High Five

wigaWenn ich eine Figur aus einem Roman wäre, dann … hätte ich sehr überraschend die Seiten gewechselt.

Ich ordne meine Bücher … nach dem organischen Prinzip des Möglichen, dort, wo noch Platz ist. Ich bin ein großer Freund des Auftürmens und wilden Stapelns, auf dem Boden, in der Toilette, am Balkon, begrabe gerne ganze Sitzmöbelstücke mit Büchern, und auch das Bücherregal ist ein Ort, wo in Whiskygläsern Kakteen neben Faust anwurzeln, Polaroidkameras auf alten Zeitschriften wohnen, Gedichtbände neben furchtbar vielen Reiseführern durcheinander stehen.

Das Cover meines aktuellen Buchs … beherbergt alles, was ich mag: Menschen- und Dinosaurierskelette.

Viel zu selten verwendet wird das Wort … tachinieren, Wienerisch für faulenzen.

Das Buch meines Lebens … ist wohl stets das, an dem ich schreibe.

FritschValerie Fritsch ist 1989 in Graz geboren und hat an der Akademie für angewandte Photographie studiert. Sie arbeitet als Schriftstellerin und Photokünstlerin und hat seit ihrem 2011 erschienenen Debütroman Die VerkörperungEN einen Gedichtband und den Roman Winters Garten veröffentlicht. Foto von Jasmin Schuller.

High Five

Bildschirmfoto 2016-08-02 um 11.17.20Wenn ich eine Figur aus einem Roman wäre, dann hoffentlich aus keinem meiner Lieblingsromane. Ich mag es, wenn Autoren ihre Figuren leiden, an sich selbst und ihren Lebensentwürfen scheitern lassen. Da stecke ich im Zweifelsfall lieber in einem Groschenroman mit Happy End und vielen freundlichen Adjektiven.

Ich ordne meine Bücher in jeder Borte anders. Ich trenne grob nach deutscher, amerikanischer und sonstiger Gegenwartsliteratur, auch Klassiker sortiere ich einigermaßen nach Nationalität. Auf Augenhöhe findet man Lieblings- und Angeberbücher, bei der Bückware eher mittelmäßige Kraut- und Rübenromane, oben dann die verstaubten Klassiker. Und verstaubt meine ich wörtlich.

Das Cover meines aktuellen Buchs zeigt ein Foto, das ich auf einer Fähre in Thailand geschossen habe. Ein Glückstreffer: Obwohl es nur ein Schnappschuss war, finden sich im Bild gleich mehrere wiederkehrende Motive aus dem Roman wieder. Es war schon beim Schreiben mein Wunschcover für Dezemberfieber, entsprechend froh war ich, dass ich meinen Verlag duotincta nicht lange davon überzeugen musste.

Viel zu selten verwendet wird das Wort umzu. Ich musste erst nach Süddeutschland ziehen, um herauszufinden, dass der Ausdruck umzu als Synonym für Umgebung tatsächlich nur in meiner Heimatregion und umzu verwendet wird.

Das Buch meines Lebens ist in jeder Lebensphase ein anderes gewesen. Literarisch sozialisiert wurde ich eher mit leichter Kost: Als Kind liebte ich Roald Dahl – besonders die Schokoladenfabrik -, als Heranwachsender Douglas Adams und Nick Hornby. Die richtigen literarischen Erweckungserlebnisse hatte ich später dann mit Jonathan Franzens Die Korrekturen, Zeiten des Aufruhrs von Richard Yates und Unendlicher Spaß von David Foster Wallace. Seit der Lektüre dieser Bücher lese und schreibe ich anders – sie haben für mich ganz einfach die Messlatte von guter Literatur gesprengt.

RudkoffskyFrank O. Rudkoffsky, geboren 1980 in Nordenham, lebt in Stuttgart und ist Mitherausgeber der Literatur- und Kunstzeitschrift ]trash[pool. 2015 veröffentlichte er seinen Debütroman Dezemberfieber im Verlag duotincta und als Mitherausgeber die Anthologie Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge bei Mikrotext. Hier bloggt er über Literatur und sein eigenes Schreiben.

 

High Five

emanuel bergmann / foto:philipp rohner

Wenn ich eine Figur aus einem Roman wäre, dann würde ich daran zweifeln, ob hinter dem Ganzen ein intelligenter Schöpfer steckt.

