Bücherwurmloch

11 Gründe, warum es schön ist, als Bücherwurm Kinder zu haben

  1. 11781779_1192092407473040_7961144644467498247_nPlötzlich ist da jemand, der die Welt der Fantasie noch nicht kennt. Dem ich die Tür in diese Welt öffnen kann, den ich einladen kann, mir dorthin zu folgen, wo ich seit so vielen Jahren zuhause bin.
  2. Durch das Vorlesen erlebe ich das Lesen neu. Ich teile es. Die Worte sind nicht mehr nur in meinem Kopf, die Geschichte kommt aus dem Buch heraus, alle können sie hören, mitfühlen, an ihr teilhaben. Ich kann meinen Kindern Abenteuer schenken.
  3. Mein Sohn war von Anfang an ein Sitzenbleiber und Zuhörer, und es gibt kaum einen bezaubenderen Anblick als den seines konzentrierten Gesichts, wenn er mit staunenden Augen und offenem Mund einer Geschichte lauscht.
  4. Jeden Morgen, wenn wir alle vier hektisch durch die Wohnung sausen, ich die Kindergartenjause und das Frühstück mache und den Großen wieder und wieder bitte, zieh dich an, iss dein Brot, geh aufs Klo, zieh dich an, verdammt!, steckt seine Nase in einem Buch. Dabei kann er noch gar nicht lesen. Und ich kann nicht schimpfen, obwohl ich kurz vorm Ausflippen bin. Aber ich platze innerlich ganz leise vor Stolz und spüre ein ganz tiefes Gefühl der Verbundenheit.
  5. Durch meine Kinder treffe ich einige der besten Freunde wieder, die ich je hatte: Pipi Langstrumpf, Pumuckl und die kleine Hexe, Mio, meinen Mio, den Räuber Hotzenplotz, Tom Turbo, Michel und Ronja. Sie sind alle noch da, und ihre Abenteuer sind immer noch genauso spannend.
  6. Ich lerne neue Freunde kennen, den Drachen Kokosnuss und Tafiti, Käpt’n Sjarky und Hexe Lilli, Yakari und den kleinen Raben Socke. The more, the merrier!
  7. Ich fülle meine Kinder mit Geschichten ab, bis obenhin. Hier liegen überall Bücher, auf jeder Autofahrt hören wir eins unserer mindestens 50 Hörbücher. Und ich bin wahnsinnig gespannt, was dabei herauskommt. Ob sie später ebenso bibliophil sind wie ich – oder ob kein einziges Buch in ihrer Wohnung steht (Gott bewahre!).
  8. Ich erlebe jedes Buch intensiver. Weil ich ihm die Zeit widme, die ich mir abzwacken muss und die daher sehr wertvoll ist.
  9. Ich entdecke Neues, weil ich nicht mehr so viel Zeit zum Lesen habe. Für mich bedeutet das: Seit ich Kinder habe, lese ich Kurzgeschichten – die mir früher verhasst waren. Damals waren sie mir zu fragmentarisch, ich wollte versinken in einer langen, vielschichtigen Handlung. Jetzt passen sie zu meiner veränderten Lebenssituation, weil ich manchmal zwischendrin ein paar Minuten zum Lesen stehle und gar nicht so tief in einen Roman eintauchen kann und will.
  10. Ich wähle meine Lektüre besser aus, quäle mich nicht mehr durch Bücher, weil ich sie zwar nicht lesen will, aber das Gefühl habe, ich muss. Ich muss nämlich gar nicht.
  11. Ich habe einen anderen Zugang zu Inhalten und besonders zu Gefühlen. Ich verstehe Figuren, die aus Liebe zu ihren Kindern handeln oder einen großen Verlust erleiden, besser. Bücher berühren mich nun mehr.

P. S.: Diese Liste stellt quasi das Gegengewicht dar zur Liste 7 Gründe, warum es fast unmöglich ist, als Kleinkindmama zu bloggen. Und ja, es sind mehr Gründe! War aber nicht Absicht. Das kam einfach so. :)

0 Comments

      1. Jaja, die „kleinen“ Geschwister. Mein Kleiner hat mir die Bücher imemr aus der Hand gerissen und sie weggeworfen oder eingebissen, wenn ich mir eins mit ihm angucken wollte oder gar vorlesen 😉
        Und kaum konnte er selbst lesen, waren Bücher plötzlich sooo interessant für ihn! Vielleicht ändert es sich bei euch auch, wenn die Maus in die Schule kommt.

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      1. Um die 5. Jetzt (8) haben wir schon jede Menge Klassiker hinter uns (Oliver Twist, Die Schatzinsel, Robin Hood, Tom Sawyer, Nils Holgerson, Krabat, etc., die ich alle selbst zuvor nie gelesen hatte) und aktuell sind wir kurz vor dem Finale von Harry Potter 5.

