Gut und sättigend: 3 Sterne

Pamela Erens: Die Unberührten

IMG_8344Die Geschichte einer Entjungferung
„Auch wir wollten wir benebelt sein von Sex, wollten schamlos sein, dreist, ungeniert. Wir wollten anbeten und angebetet werden.“ So geht es all den Schülern an der Auburn Academy, einem Internat an der Ostküste Amerikas. Sie sind 16 Jahre alt und neugierig auf Sex, sie wollen alles ausprobieren, erfahren, erkunden, spüren. Aviva und Seung sind ein Paar, süß und keusch einerseits, wild und ungestüm andererseits. Sie küssen sich stundenlang, jeden Tag, überall, mmer wieder, wie man es nur tun kann, wenn man sehr jung ist, sie streicheln und entkleiden sich. Sie sind dabei nicht unbedingt vorsichtig, und die Restriktionen lassen nicht lang auf sich warten. Die anderen Schüler sind neidisch und hungrig, allen voran Bruce Bennett-Jones, der selbst was von Aviva will, sich ihr aber immer nur gewaltsam nähert. Und dann geht Aviva aufs Ganze, sie will mit Seung schlafen. Damit setzt sie Ereignisse in Gang, die tragisch enden.

In Die Unberührten von Pamela Erens geht es um Sex. Und zwar um Sex, der nicht stattfindet. Noch nicht. Um Sex, der herbeigesehnt und erträumt wird. Die Protagonisten des zweiten Romans der amerikanischen Autorin sind unerfahrene Teenager, The Virgins, wie der Originaltitel heißt. Sie umgarnen sich, sind nicht wirklich verliebt, glauben das aber natürlich, weil die Hormone durch ihr Blut rauschen, weil sie völlig verwirrt sind von den vielen neuen Sinneseindrücken. All dies lässt Pamela Erens von einem Außenstehenden erzählen, von einem eifersüchtigen Dritten, dessen Bericht gefiltert ist von Neid und Missgunst.

Die Unberührten ist ein gutes Buch. Aber es ist auch ein wahnsinnig pathetisches Buch. Das passt, weil man mit 16 Jahren alles viel zu ernst nimmt, alles nur in Schwarz und Weiß sieht, überdreht ist und ahnungslos, weinerlich, viel zu emotional. Nun bin ich aber bereits fast doppelt so alt, und auch wenn ich mich an die Gefühle von damals erinnern kann, sind sie mir heute fremd. Mehr als einmal schüttle ich verständnislos und genervt den Kopf über Aviva und Seung. Über das Ende kann ich nur sagen: Ich hab es kommen sehen, aber ganz glauben will ich es trotzdem nicht. Pamela Erens hat sich ein sehr spezifisches Thema ausgesucht und es glänzend umgesetzt. Allerdings gibt es im Buch kaum Platz für etwas anderes als für endlose Küsse, und das hat mich letztlich ein bisschen enttäuscht.

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Die Unberührten von Pamela Erens ist erschienen bei C. H. Beck (ISBN 978-3-406-67543-0, 297 Seiten, 19,95 Euro).

0 Comments

  1. Diese Enthaltungsgeschichten kommen irgendwie immer aus Amerika 😉
    Ich bin mittlerweile auch aus dem, im Buch thematisierten, Alter raus und auch wenn das Cover so schön ist, dass ich es im Buchladen wohl nicht liegen lassen könnte, habe ich keine große Lust mich noch einmal in diese Welt zu begeben. Zumal du wenig begeistert klingst.
    Ich hab übrigens auch gerade ein Buch mit dem Titel „die Unberührte“ gelesen, von Virginie Despentes. (Was für ein lustiger Zufall.) Da geht es aber weitaus weniger zahm zu 😉
    LG, Katarina :)

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