Ich ordne meine Bücher nach Farbe im Regal an! Funktioniert jedes Mal!

Das Cover meines aktuellen Buchs hat mein Verleger Philipp Keel ausgesucht. Es ist ein Werbeposter für einen Zauberkünstler aus dem frühen 20. Jahrhundert, und es gefällt mir ausnehmend gut.

Viel zu selten verwendet wird das Wort „derweil“. Warum eigentlich? Ich finde es schön. Ebenso wie „Triebtäter“. Was ist aus dem guten, alten „Triebtäter“ geworden?

Das Buch meines Lebens ist ein Notizbuch voller verführerisch leerer Seiten.
thumb_IMG_9177_1024Emanuel Bergmann hat in Los Angeles Film und Journalismus studiert und war viele Jahre lang für verschiedene Filmstudios, Produktionsfirmen und Verlage in den USA und Deutschland tätig. Heute unterrichtet er Deutsch, übersetzt Bücher und schreibt Artikel. Sein erster Roman Der Trick ist im Diogenes Verlag erschienen. Foto von Philipp Rohner/Diogenes Verlag.
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Jungmaier, Marianne_C_www.detailsinn.atWenn ich eine Figur aus einem Roman wäre, dann Bastian Balthasar Bux (Die unendliche Geschichte).

Ich ordne meine Bücher nach Sprachen und Themen. Manchmal nach Größen.

Das Cover meines aktuellen Buchs habe ich selbst entworfen. (Das Tortenprotokoll)

Viel zu selten verwendet wird das Wort zauberhaft. Was magisch oder bezaubernd ist, darf scheinbar keinen Platz haben, in dieser Realität.

Das Buch meines Lebens, da kann ich mich nicht auf eines festlegen. Prägendstes Kindheitsbuch: Marianne träumt von Catherine Storr. Bücher, die ich immer wieder zur Hand nehme, sind Maramba von Paula Köhlmeier, Quittenstunden von Marica Bodrociz, Peter Handkes Gewicht der Welt, Arbeit und Struktur von Wolfgang Herrndorf. Meine große Heldin: Marguerite Duras.

JungmairMarianne Jungmaier wurde 1985 in Linz geboren und ist seit 2011 freischaffende Autorin. Sie reist viel und lebt in Berlin und Oberösterreich. 2015 erschien ihr Roman Das Tortenprotokoll im Verlag Kremayr & Scheriau, dort veröffentlicht sie im Herbst 2016 auch ihr viertes Buch Sommernomaden. Foto von www.detailsinn.at.
High Five

13000523_10153437614866316_589520450_oWenn ich eine Figur aus einem Roman wäre, dann ein moralisch fragwürdiger Antiheld oder der würdevolle Verlierer (der aber natürlich trotzdem das Mädchen bekommt) aus einem klassischen Roman noir.

Ich ordne meine Bücher … Nein, das tue ich nicht. Sie sind einfach überall; neu, gelesen, angelesen.

Das Cover meines aktuellen Buchs …Was ich aktuell lese: Ein billig und schäbig aussehender Swimming-Pool vor einem noch billiger und schäbiger aussehendem Motel, natürlich nachts und mit Neonlicht illuminiert. (Frederick Barthelme – Moon de luxe, Erstausgabe von 1983) Mein eigenes aktuelles Buch: Das Photo hat der großartige Niels Parthey gemacht, ich weiß nicht so genau, was es tatsächlich ist, glaube aber, es hat was mit Rauch und Tesafilm zu tun, eine eher abstrakte Photographie. Es passt sehr zum Titel (Asche).

Viel zu selten verwendet wird das Wort sardonisch. Menschen sollten viel öfter sardonisch lächeln.

Das Buch meines Lebens … Es gibt nicht das eine Buch. Es gibt mehrere Werke von verschiedenen Autoren, die ich aus ganz unterschiedlichen Gründen mag und die mich bis jetzt begleitet haben. Es sind schon einige, deswegen hier mal eine kleine Auswahl. Würdest du bitte endlich still sein, bitte von Raymond Carver, 11 Arten der Einsamkeit von Richard Yates, City of Boys von Beth Nugent.

thumb_IMG_9179_1024Sven Heuchert lebt in Siegburg und schreibt schon Geschichten, seit er zur Schule ging. Seinen ersten Erzählband Asche hat er 2015 im Bernstein Verlag veröffentlicht, das eBook erschien bei edel & electric. Sven Heuchert arbeitet an seinem ersten Roman. Foto von Niels Parthey.

