Gut und sättigend: 3 Sterne

Thommie Bayer: Seltene Affären

bayer„Man kann nicht lieben, ohne zu lernen“

„Das, was ich von der Liebe weiß, ist nur der halbe Apfel. Die andere Hälfte kenne ich nur als Zaungast aus dem Leben meines Bruders.“

Denn Peters Zwillingsbruder Paul ist verheiratet mit Anne – der einzigen Frau die Peter je geliebt hat. Einen Ersatz für sie zu finden, ist ihm in all den Jahrzehnten nicht gelungen. Er begnügt sich mit Affären, gibt vor, dass ihm nichts fehlt. Von Montag bis Donnerstag führt er ein beliebtes Restaurant in Frankreich, den Rest der Woche verbringt er in einer Wohnung in Deutschland und schreibt. Doch auch in diesem Bereich seines Lebens steht er im Schatten seines Bruders: Peters Geschichten erscheinen unter Pauls Namen, der als Schriftsteller erfolgreich ist. Peters Leben ist streng strukturiert, recht langweilig und eigentlich zutiefst einsam.

Thommie Bayer hat schon erstaunlich viele Romane geschrieben – von denen ich keinen kannte. Sein Buch Seltene Affären ist wie das Leben seines Protagonisten: Es könnte interessanter sein. Er erzählt von einem, der eigentlich zufrieden ist, irgendwie, der aber weiß: Da wär noch mehr drin gewesen. Er berichtet von einer eingefahrenen, geliebten Routine, die Tag für Tag, Woche für Woche die gleiche ist. Das Einzige, was diese Routine von Protagonist Peter für eine Weile durchbricht, ist seine neue Putzfrau. Er träumt von ihr. Er hinterlässt ihr Schokoladen und seine Geschichten, von denen er hofft, dass sie sie liest. Diese eigentlich kaum nennenswerte Abwechslung von seinem Alltag durchmischt er mit Erinnerungen – an seine Kindheit und Studienzeit, an das eine Mal, als er Anne näherkam. Die Zwillinge verstehen sich gut, sind aber nicht unbedingt besonders eng. Das alles macht aus Seltene Affären ein angenehmes, unspektakuläres Buch, über das es nicht allzu viel zu sagen gibt. Ich habe auf ein Aufbrechen der Ordnung gewartet, auf einen Konflikt, einen Höhepunkt – nichts davon gibt es. Vielleicht bin ich aber auch nur die falsche Zielgruppe für diesen Roman. Richtet sich das Buch an ältere, rührselige Männer, die sich mit Peter identifizieren können? Ich persönlich konnte wenig Griffiges und Greifbares darin finden. Deshalb wird mir auch nur wenig davon in Erinnerung bleiben.

Seltene Affären von Thommie Bayer ist erschienen im Piper Verlag (ISBN 978-3-492-05611-3, 192 Seiten, 18 Euro).

3 Comments

  1. Es gefällt mir, dass Du einen Thome Bayer gelesen hast, doch ich bedauere, dass Du mich nicht gefragt hast, ob Du mit diesem einsteigen sollst. Es ist ein wenig ein Fortsetzungsroman von „Weißer Zug nach Süden“ (https://thomasbrasch.wordpress.com/2015/05/07/wiedermal-ganz-gentleman-der-herr-bayer/) und Du hast ein wenig recht, dass er sich wohl an ein etwas gesetzteres Leserpublikum richtet wie mich. Ich lese Thommie Bayer schon seit 25 Jahren. Fast jeden Roman fand ich gut. Entdeckt habe ich ihn mit „Das Aquarium“. Der müsste Dir meines Erachtens gefallen. Aber auch spätere, wie z.B. „Fallers große Liebe“ oder ein aktuellerer wie „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“. Dazu schrieb ich hier: https://thomasbrasch.wordpress.com/2014/08/05/was-von-facebook-und-co-so-ubrig-bleibt/ Vielleicht bekommt gibst Du ihm noch mal eine Chance. Er ist zudem ein wirklich sehr sympathischer Mensch, dem man auf FB gerne folgt.

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