Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Jonathan Lee: Wer ist Mr. Satoshi? +++Gewinnspiel+++

„EsIMG_9068 ist nicht möglich, die eigene Haut ganz abzustreifen, in die von jemand anderem zu schlüpfen“
Foss ist dabei, als seine Mutter stirbt, er sieht, wie sie stürzt, als er sie im Altenheim besucht. Er ist geschockt und traurig und vergräbt sich noch weiter in dem Loch, in dem er seit dem Unfalltod seiner Frau vor sich hin vegetiert. Einst war er ein bekannter Fotograf, heute lebt er von den Tantiemen und verlässt seine Wohnung nicht mehr. Bis er sich nach Japan aufmacht, um Mr. Satoshi zu suchen. An ihn ist ein Päckchen adressiert, das sich in der Hinterlassenschaft der Mutter befindet und das ihr offenbar sehr wichtig war. Foss findet alte Briefe, geschrieben in den 1940er-Jahren, die zeigen, dass seine Mutter und Mr. Satoshi sich einst sehr geliebt haben. Doch er hat nie von ihm gehört, seine Mutter hat diesen Namen nie erwähnt. Was ist geschehen? Die Neugier und das Pflichtgefühl bringen Foss dazu, seine Angststörungen mit Tabletten zu unterdrücken, in ein Flugzeug zu steigen und in Japan nachzuforschen. Hilfe bekommt er dabei von der jungen, hübschen Chiyoko, die in einem Hotel lebt und arbeitet und sich gemeinsam mit Foss auf die Suche nach der Wahrheit über seine Mutter macht.

Jonathan Lee, 1981 geboren, hat mit Wer ist Mr. Satoshi ein sehr gefühlsbetontes Buch geschrieben über einen gebrochenen Mann, der nichts mehr vom Leben erwartet – und dann plötzlich doch noch so viel Lebenswertes entdeckt. Der englische Autor hat selbst einige Zeit in Tokio gelebt und sich dort zu diesem Roman inspirieren lassen. Seine Begeisterung für alles Japanische merkt man dem Buch deutlich an: Die ungewöhnlichen Sitten und Bräuche des Landes werden genau durchleuchtet, und es wird viel Sushi verspeist. Protagonist Foss ist ein völlig lethargischer Typ, der um seine verlorene Frau trauert und mit Panikattacken kämpft. Er ist ebenso orientierungs- wie antriebslos, das Ausmaß seiner Apathie zeigt sich zum Beispiel an diesem Dialog:„Ach komm, Fossy, du musst da rausgehen und für das kämpfen, was du willst!“
„Ich kämpfe ja.“
„Sieht aber nicht so aus.“
„Es spielt sich innerlich ab.“

Dass sich das japanische Mädchen an Fossy hängt und ihm hilft, ist mir ein Rätsel und ein recht unglaubwürdiger Aspekt an dem Buch. Aber es ist natürlich klar, dass es ohne Chiyoko nicht geht. Die Beziehung der beiden ist mysteriös und nicht unbedingt sexuell, was aber eher an den Tabletten liegt, die Foss nimmt. Die Aufklärungen, die am Ende des Romans warten, sind – das dürft ihr euch nicht erhoffen – nicht sonderlich überraschend. Sie sind vielmehr, da sie um Jahrzehnte zu spät kommen, sehr deprimierend. Wer ist Mr. Satoshi ist eine Geschichte über eine junge Liebe, die nie sein konnte, weil sie von einem schrecklichen Ereignis zerquetscht wurde, über eine Frau, die ihr ganzes Leben lang unter einem Verlust gelitten hat, und über ihren Sohn, der erst alles verlassen muss, um wieder zu sich selbst zu finden.

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Wer ist Mr. Satoshi? von Jonathan Lee ist erschienen bei btb (ISBN 978-3-442-75386-4, 320 Seiten, 14,99 Euro).

Und wer JETZT ein Exemplar von Wer ist Mr. Satoshi gewinnen möchte, schreibt mir hier einfach als Kommentar eine Antwort auf die Frage: Was ist für dich typisch japanisch? Über den Gewinner entscheidet das Los, und Zeit zum Mitmachen habt ihr bis Freitag, 14. August. Ich bin gespannt und wünsche viel Glück!

0 Comments

  1. Woran ich bei Japan denke? An Gewimmel auf Tokios Straßen, Kirschblüte, Mangas, skurrile Modetrends, sehr gutes Essen und leider auch an Fukushima und viel Missbrauch von Machtpositionen in Bezug auf Aufklärung der Bevölkerung

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  2. Hach, nach der tollen Rezension glaube ich, dass das Buch doch eine Pflichtlektüre für mich ist. Da versuche ich doch auch mal mein Glück beim Gewinnspiel.
    Bei Japan denke ich an Kimonos, Teezeremonie, Zen-Buddhismus und diese großartigen Affen, die im Winter in den heißen Quellen baden!

    Viele Grüße, Maike

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