High Five

FuchsWenn ich eine Figur aus einem Roman wäre, dann wahrscheinlich eine von Wilhelm Genazino. Ein Ich voller Unzulänglichkeiten, das ziellos umherstreift auf der Suche nach etwas äußerlich Greifbarem, das fürs eigene Leben eine Verbindlichkeit bietet – die es aber natürlich nicht gibt. Die aber schlussendlich jedoch auch gar nicht gebraucht wird, weil dieses Abgelöst-sein von der Wirklichkeit eine heimliche Liebe zum Leben ist, die man nicht bereit sein sollte, aufzugeben.

Ich ordne meine Bücher in folgendem System:
– von denen ist es erstrebenswert, erschlagen zu werden (Regal über dem Schreibtisch, ergo Kopf)
– die brauche ich vielleicht zum Nachlesen (stehen in erster Reihe im Regal in meinem Rücken)
– die mag ich, aber brauche ich nicht fürs Arbeiten (stehen hinter der ersten Reihe in zweiter Reihe im Regal in meinem Rücken)
– die fand ich naja, aber weggeben ist trotzdem undenkbar (stehen hinter der zweiten Reihe im Regal in dritter Reihe in meinem Rücken)
– die habe ich zwar gekauft, aber ob ich sie irgendwann lese, bleibt fraglich …
+ Fotografiebücher, auf die ich süchtig reagiere und die sonst, weil sie so hoch sind, nirgendwo hinein passen (Regal auf dem Flur, neben dem Reiskocher)
– die Bücher, die ich liebe und darum von allen Menschen, die ich kenne, gelesen werden müssen (meistens verborgt und nicht zurückbekommen)

Das Cover meines aktuellen Buchs ist abstrakt, man könnte es als Raumschiff deuten, wenn mal will, mit großem Titel drauf, weil er halt einfach so schön ist. Aber vor allem ist das Buch auch mit geschlossenen Augen wunderbar anzugreifen, durch die Lack-Flächen am Cover.

Viel zu selten verwendet wird das Wort nein. Zumindest von mir. Aber Wörter, die auch offiziell selten sind und unbedingt öfter verwendet werden sollten: Schabracke, ungeschlacht, ungestüm, fatal, geflissentlich, Contenance, nachträglich und notdürftig … Ich finde außerdem, man sollte das Western-Genre der „Pferdeoper“ unbedingt wieder einführen. Der Genrebegriff ist zu gut, um endgültig unterzugehen.

Das Buch meines Lebens werde ich hoffentlich nie lesen müssen.

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Irmgard Fuchs wurde 1984 in Salzburg geboren. Sie studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien und Berlin sowie Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst. Ihr erstes Buch Wir zerschneiden die Schwerkraft ist 2015 im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen. Foto von www.detailsinn.at.

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mercedes_03.jpgWenn ich eine Figur aus einem Roman wäre, dann … wäre oder sein dürfte? Wenn Zweiteres: Huck Fynn. Ersteres funktioniert nicht, dafür bin ich dann doch zu sehr ich.

Ich ordne meine Bücher neuerdings nach gelesen und ungelesen, das stiftet mich am meisten zum Lesen an. Ist nämlich erschreckend zu sehen, wie wenige der Bücher in meinem Regal ich gelesen habe und wie viele noch darauf warten.

Das Cover meines aktuellen Buchs ist zum Glück recht ansehnlich geworden. War nicht so einfach.

Viel zu selten verwendet wird das Wort kann ich mich so schnell nicht festlegen. Aber wenn man auf der Suche nach starken, etwas aus der Mode geratenen Vokabeln ist, sollte man unbedingt im Dornseiff, in Raddatz- oder in Tuchoksly-Büchern danach suchen.

Das Buch meines Lebens gibt’s nicht, es sei denn ich würde es aus unzähligen Passagen unterschiedlicher Bücher selbst zusammenstellen. Wichtige Autoren für mich sind aber zum Beispiel Herrndorf, Céline und Bouvier.

