Bücherwurmloch

20 Hinweise, die dir zeigen, dass ein Buch echt österreichisch ist

  1. IMG_5684Es kommen Berge darin vor.
  2. Ironie ist kein Stilelement, nichts, das effektheischend eingesetzt wird. Ironie ist ein selbstverständliches Grundrauschen.
  3. Das Buch hat einen Schmäh. Keine pointierten, affigen Gags, sondern eine gewitzte, humorvolle Einstellung zur Welt, zum Leben, zu allem, was so geschieht.
  4. Es kommt Skifahren darin vor.
  5. Der Blick auf die Deutschen ist liebevoll-spöttisch.
  6. Der Blick auf die Österreicher ist liebevoll-spöttisch.
  7. Die Sprache ist melodiös, ein Singsang, durchzogen von Sarkasmus und einer Spur Fatalismus. Das kann man eh alles nicht ändern, schwingt da mit, das kann uns eh alles wurscht sein.
  8. Überhaupt: das Wurschtigkeitsgefühl. Ohne ein bisserl Wurschtigkeitsgefühl ist es kein echter Österreicher. Ein bisserl who cares, aber auf Deutsch. Ein bisserl passt schon und ja mei und wird scho‘ werd’n.
  9. Es kommen Berge darin vor, auf denen man Skifahren kann.
  10. Die Handlung ist vielleicht irgendwie absurd, manches nicht so recht erklärbar, und niemanden scheint das zu stören.
  11. Das Buch ist makaber.
  12. Es geht darin um alles Mögliche, aber sicher nicht um die DDR.
  13. Es wird gestorben, weil, ja mei, so ist das halt.
  14. Über allem liegt eine leise Melancholie.
  15. In der Beziehung zu den Eltern gibt’s Probleme. In der Ehe gibt’s auch Probleme. Das Leben an sich ist ein problembehaftetes. Niemand hüpft fröhlich und unbeschwert durchs Bild.
  16. Es kommen Almhütten darin vor, die auf Bergen stehen, auf denen man Skifahren kann.
  17. Österreich selbst ist kein Sehnsuchtsort. Es ist ein Land, in dem man es halt aushalten muss, an dem man viel auszusetzen hat, die Politik, die Geschichte, die Leut, die Dummheit, aber naja, eigentlich ist es eh nicht so schlecht, eigentlich ist es eh ganz schön, aber woanders, da wär’s halt vielleicht doch noch schöner.
  18. Die Figuren haben nicht gestanden und haben nicht gesessen, sie sind gestanden und sind gesessen. Sie laufen auch sehr wenig,  sie gehen stattdessen. Sie gucken nicht, sie schauen. Sie essen keine Berliner, sondern Krapfen, in denen Marmelade ist und niemals Konfitüre. Sie tragen Sackerln, keine Tüten (schon gar nicht Jutebeutel).
  19. Es herrscht eine leichte Grundunzufriedenheit, ein Basisgrant.
  20. Der Autor/Die Autorin sieht sehr gut aus.

15 Comments

  1. Jetzt weiß ich, was das Problem der schwäbischen Literatur ist. Wir haben keine Almhütten, vor denen attraktive Autoren (so was haben wir eh nicht) posieren können, nachdem sie vom Berg gefahren sind, mit Ski selbstverständlicherweise. Unsere können gar nichts, nicht mal hochdeutsch.

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  2. Darf ich fragen, woher die zwanzig Punkte sind, selbstausgedacht oder übernommen? die Gefahr bei diesen Punkten ist wahrscheinlich immer das Klischee. Ich bin ja auch eine echte Österreicherin, eine Wienerin mit der böhmischen Großmutter und wahrscheinlich eher in der österreichischen als in der deutschen Literatur zu Hause.
    Daß der Tod ein Thema ist, ist ein Klischee aber wahrscheinlich nicht so falsch, das mit den Almhütten und den Schifahren würde ich noch einmal hinterfragen und ansonsten hinken die Österreicher wahrscheinlich immer ein bißchen dem großen deutschen Vorbild nach, was man wahrscheinlich auch hinterfragen sollte.
    Daß die DDR keine so große Rolle spielt klar, das ist wahrscheinlich eher das deutsch deutsche Thema, mich stört das aber nicht, ich finde die DDR im Gegenteil sehr interessant.
    Ein österreichisches thema ist dann auch die Rechtschreibung, weil das Österreichische ja ein bißchen anders, als das Deutsche ist und die deutschen Verlage streichen dann halt in den österreichischen Texten herum, machen aus dem Kasperltheater ein Kasperletheater etcetra und man muß schon sehr sehr selbstbewußt sein oder Streeruwitz oder Mayröcker heißen, das man sich dagegen wehren kann.
    Das war es jetzt bei mir mit dem deutschen Buchpreis mit dem Lesen des Franzobels, jetzt kommt der österreichische dran und dazwischen oder danach ein bißchen das diesjährige Buchpreisland Frankreich, liebe Grüße aus Wien, wo man vielleicht ein bißchen österreichischer als in Salzburg so nahe an der deutschen Grenze ist!

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  3. Da denke ich natürlich mehr österreichisches Selbstbewußtsein ist gut und braucht man wahrscheinlich auch neben dem grpßen starken Nachbarn, denn eigentlich hat Österreich, da braucht man ja nur auf die Buchpreise schauen, wo es nicht sehr unwahrscheinlich ist, daß wir da zwei Gewinner haben werden, sehr viel zu bieten und das geht über die Schihütten und das Schifahren wahrscheinlich weit hinaus!

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  4. Es gibt Sessel auf dem man sitzt und keinen Stuhl, ebenso Steigen wir Stiegen rauf und runter und keine Treppen, oder eine Jacke ist ein langärmeliges Ding zum Anziehen und kein Gilet, …
    lässt sich sicherlich noch ewig lang ausführen

    Liebe Grüße

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