Bücherwurmloch

Marikis großer Buchpreis-Check für „Nach Onkalo“ von Kerstin Preiwuß #dbp17

19225838_10158890121235578_729124526951754862_n„Ein Mann muss trinken, damit er zur Besinnung kommt, nicht, um diese zu verlieren“

Worum geht’s?
Um einen vierzigjährigen Mann namens Matuschek, der noch bei der Mutter wohnt, bis sie ihm wegstirbt, und Tauben züchtet. Er hätte gern eine Frau, findet aber keine, und die einzige, die er kennenlernt, bleibt ihm nicht. So ergeht es ihm auch mit den Nachbarn, die man, wenn man ein sehr positiv denkender Mensch ist, Freunde nennen könnte: Sie bleiben nicht. Es ist ein kleines, beschauliches Leben, das Matuschek führt, die Arbeit bleibt ihm auch nicht, nur die Einsamkeit, die ist ihm treu.

FullSizeRender 2Wer ist Kerstin Preiwuß?
Absolventin des Leipziger Literaturinstituts und Lyrikerin, die mit Gedichten sowie dem Romandebüt Restwärme für Aufsehen gesorgt hat. Ein Buch, über das ich geschrieben habe: „Missbrauch, Traurigkeit und Schweigen sind vorherrschend. Das muss man aushalten können, und wenn man es kann, wird man mit einem feinen, klugen, ausgezeichnet geschriebenen Roman belohnt, der sich gut liest und eine erschütternde Wirkung hat. Er macht Gänsehaut im Kopf.“

Ist Nach Onkalo massetauglich und gefällig?
Nein. Das an sich gäbe dem Roman Chancen, buchpreistauglich zu sein. Ich halte diese Chance dennoch für gering. Er ist andererseits auch zu wenig sperrig, zu nichtssagend. Und bei Weitem nicht so gut und berührend wie Restwärme.

Ist es langweilig?
Ja. Das liegt daran, dass es nur um Matuschek geht, und Matuschek hat ein langweiliges Leben. Das Abbilden des Alltags, der Tristesse, der Fadesse ist etwas, das den Leipziger Absolventen sehr am Herzen zu liegen scheint. Das klingt dann so:

Die Tage ziehen dahin, das Wetter wird unbeständig. Gewitter kommen nicht mehr über den See, dafür Schauer. Die Luft ist frisch geworden, sie kühlt mehr, als dass sie wärmt. Das Schwalbennest klebt verlassen an der Dachecke.

Eh gut formuliert. Es ist das, was man gemeinhin lakonisch nennt. Und das ist ja manchmal nur ein anderes Wort für langweilig.

Geht es darin um die DDR?
Nein.

Ist es ein „großer deutscher Roman“?
Nein. Eher ganz bewusst ein kleiner deutscher Roman. Über das Leben im Kleinen, seine Vergänglichkeit, seine Bedeutungslosigkeit.

Ist es „tief bewegend“, „politisch akut“ oder „ein geniales Sprachkunstwerk“? (Jury-Zitate aus den Gewinnerbegründungen der letzten Jahre)
Nein, nein und nein.

Wie hoch stehen die Chancen, den Buchpreis zu gewinnen?
Bei 20 Prozent.

Nach Onkalo von Kerstin Preiwuß ist erschienen im Berlin Verlag (ISBN 978-3-8270-1314-9, 240 Seiten, 20 Euro).

 

5 Comments

  1. Hat mir gut gefallen und das Leben ist, glaube ich, auch wenn es nicht immer so schön formuliert wird, so und warum sollen wir nicht auch einmal von den kleinen Leuten und den Verlierern dieses Lebens lesen?
    Von der Midlifekrise des älteren Mannes haben wir ja vielleicht schon genug gehört und weil die meisten Leser wahrtscheinlich doch Frauen sind, geht das dann vielleicht auch an der Realität vorbei. https://literaturgefluester.wordpress.com/?p=54592
    Liebe Grüße, was halten Sie übrigens von der österreichischen Buchpreisliste, lesen Sie da auch mit?

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