Lauenstein

Mercedes Lauenstein, 1988 in Kappeln an der Schlei geboren, arbeitet in der jetzt-Redaktion der Süddeutschen Zeitung und schreibt als freie Autorin Essays und Reportagen für Zeitungen und Magazine. 2015 erschien ihr Debüt Nachts im Aufbau Verlag (ISBN 978-3-351-03614-0, 191 Seiten, 18,95 Euro). Foto von Juri Gottschall.

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Bov-Bjerg_2_Foto-Milena-Schlösser.jpgWenn ich eine Figur aus einem Roman wäre, dann Bartleby. „I would prefer not to“ ist auf ziemlich viele Zumutungen des Erwachsenen-, also: Erwerbslebens die einzig richtige Antwort.

Ich ordne meine Bücher nach Rückenbreite. Oben links die schmalen 1-Punkt-Reclams, unten rechts Moby Dick. Macht auch das Regal schön standfest.

Das Cover meines aktuellen Buchs wird an Schlichtheit und Schönheit von keinem anderen Buchcover so schnell übertroffen werden können.

Viel zu selten verwendet wird das Wort anderthalb! (http://xrays.antville.org/stories/1071579/)

Das Buch meines Lebens gibt es nicht. Einzelne Texte vielleicht: Hebel, Unverhofftes
Wiedersehen; Kleist, Über das Marionettentheater; Lukasevangelium, Der
verlorene Sohn.

BjorkBov Bjerg wurde 1965 in Württemberg geboren und lebt seit 1984 in Berlin. Er ist Absolvent des Deutschen Literaturinstituts Leipzig und hat lange Jahre als Autor, Kabarettist und Redakteur gearbeitet. 2015 erschien sein Roman Auerhaus im Blumenbar Verlag, das von der Kritik wohlwollend aufgenommen wurde. Foto von Milena Schlösser.

High Five

brigitteAVA-300x278Wenn ich eine Figur aus einem Roman wäre, dann würde ich um alles einen großen Bogen machen, das in epochaler Mehrbändigkeit herauskommen sollte, vor allem, weil man in solchen Werken irgendwann entweder moralbefreit oder tot ist. Aber ich würde sehr gerne in Unendlicher Spaß dabei sein, eine Figur, an die David Foster Wallace nicht gedacht hat, und dann könnte ich mir das alles ganz in Ruhe aus der Nähe ansehen.

Ich ordne meine Bücher nach Verlagen. Innerhalb dessen nach Autor*innen, nach Größe und ja, auch nach Farbe.

Das Cover meines aktuellen Buchs ist rot, und schon sehr abgegriffen, obwohl ich es neu gekauft hatte, einfach deswegen, weil ich es beinahe überall hin mitschleppe. Es ist Die gleißende Welt von Siri Hustvedt. Oder Halt! – Meintest du das Cover meines eigenen Buches? Eines von mir geschriebenen? Auf dem aktuellen selbergeschriebenen ist ein Zopf, weil es sich um eine verwobene Geschichte handelt, bei der drei Menschen miteinander verbunden sind, durch Liebe, durch Kinder, durch das Leben. Auf der Taschenbuchausgabe werden daher auch Menschen zu sehen sein, ganz weit weg und ein wenig verschwommen.

Viel zu selten verwendet wird das Wort meistenteils, ich weiß nicht einmal, woher ich das kenne, und ob es nicht vielleicht gar nicht existiert. „Meistenteils im Leben war ich zufrieden.“ Ein doch ganz schöner Satz, oder?

Das Buch meines Lebens waren (natürlich) viele, aber ich glaube, wäre mein allererstes nicht der Schatz im Silbersee gewesen, sondern, sagen wir, Dolly, dann hätte ich nie wieder ein Buch angefasst. Behaupte ich jetzt einfach. Wobei es nicht stimmt, der Schatz im Silbersee war nicht mein erstes Buch, aber das erste, das ich mir selber aussuchen konnte in der Bücherei. Meine ersten Bücher waren die Kinderbücher meiner Großmutter, einschließlich einer heftigen Mumpserkrankung, während derer ich Lesen gelernt habe – in Frakturschrift.

