopien Horrorszenarien entwerfen, die man mit einem milden Lächeln als unrealistisch abtun kann, sodass man sich nicht fürchten muss, ist Ein guter Mensch so nah dran an der Realität, dass es erschreckend ist: Kurz nach Erscheinen dieses Romans wurde beispielsweise das Wasser in Rom rationiert. Da denkt man dann schon: Hu?! So weit weg ist das nicht, was Jürgen Bauer da beschreibt, weder geografisch noch zeitlich. Er holt nicht aus, es gibt keine komplizierte, unglaubwürdige Story rund um einen Dritten Weltkrieg oder ähnliches, nein: Das ist die bittere, nackte Realität. Die Rohstoffe dieser Erde sind endlich. Auch das Trinkwasser. Und im Gegensatz zu Erdöl brauchen wir es, um zu überleben.

Der österreichische Schriftsteller hat mit seinen beiden Romanen Das Fenster zur Welt und Was wir fürchten schon ordentlich vorgelegt. Mit seinem dritten Buch hat er sich jedoch selbst weit übertroffen: Es spielt, so scheint es, in einer ganz anderen Liga. Es ist klug, scharfzüngig, politisch brisant und hochaktuell. Es ist spannend, mitreißend, intelligent konstruiert und macht einem eine Scheißangst. Darüber hinaus ist es ausgezeichnet geschrieben. Es ist ein Buch, nach dem ich anfange nachzudenken: Okay, schön und gut, dann verdurste ich eben in fünfzehn oder zwanzig Jahren, muss ich wenigstens das Elend dieser Erde nicht mehr ertragen. Aber wieso habe ich Kinder in diese Welt gesetzt? Was ist dann mit ihnen? Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch Ulrike Schmitzers Buch Die Stille der Gletscher, in dem das schmelzende Gletscherwasser von profitgierigen Leuten abgezwackt wird, um später – in der Situation, die Jürgen Bauer entwirft – Wasser zu haben. Das man dann teuer verkaufen kann. Somit habe ich in kürzester Zeit zwei Romane gelesen, von denen ich mir wünschte, sie wären unrealistisch, eine pessimistische Fantasie – während ich aber genau weiß, dass in ihnen in Wirklichkeit die beschissene Wahrheit steht. LESEN!

Ein guter Mensch von Jürgen Bauer ist erschienen im Septime Verlag (ISBN 978-3-902711-64-9, 224 Seiten, 22 Euro).

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Stermann„Es ist, wie es ist, und es ist fürchterlich“

„Wenn du dir im Klaren darüber bist, was dich erwarten kann, bist du frei“,

sagt Dirko, der serbische Taxifahrer mit den Beinen, die nicht funktionieren, und den vielen Identitäten. Doch das, was den dreizehnjährigen Claude erwartet, darüber kann sich überhaupt kein Mensch im Klaren sein, es ist unmöglich. Dirko ist Claudes einziger Freund. Wenn Claude mit Dirko mitfährt, muss er immer eine Hand an der Handbremse lassen und sie ziehen, wenn Dirkos Beine versagen. Gemeinsam fahren sie durch Wien und reden über die Geschichte der Hinrichtungen an den verschiedenen Plätzen. Makaber, aber eine gute Ablenkung für Claude: Der wurde nämlich verlassen, und zwar so richtig. Erst ziehen seine Eltern eine Wand durch die gemeinsame Wohnung – die Mutter, eine Ethnologin, wohnt mit dem Bruder und ihrem neuen Indio-Freund auf der anderen Seite und Claude hat keinen Zugang, der Vater, ein mittelmäßiger Posaunist, behält Claude und hat bald eine neue Freundin –, dann verschwinden die Eltern ganz. Claude ist auf sich gestellt und hat keinerlei Hilfe von ihnen oder seiner dicken Oma zu erwarten. In der Schule wird er täglich verprügelt, und als er sich zum ersten Mal verliebt, geht auch das nicht gut aus. Aber das Schicksal ist noch lange nicht fertig mit ihm – noch lange nicht.

