Bücherwurmloch

Marikis großer Buchpreis-Check für „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“ von Monika Helfer #dbp17

19225838_10158890121235578_729124526951754862_n„Deine Mama, ich sag dir nur eines … merk dir das … deine Mama … da fehlen einem die Worte!“

Worum geht’s?
Um eine Handvoll Figuren, die das Leben zusammengebracht hat und die nun miteinander zu tun haben, ob sie wollen oder nicht: Vev und ihre Mutter Sonja, die von Vevs Vater Milan geschieden hat, dessen neue Partnerin Natalie und ihre beiden Töchter sowie um The Dude, Sonjas neuen Freund. Sie sind, was man heute eine Patchwork-Familie nennt, und im Buch werden die verschiedenen Probleme des Zusammenlebens in diesen neuen Konstellationen durchleuchtet. Sonja ist drogenabhängig und arbeitet nicht, die Leute, mit denen sie sich umgibt, sind Junkies und Obdachlose und demnach keine gute Gesellschaft für ein Kind. Am besten bringt es die Aussage des Verlags über das Buch auf den Punkt: „So möchte man nicht leben. Aber so wird gelebt.“

IMG_5442Wer ist Monika Helfer?
Eine österreichische Schriftstellerin, die bereits zahlreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht hat, für die sie mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde.

Ist Schau mich an, wenn ich mit dir rede massetauglich und gefällig?
Jein. Es ist kein schlechtes, aber auch kein sonderlich interessantes Buch. Als sperrig kann man es aber auch nicht bezeichnen, im Gegenteil. Es bildet den Alltag einer fiktiven Familie ab, erhebt sich nicht darüber hinaus, weder moralisch oder bewertend noch in sprachlicher Hinsicht. Es ist halt so wie das Leben, von dem es erzählt: simpel, mit kleinen Höhen und größeren Tiefen.

Ist es langweilig?
Nur ein bisschen. Die Geschichte beginnt mit einer Begegnung in der U-Bahn, eine Mutter herrscht ihr Kind an, versucht, es zu manipulieren, jemand – es könnte die Autorin sein – beobachtet die Szene und denkt sich dann, so scheint es, einen Hintergrund dazu aus. Wer könnte diese Mutter sein, wie könnte das Kind heißen? Das wirkt wie doppelte Fiktion und sorgt für eine seltsame Distanz, die bis zum Ende des Romans aufrecht bleibt.

Geht es darin um die DDR?
Nein, es spielt in Österreich.

Ist es ein „großer deutscher Roman“?
Ganz sicher nicht.

Ist es „tief bewegend“, „politisch akut“ oder „ein geniales Sprachkunstwerk“? (Jury-Zitate aus den Gewinnerbegründungen der letzten Jahre)
Nichts davon.

Wie hoch stehen die Chancen, den Buchpreis zu gewinnen?
Bei 20 Prozent.

Schau mich an, wenn ich mit dir rede von Monika Helfer ist erschienen bei Jung und Jung (ISBN 978-3-99027-094-3, 182 Seiten, 20 Euro).

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