Bücherwurmloch

Mein SuB ist wie eine Schachtel Pralinen

IMG_0711Ich weiß nie, was ich kriege.
Meine Planlosigkeit ist hier, in meinem Umfeld, legendär. Ich schaffe es nie, mir was zu essen mit in die Agentur zu nehmen, ich denke zwei Tage vor einer 30er-Feier über Spiele und Deko nach, ich besorge erst dann die Abschiedsgeschenke für die Kindergartentanten, wenn die schon in den Sommerferien sind. Und genauso gut vorbereitet lese ich auch Bücher. Falls ihr euch jetzt fragt, wie ich das meine: Mir passiert es immer wieder, dass ich während der Lektüre total überrascht davon bin, worum es da eigentlich geht. Das liegt daran, dass ich bei der Wahl meiner Bücher ziemlich willkürlich bin – und vor allem überaus vergesslich. Wenn ein Roman mich interessiert, lege ich ihn auf die Wunschliste, und bis ich ihn dann lese, kann viel Zeit vergehen. Da hab ich dann keine Ahnung mehr, was mich daran reizte. Außerdem beschäftige ich mich im Vorfeld überhaupt nicht mit einem Buch, ich lese keine Rezensionen bzw. überfliege sie nur, ich recherchiere nicht über den Autor oder sonstwas.

Kürzlich hab ich Ein Pakt fürs Leben von Fabio Stassi gelesen und dachte erst mal: Wie bitte, Charlie Chaplin?! Dabei ist der ja sogar vorn auf dem Cover. Dass Neil Gaimans Ozean am Ende der Straße so viel Fantasy enthält, hätte mich auch nicht derart verwundern müssen. Und dass ich so dermaßen fassungslos war, als ich kapiert habe, worum sich die Story von Karen Joy Fowlers We are all completely beside ourselves wirklich dreht, ist auch nur dem Umstand geschuldet, dass ich mich an die Besprechung dazu in der New York Times nicht mehr erinnern konnte.

Das sind nur drei Beispiele, so geht es mir andauernd. Vielleicht lacht ihr mich jetzt aus oder denkt euch – wie ich hoffe –, dass mich das auch ein klein wenig sympathisch macht. Und dass ich dank meiner Planlosigkeit mehr Spannung und Spaß im Leben habe.

Aber nun sagt mir: Wie ist das bei euch? Ist euch bei jedem Roman klar, worauf ihr euch da eingelassen habt, oder seid ihr auch manchmal so vor den Kopf gestoßen wie ich? Ich spreche nicht vom Handlungsverlauf oder verblüffenden Wendungen, sondern von so was wie dass ihr die Bibel in die Hand nehmt und euch erst mal verwundert am Kopf kratzt: Wie jetzt, Gott?

Mit einem ironischen Augenzwinkern von
Mariki

P. S.: Bevor ihr euch jetzt Sorgen macht, lasst euch versichern, dass meine Kinder immer tipptopp versorgt werden, pipifeines Butterbrot in der Früh, saubere Unterhosen, pünktliches Erscheinen bei Spieldates. Und der Inhalt von Räuber Hotzenplotz oder Grüffelo überrascht mich keineswegs.

0 Comments

  1. Aber natürlich, geht mir auch so, bin ich ja sehr offen und quer durch den Gemüsegarten interessiert, bei der Auswahl stolpere ich dann vor allem über den Namen, kenne ich den Autor, die Autorin, bin ich interessiert, auch das Cover interessiert mich manchmal, wenn ich sonst gar nichts weiß. Rezensionen les ich auch sehr wenig, von den großen, die in der „Presse“ oder in der „FAZ“ erscheinen, wo der Rezensent, dann alles besser weiß und manchmal sehr überheblich über Buch und Autor hinweggeht, war ich auch schon sehr verärgert, so daß ich mich da gar nicht orientiere.
    Was ich aber brauche sind Informationen über den Autor, wenn ich die nicht habe, wie das bei den ganz alten Büchern manchmal so ist, geht es mir auch nicht so gut und ich lege sie dann weg, wie mir das bei Ulrich Becher einmal passiert, zum Glück gibts aber jetzt Internet und Neuauflagen und so ist es mir passiert, daß ich jetzt „Kurz vor 4“ in der Neuauflage habe, da nur die Biografie las, nachdem der Verleger, meinen Blogbeitrag fand, dann von mir Briefe haben wollte, die allerdings schon längst veröffentlicht waren.
    Und weil ich mich an den Autorennamen orientiere, kann es auch passieren, daß ich den Namen „Nadas“ lese, das Buch aus der Wühlkiste nehme und zu Hause daraufkommen, das sind Stücke und die les ich gar nicht gern, bei Erzählungen ist mir das auch schon passiert

    Reply
      1. Für mich ist die Antwort ja, weiterlesen, inwischen auch Erzählungen, bei den Stücken bleibe ich vorsichtig und nehme die eher nicht, ich bin aber eine, die von einem Leser möglichst alles lesen will und sich freut, wenn sie einen unbekannten Erstling, etc findet.

