Bücherwurmloch

Die Axt für das gefrorene Meer in uns: 14 krasse Bücher aus meinem Regal

IMG_6552Vor ein paar Tagen hab ich darüber geschrieben, dass in meinen Augen ein Buch keine falschen Gefühle auslösen kann. Und dass meine Devise lautet: Je heftiger, desto besser. Dann stand ich vor meinem (einzigen) Regal und sah mir die Titel an. Sie alle haben eine Bedeutung für mich. Haben etwas bei mir ausgelöst, mich berührt, mich beschäftigt. Ich aber wollte jene Romane finden, die grenzwertig waren und die ihr vielleicht noch nicht kennt. Die mir nach dem Lesen nicht mehr aus dem Sinn gingen, weil sie tiefe Spuren hinterlassen haben.

IMG_6551Neben We need to talk about Kevin und Mr. Lamb, die ich beide nicht mehr bei mir habe, trifft das auf Die Glasfresser zu, eines der abartigsten, tiefgründigsten, verstörendsten Bücher, die ich JEMALS gelesen habe. In diese Reihe gehört auch Anima. Noch heute muss ich, wenn ich an bestimmte Szenen denke, fast kotzen. Das sind Bücher, die mich an meine Grenzen gebracht umd mich massiv herausgefordert haben. Die sogar mir fast ZU intensiv waren, zu schrecklich, zu aufwühlend. Romane, bei denen man nicht einmal mehr weinen kann, weil man innerlich vor Schock zu Eis gefroren ist. Und ich rede nicht von Thrillern oder Suspense. Sondern von der Unmenschlichkeit der Menschen, in Literatur gegossen.

Das gilt auch für Lovely Bones, ein (schon recht altes) Buch, in dem ein vergewaltigtes und ermordetes Mädchen aus seiner Sicht erzählt, und The narrow road to the deep North, das in einem Gulag spielt. Room ist ein Roman, der mich wahnsinnig beeindruckt hat: die Geschichte einer Frau, die jahrelang gefangengehalten und missbraucht wird, bis es ihrem Sohn, den sie in diesem Folterkeller bekommen hat, gelingt, zu fliehen. Ob Krieg und Konzentrationslager, Freude am Töten, Vergewaltigung und Unterdrückung, Vernachlässigung und Lieblosigkeit, Sklaverei oder Foltern: Es gibt nichts, wovor Menschen zurückschrecken. Es sollte deshalb auch nichts geben, wovor Literatur zurückschreckt.

IMG_6550Ich liebe Little Bee, trotz und vor allem weil es mich emotional sehr aufgewühlt hat. Das gilt auch für Gebete für dieVermissten, ein Buch über verschwundene Mädchen und mexikanische Drogenbosse, für das man starke Nerven braucht, dafür aber auf jeden Fall belohnt wird. Erschütternd und grandios sind auch Aquarium, das eine Kindheit erzählt, die alles andere ist als behütet, The Long Song, in dem die Grausamkeit der Sklaverei in unfassbar passende Worte gekleidet wird, und Winters Knochen, pure Einsamkeit zwischen zwei Buchdeckeln. Lauter Romane, die einem das Herz rausreißen. Jedes auf seine Art. Wenn man sie lässt.

IMG_6564Sehr besonders ist für mich Wildauge. Ein Buch, das mich vollkommen überwältigt hat. Mit einer Sprache, die anders ist und wild und rau, mit einer Protagonistin, die einer Naturgewalt gleichkommt, mit einer Geschichte über einen Krieg, von dem man alles zu wissen glaubt und der dann doch wieder eine neue grausame Facette zeigt. Dieser Roman bringt für mich persönlich auf den Punkt,
was ich mir von Literatur wünsche: weggespült zu werden. Etwas zu erfahren, das ich noch nicht wusste. So ein Ziehen im Herz zu spüren. Der Traurigkeit ins Gesicht zu schauen. Und eine Axt in der Hand zu halten für Kafkas gefrorenes Meer.

5 Comments

  1. Falls du in der Kategorie „verstörend-abartig“ noch große Literatur suchen solltest, kann ich Dir „High Life“ von Matthew Stokoe ans Herz legen. Das habe ich gedanklich noch ein paar Wochen mit mir rumgetragen.

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  2. Eine schrecklich-grossartige Auswahl, einige Bücher kenne ich ebenfalls und einige sind mir unbekannt… Solche Bücher wühlen einen wirklich auf und man muss sich für diese immer besonders Wappnen bevor man mit lesen beginnt, jedenfalls geht es mir manchmal so…

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