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          1. Mariki Author

            Heute Nacht hab ich über das nachgedacht und mir überlegt, dass ich auch sehr gern einen lesenden Vater gehabt hätte. Oder eine lesende Mutter 😉 Irgendjemanden, der mich an der Hand nimmt und mir den Weg zeigt durch die Fülle der Bücher – und auch durch die Klassiker, die du genannt hast und die ich zum Teil bis heute nicht kenne. In meiner Familie wird kaum gelesen und wenn, dann eher so Schmarrn wie Chicklit (meine Mum) oder historische Schinken (meine Oma), da konnte und kann ich mich mit niemandem über Literatur unterhalten. Nur mein kleiner Bruder ist eine Leseratte, aber in anderen Genres (Fantasy) unterwegs. Auch in meinem Freundeskreis ist es ähnlich, das Lesen wird zwar ausgeübt, hat aber keine Priorität. Was ja letztlich der Grund war, warum ich angefangen habe zu bloggen und nach jemandem zu suchen, mit dem ich mich über Bücher austauschen kann. Wahrscheinlich ist all das ein Grund, warum ich jetzt so viel Wert drauf lege, es bei meinen Kindern „besser“ zu machen und ihnen all meine eigenen Kindheitshelden näherzubringen.

      2. Langsatz

        „Auch in meinem Freundeskreis ist es ähnlich, das Lesen wird zwar ausgeübt, hat aber keine Priorität.“ – auch die meisten anderen Aussagen von Ihnen stimmen ziemlich mit meiner Umgebung überein, deshalb auch bin ich immer wieder auf der Suche nach spannenden Bücherblogs und so…

        Und ja, die Kinder – spannend finde ich auch was sie dann jeweils schon von alleine begreifen und was nicht, gerade lese ich Ali Baba und die 40 Räuber vor und die Schlauheit der Haushälterin Mardschane geht dem 6-jährigen noch nicht unerklärt in den Kopf.

        Ich halte dem Kind immer wieder ein kleines Plädoyer für Bücher und Lieder: die grosse Freiheit zu schreiben und sagen was man mag, Geschichten zu erfinden und auch mal fluchen zu dürfen.

        Grüsse Sie!

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        1. Mariki Author

          Oh, das find ich sehr schön. Der Bedarf an Erklärungen führt ja dann oft auch zu wichtigen Gesprächen – bei uns beispielsweise über Gut und Böse anhand vom Räuber Hotzenplotz. Gestern hat sogar die Kleine das Hörbuch geholt und wollte unbedingt die Geschichte hören, wobei ich sie ja im Verdacht habe, dass sie bloß zum Hotzenplotz-Lied tanzen wollte 😉 Das mit dem Plädoyer für die Freiheit zu schreiben und zu sagen, was man mag, finde ich sehr gut und prägend. Mögen größe Bücherwürmer aus ihnen werden!

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  1. Ascari

    Ich erinnere mich noch, dass das Lesen mir eine komplett neue Welt eröffnet hat, als ich klein war … Nicht umsonst hatte ich schon als Kind einen Ausweis bei der Bücherei, ich war damals ein ausgemachter Fan von Märchen, Mythen und Sagen :). Sagt dir Auguste Lechner vielleicht etwas? Ich habe diese Bücher soooo geliebt.

    Liebe Grüße
    Ascari

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      1. Ascari

        Oh, ich seh grad, sie lebt schon eine ganze Weile nicht mehr … Naja, ist halt doch schon ein bisschen her, dass ich diese Bücher verschlungen habe :D.

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    1. Oh ja – Auguste Lechner, die ich leider erst als Erwachsene entdeckt habe. Ich finde ihre Nacherzählungen der nordischen Sagen toll, denn sie arbeitet den manchmal etwas fiesen Humor der Götter so schön heraus!

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    1. Mariki Author

      Oh, das ist auch eine gute Idee für eine Liste! Ja, ich freu mich sehr, all meine alten Kindheitshelden wieder zu treffen – und die neuen dazu, die es früher nicht gab. Sie haben ja meist eine wichtige Botschaft, machen mutiger, klüger, selbstbewusster, eröffnen einen neuen Blick auf die Welt.

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  2. laura

    Hey, deine beiden Listen sprechen mir gerade aus der Seele… als frischgebackene Mama (naja, sieben Monate ist es nun auch schon wieder her ;)) frage ich mich nun nicht nur, wie ich die Zeit zum Bloggen finden soll (denn Lesen lässt sich immer irgendwie machen), sondern auch, wie ich meinem Kind die Liebe zum Leben mitgeben kann.
    Auch überlegte ich neulich, ob es jetzt noch zu früh ist, ihm kurze Geschichten mit Bildern vorzulesen (wie von Leo Lionni zB)… Wann hast du damit angefangen?
    LG Laura

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  3. Mariki Author

    Hallo Laura, das freut mich sehr! Das waren bestimmt schon aufregende sieben Monate 😉 Ich denke nicht, dass es dafür zu früh ist. Beim Großen haben wir sogar angefangen, als er noch im Bauch war. Und immer, wenn er auf meinem Schoß saß und es grad passte … er wollte damals die Bücher natürlich lieber noch haptisch „begreifen“, sprich aufessen. Aber die Liebe zu den Büchern hab ich ihm sozusagen gleich in die Wiege gelegt :)

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    1. laura

      Ja allerdings, sehr aufregend 😉 Ich habe ihm auch schon einfach immer vorgelesen, manchmal sogar aus den Romanen, die ich grad las … vielleicht fördert das ja nebenbei die Sprachentwicklung… Schaden kann es jedenfalls nicht, denke ich! Und ich meinte oben natürlich auch „Liebe zum Lesen“ nicht (nur) die zum Leben 😛
      Mein Baby hat die Bücher auch „zum Fressen gern“, mit Schnuller gehts ohne dass die Bücher leiden 😉
      LG Laura

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