Bücherwurmloch

Urlaubslektüre: Fünf Bücher in fünf Tagen

IMG_8771Vor einer Weile war ich im Vorsommerurlaub, und es war einfach herrlich: Strand, Sonne, Meer und Gelatooo. Gelesen hab ich auch, und zwar fünf Bücher, die in ihrer Taschenbuchausgabe schon lang auf meinem SuB darauf gewartet hatten, endlich ausgewählt zu werden. Einige kennt ihr vielleicht. Und ich warne euch gleich: Das wird jetzt eine ziemliche Motzerei, denn bis auf einen mochte ich eigentlich keinen der folgenden Romane.

Paula Hawkins: The girl on the train
Um dieses Buch gab’s ja einen ziemlichen Hype. Ganz ehrlich? Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Da war ja Gone Girl noch besser! Die ersten 100 Seiten haben mich furchtbar gelangweilt und ich habe nur weitergelesen, weil ich a) im Urlaub war und nicht so viele Bücher mithatte und b) wissen wollte, was denn nun dran ist an dem Hype. Die trantütige Alkoholikerin Rachel ging mir wahnsinnig auf den Sack, sie ist selbstmitleidig und doof. In einer Nacht ist etwas geschehen, eine Frau ist verschwunden, aber sie war zu betrunken, um sich zu erinnern. Jö. Wie sie versucht, an Infos zu kommen, ist ebenso dämlich wie unglaubwürdig. Und keine Sekunde lang spannend. Ich seh’s mal wieder ein: Ich bin einfach nicht der Typ für Thriller.

Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören
Oh, wie herrlich kitschig! Das ist ein wunderbares Buch – und absolut perfekt für den Urlaub. Julia Win aus New York reist darin an einen völlig abgelegenen und fremden Ort: ein kleines Dorf in Burma. Sie sucht ihren Vater, der vor einigen Jahren verschwunden ist. „Was wissen wir von unseren Eltern, und was wissen sie von uns?“ Die rationale Julia bekommt eine berührende, zu Herzen gehende Geschichte erzählt, die sie nicht glauben kann und will und bei der sie doch spürt: Sie ist wahr. Einen Blinden und eine Lahme zusammenzutun, das klingt wie eine fast schon lächerlich einfache Parabel, ist aber so viel mehr: schlicht, ergreifend und klug. Zwar enthält das Buch Klischeesätze wie „Es gibt nur eine Kraft, die stärker ist als die Angst. Die Liebe.“ und „Muss man die Welt gesehen haben? Alle Gefühle, zu denen wir Menschen fähig sind, die Liebe und den Hass, die Angst und die Eifersucht, den Neid und die Freude, finden Sie in jedem Haus, in jeder Hütte.“ Schön ist es trotzdem und genau deswegen.

einzlkind: Gretchen
Das einzlkind geistert seit einer Weile herum, kam mir immer wieder unter, und während der Lektüre dieses Buchs dachte ich oft: „Was’n das?“ Ich weiß es nicht so genau. In Ansätzen witzig, aber in den Ausformulierungen hohl: So kommt Gretchen daher. Ich hab den Roman nur überflogen, konnte mich weder mit dem Stil noch mit der Geschichte anfreunden. Eine großkotzige Protagonistin, deren Überheblichkeit den Humorrahmen des Buchs ausmachen soll, Dialoge, die sich hochschwingen, aber sofort wieder abstürzen, und ein letztes Drittel, bei dem mir die Füße einschlafen. Die Autorenvita ist zudem die schlechteste, die ich je gelesen habe: Der Autor lebt. Sein Vorname ist vielleicht betamax. Obwohl er ja dann ein Videorekorder wäre. So viel aber kann verraten werden: Ein Videorekorder ist er nicht. Ansonsten gibt es kaum Neues zu berichten. Das zeigt schon, wie unlustig dieses Buch ist.