9783716027158-178x300Pia Ziefle, 1974 geboren, landete 2012 mit ihrem Debütroman Suna einen großen Erfolg. 2014 erschien ihr zweiter Roman Länger als sonst ist nicht für immer im Arche Verlag, im März 2016 kommt die Taschenbuchausgabe davon in den Handel. Pia Ziefle ist freie Autorin und Bloggerin. Foto von Gerald von Foris.

 

High Five

IMG_0078Wenn ich eine Figur in einem Roman wäre, würde ich nicht wollen, dass der Roman endet. Da sich das aber schwer vermeiden lässt, würde ich zumindest versuchen, mich in den Ausgang der Geschichte einzumischen, besonders dann, wenn die Autorin/der Autor vorhätte, mich sterben zu lassen. Ich würde hingehen, an ihre/seine Tür klopfen und sie/ihn dazu überreden, mich leben zu lassen und eine Fortsetzung zu schreiben. Mein Filmtip zum Thema: Stranger than Fiction.

Ich ordne meine Bücher? Haha. In meinen frühen Zwanzigern hatte ich mal eine Phase, in der ich die alten Suhrkamp-Taschenbücher nach Farben geordnet hatte, so mit Abstufungen nach dem Farbspektrum wie im Buntstiftkasten. Und viele Jahre später hat mich ein Freund einmal dazu gebracht, mit ihm gemeinsam meine Bücher nach alphabetischer Reihenfolge der Autoren zu ordnen, weil ich ihn darum beneidet hatte, dass er jedes Buch, das er suchte, innerhalb von 30 Sekunden fand. Beide Ordnungen hielten genau so lange, bis ich wieder so viele Bücher verborgt, zum Nachlesen herausgezogen und neben dem Bett, dem Sofa, dem Schreibtisch gestapelt, in panischen Aufräumaktionen kurz bevor Besuch kam irgendwo wieder hineingeschoben hatte, also ungefähr drei Monate. Seither steht (unabhängig von der Farbe des Covers) wieder Boyle gleich hinter Irving und Miller direkt vor Auster, was für mich durchaus Sinn macht, auch wenn ich oft lange suchen muss, bis ich ein bestimmtes Buch finde. Falls ich es nicht gerade verborgt habe.

Das Cover meines aktuellen Buchs ist eine leuchtend blaue, mediterrane Schönheit. Michael Hochleitner von den Typejockeys, die auch meine Webseite designt haben, hat es für mich entworfen und von Hand gezeichnet. Er hat sich von Adria-Plakaten aus den 50er-Jahren, aber auch von Buchcovers aus dem anglo-amerikanischen Raum inspirieren lassen und die Atmosphäre und die Stimmung des Buches wunderbar in Farben, Grafik und Typografie übersetzt. Es ist ein ungewöhnliches, mutiges Cover und ich liebe es!

Viel zu selten verwendet wird das Wort versonnen. Eigentlich kommt dieses Wort vom veralteten sich versinnen = sich in Gedanken verlieren. Ich bin für die Wiedereinführung dieses Ausdrucks – und dafür, sich öfter zu versinnen. Wer sich in Gedanken verliert, findet sich in den Sinnen wieder.

Das Buch meines Lebens werde ich hoffentlich noch schreiben. Von denen, die andere geschrieben haben, gibt es eigentlich zu viele, die mich schon fast mein Leben lang begleiten, als dass ich mich für eines entscheiden könnte. Weil das hier aber eine Art Spiel ist und ich kein Spielverderber bin, greife ich (wie viele bei solchen Fragen) auf meine Kindheit zurück … und das ist vielleicht auch gar nicht so falsch, denn die prägt ja bekanntlich das Erwachsenenleben. Und ich glaube tatsächlich, dass Winnie-the-Pooh meine Einstellung zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest nachhaltig beeinflusst hat. „You can’t stay in your corner of the Forest waiting for others to come to you. You have to go to them sometimes.

Cerha


Ruth Cerha
, 1963 geboren, ist sehr musikalisch und unterrichtet Klavier. Seit 2004 schreibt sie. Ihre ersten Romane Kopf aus den Wolken (2010) und Zehntelbrüder (2012) erschienen bei Eichborn, das neueste Werk Bora. Eine Geschichte vom Wind in der Frankfurter Verlagsanstalt. Hier findet ihr eine Leseprobe. Foto von Stefanie Luger.