Dirk Stermann ist der einzige Deutsche, den wir Österreicher tolerieren. Mehr noch, wir lieben ihn, als wäre er einer von uns. Natürlich hab auch ich Stermann & Grissemann bereits live gesehen, natürlich kenne ich „Willkommen Österreich“. Was mir aber nicht im Geringsten bewusst war: dass Dirk Stermann derart brutal sein kann. Meine Fresse! Was er seinem jugendlichen Protagonisten antut, ist nicht zu glauben. Es ist auch kaum zu ertragen. Er hat sich einen Dreizehnjährigen erdacht, den er beuteln lässt wie einen Boxsack in der beliebtesten Trainingshalle des Landes: Er nimmt ihm alles, was er hat, und dann nimmt er ihm auch noch den Rest. Anfangs lächle ich da noch, das Ganze mutet kurios an, die Mutter, die mit dem Panflötenspieler durchbrennt, die Oma, die Essen mehr liebt als den Enkel, die Geschichten über Erschießungen und Hängen, aber bald schon vergeht mir das Lächeln. Es vergeht mir derart, ich verlerne es während des Lesens ganz und gar. Viel zu groß ist mein Mitleid, ich hänge da richtig drin: Claude ist ein so armes Hascherl, ich möchte ihn aus dem Buch herausoperieren, um ihn zu retten. Er ist ein Kind, das kein Kind sein darf, weil die Erwachsenen nur Scheiße bauen. Im letzten Drittel war mir das, ich geb es zu, schlichtweg zu viel: Die Stimmung ist gekippt, ich wollte nur noch raus aus dem Albtraum, den Claude erlebt.

Dirk Stermann kann richtig gut schreiben. Er ist humorvoll, gewitzt, er beherrscht die perfekte Mischung zwischen Ernst und Ironie. In Der Junge bekommt das Gute zuletzt sind viele rundum gelungene Szenen, die das Menschsein auf den Punkt bringen: voll von Egoismus und der Unfähigkeit, für jemand anderen da zu sein, voll Einsamkeit, der Sehnsucht nach Anerkennung, aber auch voll Hilfsbereitschaft und echter Freundschaft. Wieder einmal zeigt sich: Wer an den Rand gedrängt wird, findet oft genau dort, unter denen, die ebenfalls am Rand stehen, Zusammenhalt. Das Schöne an diesem Roman ist das Absurde. Dieser Kosmos an Figuren, jede für sich irgendwie ein bisserl kaputt, die sich aneinander abarbeiten oder aneinander klammern. Zudem gibt Dirk Stermann einen tiefen Einblick in die österreichische Seele, und da vergisst man ganz, dass er ja eigentlich Deutscher ist – und das ist das größte Kompliment, das man ihm hierzulande machen kann.

Der Junge bekommt das Gute zuletzt von Dirk Stermann ist erschienen bei Rowohlt (ISBN 978-3498064389, 224 Seiten, 19,95 Euro).

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

OgawaDie japanische Art der Entschleunigung
Sie sind Brüder, und sie verbringen schon ihr ganzes Leben zusammen: Der eine spricht eine Sprache, die nur der andere versteht. Sie ist vielleicht die Sprache der Vögel, vielleicht auch nicht, Tatsache ist, dass Menschen diese Laute nicht deuten können, dass Vögel dem Mann jedoch sehr zugetan sind. Er kennt sie alle und liebt sie sehr. Als der ältere stirbt, übernimmt der jüngere die Aufgabe, sich um eine große Voliere in einem Kindergarten zu kümmern. Er tut dies mit Sorgfalt und Hingabe, führt ein beschauliches, ruhiges, eigentlich auch einsames Leben – oft missverstanden von jenen, die nicht hinter die Fassade sehen können und wollen. Er ist ein behutsamer, vorsichtiger Mensch, sehr zurückgezogen und mit ganz wenig zufrieden.

Wer gestresst ist und sich oft aufregt, der könnte es mit Yoga versuchen oder einem Entspannungstee. Er könnte aber auch ein Buch von Yoko Ogawa lesen. Die japanische Schriftstellerin, die bereits zahlreiche wunderbar poetische Romane veröffentlicht hat, schreibt so bedächtig und sanft, dass ich wetten könnte: Wer ihre Zeilen liest, dessen Herzschlag beruhigt sich. Dazu gibt es keine statistischen Werte, aber ich rate euch einfach, es selbst auszuprobieren. Das vorliegende Buch, Der Herr der kleinen Vögel, hab ich im Urlaub gelesen – in einem lauten, wilden Aquapark mit zahlreichen Pools und Rutschen, umgeben von lärmenden Kindern, darunter meine eigenen. Aber das war mir alles egal. In Gedanken war ich in Japan, bei einem stillen Mann, dessen ganze Liebe seinem Bruder und den zarten, schützenswerten Vögeln gilt. Es gibt nicht viel Handlung in diesem Roman, und das spielt keine Rolle, im Gegenteil: Es ist fast essenziell, dass nicht viel geschieht.