Cornelia Travnicek: Chucks
„Eine starke neue Stimme“ wurde die 1987 geborene Österreicherin genannt, als ihr Erstling 2012 erschien. Ich hab mir so einiges erwartet von ihr – und war reichlich enttäuscht. Da gibt’s eine, Mae heißt sie, die trägt die roten Chucks ihres Bruders, der tot ist, und verliebt sich in einen, der Aids hat. Das ist tragischer Stoff, der sich einem ins Herz bohren könnte. Stattdessen kommt der lahme, schmale Roman betont blasiert, versifft und uninteressiert daher. Als hätte er mit all dem, was in ihm steckt, nichts zu tun. Die faden, teilweise erstaunlich schlecht formulierten Sätze schaben nur an der Oberfläche, echtes Gefühl kommt keines zustande. Absolut zu vernachlässigen.

Judith W. Tischler: Roman ohne U
Halleluja! So viel Gutes hatte ich gehört von diesem Buch. Am Strand hab ich es endlich gelesen – und hätte schreien mögen. Vor Wut! Spannende Geschichte, durchaus, aber aufs Papier gebracht in einem derart schludrigen, sauschlechten Stil, dass es ein Graus ist. Wegen der vielen Schnitzer, abgeschmackten Formulierungen und Holprigkeiten war der Roman für mich beinahe unlesbar. Dabei hätte ich mich sehr wohl begeistern können für die Story über einen, der wegen eines dummen Streichs in ein sibirisches Lager geschickt wird, dort seine große Liebe trifft und mit ihr ums Überleben kämpft. Die furchtbar blöde Rahmenhandlung um ein Ehepaar mit vier Kindern, das sich nie geliebt hat, hat das zur Gänze kaputtgemacht. Am schlimmsten fand ich die Angaben über Alter, Lieblingsspeise und Zukunftspläne bei jeder Figur – das liest sich wie eine Charakterstudie zur Vorbereitung eines Romans, nicht wie ein eigentlicher Roman. Grauenhaft!

19 Comments

  1. Von den Büchern kenne ich nur „Chucks“, das heißt, ich habe es in meinen Regalen und auf meiner Leseliste,nachdem es es, vor einem halben Jahr bei „Thalia“ um 1.99 gab. Die harsche Kritik hat mich erstaunt, mal sehen, ob ich es auch so sehe, verfolge ich Cornelia Travnicek ja schon von ihren Anfängen und lese auf ihren Social Media Seiten mit. Der Satz „Es gehört sich nicht, daß man gähnt, wenn einer stirbt“, oder so, hat mich aber sehr beeindruckt.
    Ansonsten würde ich empfehlen beim deutschen und österreichischen Buchpreis einfach mitzulesen und darüber bloggen, mehr, als daß Sie wahrscheinlich einige zweite oder dritte Bücher eines Autors oder einer Autorin lesen müssen, kann ja nicht passieren! Ich werde es jedenfalls tun, die Bücher anfragen, lesen, darüber schreiben und kommentieren, was kommt, liebe Grüße aus Wien, beziehungsweise Harland bei St. Pölten

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  2. Was „Kassiopeia“ https://literaturgefluester.wordpress.com/2012/03/15/kassiopeia/ betrifft, hat mir das, glaube ich, auch nicht so gefallen, es wurde aber, wie ich mich erinnern kann, von der Kritik sehr gelobt und bezüglich der Oma und Julia Kröhn, ja meine Schwiegermutter liest auch anderes als ich, sie liest aber viel viel mehr und läßt sich zum Geburtstag Andrea Camillieri, Edgar Wallace etcetera schenken und Julia Kröhn ist, glaube ich, eine sehr bemühte „Gebrauchsautorin“ die unter verschiedenen Pseudonymen in den verschiedenen Genres schreibt
    ihren Blog habe ich sehr lang verfolgt und einige ihrer Bücher auf meiner Leserliste, aber ich bin ja eine, die sich quer durch den Büchergarten liest.
    Ich lese übrigens nächsten Jänner im Afro Asiaten Institut in Salzburg. https://literaturgefluester.wordpress.com/lesungen/ Haben Sie nicht Lust zu kommen, damit wir uns kennenlernen können?

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  3. Ja, herzerfrischend, dein unverblümtes Urteil. Ich bin ein Typ für Thriller, aber ‚Girl on the Train‘ habe ich abgebrochen, weil ich es genau so empfand wie du geschrieben hast 😉
    VG, Ingrid

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