High Five

High Five mit Irmgard Fuchs

FuchsWenn ich eine Figur aus einem Roman wäre, dann wahrscheinlich eine von Wilhelm Genazino. Ein Ich voller Unzulänglichkeiten, das ziellos umherstreift auf der Suche nach etwas äußerlich Greifbarem, das fürs eigene Leben eine Verbindlichkeit bietet – die es aber natürlich nicht gibt. Die aber schlussendlich jedoch auch gar nicht gebraucht wird, weil dieses Abgelöst-sein von der Wirklichkeit eine heimliche Liebe zum Leben ist, die man nicht bereit sein sollte, aufzugeben.

Ich ordne meine Bücher in folgendem System:
– von denen ist es erstrebenswert, erschlagen zu werden (Regal über dem Schreibtisch, ergo Kopf)
– die brauche ich vielleicht zum Nachlesen (stehen in erster Reihe im Regal in meinem Rücken)
– die mag ich, aber brauche ich nicht fürs Arbeiten (stehen hinter der ersten Reihe in zweiter Reihe im Regal in meinem Rücken)
– die fand ich naja, aber weggeben ist trotzdem undenkbar (stehen hinter der zweiten Reihe im Regal in dritter Reihe in meinem Rücken)
– die habe ich zwar gekauft, aber ob ich sie irgendwann lese, bleibt fraglich …
+ Fotografiebücher, auf die ich süchtig reagiere und die sonst, weil sie so hoch sind, nirgendwo hinein passen (Regal auf dem Flur, neben dem Reiskocher)
– die Bücher, die ich liebe und darum von allen Menschen, die ich kenne, gelesen werden müssen (meistens verborgt und nicht zurückbekommen)

Das Cover meines aktuellen Buchs ist abstrakt, man könnte es als Raumschiff deuten, wenn mal will, mit großem Titel drauf, weil er halt einfach so schön ist. Aber vor allem ist das Buch auch mit geschlossenen Augen wunderbar anzugreifen, durch die Lack-Flächen am Cover.

Viel zu selten verwendet wird das Wort nein. Zumindest von mir. Aber Wörter, die auch offiziell selten sind und unbedingt öfter verwendet werden sollten: Schabracke, ungeschlacht, ungestüm, fatal, geflissentlich, Contenance, nachträglich und notdürftig … Ich finde außerdem, man sollte das Western-Genre der „Pferdeoper“ unbedingt wieder einführen. Der Genrebegriff ist zu gut, um endgültig unterzugehen.

Das Buch meines Lebens werde ich hoffentlich nie lesen müssen.

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Irmgard Fuchs wurde 1984 in Salzburg geboren. Sie studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien und Berlin sowie Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst. Ihr erstes Buch Wir zerschneiden die Schwerkraft ist 2015 im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen. Foto von www.detailsinn.at.

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