Denn Yoko Ogawas Geschichten haben das Kleine zum Inhalt, das Vergängliche eines einzelnen Lebens, die Details daran, das Alltägliche – aus dem, durch das richtige Auge beobachtet, etwas Großes wird. Etwas Gefühlvolles. Und etwas Schönes. Man kann nicht Yoko Ogawa lesen und gleichzeitig gestresst sein. Vielmehr bringt sie einem durch den liebevollen Blick auf ihre Figuren vor Augen, wie wertvoll jene kleinen Dinge sind, die wir so oft übersehen. Ich mag Yoko Ogawa sehr, und ich weiß, dass es auch der Klappentexterin so geht. Ich habe bereits zwei Romane von ihr gelesen, Das Geheimnis der Eulerschen Formel sowie Schwimmen mit Elefanten, aber die meisten fehlen mir noch – und ich wünsche mir, dass sich das ändert. Ich möchte sie alle lesen, mit ihnen lächeln und nicken, angerührt sein, Tränen in den Augen haben. Ich möchte mit Yoko Ogawa alle Aufregung vergessen, meinen Herzschlag beruhigen. Es ist große Kunst, wenn Literatur so etwas vermag.

Der Herr der kleinen Vögel von Yoko Ogawa ist als Taschenbuch erschienen im Aufbau Verlag (ISBN 978-3746632636, 288 Seiten, 9,99 Euro).

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Zeh„Unter Wasser waren die Beziehungen einfach, Bedürfnisse eindeutig und Reaktionen radikal“

„Wer zehn Meter in die Tiefe tauchte, reiste zugleich zehn Millionen Jahre in die Evolutionsgeschichte zurück – oder an den Anfang der eigenen Biographie. Dorthin, wo das Leben begann, im Wasser schwebend und stumm. Ohne Sprache keine Begriffe. Ohne Begriffe keine Begründungen, ohne Begründungen kein Krieg. Ohne Krieg keine Angst. Nicht einmal die Fische fürchteten uns.“

Kein Wunder also, dass Tauchlehrer Sven so gern unter Wasser ist. Er ist ein Aussteiger, hat dem Leben in Deutschland schon in jungen Jahren den Rücken gekehrt und sich auf eine kleine, raue Insel zurückgezogen, keine Touristeninsel, sondern eine, die noch als Geheimtipp gilt. Dort führt er mit seiner Freundin Antje ein kleines Business, betreut Urlauber, die tauchen möchten, rund um die Uhr – und verdient damit gutes Geld. Als die Schauspielerin Jola mit ihrem Lebensgefährten, dem Schriftsteller Theo, für zwei Wochen einen Intensivkurs bucht, sagt Sven freilich nicht Nein, es geht um einen fünfstelligen Betrag. Jola ist Anfang dreißig und schön, Tochter eines reichen Unternehmers, Soap-Darstellerin, die den Sprung in die seriöse Schauspielerei noch schaffen will. Daher der Tauchunterricht: Sie möchte vorsprechen für die Rolle der Lotte Hass.

„Naja, Urlaub: Eigentlich bin ich hier, weil ich diese Rolle will. Ich brauche die Rolle. Lotte ist meine letzte Chance. Ich habe Lottes Foto aus dem Buch gerissen und im Schlafzimmer über das Bett gepinnt. Ich könnte sie die ganze Zeit anschauen. Das Mädchen auf dem Meeresgrund.“

Sven versucht, keine persönlichen Beziehungen zu seinen Kunden aufzubauen, doch schon bald begehrt er Jola, die mit ihm spielt, und verabscheut Theo, der seine Freundin zu schlagen und zu manipulieren scheint. Doch was davon ist wahr, was ist erfunden? Plötzlich sieht der Tauchlehrer sich gefangen in einem Netz, das ihm sehr gefährlich werden könnte.

Nullzeit von Juli Zeh ist ein meisterhaft erdachtes Buch. Auf gerade mal 250 Seiten gelingt es der hochgelobten deutschen Autorin, mehr Spannung zu erzeugen als anderen in einem 700-Seiten-Thriller. Und was noch besser ist: Ihr Roman bleibt dabei, im Gegensatz zu vielen ebendieser Thriller, stets glaubwürdig. Als Leser ergeht es einem wie Sven: Man genießt das schöne Wetter und die interessanten Tauchgänge, wundert sich über das kuriose Verhalten von Jola und Theo, glaubt sich in einem harmlosen, netten Flirt – und merkt dabei gar nicht, wie man hineingezogen wird in ein überraschend mörderisches Spiel. Und das, obwohl man im Gegensatz zu Sven Einblick hat in Jolas Tagebuch. Das ist das Perfide und das Perfekte an diesem Buch. Wirklich gut gemacht! Zufällig habe ich Nullzeit mit in den Urlaub genommen, weil ich da traditionell nur Taschenbücher mitnehme, und am Strand gelesen, was der Geschichte quasi noch die passende Kulisse gab – und ich habe Angst davor, unter Wasser zu sein, kann es mir im Leben nicht vorstellen, einen Tauchkurs zu machen, weshalb der Roman für mich noch beklemmender war. Faszinierend, wie eindringlich die Autorin die Tauchszenen beschrieben hat. Es war an meinen Fingern festgewachsen, so wenig konnte ich das Buch aus der Hand legen.

