Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

René Freund: Liebe unter Fischen

FreundHallali!
Fred Firneis schreibt Gedichte. Das wäre an sich ja noch nichts Besonderes, aber: Diese Gedichte verkaufen sich richtig gut, und das ist selten. Deshalb ist Fred das Steckenpferd von Susanne Beckman, deren kleiner Verlag fast insolvent ist. Sie braucht ein neues Buch von ihrem Lyrikstar, um den Verlag zu retten. Allein: Der Künstler ist völlig blockiert, schreibt nicht, sondern trinkt, raucht und leidet. Also verfrachtet Susanne Fred in eine einsame Hütte an einem österreichischen Bergsee, wo sich bald das Erhoffte einstellt: Fred bekommt Abstand und kann wieder klarer denken. Er lernt den witzigen Bergfex August kennen, der ihn mit Lebensmitteln und Lebensweisheiten versorgt. Und dann taucht plötzlich die attraktive Mara auf, die ihn endültig aus seiner Lethargie reißt. Doch noch bevor aus den aufkeimenden Gefühlen mehr werden kann, ist Mara auf einmal verschwunden …

Ach! Was für ein wunderbar heiteres Buch. René Freund hat sich eine klassische Situation geschnappt – ein alternder Künstler findet frischen Lebensmut durch eine neue Liebe – und daraus einen amüsanten Roman mit schönem Berliner sowie österreichischem Lokalkolorit gemacht. Es wird getrunken und gelogen, gejodelt und gelacht: Dies ist ein Buch über die Lebensfreude, und zwar umso mehr, weil es von einem handelt, der genau die verloren hat. René Freund verpflanzt seinen Helden in die österreichische Einöde, wirft ihn zurück auf sich selbst, gibt ihm neue Einsichten und Zuversicht. Das zu lesen, ist aufbauend, motivierend und lustig. Susanne, Fred, Mara und August verstricken sich in ein klassisches Doppeltes-Spiel-Komplott, das ganz leicht und seicht ist und genau deshalb Spaß macht. Liebe unter Fischen ist wie eine Luftmatratze: Es geht auch ohne. Aber es ist herrlich erholsam.

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Liebe unter Fischen von René Freund ist erschienen im Deuticke Verlag (ISBN 978-3-552-06209-2, 208 Seiten, 18,40 Euro).

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