        Reply
  2. packingbooksfromboxes

    Ich kenne das auch 😀 was Dinge, die mit anderen Menschen zutun haben oder die Arbeit angeht, eigentlich ganz gut organisiert, aber wenn es um meinen ganz persönlichen Dunstkreis geht, kanns manchmal kaum chaotischer sein 😉 (die spontanen Ideen sind immer die besten!)
    Obwohl ich mir vorgenommen habe, meine Wunschliste mal kräftig zu überarbeiten, weil manche Titel da vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß ihr Dasein fristen (nahm grad letzte Woche einen Gedichtband von E.E. Cummings zur Hand, der seit Urzeiten auf besagter Liste stand und zweifelte an meiner geistigen Kompetenz – wie bitte ist das auf deine Wunschliste gekommen??), aber bei Titeln, die ich von meinem SuB picke, gucke ich mir oft nicht noch einmal den Klappentext oder ähnliches an, einfach um mich überraschen zu lassen :) .
    Liebe Grüße!

    Reply
  3. Langsatz

    Unvoreingenommenheit ist doch immer gut – im besten Falle guck ich auch nicht das Autorenfoto an, bevor das Buch zu Ende ist. Da muss das Buch aber sehr gut sein, sonst bin ich zu Betrachtungen verleitet…

    Reply
    1. Mariki Author

      Oh! Das hab ich früher auch so gemacht. Inzwischen betrachte ich das Autorenfoto immer schon in der Vorschau ganz genau. Es spielt jetzt für mich eine Rolle bei der Entscheidung, ob ich das Buch lesen will…was wirklich absurd ist.

      Reply
  4. Geht mir exakt genau so. Ich meide Rezensionen bevor ich ein Buch gelesen habe und entscheide mich für Bücher meist weil ich entweder den Autor mag oder weil mich der Klappentext anspricht. Selten weiß ich so wirklich, auf was ich mich einlasse. Bei dem Fowler-Buch war ich daher auch ebenfalls sehr überrascht. Und wenn ich ausgelesen habe, stürze ich mich auf die Rezensionen und alles was ich an Background-Info in die Finger kriege :) LG, Nora (backtobook.de)

    Reply
    1. Mariki Author

      Oh danke für deinen Kommentar! Jetzt fühl ich mich nicht mehr so allein auf weiter Flur 😉
      Bei Fowler macht diese Überraschung aber auch einen Großteil des Lesevergnügens aus. Fandest du das Buch auch so gut?
      Oft aber, wenn mir ein Buch nicht gefallen hat und ich nachher lauter schlechte Kritiken finde, denke ich mir schon: Hättest du halt mal vorher geschaut…

      Reply
  5. laura

    Ich weiß eigentlich immer ziemlich genau, worauf ich mich da einlasse, selbst wenn das Buch schon laaaannnngeee auf meinem Stapel steht… das liegt schlicht daran, dass ich mir vor der Lektüre immer genau überlege, ob das Buch grad zu meiner momentanen Stimmung etc passt… Wenn ich eine völlig andere Erwartungshaltung an ein Buch hatte und es mich thematisch völlig überrumpeln sollte, les ich oft nicht weiter. Das mag langweilig klingen, aber ich glaube, dass es für jede Zeit das richtige Buch gibt und irgendwie lass ich mich in der Hinsicht ungern überraschen… Ich glaube also, der Überraschungseffekt liegt vor allem darin begründet, aus welchen Motiven man in dem Moment zu einem Buch greift, bzw ob man überhaupt darüber nachdenkt. Würdest du denn sagen, dass deine Auswahl für ein Buch wirklich komplett willkürlich abläuft?

    Reply
    1. Mariki Author

      Das versteh ich gut! Bei den Rezensionsexemplaren, die ich zeitnah lesen muss, weiß ich meistens, worum es geht, weil ich sie mir ja erst kurz davor ausgesucht habe. Die Bücher dagegen, die auf dem SuB vor sich hinmodern, kommen oft aus total willkürlichen Gründen überhaupt erst zu mir – zum Beispiel kaufe ich sie, weil mir der Titel gefällt oder weil ich irgendwo mal in einem Blog das Cover gesehen habe. Da weiß ich oft schon beim Kauf nicht genau, was ich mir da ins Haus hole. Und wo ich es weiß, vergesse ich es über die Monate, bis ich das Buch dann aus dem Regal ziehe – auch das geschieht nach dem Zufallsprinzip.

      Reply

Kommentar verfassen