Ich kenne von Juli Zeh bisher nur Schilf, vor exakt sieben Jahren gelesen, ansonsten keinen ihrer vielfach ausgezeichneten Romane. Aber ich kann ihren Erfolg absolut nachvollziehen, er ist auf jeden Fall verdient: Sie hat wahnsinnig gute Ideen, ihre Plots sind schlau und durchdacht, und sie beherrscht das Handwerk des Schreibens. Seit vielen Jahren meide ich Spannungslektüre, aber nach Nullzeit kann ich nur sagen: Wenn, dann müsste sie so sein wie dieses Buch. Niveauvoll und hervorragend geschrieben, mit unerwarteten Wendungen und dunklen Motiven, zutiefst böse und doch glaubwürdig bis zum Schluss. Ein Roman, bis an den Rand angefüllt mit allem, was menschlich ist: Egoismus und Neid, Begehren, Angst, Hoffnung – und diese absurde Neigung, die wir haben, ausgerechnet jenen Menschen das Leben zur Hölle zu machen, die wir lieben.

Nullzeit von Juli Zeh ist als Taschenbuch erschienen bei btb (ISBN 978-3442745692, 256 Seiten, 9,99 Euro). Genauso begeistert wie ich ist übrigens Tobias vom Buchrevier.

Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Arjouni„Die Menschen sind nun mal Schweine, das war schon immer so, das wird auch immer so bleiben“

„Chens Einfallsreichtum, wenn es darum ging, jemanden vor den Kopf zu stoßen, war grenzenlos.“

Aus diesem Grund kommt sein Partner Max Schwarzwald auch nicht gut mit ihm klar. Die beiden Ashcroft-Männer sind offiziell ein Team, in Wahrheit aber verfeindet. Wir schreiben das Jahr 2064, und die Aufgabe von Max und Chen ist es, Verbrechen aufzudecken, bevor sie geschehen. Das bedeutet: Sie sind Spione. Sozusagen Spione des Zukünftigen. Wer plant, einen Mord zu begehen, etwas zu stehlen oder mit Drogen zu handeln, wird verhaftet und eingesperrt – noch ehe er die Tat überhaupt verüben kann. Zur Tarnung betreibt Max das Restaurant „Chez Max“, und im Moment hat er Gewissensbisse, weil er den Maler Leon verpfiffen hat. Obwohl er der Meinung ist, im Recht zu sein, und obwohl er seinen Job als moralisch richtig empfindet, ist es im bis ins Mark gefahren, bei der Verhaftung Leons zusehen zu müssen. Doch bald wird er abgelenkt von einem neuen Verdacht: Ist Chen vielleicht in Wahrheit ein Verräter? Spielt er nur vor, auf der Seite der Guten zu stehen? Max will es herausfinden. Und mit allen Mitteln verhindern, dass Chen ein Verbrechen begeht …

Halleluja, war Jakob Arjouni ein schlauer Mensch! Ich bin von diesem schmalen Roman, den der leider bereits verstorbene deutsche Autor 2006 geschrieben hat, tief beeindruckt. Er ist nicht dick, er ist nicht ausführlich, und doch: Er ist durchdacht. Er ist verblüffend, raffiniert und überaus intelligent konstruiert. Jakob Arjouni nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Zukunft, ohne jedoch eine umfassende, komplizierte Welt bzw. Gesellschaft zu entwerfen, nein, er nimmt sich ein Detail heraus, die Verbrechensbekämpfung, kreiert zwei Figuren, und mehr braucht er nicht, um eine spannende, kluge Geschichte zu erzählen – die auf raffinierte Weise zu einer self-fulfilling prophecy wird. Freilich liegt der Gedanke an George Orwells 1984 nahe, wenn es um einen Überwachungsstaat geht, wobei Arjounis Dystopie weitaus humorvoller ist, und freilich ist Chez Max aus genau diesem Grund ein hochaktueller, brisanter, wichtiger Roman. Hinter dem für Diogenes typischen schlichten Cover verbirgt sich eine Story, die sich selbst auf wunderbare Art ad absurdum führt – und dabei gleichzeitig ihre eigene Hypothese beweist. Das muss man erst einmal schaffen, und dafür gebührt Jakob Arjouni, der auch bekannte Krimis sowie Theaterstücke schrieb, großes Lob. Und ihr solltet Chez Max auf jeden Fall lesen: Das ist ein Buch, das schmunzeln, aufhorchen und nachdenken lässt.

Chez Max von Jakob Arjouni ist erschienen im Diogenes Verlag (ISBN 978-3-257-23651-4, 224 Seiten, Taschenbuch, 9,90 Euro).