Gut und sättigend: 3 Sterne

Niña Weijers: Die Konsequenzen

weijersIst das Kunst oder kann das weg?
Minnie hat sich in der Kunstszene einen Namen gemacht und kann – obwohl sie noch nicht mal dreißig ist – von ihren Installationen und Ausstellungen leben. Für ihre Projekte hat sie bereits ihren Müll fotografiert und sukzessive ihren gesamten Besitz verkauft. Nun hat sie eine neue Idee: Ein Mann, mit dem sie Sex hatte und der sie übel reingelegt hat, soll sie drei Wochen lang auf Schritt und Tritt verfolgen und fotografieren – bei allem, was sie tut. Und sie tut gar merkwürdige Dinge, denn in diesen Wochen findet Minnie viel über sich selbst heraus, über ihre Kindheit und die Gründe dafür, dass sie schon zweimal in ihrem Leben geräuschlos verschwunden ist.

Als ich in Frankfurt in der Schirn war und mit Rowohlt eine Exklusiv-Führung durch die Ausstellung von Ulay machen durfte, hab ich mit den bezaubernden Damen von Herzpotenzial über Die Konsequenzen von Niña Weijers gesprochen. Der Grund dafür: Im Buch kommt Marina Abramovic vor, die lange die Lebensgefährtin von Ulay war. Ich hatte den Roman zu diesem Zeitpunkt schon im Regal, allerdings noch ungelesen. Ich wusste also durch dieses Gespräch bereits, dass er seltsam ist und verrückt – aber dass er DERART crazy ist, das hatte ich dann doch nicht erwartet. Die niederländische Autorin hat für ihren Debütroman viele Preise eingeheimst. Das kann ich absolut nachvollziehen: Er ist ausgezeichnet geschrieben, distunguiert, eigentümlich und voller – teilweise sarkastischer – Anspielungen auf die Kunstszene. Und irgendwie ein bisschen gestört.

Es ist nicht ganz klar, was dieses Buch will. Unterhalten, informieren, performen? Ich weiß es nicht, aber das macht nichts – nicht jedes Buch muss eine klar erkennbare Botschaft transportieren. Dieses hier tut es fix nicht. Es erzählt von einer jungen Frau, die absolut verloren ist. Sie hat keinen Vater, die Beziehung zur Mutter ist von Distanz geprägt, sie schneidet sich mit jedem Kunstprojekt selbst bis in die Knochen, sie flieht vor der Liebe und sehnt sich zugleich nach ihr. Das Institut, an dem sie als Kind war, ist rein fiktiv und unglaubwürdig, aber sehr kurios und dadurch immerhin interessant. Ich hab dieses Buch gern gelesen, auch wenn es – besonders wegen des eigenartigen Endes – einen schalen Nachgeschmack bei mir hinterlassen hat. So ging es mir auch mit Ulay: Es hat mich fasziniert, was er gemacht hat, verstanden habe ich es nicht. Aber muss man das? Ich finde nicht.

Die Konsequenzen von Niña Weijers ist erschienen bei Suhrkamp (ISBN 978-3-518-42558-9, 359 Seiten, 22 Euro). Und hier ist die Besprechung von Herzpotenzial dazu.

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